Engelskalt: Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'Engelskalt: Thriller' von Samuel Bjørk
4.6
4.6 von 5 (5 Bewertungen)

Ein Spaziergänger findet im norwegischen Wald ein totes Mädchen, das mit einem Springseil an einem Baum aufgehängt wurde und ein Schild um den Hals trägt: „Ich reise allein.“ Kommissar Holger Munch beschließt, sich der Hilfe seiner Kollegin Mia Krüger zu versichern, deren Spürsinn unschlagbar ist. Er reist auf die Insel Hitra, um sie abzuholen. Was Munch nicht weiß: Mia hat sich dorthin zurückgezogen, um sich umzubringen. Doch als sie die Bilder des toten Mädchens sieht, entdeckt sie ein Detail, das bisher übersehen wurde – und das darauf schließen lässt, dass es nicht bei dem einen Opfer bleiben wird ...


Format:Broschiert
Seiten:544
EAN:9783442482252

Rezensionen zu "Engelskalt: Thriller"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Jun 2015 

    Es muss nicht immer blutig sein

    Inhalt:
    Im Wald findet ein Spaziergänger die Leiche eines kleinen Mädchens. Sie ist mit einem Seil an einem Baum geknüpft und hat das Schild um den Hals mit den Worten: "Ich reise allein" Die Ermittler Holger Munch und Mia Krüger werden auf den Fall angesetzt und geraten tiefer rein als Ihnen lieb ist.

    Meine Meinung:
    Engelskalt machte mich durch Titel und Cover neugierig. Der Rückentext sorgte dafür das die Neugier stieg und so wollte ich das Buch über die getöteten Mädchen lesen.

    Es ist ein Thriller der recht ruhig und verhalten anfängt. Aufgeteilt in mehreren Teilen geht es im ersten Teil zunächst um das erste gefundene Mädchen doch recht schnell dann um die beiden Ermittler. Der Autor nutzt die Seiten um beide, im Wesen und auch mit ihrer momentanen Situation, ausführlich Vorzustellen. Das mutet zunächst langweilig an. Ist es aber durch den Wechsel der Personen und auch durch einstreuen anderer Ereignisse gar nicht. Es bleibt erstaunlicherweise recht interessant auch wenn es gewiss Momente gab wo es für mich hätte langsam losgehen können. Doch auch als das soweit war und das Ermittlerteam gebildet hat kam die Spannung nur verhalten und eher ruhig.

    Für alle die es nicht blutig mögen sei gesagt das auf die Taten nur recht wenig eingegangen wird und es ein total unblutiger Thriller ist. Das macht aber nichts. Die Morde sind so rätselhaft das dies spannend genug ist. Dieser Thriller regt zum denken an, doch ist manchmal so verworren das ich kaum noch mitkam.

    Vor allem bei den Gedankengängen von Mia Krüger. Sie ist eine Expertin was die Aufklärung von Fällen angeht und sollte damit mit ins Team. Sie trägt jedoch soviel privaten Ballast mit sich rum das sie nicht immer bei der Sache und auch nicht immer auf der Höhe ist. Trotzdem macht sie ihren Job relativ gut. allerdings passieren Fehler die die Ermittler in die Irre leiten. Als Person fand ich Mia Krüger zeitweise anstrengend und doch war sie mir überwiegend sympathisch.
    Holger Munch war dies von Beginn an. Er hat etwas Fürsorgliches. Auch er hat sein Päckchen zu tragen, doch das empfand ich als nicht so präsent wie bei Mia. Holger Munch hat den Riecher für gute Teammitglieder was er bei Mia und auch bei dem Hacker Gabriel beweist.
    Viel mehr lernte man von dem Ermittlerteam nicht kennen. Die meisten Ermittler bleiben blass. Vielleicht ändert sich das sollte der Autor noch einen weiteren Band schreiben.

    Am Ende ist die Auflösung überraschend und für mich vollkommen nachvollziehbar. So gehe ich mit einem guten Gefühl aus diesem Buch und empfehle es gerne weiter an Thriller-Leser die nicht immer Blut brauchen um sich unterhalten zu fühlen.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Mai 2015 

    Kein schlechtes Thriller-Debüt...

    Es sieht aus wie ein Engel,
    das tote Mädchen,
    das an einem Baum im Wald hängt -
    um den Hals ein Schild:
    ICH REISE ALLEIN

    Doch allein wird es nicht bleiben...

    Eigentlich gab es die Osloer Spezialeinheit nicht mehr, seit es von einger Zeit einen unschönen Vorfall gegeben hat. Doch nun wird das alte Team um Kommissar Holger Munch eilig zusammengetrommelt, denn bei Kindsmord müssen einfach schnelle Erfolge her. Alle sind beisammen, selbst ein neuer IT-Spezialist ist gefunden, nur eine fehlt noch. Mia Krüger.
    Zurückgezogen hat sich die junge Polizistin, deren Spürsinn in Norwegen legendär ist. Auf einer einsamen Insel betäubt sie ihre Depression nach dem Tod ihrer Zwillingsschwester mit Alkohol und Medikamenten, lebt nur noch auf den Tag hin, an dem sie ihren Suizid geplant hat. Als Munch dort auftaucht und ihr gegen ihre Widerstände Fotos vom Tatort vorlegt, erkennt sie, was niemand sonst gesehen hat. Es wird nicht bei dem einen Opfer bleiben...

    Schneller als erwartet wird auch tatsächlich ein zweites totes Mädchen gefunden, wie bereits das erste in Puppenkleider gehüllt am Baum hängend, mit einer Schultasche auf dem Rücken und einem Schild um den Hals: 'Ich reise allein'. Und deutlich ist: die Ermittler müssen schnell sein, um weitere Todesfälle zu verhindern. Doch immer, wenn sie einen Zipfel neuer Erkenntnisse zu greifen meinen, geschieht wieder etwas Neues, der Täter treibt das Spiel voran. Wie beim Schach plant der Täter die Züge der Ermittler offensichtlich im Vorfeld ein, ist ihnen aber stets um einige Züge voraus. Eine hoffnungslose Partie?

    Samuel Bjørk erfindet hier das Rad nicht neu mit seinem Thriller-Debüt, setzt aber doch andere Schwerpunkte. Statt viele Einblicke in die Ermittlungsarbeit zu bieten, bleibt er schwerpunktmäßig eng bei den Personen Holger Munch und Mia Krüger. Dabei lässt er sich Zeit bei der Darstellung der persönlichen Verhältnisse und Befindlichkeiten der beiden, so dass sich für den Leser schon bald plastische Charaktere herausbilden.
    Holger Munch, der Leiter der Spezialeinheit, übergewichtig, extremer Raucher, 54 und privat eher einsam - allein seine Enkelin Marion vermag seine Tage zu erhellen. Und Mia Krüger, 'Mia Mondstrahl', weil immer schon eine kleine Indianerin in ihr steckte, schwer depressiv, lebensmüde, alkohol- und tablettensüchtig, vollkommen auf sich zurückgeworfen, beruflich aber mit einer ungeheuren Beobachtungsgabe und Intuition ausgestattet, die sie zu einem unverzichtbaren Teil der Spezialeinheit macht.

    Vielleicht bemüht Samuel Bjørk ein paar Themen zu viel in diesem Debüt. Klar ist, weshalb er diese Vielzahl einsetzt: Verwirrung, die Frage nach Zusammenhängen, die Atemlosigkeit der Ermittler. Aber auf die Art kann der Autor manchem Thema nicht so gerecht werden, wie es das ansonsten verdient hätte. Psychische Erkrankungen, Kindesentführung, Mord, Sekten, Drogenmissbrauch, Kindesmisshandlung und -vernachlässigung, Selbstjustiz, Rache... Alles Themen, die teilweise eines eigenen Thrillers wert wären, in dem Konglomerat gehen sie teilweise leider eher unter...
    Auch die Vielzahl an psychischen Erkrankungen und teilweise auch das Strapazieren von Kommissar Zufall sind für mich hier manchmal des Guten ein wenig zu viel.

    Die Kritikpunkte sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier um einen durchaus unterhaltsamen Thriller handelt, flüssig geschrieben, verwirrend in den zahlreichen parallelen Handlungssträngen, trotz mancher Vorhersehbarkeit auch in die Irre führend und nicht zuletzt mit interessanten Charakteren.
    Der Beginn einer Reihe, wie ich lesen konnte. Und gerne würde ich auch die weiteren Fälle der Sondereinheit um Holger Munch und Mia Krüger verfolgen, denn dieses Debüt verspricht in jedem Fall eines: Potential.

    © Parden

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 15. Mai 2015 

    Ich reise allein

    Es gab eine Sache, die mir fast von Anfang an klar war. Ich wusste, dass etwas ganz Bestimmtes früher oder später passieren würde - und als es dann tatsächlich passierte, wollte ich mich schon darüber ärgern, dass der Autor es mir so einfach machte... Tja. Reingefallen, nach allen Regeln der Kunst! Bis ganz zum Schluss hat mich Samuel Bjørk immer wieder auf falsche Fährten geführt, und ich wäre nie, nie, niemals darauf gekommen, wie die ganzen Hinweise und widersprüchlichen Informationen zusammenpassen. Deswegen blieb das Buch für mich auch bis zum letzten Kapitel spannend und konnte mich immer wieder überraschen.

    Aber vor allem lebte es für mich von seinen Charakteren, lebte und atmete sozusagen durch sie.

    Da haben wir den Kommissar der Mordkommission, Holger Munk, der sich selber als dicken, sympathischen Nerd beschreibt, der klassische Musik, Mathematik und Schach liebt und grundsätzlich keinen Alkohol anrührt. Er hat eine gebrechliche Mutter im Pflegeheim, die auf ihre alten Tage noch religiös wird, eine zornige Tochter, die ihm die Scheidung ihrer Eltern nie verziehen hat (obwohl die Mutter ihn betrogen hat und nicht umgekehrt), und eine kleine Enkelin, die er sehr liebt und nach Strich und Faden verwöhnt.

    Ihm zur Seite steht Mia Krüger, das kriminologische Wunderkind, der Superstar der Mordermittlung. Sie weiß ganz intuitiv, wie die Dinge zusammenhängen, wie die Menschen ticken. Sie sieht die Querverbindungen, die andere nicht erkennen. Aber sie ist auch psychisch krank und selbstmordgefährdet, trinkt zu viel und nimmt wahllos Tabletten. Seit einer persönlichen Tragödie fühlt sie sich schuldig dafür, dass sie noch lebt. Eigentlich hatte sie nicht vor, jemals wieder zu ermitteln, aber der Fall spricht zu ihr und sie kann sich ihrer Verantwortung nicht entziehen...

    Ich fand die Freundschaft zwischen Mia und Holger unglaublich rührend. Die beiden sind in vielen Dingen so unterschiedlich, wie man nur sein kann, aber auf einer ganz elementaren Ebene verstehen sie sich einfach und bedeuten sich sehr viel.

    Auch die anderen Charaktere haben mir gut gefallen; sie sind alle sehr lebendig. Keiner ist wie der andere, jeder hat seine komplexe Hintergrundgeschichte, und doch sind sie alle miteinander irgendwie vernetzt und verwoben. Der Autor lässt auch die Menschen am Rand des Geschehens immer mal wieder ins Rampenlicht treten und mit sorgfältig ausgewählten Details zum Leben erwachen. Nötig für die Geschichte? Vielleicht nicht. Aber dadurch wirkte sie für mich wie direkt aus dem Leben gegriffen.

    Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Er liest sich unterhaltsam und flüssig, hat dabei aber etwas ganz Außergewöhnliches, denn dem Autor gelingt eine interessante Mischung: die Geschichte wird in der dritten Person erzählt, und dennoch bleibt der Schreibstil ganz nah dran an den Gedanken der jeweiligen Charaktere, unverfälscht und authentisch.

    Da wiederholt sich schon mal etwas oder wirkt unbeholfen formuliert, denn ein Mensch denkt nun mal nicht immer druckreif. Aber das wirkte auf mich echt und lebensnah, und es gab den verschiedenen Charakteren ihre ureigene Stimme.

    Wenn wir Mia folgen, dann wird der Schreibstil oft abgehackt, abstrus, chaotisch - denn so funktioniert ihre Gabe: sie lässt sich mitreißen vom Strom ihrer Gedanken und wartet ab, wohin er sie trägt.

    "Sie war jetzt weit weg. Tief drinnen. Die Stadt gab es nicht. Das Justisen gab es nicht. Den Tisch gab es nicht. Das Bier gab es nicht. Springseil, ja. Schultaschen, ja. Puppenkleider, ja. Narkose, ja. Schweineblut, nein, unecht. Bye, bye, birdie, nein, nicht wichtig. Who's there?"

    Fazit:
    "Engelskalt" ist zwar nicht der erste Roman des Autors, aber der erste Thriller, und meiner Meinung nach ein mehr als gelungenes Debüt. Samuel Bjørk erweckt seine Charaktere mit einem ungewöhnlichen Schreibstil zum Leben und lässt sie durch eine komplexe Geschichte wandern, die für mich bis zum Schluss spannend und überraschend blieb.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 12. Mai 2015 

    Lasset die Englein zu mir kommen

    Kommissar Holger Munch wird an seine alte Wirkungsstätte zurück gerufen. Nach einem missglückten Einsatz eigentlich in Ungnade gefallen, wird er nun doch gebraucht. Und er will seine alte Mannschaft wieder zusammenhaben. Zu dieser gehört auch die gut dreißigjährige Mia Krüger. Zwar hat sie sich auf eine einsame Insel zurückgezogen, um mit dem Leben abzuschließen. Als sie hört, dass es bei dem neuen Fall um getötete Kinder geht, kleine Mädchen in Puppenkleidern, kann sie nicht anders als sich den Ermittlern anzuschließen. Schnell mehren sich die Anzeichen, dass sie es mit einem Serienmörder zu tun bekommen könnten. Das Team arbeitet auf Hochtouren.

    Zunächst durch eine Mischung aus deutlichen, erschreckenden Szenen und phantasieanregend Ungesagtem fesselt der Autor seine Leser. Für seine Figuren lässt er sich Zeit, fast liebevoll beschreibt er die Ermittler und ihr Umfeld, fast akribisch die Verdächtigen, doch auch zunächst anscheinend Unbeteiligte bekommen ihre Aufmerksamkeit. Aktionsreiche Szenen wechseln sich mit eher nachdenklichen manchmal sogar witzigen und humorvollen Abschnitten ab. Gerade, wenn etwas zu viel zu werden droht oder man etwas zu vermissen beginnt, scheint der Autor ein Gespür dafür zu haben, genau den Wechsel herbeizuführen, den es benötigt, um die Spannung beizubehalten. Geheimnisvolle Hinweise, die Schritt für Schritt durch akribische Ermittlungen und präzise Denkoperation entschlüsselt, lassen einen hochintelligenten Täter vermuten, der alles daran setzt seinen perfiden Plan durchzuführen. So ausgewogen und manchmal überraschend und erfrischen anders sich der Beginn und der Mittelteil gestalten, so doch ein wenig enttäuschend ist die Auflösung, die schließlich recht schnell und nicht ganz so geheimnisumwittert präsentiert wird wie es zunächst zu vermuten oder zu hoffen war.

    Dennoch ein packender Beginn einer neuen Reihe um die außergewöhnlichen Ermittler Holger Munch und Mia Krüger, die durch ihre besonderen Fähigkeiten bestechen und die ihre persönlichen Eigenheiten zu Persönlichkeiten machen, denen man gerne wieder begegnen und an deren Weiterentwicklung man teilhaben möchte.

    Hervorzuheben ist die hervorragende Covergestaltung, die das Buch zu einem Hingucker in jedem Regal macht und die dazu noch ein besonderes haptisches Erlebnis bietet.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Apr 2015 

    Genialer Thriller

    Kurz hintereinander werden zwei sechsjährige Mädchen ermordet, in Puppenkleider gesteckt und an einen Baum gehängt. Die Öffentlichkeit ist entsetzt und die Polizei steht unter großem Druck. Darum entscheidet sich der Ermittlungsleiter Holger Munch, seine zur Zeit beurlaubte Kollegin Mia wieder mit ins Team zu holen. Mit ihrer unkonventionellen Art und ihrem besonderen Blick für Details, konnte sie schon so manchen Fall lösen. Doch was Munch nicht weiß ist, dass sich Mia auf die Insel Hitra zurückgezogen hat, um sich das Leben zu nehmen. Aber Munch hat Glück und Mia ist bereit ihm zu helfen. Und es gibt noch einen neuen im Team, den Hacker Gabriel, der ein Meister seines Fachs ist. Können sie dieses grausame Morden beenden, oder ist ihnen der Killer immer einen Schritt voraus

    Dieser Thriller lebt von seinen tollen Charakteren. Der Autor hat sehr viel Mühe darauf verwendet, seine Personen lebendig und authentisch darzustellen. Alle haben sie einen unverwechselbaren Charakter und ihre Stärken und Schwächen. Sie sind sehr facettenreich und man muss sie einfach alle mögen. In einem Thriller habe ich noch nie so eine tolle Charakterentwicklung erlebt.

    Aber auch der Schreibstil und die Handlung sind aufs Beste erarbeitet. Ich flog förmlich durch die Seiten und wusste bis zum Ende nicht wer der Mörder ist. Der Autor kommt außerdem ohne viel Blutvergießen und brutale Szenen aus und trotzdem hat er es verstanden mich zu schocken. Ich bin wirklich begeistert, wie der Autor das zustande gebracht hat. Ganz großes Kino.

    Weil ich wirklich nichts, aber auch gar nichts negatives finden kann, vergebe ich für "Engelskalt" 5 von 5 Punkte, den Favoritenstatus und eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die gerne spannende Bücher lesen. Ihr werdet es nicht bereuen.

    © Beate Senft