Eisige Tage

Buchseite und Rezensionen zu 'Eisige Tage' von Alex Pohl
4
4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Eisige Tage"

Die Welt des Verbrechens beginnt vor deiner Haustür ...

Winter in Leipzig, die Stadt erstarrt in Eiseskälte. In einem Auto am Elster-Saale-Kanal wird die steifgefrorene Leiche eines Anwalts gefunden. Was für die smarte Kommissarin Hanna Seiler und ihren starrköpfigen Kollegen Milo Novic zunächst nach einem Routine-Mordfall aussieht, entpuppt sich rasch als ein Dickicht krimineller Verstrickungen: Im Besitz des Toten finden sie skandalträchtiges Material, darunter das Foto eines minderjährigen Mädchens, das seit einer Woche vermisst wird. Während die Stadt im Schnee versinkt, müssen die Ermittler eine düstere Welt betreten, in der schon die Jüngsten gefährliche Spiele treiben …

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:432
EAN:

Rezensionen zu "Eisige Tage"

  1. Winter in Leipzig

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 04. Sep 2021 

    Der Anwalt Michail Malinowski wird tot in seinem Auto aufgefunden. Trotz der Eiseskälte bietet die Leiche mit der Schusswunde keinen schönen Anblick. Die Kommissare Hanna Seiler und Milo Novic haben zunächst nicht viele Anhaltspunkte. Offensichtlich hat der Tote wohl Verbindungen zum organisierten Verbrechen gehabt. Eine Befragung des örtlichen Paten bringt jedoch nichts, er behauptet, er habe die Dienste des Anwalts schon seit Jahren nicht mehr in Anspruch genommen. Wer sollte also Interesse am Tod Malinowskis gehabt haben? Die Lebensumstände erweisen sich als ungewöhnlich. Er lebte fast verwahrlost, hatte aber dennoch wertige Besitztümer. Aus seiner Tätigkeit als Anwalt kann er das nicht finanziert haben.

    In ihrem ersten Fall haben Seiner und Novic es gleich mal nicht leicht. Wie nicht anders zu erwarten, sind die Zeugen nicht gerade auskunftsfreudig. Aus kleinen Indizien müssen sie versuchen, etwas herauszulesen. Eine erste Spur ergibt sich aus den Akten des Anwalts. Hier entdecken die Ermittler Fotos von offenbar noch minderjährigen Mädchen. Wie ist Malinowski an die Bilder gekommen? Und zu welchem Zweck wurden sie aufgenommen? So langsam wird es Hanna Seiler und Milo Novic unheimlich. Was für einer Sache sind sie da auf die Spur gekommen?

    Dieser Kriminalroman ist wirklich eine kleine Entdeckung. Vom sympathischen Ermittlerteam bis zu dem spannenden Fall. Seiler und Novic sind sehr unterschiedliche Charaktere, ergänzen sich in ihrer Arbeit aber gerade deshalb sehr gut. Was sie in ihrem bisherigen Leben mitgemacht haben, wird angedeutet und von ihrem Privatleben wird mit angenehmer Zurückhaltung berichtet. Intensiver geht es da schon um den Mord, der zunächst viele Rätsel aufgibt. Der Gedanke, dass er sich nicht im Russen-Milieu abgespielt haben soll, erscheint etwas abwegig. Umso geschickter ist dem Autor hier eine Art Quadratur des Kreises gelungen, die zu einigen überraschenden Wendungen führt. Es wird von einer Wirklichkeit berichtet, die hoffentlich in großen Teilen der Phantasie entsprungen ist. Jedenfalls ist man von Beginn an gepackt und man hechelt durch das Buch, weil man einfach schnell die Zusammenhänge erkennen möchte.

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  1. Menschen sind keine Ware mit der man handeln kann

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Apr 2019 

    "Kinder sind keine Ware, sondern das höchste Gut einer zivilisierten Welt." (Klaus Kinkel)
    Eisige Kälte umgibt die Stadt Leipzig, da findet man in einem Auto am Rande des Elster-Saale-Kanals einen Toten. Mit einem Einschussloch im Kopf und steifgefroren wurde der Anwalt Michail Jegorowitsch Malinowski dort zurückgelassen. Die Leipziger Kommissare Milo Novic und Hanna Seiler werden zum Tatort gerufen. Noch ahnen sie nicht das dieser Fall weitere Verstrickungen in die russische Mafia Szene mitbringen wird. Erst als sie in Malinowskis Besitz skandalöses Material u. a. Fotos von einem minderjährigen Mädchen wiederfinden, das man schon länger vermisst ahnen sie schlimmeres. Außerdem finden sie weitere Fotos von vermissten Mädchen in seinem Besitz. Das sich in diesen Handel allerdings auch Minderjährige betätigen, entdecken Hanna und Milo erst nach und nach. Zudem rennt den beiden die Zeit davon, den ein weiteres Mädchen wird erst seit kurzem vermisst. Außerdem sind sie auf der Suchen nach einem Amoklaufenden Vater eines der vermissten Mädchen.

    Meine Meinung:
    Das düstere, winterliche Cover passte sehr gut zum Inhalt dieses Krimis mit dem neuen Ermittlerteam aus Leipzig. Da ich den Autor schon unter seinem Pseudonym L.C. Frey kannte, wollte ich dieses Buch unbedingt lesen. Der Schreibstil war locker, einfach, allerdings wirkte er auf mich sehr abgehackt, stockend und so kam leider bei mir kein richtiger Lesefluss auf, wie ich es sonst von seinen Büchern her kannte. Die Überschriften der einzelnen Szenen halfen mir zwar dabei, dass ich wusste um, was es gerade ging, doch die Sprünge der einzelnen Szenen waren mir definitiv zu kurz und zu viel. Deshalb wurde ich von daher nie richtig mit den Ermittlern warm. Dafür das dies als Auftakt einer neuen Ermittlerreihe diente, war mir die Vorstellung der beiden Ermittler zu oberflächlich, ich hätte mir da weitaus mehr Tiefgang gewünscht um die beiden noch näher kennenzulernen. Jedoch hoffe ich, das dies in den nächsten Folgen noch geschieht. Der Plot bei dem es größtenteils um Kinderhandel, Kinderprostitution und Kindesmissbrauch ging, war interessant, doch gerade durch die vielen Szenen fehlte mir dann etwas der rote Faden an der ganzen Sache. Ebenfalls kam die Spannung erst richtig am Ende auf, so das dieser Fall die meiste Zeit eher so dahinplätscherte. Die Charaktere waren zwar gut durchdacht, allerdings tat ich mich mit den vielen russischen Namen schwer. Vielleicht wäre da ein Personenregister am Anfang oder Ende nicht schlecht gewesen. Auch die beiden Ermittler konnten mich noch nicht ganz überzeugen. Milo Novic ist schon sehr speziell mit seinen emotionalen Defiziten und seinen Problemen, die sicher von seiner Kindheit in Serbien herrühren. Jedoch könnte das durchaus noch interessant werden in den nächsten Folgen. Allerdings empfand ich ihn hier als sehr gefühlskalt, emotionslos und unnahbar. Hanna Seiler die ihren Mann so tragisch verloren hatte und nun den Sohn alleine erziehen muss, empfand ich zwar auch etwas gefühlskalt, jedoch erschien sie mir sehr mutig, ehrlich und hatte ein gutes Einfühlungsvermögen. Mit den vielen russischen Charakteren wurde ich leider nie richtig warm, jedoch wurden sehr gut charakterisiert, so das ich alles nachvollziehen konnte. Alles in allem ein Auftakt, bei dem noch Luft nach oben ist und dem ich 3 1/2 von 5 Sterne (aufgerundet 4) gebe.

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  1. Interessanter Auftakt einer neuen Krimi-Reihe...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 31. Mär 2019 

    Winter in Leipzig, die Stadt erstarrt in Eiseskälte. In einem Auto am Elster-Saale-Kanal wird die steifgefrorene Leiche eines Anwalts gefunden. Was für die smarte Kommissarin Hanna Seiler und ihren starrköpfigen Kollegen Milo Novic zunächst nach einem Routine-Mordfall aussieht, entpuppt sich rasch als ein Dickicht krimineller Verstrickungen: Im Besitz des Toten finden sie skandalträchtiges Material, darunter das Foto eines minderjährigen Mädchens, das seit einer Woche vermisst wird. Während die Stadt im Schnee versinkt, müssen die Ermittler eine düstere Welt betreten, in der schon die Jüngsten gefährliche Spiele treiben…

    In sechs Teile ist dieser Krimi gegliedert, betitelt mit eisigen Begriffen wie 'Erster Schnee', 'Graupelschauer', 'Gefrierpunkt'... Vorangestellt ist ein Prolog, am Ende steht ein Epilog. Untergliedert sind die eisigen Abschnitte in zahlreiche kurze Kapitel, jeweils mit Ort und Zeit überschrieben, was sich als sinnvoll erweist, da die häufigen Orts-, Zeit- und Perspektivwechsel bis zum Schluss schon recht verwirrend sind. Die Kürze der Kapitel sorgt gemeinsam mit dem nahezu süffigen Schreibstil für einen ungeheuren Leseflow, so dass es phasenweise schwerfällt, das Buch überhaupt noch aus der Hand zu legen.

    Dieser Krimi ist der erste, den Alex Pohl unter seinem Klarnamen veröffentlicht hat. Zuvor hat er schon etliche Krimis und Thriller unter seinem Pseudonym L.C. Frey veröffentlicht. Gelesen habe ich davon bisher nur 'Die Schuld der Engel', ein Thriller, der mir bereits aufzeigte, dass der Autor wirklich schreiben kann. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als ich nun die Gelegenheit erhielt, mit 'Eisige Tage' den Reihen-Auftakt im Rahmen einer Leserunde zu lesen.

    In der Vorweihnachtszeit stellt der Tod eines Anwalts die Kommissare Hanna Seiler und Milo Novic von der Leipziger Polizei vor eine große Aufgabe. Denn kaum beginnen sie zu ermitteln, entpuppt sich der Mord als die Spitze eines Eisbergs. Plötzich finden sich die Kommissare in einem Sumpf wieder von Kindesmissbrauch, Kinderpornografie, dem Fall eines verschwundenen Mädchens, illegalem Waffenbesitz und der Russenmafia - da kommt schon etwas zusammen. Dabei schafft Alex Pohl eine ausgesprochen düstere und kalte Atmosphäre, die nur z.T. der eisigen Kälte im Dezember geschuldet ist.

    Der Fall ist sehr verworren, und mit jeder neuen Erkenntnis wächst im Grunde die Anzahl der Fragezeichen. Doch irgendwie hatte ich hier den Eindruck, dass es zwar auch um die Ermittlungen geht, dass hier im Wesentlichen aber die Charaktere eingeführt werden sollen, die auch in den folgenden Bänden der Reihe eine Rolle spielen dürften. Jedenfalls punktete dieser Krimi für mich nicht durch Spannung, sondern lebte eher von der Verwirrung durch die ständigen Handlungs- und Zeitsprünge sowie durch die Besonderheiten der Charaktere.

    Mit Hanna Seiler und Milo Novic hat Alex Pohl sehr gegensätzliche Kommissare zusammengeführt. Hanna ist seit dem Selbstmord ihres Mannes alleinerziehende Mutter eines neunjährigen Sohnes. Diese Doppelbelastung meistert sie in der Regel bisher ganz gut, hat aber das Gefühl, nicht immer allem gerecht zu werden. Etwas mysteriös erscheint ihre wie auch immer geartete Verbindung zum Kopf der russischen Mafia der Stadt, Onkel Iwanow. Durch Kontakte in vorherigen Fällen scheint Hanna Iwanow gegenüber verpflichtet zu sein - vielleicht auch mehr? Diese Frage löst sich in diesem Band jedenfalls nicht auf.

    Milo Novic ist ein sehr spezieller Charakter, ein Einzelgänger mit emotionalen Schwächen. Er geht wenig auf andere Menschen ein, kann sich oftmals nicht vorstellen, wie er auf andere wirkt oder was seine Äußerungen bei seinem Gegenüber auslösen könnten. Er ist hochsensibel, versucht sich vor zu vielen und intensiven Reizen (Geräuschen, Gerüchen, visuellen Eindrücken) zu schützen und verschanzt sich am liebsten in seiner Wohnung, wo er stundenlang klassische Musik hört. Ob er nun in Richtung Asperger Syndrom einzuordnen ist oder ob seine Verhaltensbesonderheiten seiner Hochsensibilität bzw. traumatischen Kindheitserfahrungen zuzuordnen sind, kann ich bislang nicht abschließend beurteilen. Deutlich ist aber, dass Milo Novic Synästhektiker ist: er sieht Farben bei Gerüchen und bei Musik.

    Als Ermittler tun sich Seiler und Novic in diesem Krimi m.E. noch nicht sonderlich hervor. Zwar zeigt Novic gelegentlich eine feine Intuition, aber letztlich kommen sie in dem Fall nur durch die Unterstützung Dritter voran. Vor allem der Pate Leipzigs, der Russe Iwanow, überrascht hier doch das ein oder andere Mal. In jedem Fall hat Alex Pohl mit diesem 'Bösewicht' einen interessanten Antagonsiten geschaffen, der sicher auch in den kommenden Bänden eine Rolle spielen wird. Gerade hinsichtlich der Russen-Mafia ist mir hier ein wenig zu klischeehaft gestrickt worden, aber die Reibungspunkte werden dadurch natürlich deutlich herausgestellt...

    Dafür dass es sich hier 'nur' um einen Krimi handelt, gibt es hier überraschend viele recht brutale Szenen. Da darf man als Leser nicht empfindlich sein und muss die oben benannten Themen nebst reichlicher Gewaltszenen auch im Detail aushalten können. Dann aber wird man mit einem flüssig zu lesenden und interessanten Fall belohnt, der wirklich Lust macht auf die kommenden Folgen.

    Alles in allem jedenfalls ein recht gelungener Auftakt zur neuen Krimi-Reihe, für den ich (aufgerundete) 3,5 Punkte vergebe...

    © Parden

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