Exodus: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Exodus: Roman' von Leon Uris
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Exodus: Roman"

Millionen von Lesern wurden durch diesen i viele Sprachen übersetzte Romanzum ersten Mal mit der größten Tragödie unseres Jahrhunderts konfrontiert.Dem Autor ist es gelungen, die sich überstürzenden Ereignisse vor und nachdem Zweiten Weltkrieg mit Leben zu füllen Er erzählt die Geschichte eineramerikanischen Krankenschwester, eines jüdischen Freiheitkämpfers und zahlreicherweiterer Menschen, die hineingerissen werden in den schicksalhaften Kampfeines Volkes um Freiheit und Eigenständigkeit.

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:848
Verlag: Heyne Verlag
EAN:9783453138346

Rezensionen zu "Exodus: Roman"

  1. Es ist und bleibt kompliziert.

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 07. Mär 2021 

    Und mit jedem Versuch der Konfliktlösung, tritt man garantiert wieder Anderen auf die Füße, die man nicht auf dem Schirm hatte. Partei zu ergreifen fällt schwer, insbesondere, wenn sich herausstellt, dass die Geschichte, die ich gerade gelesen habe, doch sehr einseitig erzählt ist.
    In Leon Uris Exodus, mit seinen 5 Büchern und 2 Erzählsträngen wird zum einen die Geschichte vom ehemaligen amerikanischen Vergnügungsschiff erzählt, das vom jüdischen Geheimdienst 1946 gekauft zum Flüchtlingsschiff Exodus umgebaut und schließlich zur Flucht von jüdischen Waisenkindern aus zyprischen DP-Lagern (DP - displaced persons - Kriegsflüchtlinge) in das britische Mandatsgebiet Palästina benutzt wurde. Die Engländer, den Arabern in militärischer und wirtschaftlicher Hinsicht verpflichtet, versuchten mit allen Mitteln die Einwanderung der Juden nach Palästina zu verhindern. Eine spannende Geschichte, die tatsächlich fast (die Exodus startete in Marseille, Frankreich) so stattfand, und bei der ich entsetzt war, wie hartherzig die Entscheidungen fielen, wie erstaunlich der Wille der gebrochenen Vertriebenen anmuteten und wie beiläufig Tote in Kauf genommen wurden.
    Zum anderen lesen wir von den Anfängen des Staates Israel, den unbedingten Willen der Emigranten, das Land zu besetzen, fruchtbar zu machen und zu verteidigen, von der "List" der Briten, ihr "Ärgernis" im Mandatsgebiet der UNO vorzutragen, um schließlich eine Abstimmung zu erzwingen, die zwar den Juden das Recht auf einen Staat zubilligten, gleichzeitig aber wenig Hilfestellung boten, sich der zu Recht wütenden Nachbarn zu erwehren.
    Es ist kompliziert, und ich rechne es Uris hoch an, dass er zumindest den Versuch gestartet hat, alle Parteien mit ihren verschiedenen Neigungen und Zielen aufzuzählen. Ich habe mir mehrere Seiten im Buch markiert, wo dies auch sehr gut erklärt und auseinandergepflückt wird. Ich lernte, wie der Irak und Syrien entstand, wieviel unterschiedliche Interessensgemeinschaften es auch innerhalb der jüdischen Gemeinschaft gab und wie sich die Streitparteien im Laufe der Zeit änderten, Allianzen zerbrachen und neue entstanden.
    Zusammengehalten wird die Geschichte von ein paar Protagonisten, heldenhaften Gründerfamilien auf der jüdischen Seite, einer hilfsbereiten Christin, arabischen Freunden, die sich aber dann doch nicht erweichen lassen, britischen Freunden und Feinden und (wie sollte es anders sein) zwei unerfüllten Liebesgeschichten, gefangen zwischen Pflicht und Leidenschaft.
    Den kräftezehrenden Kampf um Israel, die Leidensgeschichten der Juden, das alles konnte ich sehr gut mitfühlen und akzeptieren, bis zu dem Punkt (ich weiß ihn gar nicht mal exakt zu benennen), wo mir das Araber- und Briten-Bashing bitter aufstieß. Alles was die Juden taten, ihre Interessen vertreten und töten, hatte seinen guten Grund und wurde mit viel Cleverness vollzogen. Alles was die Araber taten, Interessen vertreten und töten, war einfach nur brutal und primitiv. Dieser Ton hat mir die ansonsten sehr aufschlussreiche Lektüre doch ein Stück weit versalzen. Trotzdem möchte ich eine klare Leseempfehlung aussprechen, aber mit dem Hinweis, dass der Sieger die Geschichte schreibt.

  1. Ein Buch, ein Film und eine

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 21. Sep 2014 

    Es ist Jahre her, da sah ich im Fernsehen einen historischen Film mit Paul Newman in der Hauptrolle. Die Geschichte handelte von einem Schiff, welches mit 300 Juden von Zypern nach Palästina fährt. Die Juden, Männer, Frauen und Kinder kamen aus Internierungslagern aus Zypern. Es ist das Jahr 1946. Nach einem Hungerstreik gestatten die Briten das Auslaufen nach Palästina, in ihr Mandatsgebiet… Das Schiff heißt EXODUS.
    Die Geschichte ist wahr, wenn auch nicht so ganz wie im Roman von Leon Uris erzählt. Diesen fand ich 2007 im Bücherschrank bei Verwandten und begann darin zu lesen.
    Es ist die Geschichte der US-Amerikanerin Kitty Freemont, die im Jahr 1946 nach Zypern kommt. Über den Kommandeur der britischen Streitkräfte Brigadier General Sutherland kommt sie mit den Internierungslagern in Berührung, in denen die Briten Juden aus den europäischen Ländern gefangen halten, denn die Einwanderung nach Palästina so mindestens gedrosselt werden. Hier stößt Kitty auf Ari ben Kanaan, einen Sabre und Sohn eines um die Jahrhundertwende eingewanderten ukrainischen Juden namens Rabinowitz…
    Kitty wird auf ein Mädchen aufmerksam, welches sich um jüngere Kinder kümmert und auf der Suche nach ihrem Vater ist, der sich in Palästina befinden soll. Karen Clement Hansen wurde als achtjähriges Mädchen nach Dänemark geschickt und überlebte den Krieg dank der Pflegeeltern Hansen. Ein klein wenig älter ist Dov Landau, ein Junge aus dem Warschauer Getto, der im Konzentrationslager Ausschwitz im Sonderkommando arbeitete und dort befreit wurde…
    Ari besorgt Lastwagen in der Uniform der „SMJTZ“ (Seiner Majestät jüdische Truppen auf Zypern – ironische Bezeichnung der Agenten der Aliyah Beth) und bringt 300 Kinder auf einen alten Dampfer, der dann EXODUS genannt wird nach der biblischen Geschichte des Auszuges aus Ägypten.
    Nach einem Hungerstreik und weltweitem Protest lassen die Briten das Schiff nach Palästina auslaufen. Kitty, die Karen gern adoptieren will, kommen nach GAN DAFNA, einem kibbuzähnlichen Jugendcamp im Huletal, im Norden Israels. Dov schließt sich später den Makkabäern (IRGUN) an, einer jüdischen Terrororganisation, die gegen die Briten kämpft um einen jüdischen Staat in Palästina zu ermöglichen…
    Im Huhletal leben die die Araber von Abu Yecha mit den Juden in YAT EL friedlich zusammen, Taha, der Muktar von Abu Yecha ist mit Ari gemeinsam aufgewachsen…
    Als die UNO in ihrer Resolution von 1947 für die Teilung Palästinas stimmt, kommt es zu Kämpfen zwischen Arabern und Juden, als Ben Gurion 1948 den Staat Israel proklamiert, zum Krieg…
    * * *
    Die Geschichte von Leon Uris aus dem Jahr 1958 wurde bereits im Jahr 1960 verfilmt. Seit einigen Jahren war so etwas wie Frieden in Israel, ich glaube, dies hatte bestimmten Einfluss auf die Geschichte, denn so konzentrierte man sich auf den Erfolg eines Staates, der ganz offensichtlich war. Bis auf die Araber in Abu Yecha kommen kaum Muslime vor.
    Der Film illustriert den Roman hervorragend, allerdings entspricht er nicht voll der Handlung. So sind im Film auf der EXODUS hunderte von Menschen aller Alterklassen vorhanden, statt Kinder. Im Film endet die Geschichte mit dem Angriff der Araber nach der Auszählung der UNO.
    Aber schon die reale Geschichte der EXODUS verläuft anders, denn sie fuhr von Marseilles nach Palästina mit 4515 jüdischen Flüchtlingen und der eigentliche Skandal bestand darin, dass die Briten das Schiff vor der Küste Palästinas aufbrachten, was zu Kämpfen mit einigen Todesopfern führte. Die Briten luden die Flüchtlinge bis auf die Verletzten um und fuhren nach Europa zurück. Einige kamen in Frankreich an Land. Ausgerechnet in Hamburg wurden die Flüchtlinge in Lager gesperrt. Der internationale Protest verursachte, dass nach vier Wochen die britischen Bewacher abzogen.
    Aus heutiger Sicht mag der Film allerdings weit überholt sein. Der Konflikt, zwischen Arabern und Juden schwelte wohl schon immer, auch angefacht durch die britische Mandatspolitik nach der Balfour – Deklaration 1917. Der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al Husseini hatte zwar Kontakte zum nationalsozialistischem Deutschland, aber der sofort nach der Staatsgründung Israels einsetzende Krieg war nicht alleine durch diesen und durch ehemalige Nazis begonnen wurden, die umliegenden arabischen Länder, vor allem Transjordanien und auch Ägypten wollten die Bildung eines jüdischen Staates verhindern.
    * * *
    Mehr als der Film vermag der Roman Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel die von den Brüdern Rabinowitz, die nach Palästina aus der Ukraine auswandern. Barack und Akiba nennen sie sich später. Ersterer wird für die Jewish Agancy aktiv, der andere andere allerdings tritt in die IRGUN ein und bekämpft dann die Britten mit terroristischen Mitteln.
    Die Geschichte der Karen Clement Hansen wird ebenfalls sehr ausführlich erzählt und öffnet den Blick für die Verhältnisse in Dänemark nach der deutschen Besetzung.
    Dov Landaus Geschichte im Warschauer Getto und im Konzentrationslager sowie seine Entwicklung zum Offizier in der IDF ist bezeichnend für den Mythos um die Staatsgründung und die Menschen, die den neuen Staat verteidigten.
    Die Schwierigkeiten zwischen den Arabern und den Juden, welche ja bereits seit Jahrzehnten das Land urbar machten und Kibbuze und Moschavs gründeten, werden anhand des Verhältnisses von Abu Yecha und Yat El erzählt.
    * * *
    Der Roman ist einer, welcher seine Aktualität natürlich vor allem wegen des immer weiter schwelenden Konfliktes zwischen Palästinensern und Israelis nicht verlieren kann. Die Figuren sind auch in ihrer Widersprüchlichkeit sehr interessant und auch liebenswert. Das Brüderpaar Barack und Akiba, Demokrat der eine, Terrorist letztlich der andere. Die nach außen zur Schau gestellte Härte eines Ari Ben Kanaans und sein Einsatz für dieses Land, und die Unschlüssigkeit der Kitty Freemont in ihrer Haltung zu den Juden allgemein und den ihr bekannten im besonderen sind handlungsforttreibend, beide sind hierin auch ein Paar und das nicht nur als Hauptfiguren. Hinzu kommen Karen, die Sanfte, musische und hilfsbereite und der zornige, alle Menschen um ihn rum ablehnende Dov, sie verkörpern die nachfolgende Generation.
    * * *
    Leon Uris, geboren 1924 in Baltimore, gestorben 2003 in Shelter Island war der Sohn einer jüdischen polnischen Immigrantenfamilie. Er kämpfte im United States Marine Corps im Pazifik. Die Anregungen zu EXODUS erhielt er wohl als Korrespondent in Israel. Uris schrieb mehrere Palästina-Romane. Zum Beispiel:
    • Mila 18, Roman, der die Geschichte des Aufstands im Warschauer Ghetto schildert (1961)
    • QB VII, Gerichtsdrama vor dem Hintergrund des Holocaust (1970)
    • Jerusalem Lied der Lieder (Jerusalem Song Of Songs) Bildband mit Jill Uris (1981)
    • Haddsch (The Haj), Roman, der das Leben in Palästina in der ersten Hälfte des 20 Jh. Beschreibt (1984)
    • Mitla Pass, Roman um den israelischen Sinaifeldzug 1956 (1988)