Euphoria: Roman

Rezensionen zu "Euphoria: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Feb 2019 

    Ménage à trois

    Ja, auch dieses Buch möchte ich als ein Jahreshighlight bezeichnen. "Euphoria" von Lily King beinhaltet gleich mehrere Gesichtspunkte, die es für mich unvergesslich machen. Da haben wir einmal die Ethnologie, ein Hobby von mir und in dem Buch die Beschreibung der Arbeit der Ethnologen und die Situation, in der sie stecken. Hut ab. Würde ich nicht können. Dafür liebe ich die Segnungen der Zivilisation zu sehr. Andererseits haben wir das Thema der Beleuchtung einer fremden Kultur und diese Sicht aus den verschiedenen Betrachtungsweisen der beiden Geschlechter. Interessant und stichhaltig. Manches wird ein Forscher/eine Forscherin vom jeweils anderen Geschlecht nie erfahren. Und dann noch das Thema der drei Hauptpersonen untereinander. Wow. Gut umgesetzt das Ganze.

    Zum Inhalt: Die beiden amerikanischen Ethnologen Nell Stone und ihr Mann Schuyler Fenwick sind von einer Feldforschung bei einem Stamm in Neuguinea zurück auf dem Weg in die Zivilisation, um nach einer kurzen Erholung nach Australien zu den Aborigines zu gehen. In dem kleinen Ort Angoram treffen sie auf einen anderen Ethnologen, den Briten Andrew Bankson, der sie überredet/überzeugt noch eine Weile zu bleiben und bei einem interessanten Stamm zu forschen. Nicht ohne Eigennutz natürlich. Der depressive Europäer lebt seit längerer Zeit bei einem Stamm, sieht keine Möglichkeit mehr seine Arbeit bei diesem Stamm zu optimieren, sieht sich selbst schon als inkompetent, ist geplagt von Selbstzweifeln und dazu kommen noch Traumata aus der Vergangenheit und erschweren zusätzlich noch das Ganze. Ich denke auch, in einer Situation mit mangelnder Kommunikation mit anderen, bedingt durch eine Sprachbarriere, wird man sehr auf sich selbst zurückgeworfen. Andrew Bankson erhofft sich durch die Beiden neue Impulse. Die natürlich auch kommen. Sehr interessant und feinsinnig empfand ich die Betrachtung fremder Kulturen, die sich in den Gesprächen der Ethnologen entwickeln. Und auch das Betrachten der eigenen Blickwinkel, der eigenen Situationen. Und auch die unterschiedliche Betrachtung fremder Kulturen durch die Verschiedenheit der Menschen untereinander, sondern auch durch die Unterschiede der Geschlechter. Ebenso interessant ist das Verhältnis der Ethnologen untereinander, der Austausch der Meinungen, die Stellung in der Gruppe, die Machtverhältnisse und schlussendlich die Annäherung zwischen Nell Stone und Andrew Bankson, etwas was in so einer Situation voller Anspannungen nur allzu menschlich ist. Zumindest in meinen Augen. Und auch diese Geschichte wird gut erzählt.

    Lily King verarbeitet reale Ereignisse von Margaret Mead in diesem Roman. Und das in meinen Augen sehr gut und interessant.

    Bitte unbedingt lesen.