Elyssa, Königin von Karthago

Buchseite und Rezensionen zu 'Elyssa, Königin von Karthago' von Irene Vallejo
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4 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Elyssa, Königin von Karthago"

Als Elyssa, Gründerin und Königin von Karthago, auf eine Gruppe Schiffbrüchige trifft, erkennt sie im trojanischen Helden Aeneas, der aus seiner Heimat fliehen musste, ihr eigenes Schicksal. Unter der Regie von Eros entflammt eine Liebe zwischen den beiden, und sie träumen davon, Karthago in eine florierende Stadt ohne Gewalt, Niedertracht und Leid zu verwandeln. Doch die Götter haben andere Pläne und stellen Aeneas vor eine schwierige Entscheidung.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
Verlag: Diogenes
EAN:9783257072877

Rezensionen zu "Elyssa, Königin von Karthago"

  1. Rom und ein Held aus Griechenland

    Die Geschichte beginnt ausgesprochen spannend. Wir begegnen Elyssa, der Herrscherin über Karthago - zu einem Zeitpunkt, zu dem Stadt noch im Aufbau ist. Sie ist Witwe, kinderlos, ihre Position als Königin ist gefährdet. Zu viele Männer trachten danach, ihr Königreich an sich zu reißen. Dann erscheint Aneas, ein Flüchtling und Schiffsbrüchiger, in den Elyssa sich verliebt. Ein glückliches Ende jedoch gibt es nicht, die Götter haben andere Vorstellungen. Das ist auf den ersten Blick Futter für jede Menge Konflikte - die Autorin verschenkt jedoch meiner Meinung nach viel Potential, denn sie schafft durch allzu häufige Perspektivwechsel und einen sehr kühl wirkenden Erzählstil sehr viel Distanz. Ich fand es zwar wirklich gut, dass mit Elyssa und Aneas ein Paar immer mittleren Jahren im Mittelpunkt stand. Aber die Charaktere schienen mir wenig lebhaft und luden kaum zur Identifizierung ein.

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  1. Eine tolle Neuerzählung

    DIe Geschichte basiert auf Virgils "Aeneis" und erzählt die von Aeneas, den es nach dem Sturz Trojas mit einigen Getreuen an die Küste Karthagos verschlägt. Er wird dort von Königin Elyssa zunächst gefangen genommen, erweist dort jedoch seine Treue, so dass ihm nicht nur jede Hilfe zum Aufbau seiner Schiffe zuteil wird, er und Elyssa verlieben sich zudem ineinander.

    Mir hat das Buch wirklich gut gefallen. Die Geschichte liest sich wunderbar, die Sprache ist sehr bildhaft ohne dabei aber ins Kitschige abzudriften. Dazu hat der Stil eine ganz eigene Leichtigkeit, eine ausgewogene Balance zwischen den kriegerischen Handlungen und den ruhigen Momenten. Und obwohl an sich gar nicht so viel passiert, passiert zwischen den Figuren doch jede Menge. Die Darstellung eben jeder Figuren hat mir sehr gefallen. Elyssa ist einerseits eine starke und abhängige Frau. Dies muss sie sein um sich in einer Männerwelt als Königin zu behaupten, um ihren Platz zu verteidigen. Als sie sich in Aeneas verliebt, wird aber gleichzeitig auch sichtbar, wie überbordend ihre Zuneigung sein kann, wie sehr sie damit die geliebte Person auch quasi überrollen kann. Ich mochte es, dass es hier einen ein wenig vorbelasteten Helden gibt. Den der erlebte Krieg und die Gräueltaten noch immer belasten, der sich für getane Dinge seiner Vergangenheit schämt, der von Alpträumen geplagt wird und erkennt, dass Kriege für ein Volk nicht sehr nützlich sind.
    Und wenn es schon um Mythologie geht, dann darf es natürlich nicht fehlen, dass sich eine Gottheit einmischt. Eros selbst versucht sich hier daran, das Schicksal der beiden ein wenig zu beeinflussen. Diese Kapital waren für mich die wirklichen Highlights des Buches. Charmant, mit viel Wortwitz und sehr treffsicher beobachtet, schildert der Gott die Eigenheiten der Menschen. Es gibt auch einige Kapitel, die dem Dichter Virgil in den Mund gelegt wurden. Hier fand ich nur sein letztes Kapitel wirklich gelungen, in dem ihm quasi die Erleuchtung für sein Epos kommt. Auch hier wird es sehr sprachgewaltig und philosophisch, es fallen einige wirklich sehr schöne Sätze. Die anderen Kapitel um ihn hätte ich nicht so wirklich gebraucht. Aber sie sind recht kurz und unterhaltsam und passen gut ins Gesamtgefüge.

    Es ist nicht das actionreichste Buch, aber diese Entwicklung zwischen den Protagonisten ist so fesselnd und einnehmend, die Sprache für mich so schön, dass mir das Lesen einfach nur sehr viel Spaß gemach hat.

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