In eisiger Nacht

Rezensionen zu "In eisiger Nacht"

  1. Ich war jung und brauchte/wollte das Buch

    Ja, es ist ein Rezensionsexemplar. Ja, es war umsonst Ein belletristischer über einen der Wachstumsmärkte des 21. Jahrhunderts. Wir sprechen nicht über einen Titel zum Thema Drogen, Produktion, Schmuggel und alles was da dran hängt, was sollte hier noch nach Don Winslow neu geschrieben werden? Wir sprechen über eini nettes kleines Kammerspiel zu den Themen Zwangsprostitution und illegale Einwanderung. Es ist immer eein suboptimaler Einstieg mit dm vierten Titel einer Reihe. Die Protagonisten haben sich in ihrem Binnenverhältnis organisiert, der Leser der vorherigen Bände ist über Weltanschauung, sexuelle Orientierung und die Lieblings-Fussballvereine der "Helden" informiert kann sich zurücklegen, ein Dreiblatt rauchen und in den londoner Alptraum eintauchen.....

    Jepp, mit dem vierten Band starten ist schon anders, der Bademeister zieht Dich an den Beckenrand, gibt Dir einen Tritt in den Rücken und dann passiert etwas, irgendetwas.... Du bist auf der Höhe der blauen Kacheln, bekommst Gummiringe von 2,5 Kilo in den Nacken und musst entscheiden, wo bzw. will ich wieder auftauchen nur um wieder von gorillaartigen beharten Armen umschlungen zu werden, die Dir ins Ohr brüllen: "Du schaffst das" und anschliessend wieder ins Becken einzutauchen....

    Nein, kein Bademeister in der Nähe, zum Glück, lediglich ein solide eingebundenes Taschenbuch auf dessen Umschlag der Leser erkennt, dass die Handlung in England angesiedelt ist.

    Migration im Kriminalroman? Jepp gibt es Titel hierzu..... Man kannn Ridley Pearson: Das erste Opfer googlen und stösst auf einen RRoman in dem die Passagiere das gelobte Land in Seecontainern erreichen oder tot angeschwemmt werden....

    Was erwartet nun den Leser diieses Romans? Ein Autor der auch jounalistisch unterwegs ist. Passagenweiese hat man das Gefühl bereits das Drehbuch für die Staffel zum Buch zu lesen.

    Ein LKW mit Thermoaufbau wird in der Londoner Innenstadt gefunden. Bis auf eine junge Dame, deren Körperkerntemperatur in einem letalen Bereich liegt, verbrauchen die Passagiere keinen Sauerstoff (mehr)).

    Im Füherhaus finden sich Reisepässe und schon hat unserer Ermittler einen HHinweis auf die Nationalitäten der Damen. Um die Ecke befindet sich ein Zentrum für sexuelle Dienstleistungen aller Art in dem diie Mitarbeiterinnen -in der Regel- über einen gesicherten Aufenthaltsstatus verfügen.

    Die Inhaberin wird zur Schlüsselinformantin für unseren netten Kommissar, der ungewohnt in dem Genre weder ein Alkoholproblem hat noch schwul ist, aber in der Innenstadt Londons ein grosses Loft zusammen mit seiner Tochter bewohnt (unterstützt von einer irischen Nanni).

    Er hat eine Vorgesetzte, deren Sohn kurz zuvor bei einer Kneipenschlägerei das Augenlicht verloren hat, die neue Situation noch nichht erfasst hat und seinen neuen Blindenhund zu Beginn des Buches mit Nichtachtung bestraft.

    Aha, wer keine Labroodors/Retriever mag, ist unnnett. Wer unnett ist kommt aus einer unnetten Herkunfsfamilie, ergo hat unser Komissar durch das Buch hindurch ein Problem mit einer wenig empathischen Voorgesetzten.

    Soviel sei hier verraten, der Hund wird gegen Ende des Buches von dem jungen Mann liebevoll aufgenommen.

    Immer wieder stoosoen unsere Akteuure auf ein Netzwerk aus Prostitution, Logistik für Frischfleisch, überflüssigen britischenn Kriminellenclans, deren Erbgründe zwischenzeitlich von AAlbanern und Chinesen übernommen worden sind und Tatverdächtige, die sich an Fleischerhaken in Kühllastern wieder finden.

    Der Leser erfährt in diiesem unaufgeregt uninvestigativem Roman, dass sich das Böse in der Fährhäfen nach Grossbritannien versammelt und dann und wann anschickt den Kanal in den Laderäumen angehaltener LKWs zu überqueren.

    Angeführt wird das Böse von einem jungen Mann mit Dreadlocks und Tribals im Gesicht, die spontan Reminiszenzen an die Uruk Kais im Herrn der Ringe wecken.

    Was bleibt?

    Ein engagierter Roman über ein aktuelles Thema der an der scherenschnitttartigen Konstruktion der Akteure leidet. Gut gemeint halt...... Man kann ihn wegziehen, ja es ist ein Pageturner, ja schon, aber schade um die schöne Zeit.

  1. Aktuell aber zu forciert

    In einem Kühllaster, aufgefunden im Londoner Chinatown, liegen zwölf Frauen, elf davon erfroren, eine so gut wie tot. 13 Pässe werden gefunden. Es beginnt eine fieberhafte Suche nach der einzigen Überlebenden.
    Tony Parsons lässt „In eisiger Nacht“ DC Max Wolfe zum vierten Mal ermitteln. Und wieder ist es ein hochaktuelles Thema, das der britische Autor bei diesem Kriminalroman angeht. Illegaler Menschenhandel, moderne Sklaverei mit all seiner brutalen Härte. Die Ermittlungen führen die Londoner Polizei zu alteingesessenen Verbrecherclans, der chinesischen Mafia und osteuropäischen Schleppern. Es ist ein dreckiges Geschäft mit dreckigen Mitteln. Auch für den Boxer Max Wolfe sind das sehr harte Bandagen.
    Ich mochte die ersten drei Bücher aus dieser Reihe recht gerne, hatte aber bei diesem Band ein wenig das Gefühl, dass die Handlung zu forciert war. Gewalt ist in dem Milieu, in dem der Krimi angesiedelt ist, leider alltäglich. Das kann man auch als Leser aushalten. Aber manche Szenen, wie Aufruhr und Massenschlägereien mündeten oft in einem erzählerischen Durcheinander, dass ich nicht mehr wusste wo oben und unten ist. Dann wiederum hält sehr Privatleben der Ermittler die Handlung auf. So bleibt mir zwar der Charakter des Max Wolfe als sympathisch und menschlich , das Gesamtbild des Kriminalromans aber nur mittelmäßig in Erinnerung.

  1. 4
    25. Jan 2018 

    Schlepper

    Ein Kühllaster mit mehreren jungen Frauen trifft in London ein. Der Fahrer war nicht in der Lage, den Thermostat richtig einzustellen. Die Frauen auf der Ladefläche sterben an Unterkühlung. Als Detective Max Wolfe an dem Fahrzeug ankommt, ist eine Frau, die wohl im Führerhaus saß geflohen, eine gerade noch am Leben und elf weitere bereits verstorben. Niemand möchte in so eine Situation gelangen. Doch Max hält der jungen Frau die Hand. Leider schafft auch Hana es nicht, doch sie ist die Einzige, die identifiziert werden kann, weil ihr Paß echt war. Sie wollte Krankenschwester werden.

    In seinem vierten Auftritt ermittelt Detective Max Wolfe im Milieu der Menschenschleuser. Junge Frauen werden aus ihren Heimatländern gelockt, um in die Prostitution getrieben zu werden. Ein grausames Geschäft, in dem ein Menschenleben nichts zählt. Die Ware muss ihre Arbeitskraft in welcher Form auch immer liefern und Verluste werden in Kauf genommen. Wolfe ist entsetzt über das, was er in Erfahrung bringt. Letztlich kann der Staat nicht viel tun. Wie soll verhindert werden, dass die Schönsten der Dörfer den Lügen und leeren Versprechungen der Gangster aufsitzen. Da scheint es kaum eine reelle Chance zu geben.

    Zu Beginn fühlt man sich an den Fall der Flüchtlinge erinnert, die tot in einem LKW aufgefunden worden. Auch wenn es sich nur um einen Roman handelt packt einen doch das Grauen. Sehr schlimm muss es sein, wenn man merkt, dass man nicht aus der Kälte entkommen kann. Das gelobte Land wird zu einem kalten Sarg. Die großen Hoffnungen, die strahlenden Augen zu Beginn der Reise, zerstört, erloschen. Man kann verstehen, dass Wolfe mit großer Verbissenheit versucht die Hintergründe zu ermitteln. Solche üblen Täter möchte man hinter Gittern wissen, auch wenn klar ist, dass ein gelöster Fall lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Doch man denkt auch, steter Tropfen höhlt den Stein. Und so kann jede Verhaftung helfen, einem Menschen das Leben zu retten. Der düsteren Stimmung, die über dem Fall hängt, kann man sich kaum entziehen. Je tiefer Max vordringt, desto schlimmer werden seine Entdeckungen.

    Auch wenn Tochter und Hund Licht und Lebendigkeit in Max Wolfes Leben bringen, fordert dieser harte Krimi dem Leser ab, sich mit einem Thema auseinander zu setzen, von dem einem am Liebsten wäre, es würde nicht existieren, weil es Mensch einfach nicht nötig haben sollten, sich in die Hände solch perfider Menschenhändler begeben zu müssen.