Elternhaus

Buchseite und Rezensionen zu 'Elternhaus' von Ute Mank
4.5
4.5 von 5 (6 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Elternhaus"

Sanne, die nur ein paar Straßen von ihren Eltern entfernt lebt, bekommt deren Alltag hautnah mit. Immer häufiger muss sie helfen, den Eltern wächst das Haus über den Kopf. Und so beschließt sie, dass die beiden umziehen müssen. Als ihre Schwester Petra von den Plänen erfährt, ist sie entsetzt. Wie kann Sanne die Eltern entwurzeln? Das angespannte Schwesternverhältnis wird auf eine existentielle Probe gestellt. Und beide müssen sich die Frage stellen, wann sie sich so unglaublich fremd geworden sind? Und wie es sich anfühlt, plötzlich kein Elternhaus mehr zu haben?

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:304
EAN:9783423283502

Rezensionen zu "Elternhaus"

  1. Familienbande

    Gestaltung:
    ------------------
    Das Titelbild wirkt altmodisch mit dem Kaffeegedeckt und der Tischdecke mit Blümchenmuster. Alles gehalten in Farbtönen, die an die 70er-Jahre erinnern. Wirkt auf den ersten Blick nicht sehr attraktiv, erfasst aber genau die Stimmung, die man mit einem Besuch im Elternhaus verbindet, finde ich. Als Hardcover mit Lesebändchen ist das Buch sehr wertig gestaltet.

    Inhalt:
    ------------------
    Die Eltern der drei Schwestern Sanne, Petra und Gitti sind nicht mehr so rüstig wie früher. Sanne als Älteste hat das Elternhaus überschrieben bekommen. Sie ist nun Besitzerin des Hauses und auch diejenige, die sich am meisten um die Eltern kümmert. So beschließt sie, dass es besser ist, die Eltern in eine barrierefreie Wohnung umziehen zu lassen und das Elternhaus zu verkaufen. Die anderen Schwestern sind dagegen und mit dem Umzug der Eltern zeigt sich für alle, wie kompliziert familiäre Beziehungen sein können und doch ist das Elternhaus der zentrale Punkt für alle.

    Mein Eindruck:
    ------------------

    "Wie lange in seinem Leben brauchte man ein Elternhaus? War es nicht beinahe natürlich, dass es gebrechlich wurde. Wie die Eltern. Dass es irgendwann verschwand. So wie die Eltern irgendwann nicht mehr da sein würden." (S. 298, Sanne)

    Der Schreibstil hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Die Handlung wird abwechselnd aus der Perspektive von Sanne als Älteste der Drei und von Petra, der mittleren Schwester erzählt. Die jüngere Schwester Gitti spielt nur am Rande eine Rolle. Vorwiegend wird dabei die Beziehung der beiden älteren Schwestern in den Mittelpunkt der Handlung gestellt. Die eine nimmt als Älteste die Rolle der vernünftigen, sich um die Eltern kümmernden ein. Sie heiratet, bekommt Kinder, baut ein Haus in der Nähe der Eltern. Petra dagegen studiert, will sich nicht binden, zieht immer wieder um und hält eher Abstand von der Familie. Gitti als Jüngste läuft eher so mit, heiratet, lässt sich scheiden, bekommt ein Kind und hat mehrere Beziehungen.
    In diesem Roman kommt sehr stark zum Vorschein, wie sehr das Elternhaus einen Menschen prägen kann. Elterliche Erwartungen spielen eine Rolle, aber auch die Erwartungen und unterstellten Erwartungen der Geschwister untereinander. Mich betrifft das Thema aktuell sehr, da ich mich in einer ähnlichen Situation befinde. Zwar konnte ich mich mit keiner Schwester komplett wiederfinden, aber hatte Verständnis für beide, da ein Teil Sanne und ein Teil Petra in mir steckt.
    Es ist interessant zu sehen, wie sich durch die Auflösung des Elternhauses auch ein Teil des bisherigen Lebens beider Schwestern auflöst bzw. verändert. Zwar empfand ich die Veränderung von Sanne teilweise als sehr drastisch und nicht ganz glaubwürdig, aber am Ende führt sie doch dazu, dass sich beide Schwestern einander annähern. Das Ende jedoch empfand ich als abrupt und unbefriedigend.

    Fazit:
    ------------------
    Berührender Roman über die Beziehung von Schwestern und die prägende Rolle des Elternhauses

  1. Umbrüche

    War es fürsorglich oder schon übergriffig, dass Sanne (die älteste Tochter) ihre Eltern aus dem ‚schmalen Haus‘ in eine kleine altersgerechte Wohnung übersiedelte? Der Grat zwischen Fürsorge und Bevormundung ist nämlich äußerst schmal und die drei Schwestern beurteilen diese Maßnahme auch sehr unterschiedlich:

    Sanne hatte ‚das Beste‘ für ihre Eltern gewollt, wünschte sich für sie ein ruhigeres, ein bequemeres Leben – sie sah, nachdem sie ihre Eltern täglich besuchte und sich um sie kümmerte, deren altersgemäße körperlichen Einschränkungen. Ihre Schwestern Petra und Gitti sahen das Elternhaus jedoch auch als eine Burg, einen Sehnsuchtsort, an dem sich nie etwas zu ändern schien. Sie wollten diesen Zustand erhalten! Wir können am Verhalten der Schwestern, auch untereinander, herrlich beobachten, wie die Position innerhalb einer Geschwister-Reihenfolge auch den Charakter prägt.

    Sehr interessant und sehr treffend fand ich allerdings auch die Beschreibung der 5. Ehe-Phase von Sanne und ihrem Mann Uwe, die sogenannte ‚Ablösungsphase‘: die Kinder verlassen das Haus und das Ehepaar wird wieder auf sich zurückgeworfen. Wie gestaltet es die neu gewonnene Freiheit des Zusammenlebens? Können und wollen beide Ehepartner diese Freiheit gemeinsam nutzen oder trauern sie nur alten Zeiten nach oder erkennen sie dies gar als Chance für neue Möglichkeiten?

    Wir werden in diesem Buch also mit mehreren Umbrüchen konfrontiert, denn auch auf Petra, die Alleinlebende und Studierte, das Mittelkind, warten neue Herausforderungen, mit denen sie nie gerechnet hatte.

    Mir hatte schon das 1. Buch der Autorin (‚Wildtriebe‘) sehr gut gefallen, das vorliegende begeisterte mich geradezu mit meinem Faible für Beziehungspsychologie, den vielen Szenen, die mir aus meiner Kindheit / Jugend äußerst vertraut waren (z.B. der Ausspruch „Was sollen denn da die Nachbarn von uns denken?!“) und der klaren Sprache.

    Fünf Sterne vergebe ich hierfür und möchte es jedem ans Herz drücken, der sich für die Themen Ehe und Familie näher interessiert.

  1. 5
    24. Jul 2023 

    Emotionale Thematik

    ie Eltern sind alt geworden; das eigene Haus mit dem großen Garten wird zusehends zu einer Belastung für sie. So sieht es jedenfalls Sanne, die älteste Tochter. Sie wohnt nur ein paar Straßen weiter und sie kümmert sich auch regelmäßig um die Eltern. Deshalb plant sie deren Umzug in eine altersgerechte kleine Wohnung. Doch ihre einsam getroffene Entscheidung, die zwar vernünftig sein mag, stößt auf wenig Verständnis bei ihren Schwestern. Von „ Entmündigung“ und „ Entscheidungen über den Kopf der Eltern hinweg“ ist die Rede. Und was soll mit dem Elternhaus geschehen? Dieses Haus, das der Vater eigenhändig aufgebaut hat und für das die Eltern sich krumm gearbeitet haben. Sanne möchte es verkaufen. Doch hängen nicht zu viele Erinnerungen daran? Ist es nicht Heimat und Rückzugsort für alle? Das sowieso schon angespannte Verhältnis der Schwestern wird durch diesen Konflikt auf eine harte Probe gestellt.
    Ute Mank greift in ihrem zweiten Roman ein Thema auf, das viele betrifft. Was tun, wenn Eltern alt werden und ihren Alltag nicht mehr allein bewältigt bekommen? Darf man sie aus ihrem gewohnten Umfeld herausreißen, auch gegen deren Willen? Wo hört Fürsorge auf und wo fängt Bevormundung an ?
    Doch es geht noch um weitaus mehr in diesem Roman, der von Geschwisterbeziehungen erzählt, von Rollenverteilungen innerhalb der Familie und von unterschiedlichen Lebensentwürfen.
    Sanne lebt das Modell ihrer Eltern weiter -frühe Heirat, zwei Kinder, ein eigenes Haus mit Garten - nur alles etwas moderner und pflegeleichter. Doch nun sind die Kinder erwachsen; der Sohn studiert weiter weg, die Tochter plant ihren Auszug. Auch Ehemann Jürgen ist immer seltener zuhause. Noch ein Elternhaus, das zusehends leerer wird und seine Funktion als Heim für die Familie verliert.
    Petra dagegen, die Mittlere, hat sich bewusst für ein anderes Lebensmodell entschieden. Als Einzige in der Familie hat sie studiert und führt ein Single - Leben in der Großstadt, weit weg von daheim. Bei ihren seltenen Besuchen bei den Eltern fühlt sie sich weniger als Familienmitglied denn als Gast. Aber gerade sie trifft Sannes Entscheidung, das Elternhaus zu verkaufen, mit voller Wucht.
    Gitti, die Kleine, hatte mehr Freiheiten als ihre älteren Schwestern. Die Eltern haben ihr vieles nachgesehen und sie nimmt das Leben immer noch leicht. Dabei hat sie als alleinstehende Mutter auch ihre Probleme . Und sie versucht, zwischen den ungleichen Schwestern Sanne und Petra zu vermitteln. Obwohl sich die Beiden in ihrer Kindheit sehr nahestanden, haben sie sich im Laufe der Jahre immer weiter voneinander entfernt.
    Die Autorin nimmt abwechselnd die Perspektive von Sanne und Petra ein. So kommt man als Leser vor allem diesen zwei Frauenfiguren am nächsten. Dabei hat sie die unterschiedlichen Charaktere sehr gut herausgearbeitet - hier die pragmatisch denkende und resolut anpackende Sanne, da die ständig zweifelnde und nachdenkliche Petra.
    Beide stehen an einem Wendepunkt ihres Lebens. Petra hat in Jürgen einen Mann gefunden, der mehr will als ein unverbindliches Verhältnis. Und Sanne muss erleben, wie ihre eigene Familie auseinanderbricht. Beide beneiden die jeweils andere um die Vorteile von deren Lebenssituation, doch der Leser weiß von den Schattenseiten.
    Der versöhnliche Schluss bietet zwar kein Happy- End , wirkt aber gerade dadurch glaubwürdig.
    Ute Mank schreibt in einer klaren und schnörkellosen Sprache. Dabei überzeugt sie mit einem genauen Blick auf Details und klugen Beobachtungen. Sie urteilt nicht über ihre Figuren, sondern begleitet sie voller Empathie. Die Probleme, mit denen diese konfrontiert werden, kennen viele Leser aus eigener Erfahrung. Ebenso die Fragen, die sich stellen bei der Lektüre. Fragen, die jeder für sich selbst beantworten muss und die jeweils unterschiedlich ausfallen können.
    Ute Mank ist mit „ Elternhaus“ ein sehr gut lesbarer Unterhaltungsroman gelungen, der darüber hinaus Stoff zum Nachdenken liefert.

  1. 4
    21. Jul 2023 

    Empathische Auseinandersetzung mit einem universalen Thema

    Ute Manks zweiter Roman spricht ein Thema an, das uns alle früher oder später, mehr oder weniger beschäftigen wird: Was tun, wenn die Eltern alt werden? Den Balanceakt zwischen Verantwortung und Bevormundung, der dann entstehen kann, beschreibt ihr Roman.

    Mank behandelt das Thema anhand einer traditionellen Familie. Die Mutter war für´s Haus zuständig – und das auch bei anderen Leuten, denn sie hat für die Familie ein Zubrot durch Putzen für die „besseren Leute“ verdient. Der Vater arbeitete auf dem Bau – und das auch privat, denn er hat quasi mit eigenen Händen das „Elternhaus“ gebaut. Ein schmales, bescheidenes Häuschen, das nun durch seine gute Lage beträchtlichen Wert bekommen hat. Der aber ist den Eltern egal – für sie ist es schlicht zu Hause am schönsten. Aber dann entstehen bei den Eltern Situationen, die ihre allmählich steigende Alltagsüberforderung zeigen.

    Auch für Sanne, die älteste Tochter, ist der Geldwert des Hauses nachrangig – sie will nur das Beste für alle Beteiligten, und sie möchte sich von der Fürsorgepflicht für ihre Eltern, die hauptsächlich ihr, der Macherin der Familie, zugefallen ist, ein wenig entlasten. Ihre einsame Entscheidung, die Eltern in eine altersgerechte Wohnung zu verpflanzen und das Elternhaus zu verkaufen, verändert das bisher so stabile Familiengefüge.
    Wie Mank die vielfachen Erschütterungen beschreibt, die diese Entscheidung auslöst, die Familienrollen, die plötzlich nicht mehr passen, die Lebenskonzepte, die ins Wanken geraten, und die Neuverortungen, die bei allen drei Töchtern und in deren Beziehungen nach und nach stattfinden, das gefiel mir sehr gut.

    Mank verarbeitet das in einer absichtsvoll einfachen Sprache, mit kurzen Sätzen, die manchmal eigentlich ein Nebensatz sind. Das passt zu dieser einfachen Familie aus dem Arbeitermilieu. Ich mochte auch ihre Figuren, die ihr sehr glaubwürdig gelungen sind – die praktische Sanne, die den Lebensweg der Eltern wiederholt, die Zweitälteste Petra, die als einzige den Bildungsaufstieg geschafft hat und in einer fernen Großstadt lebt und die unbekümmerte Jüngste Gitti. Es gelingt Mank, Verständnis für alle Beteiligten zu erzeugen, ohne zu polarisieren oder in Schwarzweiß-Malerei zu verfallen. Sowohl die Verlorenheit der Eltern in der neuen Wohnung wie auch Sannes Konflikte konnte ich nachfühlen. Mit Petra in ihrer Unschlüssigkeit habe ich manchmal die Geduld verloren, so eindeutig schien mir die Richtung zu sein, die sie einschlagen sollte.

    Am Ende jedenfalls steht niemand dort, wo er am Anfang gestanden hat; alle haben ihre Position korrigiert – teils freiwillig, teils gezwungenermaßen. Das emotionale Thema der Fürsorge-Umkehr bebildert Mank empathisch und überzeugend. Manchmal waren mir die Lebensbetrachtungen ihrer Figuren vielleicht eine Spur zu banal. Aber dennoch finde ich Manks Roman unbedingt lesenswert für alle, die sich mit diesem universalen menschlichen Thema auseinandersetzen möchten.

  1. Was passiert, wenn die Eltern alt werden?

    Sanne hat entschieden. Wie sie immer alles entscheidet. Sie ist als Älteste auch die Pragmatische unter den drei Schwestern, die im Mittelpunkt dieses Romans stehen. Sanne lebt nur ein paar Straßen von den Eltern entfernt, denen der Alltag im eigenen Haus mit großem Garten über den Kopf gewachsen ist. Nun wird umgezogen in eine kleine Wohnung mit Aufzug. Doch schon das Ausräumen des Hauses gestaltet sich emotional, weckt zahlreiche Erinnerungen.

    Gitti wohnt zwar im Umkreis, hat die Verantwortung für die Eltern aber komplett Sanne überlassen. Petra, die Jüngste, hat sich nicht nur räumlich von Eltern und Schwestern entfernt. Sie ist die Studierte, die Nomadin, die in der großen Stadt lebt. Ute Mank wechselt die Perspektiven. Wir lernen jede Schwester in ihrem Umfeld kennen. Alle haben sich für unterschiedliche Lebensentwürfe entschieden. Gerne folgt man ihren Gedanken und Reflexionen, die jeweils Teile ihrer Vita oder Erinnerungen aus dem Zusammenleben im Elternhaus betreffen.
    Die Eltern stammen aus einfachen Verhältnissen. Mit viel Eigenleistung und Herzblut haben sie ihr „schmales Haus“ in einer Arbeitersiedlung gebaut. Urlaub war nicht drin, die Mutter war nie berufstätig, trug aber mit verschiedenen Putzstellen zum Lebensunterhalt bei. Eine typische Nachkriegsbiografie eben. Als Leserin berührt das eigentümlich, spiegeln sich doch die Werte der eigenen Eltern mindestens partiell in diesen Schilderungen wider.

    Die Autorin spannt den Bogen aber weiter, indem sie uns hinter die Fassaden der drei Schwestern schauen lässt. Sanne wird von allen bewundert, weil sie mit Haus, Mann und zwei mittlerweile flügge gewordenen Kindern genau das erreicht hat, was sie sich immer wünschte. Aber reicht das für ein glückliches Leben? Die Anzeichen mehren sich, das sich doch ein Haufen Alltagsgewohnheit in ihre Ehe eingeschlichen hat. Gitti ist ohne Kinder geblieben. Petra hat noch nicht mal einen festen Partner - denken zumindest alle… Jeder Lebensentwurf hat auch seine Schattenseiten, was deutlich herausgearbeitet wird. Innerhalb der Familie hat jede Schwester ihre Rolle zugeordnet bekommen. Sanne ist die, „die plant, organisiert und entscheidet.“ Auch wenn sie sich mit der Sorge um die Eltern allein gelassen und überfordert fühlt, nimmt sie die Zuschreibung an. Doch es zeigt sich, dass sie mit ihrer neuesten Entscheidung über das Ziel hinausgeschossen hat, was ihre beiden Schwestern aktiv werden lässt.

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die Perspektivwechsel gestalten sich interessant und kurzweilig. Jeder Leser dieser Generation, die sich um betagte Eltern kümmern muss, wird sich in gewisser Weise in den verschiedenen Lebensgeschichten wiederfinden. Jedes Elternhaus ist emotional aufgeladen. Es zu räumen, die Eltern zu entwurzeln, ist keine leichte Angelegenheit. Der Roman bringt aber auch ins Nachdenken darüber, was ein glückliches Leben ausmacht, wie man seine in die Jahre gekommene Partnerschaft lebendig hält und wie schwer es ist, in mittleren Jahren noch einmal neu anzufangen oder Bindungen einzugehen. Ute Mank versteht es, die verschiedenen Handlungsstränge völlig kitschfrei ineinanderlaufen zu lassen. Sie bleibt dabei weitgehend realistisch, auch wenn manche Wendung der Dramatik geschuldet sein dürfte. Die Figuren dürfen sich entwickeln.

    Allerdings bleiben die Eltern ziemlich blass und willenlos, was in ähnlicher Situation wohl die wenigsten wären, wenn es um die eigenen vier Wände geht. Distanz und Wortlosigkeit ziehen sich durch die gesamte Familie. Man spricht schon mal über- aber nicht miteinander. Vielleicht haben die Schwestern das von ihren Eltern übernommen, dadurch würde sich manches erklären.

    Das Ende gestaltet Ute Mank gekonnt. Der Denkapparat bleibt auch nach dem Zuklappen des Buches angeschaltet.

    Leseempfehlung!

  1. Grandios!

    !ein Lesehighlight 2023!

    Klappentext:

    „Drei Schwestern zwischen Zukunft und Vergangenheit

    Sanne, die nur ein paar Straßen von ihren Eltern entfernt lebt, bekommt deren Alltag hautnah mit. Immer häufiger muss sie helfen, den Eltern wächst das Haus über den Kopf. Und so beschließt sie, dass die beiden umziehen müssen. Als ihre Schwester Petra von den Plänen erfährt, ist sie entsetzt. Wie kann Sanne die Eltern entwurzeln? Das angespannte Schwesternverhältnis wird auf eine existentielle Probe gestellt. Und beide müssen sich die Frage stellen, wann sie sich so unglaublich fremd geworden sind? Und wie es sich anfühlt, plötzlich kein Elternhaus mehr zu haben?

    Klug beobachtend und mit liebevollem Blick erzählt Ute Mank von alten Eltern, entfremdeten Schwestern und von einem Haus, das so viel mehr ist als vier Wände und ein Dach.“

    2022 hat mich Autorin Ute Mank bereits mit „Wildtriebe“ gefesselt und im Jahr 2023 schaff sie dies wieder mit ihrem Buch „Elternhaus“. Der Titel sagt bereits so vieles und jeder von uns wird sich irgendwie in diesem Buch wiederfinden. Wir haben also 3 Schwestern Gitti, Sanne und Petra die zwar alle drei ihr eigenes Leben leben aber als Sanne (sie wohnt am nächsten von allen am Elternhaus) mitbekommt, wie es den Eltern alles zu viel wird, entbrennt ein Streit zwischen ihnen. Sanne eilt voraus, weil sie ja vermeintlich mehr mitbekommt wie die anderen Schwestern und entscheidet, dass die Eltern raus müssen, gar von Entmündigung ist die Rede. Nun stellt man sich als Leser die erschrocken Frage: Ab wann steht es einem Kind zu, einerseits die Eltern in einen gewissen Schutz zu stellen aber eben auch das Elternhaus allen zu entreißen, zu enteignen? Ist das übergriffig, ist das dreist? Darf man das moralisch überhaupt obwohl die beiden Eltern doch noch fit im Kopf sind? Ute Mank erzählt hier wieder bravourös ganz scharfe und wichtige Themen und greift sie sich und klamüsert sie aus. Genau wie in „Wildtriebe“ ist so oft herrlich zweideutig, gibt dem Leser viel Futter zwischen den Zeilen und ja, sie regt wieder die eigenen Gedanken dazu an. Was ist denn das Elternhaus überhaupt wert? Hängen doch so immens viele Erinnerungen daran! Der Streit der Schwestern zeigt deutlich auf, wie unterschiedlich dies alle sehen können und wie unterschiedlich die Meinungen dazu auseinander gehen. Sanne sieht sich halt als beste Beobachterin aber ist sie das auch wirklich? Das Elternhaus ist bildhaft gesehen wie der Wurzelstock einer Familie und schlussendlich liegt es irgendwann an den Nachfahren darüber zu entscheiden was damit geschieht aber wie einen vertretbaren und für alle akzeptablen Umgang damit finden? Ute Mank versteht es hier wieder den Leser in schwierige Themen gekonnt mitzunehmen. Ihr Schreibstil ist grandios klar und schnörkelfrei. Die Geschichte liest sich schnell aber man überliest nichts dabei. Ihre Geschichte geht tief unter sie Haut und ja, sie trifft irgendwo auch die eigene Seele. Durch ihre Darstellungen der Charaktere entwickelt man Sympathien aber auch genau das Gegenteil…Ich kann hier abschließend wieder klar sagen: Ute Mank schreibt einfach großartig und somit ist auch diese Geschichte wieder ein echter Leckerbissen für alle, die gern auch mal unangenehme aber so wahre Themen (die gern mal unter den Teppich gekehrt werden) anspricht, das die Wände des Elternhauses wahrlich zu wackeln beginnen! 5 Sterne inkl. Leseempfehlung für dieses Werk!