Endgültig

Buchseite und Rezensionen zu 'Endgültig' von Andreas Pflüger
4.4
4.4 von 5 (5 Bewertungen)

In ihrem ersten Leben war Jenny Aaron Mitglied einer international operierenden Elitetruppe der Polizei – hochintelligent, kampferprobt, effektiv. In ihrem zweiten ist sie Verhörspezialistin und Fallanalytikerin beim BKA. Sie spürt das Verborgene und versteht es, zwischen den Worten zu tasten – denn seit einem misslungenen Einsatz in Barcelona ist Aaron blind. Die damaligen Ereignisse haben sie traumatisiert. Doch es war nicht der schlimmste Tag ihres Lebens. Der schlimmste Tag ihres Lebens ist heute.


Fünf Jahre nach Barcelona erhält Aaron einen Anruf: Die früheren Berliner Kollegen bitten sie um ihre Mithilfe. Reinhold Boenisch, ein zu lebenslänglich verurteilter Frauenmörder, gegen den Aaron als junge Polizistin ermittelte, hat im Gefängnis eine Psychologin getötet. Sie entschließt sich, den Fall anzunehmen und sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Doch Boenisch ist nur der Anfang, eine Schachfigur in einem Komplott. Aaron wird erkennen, dass ihr bisheriges Leben eine einzige Vorbereitung auf die folgenden sechsunddreißig Stunden war. Um dieses Leben wird sie kämpfen müssen wie nie zuvor.


Andreas Pflüger stellt nicht nur die Wahrnehmung auf den Kopf, indem er die Welt konsequent und mit großer atmosphärischer Dichte aus der Perspektive einer Blinden beschreibt. Er dreht auch virtuos an der Spannungsschraube, spielt mit den Erwartungen des Lesers, zieht ihn in einen Sog. Unentrinnbar, sprachmächtig, adrenalingeladen.

Format:Kindle Edition
Seiten:465
EAN:

Rezensionen zu "Endgültig"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Mär 2019 

    Begeistert!

    Jenny Aaron ist Polizistin bei einer deutschen Eliteabteilung. Bei einem völlig außer Kontrolle geratenen Einsatz lässt sie nicht nur ihren Partner schwer verletzt zurück sondern wird selbst bei der Verfolgungsjagd angeschossen. Seither erblindet wandelt sie sich zu einer Verhörspezialistin. Nun ermordet der Mann, für dessen Verurteilung sie als Polizeischülerin maßgeblich beteiligt war, im Gefängnis die Psychologin und will nur mit Jenny reden.

    Ein ungemein spannendes Katz und Maus Spiel beginnt und Jenny muss sich den Dämonen der Vergangenheit stellen.

    Endgültig ist meiner Meinung nach eines der besten Bücher auf dem deutschsprachigen Thrillermarkt der letzten Zeit. Ein geschickt überlegter Plot, rasante Entwicklungen und dazu sprachlich ausgenommen ansprechend ist Endgültig eine Ausnahmeerscheinung.

    Man mag ja der Meinung sein, eine blinde Frau kann das gar nicht bewerkstelligen, was Andreas Pflüger seiner Protagonistin zumutet, aber lassen wir der Frau ihre Power, bei einem Mann wären wir auch nicht so kleinlich. Diszipliniert folgt sie dem Weg des Bushido, konzentriert und fokussiert trainiert sie ihre Fertigkeiten bis zur Präzision. Bei allen Superkräften behält sie ihre Menschlichkeit. Aber auch die anderen Figuren arbeitet der Autor vielschichtig heraus, egal ob diese auf der guten oder bösen Seite des Lebens stehen, manchmal auch mitten dazwischen.

    Handlungsstränge aus Vergangenheit und Gegenwart werden zu einem dichten Netz an Gewalt, Verbrechen, Schuld und Vergebung verwoben.

    Mich hat das Buch wirklich begeistert und ich freue mich auf den Folgeband.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Dez 2017 

    Wer blind ist sieht mit dem Herz und Verstand!

    "Es ist kein Unglück, blind zu sein. Es ist nur ein Unglück, die Blindheit nicht zu ertragen." (Konfuzius)
    Bei einem Einsatz in Barcelona hat die Elitepolizistin Jenny Aaron bei einer Verfolgungsjagd einen folgenschweren Unfall. Schwerverletzt und traumatisiert, verändert sich ihr Leben schlagartig, den sie erblindet bei diesem Unfall. Für Aaron ist es Anfangs keine leichte Zeit, doch die Tochter eine GSG-9 Kämpfers, kämpft sich zurück ins Leben. Sie arbeitet hart an sich, lernt Brailleschrift, die Samurai Bushido Lehre kennen und lernt wie sie mit Kicksonar (Echoortung) zurechtkommt. Fünf Jahre nach dem Barcelona Einsatz erhält Aaron dann einen Anruf. Ihre früheren Kollegen in Berlin bitten sie um ihre Mithilfe. Reinhold Boenisch, ein lebenslänglich verurteilter Frauenmörder, gegen den Aaron als junge Polizistin ermittelt hat, hat im Gefängnis eine Psychologin getötet. Aaron macht sich auf den Weg nach Berlin, ohne zu ahnen, dass sie bald die schwersten 36 Stunden ihres Lebens miterleben muss. Den in Berlin angekommen merkt sie das Boenisch nur die Einleitung zu einem Komplott größeren Ausmaßes ist. Auch Freund und Kollege Pavlik bangt um Aarons Leben und versucht alles mithilfe seiner Kollegen zu verhindern.

    Meine Meinung:
    Das Cover und die Kurzinfo hat mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht. Die Brailleschrift und die gelben Seitenabschlüsse lassen das Buch auf einen wirken. So war es überraschend einen sehr spannenden Thriller zu lesen, außerdem machten mich die Ermittlerin und ihre Fähigkeiten sehr neugierig. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob man sich wirklich als Blinde so viele Dinge, so präzise aneignen kann, das man so gut wie Jenny Aaron ist. Auch wenn der Autor viel recherchiert hat, gerade mit blinden Frauen, kommt sie mir manchmal wie eine Superwoman vor. Jedoch merkt man auch sehr gut, das sich der Autor ausführlich mit dieser Materie befasst hat. Was mich weiter störte, waren die ausholenden Beschreibungen, die mich teils verwirrten, aber auch ein wenig störten. Die Berliner Sätze, die viele als Leser als störend empfanden, machten mir hingegen gar nichts. Verwirrend war ebenfalls für mich, die Bemerkungen über diese Bushido und Samurai Lehre. Und bei den Gesprächen wusste ich manchmal nicht, wer was redet, weil die wörtliche Rede von den Dialogen so ineinanderflossen. Aber wenn dann Spannung aufkam, dann hat mich diese auch total in den Bann gezogen. Zum großen Teil hat mich das jedoch das Buch gut unterhalten und neugierig für den nächsten Fall gemacht. Der Schreibstil ist gut, nur ab und an nervten die vielen kurzen Sätze. Wege dem guten Unterhaltungswert gebe ich dem Buch gute 3 1/2 Sterne von 5.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Mär 2017 

    Die Welt des Bushidō

    Nein, dies ist kein Buch über das Leben des bösen Rappers aus Berlin, sondern ein Krimi um zwei Menschen, die nach der Philosophie des Bushidō leben. Einer davon ist Jenny Aaron, ehemalige Mitarbeiterin einer geheimen Eliteeinheit der Polizei, seit einem Einsatz blind und nun in Diensten des BKA als Vernehmungsspezialistin. Fünf Jahre nach diesem Einsatz wird sie von ihren früheren Kollegen angefordert, weil ein Mörder, für dessen Verurteilung sie verantwortlich ist, im Gefängnis eine Psychologin getötet hat und nur mit ihr reden möchte. Sie folgt dieser Anforderung und schnell wird ihr klar, dass dies nur der Auftakt ist zu einem Kampf um Leben und Tod - und der Lösung der wichtigsten Frage in ihrem Leben.
    So, das wäre nun in Kürze der wichtigste Handlungsstrang - allerdings ist dies nur einer von vielen. Denn so ganz nebenbei werden noch die Vergangenheiten verschiedener Kollegen wie auch der Bösewichte erzählt ebenso wie deren aktuelle Befindlichkeiten. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch ganz klar bei Jenny Aaron und zwar in einer Art und Weise, die das Buch anfangs etwas gewöhnungsbedürftig wirken lassen. Alles ist im Präsens und die Empfindungen und Gedanken Jennys dominieren häufig das Geschehen, die als Blinde über noch perfekter ausgebildete Sinne verfügt, wie sie sie bereits als Sehende hatte. So liest man ihre Gedanken und hat doch häufig kaum eine Ahnung, was denn eigentlich gerade los ist - zeitweise stolperte ich fast ein bisschen blind in der Geschichte herum. Dazu kommen jede Menge Sprünge in die Vergangenheit und zurück, bei denen mir zu Beginn nicht immer ganz klar war, von wem nun die Rede ist. Doch wenn man mit Aufmerksamkeit liest, klärt sich Alles recht schnell und es bleibt ein überaus spannender, recht verzwickter und sehr intensiver Thriller, der die zwei Tage (in diesem Zeitraum spielt sich die Geschichte ab) wie eine Ewigkeit erscheinen lassen.
    Was mich gestört hat, sind die Eigenschaften der Hauptpersonen Aaron, Pavlik und des Bösewichts. Ein Einbeiniger, eine Blinde und ein immerhin nicht behinderter 50jähriger weisen Fähigkeiten auf, die jeden Actionfilm zum Fantasyreißer ummodeln würden. Da werden Schläge eingesteckt, die jeden Normalsterblichen in kürzester Zeit unter die Erde bringen würden; treffsichere Schüsse werden aus Distanzen abgefeuert, bei denen man das Ziel nur ahnen kann; Intuition, Empathie und andere Fähigkeiten sind derart ausgeprägt, dass es an Hellseherei grenzt. Alles ein bisschen viel - zuviel wie ich finde. Etwas weniger dick aufgetragen und ich hätte vielleicht eine neue Lieblingsheldin. So aber bleibt es bei einem guten Thriller.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Jul 2016 

    Der Weg des Kriegers

    Schon am Anfang war Jenny Aaron eine Ausnahmepolizistin und erst recht bei der Abteilung stand sie ihre Frau. Bis ein Auftrag schief ging, ein Kollege überlebte nur knapp und Aaron ist seitdem blind. Mit mühsamen und akribischen Übungen hat sie einen großen Teil ihrer Selbstständigkeit wieder erlangt. Fünf Jahr nach dem Trauma ist sie inzwischen beim BKA eingesetzt. Als jedoch ein Gefängnisinsasse eine Psychologin tötet, wird Aaron nach Berlin zu ihrem alten Team gerufen. Wenn auch ihre Augen nicht mehr sehen, so sind ihre Sinne geschärft und sie bemerkt, dass alles anders ist als es scheint.

    Kann man, wenn man spät und auch noch durch ein traumatisches Ereignis erblindet, überhaupt weitermachen? Eine Frage, die sich Jenny Aaron stellt und um deren Beantwortung sie kämpft. Ihre alten Kollegen hat sie seit Jahren nicht gesehen und nun spürt die Unsicherheit. Als Spezialistin im Verhörraum ist sie in ihrem Element. Mit ihrer Fähigkeit sich auch ohne Sehkraft zu orientieren, vermag sie zu verblüffen. Freuen sich wirklich alle, sie wieder zu sehen. Irgendwie scheint es der Täter auch auf sie abgesehen zu haben. Schwebt sie etwa in Gefahr? Nicht alles kann sie erspüren und erahnen.

    Nicht ganz einfach findet man Zugang zu diesem Thriller mit seiner eigenwilligen Heldin. Ihr Kampf gegen die Auswirkungen der Blindheit beeindruckt. Ihre Angst vor weiteren Verlusten der Erinnerung nimmt für sie ein. Hin und wieder muss man jedoch innehalten, um zu überlegen, ob man sich gerade in einer Erinnerung befindet oder ob es im aktuellen Geschehen eine neue Entwicklung gibt. Nicht ganz leicht fällt es, in die Seele der Jenny Aaron zu blicken. Auch der Gemeinschaftssinn der Truppe mit ihren besonderen Regeln fühlt sich im normalen Leben fremd an. Dennoch fühlt man sich von der Lektüre beim Schlawittchen gepackt und in den düsteren Thriller hineingezogen. Auftauchen kann man erst wieder, wenn man hinter das Geheimnis der Erinnerung und des Bushido gekommen ist.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Mär 2016 

    Die Zartheit des Kriegers

    Endgültig ist ein Thriller von Andreas Pflüger und erschien bei Suhrkamp

    Jenny Aaron ist eine kampferprobte Polizistin, die in einer Spezialeinheit tätig ist. Sie gehört zu den Besten, auch die Männer bewundern und akzeptieren sie, verlassen sich bedingungslos auf sie. Doch als sie mit ihrem Kollegen Niko in Barcelona bei einem Einsatz schwer verwundet wird, erblindet sie. Doch Aaron, wie sie immer kurz genannt wird, beißt sich durch. Sie trainiert sogar weiterhin Kampfkunst, und lernt sich so gut wie möglich zurechtzufinden, so gut, dass sie weiterhin beim BKA arbeiten kann. Als dann ein Gefangener in Berlin eine Psychologin tötet und ausdrücklich verlangt mit Aaron zu sprechen, ist sie schnell in eine Sache verwickelt die ihren Ursprung vor 5 Jahren in Barcelona hat......

    Dieser Thriller von Andreas Pflüger hat mir sehr gut gefallen. Er hat mit Jennifer Aaron einer Polizistin geschaffen, wie ich sie noch nicht kennenlernen durfte. Die Kenntnisse über die Möglichkeiten eines Erblindeten lassen auf sehr detaillierte Recherche schließen, Pflüger hat seine Hausaufgaben gemacht. Das Gerüst aus Spannung, dass er während des Lesens erzeugt, hat mich das gesamte Buch hinweg gefesselt. Sehr schön empfand ich auch die Beschreibung des Teams, der Zusammenhalt unter den Ermittlern. Aaron ist sehr eng mit Pavlik befreundet, diese Beziehung bereicherte die Geschichte ungemein. Auch die Beschreibung der restlichen Mitglieder der Einheit und der neuen Chefin zauberten ein Bild in meinen Kopf, ich hatte greifbare Personen vor Augen.
    Das Cover des Buches ist ein echter Hingucker. Die Brailleschrift und die gelbe Umrandung der Seiten passen perfekt und haben Bezug zum Buch.

    Fazit: Ein Thriller der mich begeistert hat, von dessen Hauptperson ich sehr gerne weitere Bücher lesen möchte. Absolute Leseempfehlung