Eine Odyssee: Mein Vater, ein Epos und ich - Der internationale Bestseller

Buchseite und Rezensionen zu 'Eine Odyssee: Mein Vater, ein Epos und ich - Der internationale Bestseller' von Daniel Mendelsohn
4.75
4.8 von 5 (8 Bewertungen)

Mein Vater, ein Epos und ich
Gebundenes Buch
Eine berührende Vater-Sohn-Geschichte auf den Spuren des homerischen Epos

Als Jay Mendelsohn, pensionierter Mathematiker und 81 Jahre alt, eines Tages spontan beschließt, den Uni-Grundkurs seines Sohnes Daniel zum Thema "Odyssee" zu besuchen, ahnen beide Männer nicht, dass dies der Beginn einer ganz eigenen Familien-Reise ist. Vater und Sohn folgen auf einer Schiffsroute den Spuren des homerischen Epos - und im Angesicht der eigenen Sterblichkeit überwinden sie ihr gegenseitiges Schweigen.

Ein 4000 Jahre alter Mythos behandelt all die Menschheitsthemen, die uns noch immer bewegen: Familie, Identität, Heimat. Und zugleich weist er einem Vater und einem Sohn den Weg, wieder zueinander zu finden.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:352
EAN:9783827500632

Rezensionen zu "Eine Odyssee: Mein Vater, ein Epos und ich - Der internationale Bestseller"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 05. Aug 2019 

    Ein klassisch-modernes Heldenepos

    Kaum zu glauben, aber ich habe ein Sachbuch gelesen - wenn auch ein erzählendes Sachbuch. Aber Sachbuch ist Sachbuch.
    Der Autor Daniel Mendelsohn ist Professor für Altphilologie. In seinem Buch "Eine Odyssee" geht es natürlich um das klassische Heldenepos aus der Antike. Odysseus braucht 10 Jahre um aus dem Trojanischen Krieg nach Hause zurück zu kommen. Während dieser 10 Jahre erlebt er mehr oder weniger spektakuläre Abenteuer. Am Ende kehrt er wieder mit Hilfe der Götter in seine Heimat Ithaka zurück, wo sich seine Frau Penelope in seiner Abwesenheit diverser Annäherungsversuche seiner Konkurrenten erwehren musste. Ihre Ehre konnte sie retten. Sie konnte jedoch nicht vermeiden, dass sich Odysseus' Konkurrenten an Ithakas Hof einquartiert und sich durchgeschnorrt haben. Als Odysseus wieder in seine Heimat zurückkehrt, macht er kurzen Prozess mit den Schnorrern.
    Dies ist meine persönliche Schmalspur-Version der Odyssee, die es im Original insgesamt auf 24 Gesänge (Strophen) und 12110 Verse bringt.
    Daniel Mendelsohn gibt ein Seminar zum Thema der Odyssee. Überraschenderweise wird auch sein Vater Jay, 81 Jahre und pensionierter Mathematiker, an diesem Kurs teilnehmen.
    Das Seminar geht über mehrere Wochen, ist aber der Anfang eines Jahres, das Vater und Sohn einander näher bringt. Leider ist es auch das letzte Jahr im Leben von Jay Mendelsohn.

    Was hat mich Sachbuch-Muffel dazu gebracht, zu diesem Buch zu greifen? Zunächst bin ich nicht nur Sachbuch-Muffel sondern auch ein Kulturbanause, wenn es um die alten Griechen geht. Wie wahrscheinlich viele andere, habe ich nur ein rudimentäres Wissen über griechische Klassiker, das mir nach und nach zugeflogen ist. Mein Interesse an den Klassikern ist groß, mein Respekt vor der Lektüre von Klassikern ist jedoch größer. Daher fand ich den Gedanken ganz charmant, ein Buch von einem Altphilologen zu lesen, der mir die Geschichte von Odysseus ein Stück näher bringt. Hinzu kam die Aussicht auf eine Verbindung zwischen dem antiken Heldenepos und dem Leben von heute. Denn Daniel Mendelsohn stellt in seinem Buch Parallelen zwischen dem alten Griechen und dem Leben seines Vaters Jay sowie der Vater-Sohn-Beziehung (Jay/Dan) her.

    Wie hat Daniel Mendelsohn die beiden Aspekte umgesetzt?
    Die Odyssee
    Bei Daniel Mendelsohn würde ich auch gern in der Vorlesung sitzen. Er hat eine lebhafte Art, die Odyssee zu erläutern bzw. Interpretationsansätze zu vermitteln. Er weist auf viele sprachliche Eigenheiten hin, genauso wie auf Verbindungen zu anderen klassischen Werken der griechischen Antike. Das kann manchmal zu einem Informations-Overflow führen. Gerade am Anfang des Buches, versucht man möglichst viel Wissen in sich aufzusaugen. Man sollte beim Lesen jedoch die Schwäche zulassen, nur ein Teil dessen zu verarbeiten, was man tatsächlich an Informationen mitbekommt. Denn machen wir uns nichts vor. Die Odyssee existiert seit etwa 3000 Jahren. Viele Gelehrte haben sich aufgrund unterschiedlicher Interpretationsansätze an die Köpfe gekriegt. Da kann man als Leser dieses Buches doch nicht erwarten, dass man das, wofür andere Jahre lang studiert haben, innerhalb von knapp 350 Seiten verinnerlicht. Mut zur Wissens-Lücke! Denn am Ende dieses Buches hat man immer noch reichlich Input zur Odyssee bekommen, dass man die Lektüre dieses Buches als Bereicherung empfindet.
    Eine andere Form der Bereicherung erhält man durch die Darstellung der
    Vater-Sohn-Beziehung
    Jay war zeitlebens ein verschlossener und ernsthafter Mensch, der seinen Söhnen (Dan hat noch einen Bruder) einen Mordsrespekt, wenn nicht sogar Angst eingeflößt hat. Stärke zeigen, in allen Lebenslagen. Diesen Anspruch hatte Jay nicht nur an sich, sondern natürlich auch an seine Mitmenschen. Seine Verächtlichkeit gegenüber Schwäche konnte schon verletzen, wobei er seinen Söhnen gegenüber nie ausfallend geworden ist. Seine Kritik war eher eine stille und zurückhaltende, die aber gerade deswegen umso heftiger spürbar war.
    Jay ist ein Bücherwurm. Es gab quasi nichts, was er sich nicht selbst aneignen konnte. Und darauf war er stolz. Nur bei einem Punkt hatte er Nachholbedarf: das Erlernen von Latein und das Lesen der griechischen Klassiker. Wie sein Sohn Dan hat Jay schon früh sein Interesse an der Altphilologie entdeckt. Aus unbekannten Gründen schlägt er jedoch den Weg der Mathematik ein - an und für sich kein falscher Weg, denn auch hier hat er großes Talent. Umso mehr freut es ihn, dass Dan sich für den Studienzweig der Altphilologie entscheidet.
    Nun taucht also der Vater bei seinem Sohn in der Vorlesung auf. Eine unangenehme, wenn nicht gar peinliche Situation für den Sohn. Von Woche zu Woche sitzt ihm also sein Vater wortwörtlich im Nacken - auf einem Stuhl in einer Ecke des Seminarraums verfolgt Jay die Vorlesung. Dabei hält er nicht mit Kritik hinter dem Berg. Nicht an der Unterrichtsmethodik seines Sohnes sondern an Odysseus dem Helden selbst:
    Jay liefert interessante Denkansätze und trägt somit zur Diskussion der Studenten über den Lernstoff bei. Dan kann einfach den Missmut über die Teilnahme seines Vaters an seinem Seminar nicht ablegen, obwohl er häufig durch die Beiträge seines Vaters überrascht wird. Im Verlauf des Seminars entdeckt Dan viele Facetten an seinem Vater, die ihm bis dato nicht bewusst waren. Und so zeichnet sich ab, dass die bisherige Vater-Sohn-Beziehung neu definiert wird.
    Dazu trägt auch eine gemeinsame Kreuzfahrt bei, welche die beiden im Anschluss an das Seminar unternehmen werden. Die Grundidee für diese Reise war zunächst, die Seminarinhalte mit Leben zu füllen, indem man die Originalschauplätze der Odyssee besucht. Doch tatsächlich wird diese Reise ein weiterer Beitrag, um die Vater-Sohn-Beziehung in einem völlig anderen Licht aufleben zu lassen.

    Die Parallelen, die Daniel Mendelsohn zwischen der Odyssee und einem persönlichen Teil seines Lebens herstellt, sind in diesem Buch überall zu finden. Jay ist Dans Odysseus. Jays Leben im Ganzen, aber auch das letzte Jahr, indem sich Vater und Sohn näher kommen ist die Odyssee. Es gibt Charaktere in der Odyssee, die auf Protagonisten im Leben von Dan und Jay adaptiert werden können.
    Der grobe Aufbau der Odyssee sowie stilistische Mittel finden sich in der Erzählung über die Vater-sohn-Beziehung wieder.
    Mendelsohn zieht seine Kreise in der Erzählung. Er kommt vom "Hündchen" aufs "Stöckchen". Zu manchen Gegebenheiten holt er weit aus, kramt in der Vergangenheit, findet aber immer den Weg zurück in das Seminar über die Odyssee und der Beschreibung des letzten Lebensjahres seines Vaters.

    Fazit:
    Ich bin restlos begeistert von diesem Buch. Es ist lebhaft geschrieben. Durch den steten Wechsel zwischen den Erläuterungen zur Odyssee und der Vater-Sohn-Beziehung kommt es zu keinerlei Ermüdungserscheinungen innerhalb des wissenschaftlichen Teils, was ich anfangs befürchtet hatte. Tatsächlich habe ich zwischenzeitlich vergessen, dass es sich um ein Sachbuch handelt. Es gab Entwicklungen in der Geschichte um die Vater-Sohn-Beziehung, in der ich die Fantasie des Autors bewundert habe. Aber von wegen Fantasie. Dies ist eine Geschichte aus dem echten Leben und für mich der Beweis, dass das Leben die schönsten Geschichten schreibt.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 05. Jul 2019 

    Literatur und das Leben

    Es kommt überraschend für den Altphilologen Daniel Mendelson, als sich sein 81-jähriger Vater Jay entschließt, an seinem College-Seminar über Homers Odyssee teilzunehmen. Ein Entschluss, der Vater und Sohn unerwartet nahe zusammenführt. Die beiden verbringen eine sehr intensive Zeit miteinander, gehen sogar zusammen auf eine Mittelmeerkreuzfahrt auf Odysseus‘ Spuren.
    Daniel Mendelsohn erzählt von dieser Zeit. Es ist eine sehr berührende und emotionale Geschichte. "Eine Odyssee: Mein Vater, ein Epos und ich“ ist kein Roman und keine Biografie, der Verlag nennt das Buch ein „erzählendes Sachbuch“. Dabei verwebt Daniel Mendelsohn die Geschichte seines Vaters Jay sowie seine eigene Lebensgeschichte mit sprachwissenschaftlichen Überlegungen zu Homers Epos.
    Die Odyssee, eine 3000 Jahre alte Geschichte, die von Familie, Identität, Herkunft und Heldentum erzählt, als Auslöser für eine Reise zu den eigenen Wurzeln. Das hört sich zunächst etwas herausfordernd an. Aber Daniel Mendelsohn bleibt bei allen wissenschaftlichen Interpretationen und Analysen des umfangreichen Klassikers der griechischen Antike in Sprache und Stil auf einer absolut gut verständlichen Ebene. Odysseus‘ Sohn Telemach kennt den eigenen Vater nicht, das unterscheidet ihn wohl von Daniel. Doch auch der Autor lernt den Vater am Ende seiner Tage auf eine ganz neue Weise kennen. Gegen Ende des Buches verstärkt sich die Verbundenheit von Vater und Sohn zunehmend, fast so als ob der Autor den wissenschaftlichen Teil ein klein wenig als Vorwand benutzt hätte, ein zutiefst emotionales Buch über seinen Vater schreiben zu können.
    „Das Gedicht ist realer!“, sagt Jay zu Daniel während der Kreuzfahrt. Große Literatur und das Leben an sich, da ist oft nicht viel dazwischen!

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 29. Jun 2019 

    Auch ein erzählendes Sachbuch kann spannend zu lesen sein...

    Als Jay Mendelsohn, pensionierter Mathematiker und 81 Jahre alt, eines Tages spontan beschließt, den Uni-Grundkurs seines Sohnes Daniel zum Thema „Odyssee“ zu besuchen, ahnen beide Männer nicht, dass dies der Beginn einer ganz eigenen Familien-Reise ist. Vater und Sohn folgen auf einer Schiffsroute den Spuren des homerischen Epos – und im Angesicht der eigenen Sterblichkeit überwinden sie ihr gegenseitiges Schweigen.

    Ein 3000 Jahre alter Mythos behandelt all die Menschheitsthemen, die uns noch immer bewegen: Familie, Identität, Heimat. Und zugleich weist er einem Vater und einem Sohn den Weg, wieder zueinander zu finden.

    Klassiker! Natürlich ahnt jeder, dass es sich dabei um bedeutende Werke handeln muss, die ihre Spuren bis in die Neuzeit hinterlassen. Aber wirklich lesen? Abgesehen einmal von Lesekreisen, die sich genau dies zum Ziel setzen, kenne ich nur wenige Menschen, die sich im Alltag tatsächlich mit Klassikern beschäftigen.

    Auf die Odyssee stieß mich zuletzt ein ganz anderer Roman: 'Nichts weniger als ein Wunder' von Markus Zusak. Immer wieder tauchten in dem Roman Anspielungen, Namen, Episoden aus dem antiken Epos auf - und tatsächlich stellte sich die Frage, ob man diesen Roman nicht auf einer anderen Ebene lesen würde, wenn man die Odyssee selbst gelesen hätte.

    Aber ernsthaft die Odyssee? Über 12000 Verse in altertümlicher Sprache? Das konnte ich mir dann doch nicht vorstellen. 'Eine Odyssee' von Daniel Mendelsohn versprach da zumindest einen anderen Zugang. Informationen zum Epos, durchaus, aber auch Erläuterungen und v.a. auch Bezüge zur heutigen Zeit. Das klang vielversprechend!

    Aber, ach. Was bin ich ungebildet...

    Das war mir nach dem 57(!)seitigen Vorwort, dem Proömium klar. Dort schöpfte der Autor aus dem Vollen und lässt den Leser, so er denn nicht gut mit der Odyssee vertraut ist, erst einmal im Regen stehen. Auszüge aus anderen antiken Schriften, Interpretationen einzelner Textstellen, Konjugationen altgriechischer Verben, Etymologie wohin man nur schaut - hui. Ein eher entmutigender Start.

    Doch das Durchhalten lohnt sich. Daniel Mendelsohn präsentiert hier zwei parallele Erzählstränge - einmal rund um die Odyssee und das Seminar mit den durchaus interessanten Diskussionen, und einmal rund um das keineswegs einfache Verhältnis zwischen dem Autor und seinem inzwischen über 80jährigen Vater. Wie sich herausstellt, bietet das Seminar und v.a. auch die anschließende gemeinsame Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer - auf den Spuren von Odysseus - eine großartige Möglichkeit für Dan und seinen Vater, einander näher zu kommen.

    Mendelsohn gelingt es nicht nur, seinen Studenten und dem Leser Homers Odyssee näherzubringen (Ausschnitte, Interpretationen, Hintergrundwissen), sondern auch nachvollziehbar zu schildern, wie er und sein Vater begannen, sich noch einmal neu kennenzulernen. Der Vater starb ein Jahr nach der gemeinsamen Kreuzfahrt, und dieses Buch - ein erzählendes Sachbuch lt. Verlag - stellt auch den Versuch des Autors dar, den Vater über den Tod hinaus besser und anders zu verstehen und einen Zugang zu ihm zu finden, der ihm lange verwehrt geblieben ist.

    Durch die Verflechtung der eher nüchternen und objektiven Beschäftigung mit der Odyssee einerseits und dem persönlichen Anteil des Autors gelingt es Mendelsohn, Homers Werk erstaunlich aktuell erscheinen zu lassen. Die Themen, die sich durch die Odyssee ziehen, beschränken sich nicht allein auf die Zeit ihres Entstehens - sie lassen sich durchaus auch auf die heutige Zeit übertragen.

    Es war für mich letztlich interessant, lehrreich, spannend und unterhaltsam, auf diese Art einen Einblick in das antike Epos zu erhalten, Zusammenhänge zu verstehen und die zeitübergreifenden Themen zu erkennen. Der autobiografische Anteil wurde gelungen und entsprechend der homerschen Tradition als Ringkomposition angelegt mit der Odyssee verflochten und brachte so noch einen emotionalen Anteil in das Geschehen.

    Ein beeindruckendes Buch, das mich nicht länger eingeschüchtert zurücklässt, sondern durchaus neugierig gemacht hat auf das antike Epos selbst - ja, auf die über 12000 Verse... Ein Projekt...

    © Parden

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Jun 2019 

    Über Väter und Söhne

    Der Verlag klassifiziert das Buch als erzählendes Sachbuch, doch es ist weit mehr als das. Dem Autor gelingt ein überzeugender Spagat zwischen fundierter Wissensvermittlung über den antiken Klassiker und berührender Erzählung über die Beziehung zwischen dem Autor Daniel Mendelsohn und seinem Vater Jay Mendelsohn.

    Sachlicher Aufhänger des Buches ist die Odyssee. Daniel Mendelsohn ist studierter Philologe und gab zeitweise Seminare an der Universität über die Odyssee. Im Alter von 81 Jahren entschließt sich sein Vater, an einem dieser Seminare seines Sohnes teilzunehmen. Der Autor schildert, wie er mit seinen Studenten und seinem Vater die Odyssee erarbeitet und diskutiert. Der Leser wird quasi zum Seminarteilnehmer, wobei Vorkenntnisse weder erforderlich sind noch erwartet werden. Der Handlungsstrang der Odyssee wird nacherzählt, ausgewählte Textstellen sind mitabgedruckt. Eine parallele Lektüre des Originals ist nicht notwendig. Die eingehende Besprechung des Textes macht aber definitiv Lust auf mehr.

    Die verschiedenen Episoden der Odyssee nutzt der Autor immer wieder, um über seinen Vater Jay Mendelssohn zu erzählen. Die Beziehung zwischen Jay und Daniel wirkt anfangs etwas unterkühlt. Jay war Mathematiker - Daniel war eher schwach in Mathe und als Kind voll Sorge, den Ansprüchen seines Vaters nicht gerecht zu werden. Im Laufe des Seminars sowie während der anschließenden gemeinsamen Reise auf den Spuren des Odysseus finden beide einen neuen, engeren Draht zueinander und lernen sich „wiederzuerkennen“ wie Odysseus und Telemachos.

    Sachliches und Persönliches sind in dem Buch eng miteinander verwoben. Von dem recht akademische ersten Teil (Proömium) sollte man sich nicht abschrecken lassen. Das Buch ist insgesamt auch für Philologieleien sehr gut lesbar und erhält von mir fünf Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Jun 2019 

    Reisen heißt auch Abschied nehmen

    Was für ein Buch! Ja, was ist das für ein Buch? Es ist kein Roman, keine Biografie, kein Sachbuch. Der Verlag nennt es „erzählendes Sachbuch“ und der Untertitel „Mein Vater, ein Epos und ich“, gibt Auskunft, dass das eigentliche Thema viel weiter reicht als die eigentliche Homerische Odyssee. Das Epos ist als Ringkomposition angelegt, was sich der Autor zu eigen macht. Das heißt, er springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her, verknüpft die unterschiedlichen Handlungsstränge und behält dabei sein Ziel bewusst im Auge.

    Der Autor schreibt als Ich-Erzähler und hat sein Buch in mehrere Abschnitte gegliedert, die von der Anlage her den alten griechischen Epen nachempfunden sind. Als Professor der Altphilologie verfügt er über profundes Wissen, an dem er den Leser gekonnt teilhaben lässt, ohne ihn zu überfordern. Im Verlauf lernt man die Odyssee kennen. Das Epos besteht aus 24 Gesängen, in denen berichtet wird, wie der König von Ithaka (Odysseus) nach 10 Jahren Krieg weitere 10 Jahre umherirrt und den Weg nach Hause nicht findet. Von Göttern begleitet und manipuliert erlebt er viele Abenteuer, bis er als Bettler verkleidet endlich wieder in der Heimat ankommt. Dort begegnet ihm zunächst sein mittlerweile erwachsener Sohn Telemachos, der ihn aber nicht erkennen kann. Seine Frau Penelope wird von rücksichtslosen Freiern umworben, hier wird er seinen letzten Kampf bestehen müssen.

    „Sosehr die Odyssee eine Geschichte von Mann und Frau ist, sie ist auch, ja vielleicht noch mehr, eine Geschichte von Vätern und Söhnen“, teilt uns der Autor auf Seite 34 mit, und beschreibt damit den großen Bogen, den er mit seinem Buch spannen wird: Die Odyssee beginnt mit einem Sohn, der sich auf die Suche nach dem abwesenden Vater macht und ihn am Ende findet.

    Das ist die Parallele zu Mendelsohns Leben: Seit Jahren hat er ein schwieriges, sprachloses Verhältnis zu seinem Vater, der als Mathematiker strukturiert ist, und sich als Mensch konsequent, streng sowie mitunter hart verhalten hat. Vater und Sohn sind sich fremd geworden.

    Insofern ist Daniel überrascht, als 82-Jährige den Wunsch äußert, an einem Seminar über Homers Odyssee teilnehmen zu wollen, das der Sohn an der Universität mit Studenten halten wird. Im Zuge dieses Seminars ergeben sich Diskussionen zwischen den Studenten, dem Professor und dessen Vater, der oftmals kritische Positionen gegenüber dem Helden, seinem Verhalten und der latent vorhandenen göttlichen Hilfe bezieht. Dieser Austausch bringt Lustiges, Tiefsinniges und Wissenswertes zutage und liest sich sehr kurzweilig. Es ergeben sich zahlreiche Einblicke und Einsichten in das Epos, die auch heute noch große Relevanz besitzen. Der Autor flechtet immer wieder berührende Kindheitserinnerungen mit ein. Er setzt sich gründlich mit der Biografie seines Vaters auseinander, die ein neues Licht auf dessen Charakter wirft und neue Sichtweisen eröffnet.

    Nach Abschluss des Seminars gehen Vater und Sohn noch auf eine Kreuzreise, deren Ziele sich auf die Spuren des Odysseus begeben. Auf dieser Reise hat der Sohn erneut die Chance, den Vater von einer weiteren, völlig entspannten, humorvollen und geselligen Seite zu erleben. Er mutmaßt sogar, „dass das der Vater ist, der er immer hatte sein wollen“. Auch auf der Reise gibt es berührende Szenen der Annäherung.

    Bereits ziemlich am Anfang des Buches wird geschildert, dass Vater Jay nicht mehr am Leben ist: Ein Sturz, Komplikationen, Pflege und schließlich der Tod – eine unglücksselige Reihenfolge, die viele Leben betagter Menschen beendet.
    Daniel hatte das Glück, seinen Vater zuvor noch einmal neu entdecken zu dürfen. Es ist dem Autor sehr gut gelungen, diese, seine eigene Vater-Sohn-Geschichte, mit dem großen Epos zu verknüpfen, in dem es um Tarnung, Wiedererkennen und Erkenntnis geht. Dadurch wird die Aktualität der Odyssee überaus deutlich und es erklärt sich, warum sie auch heute noch in der literarischen Welt so hoch geschätzt wird.

    Ich lese überhaupt nicht gerne Sachbücher, dieses hat aber ziemlich schnell einen ungewöhnlichen Sog auf mich ausgeübt. Der Autor hat mich als Nichtwisser gut mitgenommen und an seinen akademischen Überlegungen teilnehmen lassen. Zu Beginn, im ersten Teil (Proömium), fühlte ich mich noch etwas überfordert. Man darf nicht den Anspruch an sich haben, all die aufgenommenen Fakten abspeichern zu wollen. Spätestens ab dem zweiten Teil ist man völlig im Buch angekommen.

    Die Verknüpfung der Familiengeschichte mit der Odyssee, die daraus resultierenden Erkenntnisse bezüglich Vater-/Sohn oder Mann-/Frau-Verbindungen, die Philosophie, die hinter mancher Formulierung steht – all das habe ich sehr genossen. Diese Ringkomposition nötigt mir den allergrößten Respekt ab, zumal der Autor seinen Text in wunderbarer Sprache verfasst hat.

    Man braucht für dieses Buch etwas Zeit, man muss manches sacken lassen und darüber nachdenken. Dann nimmt man eine ganze Menge für das eigene Leben und die eigenen Beziehungen mit. Nebenbei hat man auch eine Menge über einen lesenswerten Klassiker gelernt.

    Volle Punktzahl für dieses außergewöhnliche Werk!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Jun 2019 

    Das Leben - eine Reise

    „Mein Vater, ein Epos und ich“ – das ist der Untertitel des Buches von Daniel Mendelsohn und er umreißt genau den Inhalt dieses Romans, der Familiengeschichte und Sachbuch zugleich ist.
    Dan ist Altphilologe und lehrt an der Universität, sein Vater Jay ist pensionierter Professor der Mathematik, ihr Verhältnis ist durchaus harmonisch, aber auch distanziert – was vielleicht auch eine Frage der Generation ist. Der Ankündigung Jays, an seinem Seminar über die Odyssee teilzunehmen, sieht Dan mit gemischten Gefühlen entgegen: was werden seine Studenten davon halten und wie wird es sich für ihn anfühlen, vor seinem immer kritischen Vater zu dozieren?
    Wobei Dans anfängliche Befürchtungen sich bald zerstreuen. Seine Studenten mögen den alten Herrn und seine respektlosen Bemerkungen. Für ihn ist nämlich Odysseus nicht der Held, sondern eher ein Versager, der immer dann, wenn es hart auf hart kommt, auf göttliche Intervention setzen kann.
    Der Leser erhält, genau wie die Studenten, eine wunderbare und kenntnisreiche Einführung in das antike Epos. Dan seziert die Verse, weist auf den Aufbau und die Entstehung hin, erklärt Homers Erzählweise und den Hintergrund und zog mich damit sofort in Bann. Gleichzeitig werden die Parallelen zwischen Dans Erleben des Vaters mit der des Telemachos zum abwesenden Odysseus klar. Je weiter das Seminar fortschreitet, umso intensiver wird das Vater – Sohn Verhältnis. Dan lernt ganz unbekannte Seiten an ihm kennen und eine Vertrautheit stellt sich ein, die er so nicht kannte. Wie hat das Leben seinen Vater geprägt, wie ist er mit der Kriegszeit umgegangen, was bedeutet seine Ehe für ihn?
    Während der Semesterferien unternehmen Vater und Sohn eine Mittelmeerkreuzfahrt zu den Schauplätzen des Epos. Das wird ein Höhepunkt in ihrer Beziehung, auch wenn das Ziel Ithaka nicht erreicht wird.
    Ich habe jede Seite des Buches genossen und manche Abschnitte immer wieder gelesen, weil sie mich berührt haben und zum Nachdenken anregten. Mendelsohn Schreibstil hat mir sehr gefallen und mit welcher Leichtigkeit er den schwierigen Originaltext erklärt, lässt vermuten, dass er auch ein ganz besonderer Lehrer ist, der seine Studenten begeistern kann.
    Ich kannte die Odyssee als Prosanacherzählung und nach diesem Buch habe ich den Wunsch, mit ausführlicher damit zu beschäftigen.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Jun 2019 

    Eine Liebeserklärung an den Vater

    Erstmal möchte ich Herrn Mendelsohn für dieses Konstrukt ein unbedingtes Lob aussprechen! Die Odyssee und auch die Ilias herzunehmen, die Vater-Sohn-Beziehung von Odysseus und Telemachos in dieser herauszuarbeiten und diese dann in Bezug zu seiner eigenen Familiengeschichte zu setzen ist eine absolut wunderbare Idee, allerdings muss man darauf auch erstmal kommen. Einerseits zeigt es die Übersetzbarkeit dieses sehr alten Werkes in die heutige Zeit, misst diesem Buch dadurch eine neue erfrischende Bedeutung zu: andererseits arbeitet der Autor auch seine eigene Familiengeschichte etwas auf, zeigt eine große Verletzbarkeit und Ehrlichkeit und gewinnt auch dadurch meine Sympathien.

    Ich habe als Kind die griechischen Sagen mit großer Begeisterung gelesen, schon dadurch war dieses Buch von großem Interesse für mich. Dieses Buch zeigt neue Betrachtungsweisen und erzeugt in mir den dringenden Wunsch diese alten Sagen nochmals zur Hand zu nehmen. Auch dadurch ist dieses Buch sicher ein Gewinn.

    Die philologischen Betrachtungen zu Homers Werk, die feinsinnige Aufschlüsselung von Bedeutungen einzelner Wörter und deren Einfließen in andere Sprachen zeigt einerseits die Bedeutung großer Kulturen und ihrer Sprachen auf ihre Umgebung und gleichzeitig zeugt es auch von einer ungeheuren Vernetzung in unserer westlichen Welt. Gerade auch diese philologischen Betrachtungen machen dieses Buch zu etwas Besonderem.

    Auch den Aufbau des Buches finde ich herausragend. Der Autor gliedert die Odyssee nach verschiedenen Aspekten und bringt diese verschiedenen Grundthemen in Bezug auf das Leben und besonders auf sein eigenes und hier besonders auf die Beziehung des Autors zu seinem Vater Jay Mendelsohn. Hier berührt der Autor ungemein in seiner Ehrlichkeit und bringt den Leser zum Sinnieren und dies in einer schon recht heftigen Weise. Und auch dabei sticht das Buch in meinen Augen aus der Masse deutlich hervor. Für die Ehrlichkeit und auch die Verletzlichkeit, die in diesem Buch transportiert werden, danke ich dem Autor und seiner Familie und spende tosenden Beifall.

    Insgesamt betrachtet ist dieses Buch sicher eines, welches man irgendwann später noch einmal lesen könnte und es ist sicher ein wunderbares Geschenk für Väter und Söhne, welche gern sinnieren. Natürlich wird dieses Buch auch sinnierenden Müttern und Töchtern gefallen. Was kann ich noch sagen? Außer: unbedingt Lesen!!!

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Jun 2019 

    Eine gelungene Ringkomposition

    Beim vorliegenden Buch handelt es sich um erzählendes, nicht fiktionales Sachbuch, ein Genre, das ich in der Art und Weise noch nicht gelesen habe.
    Der Autor verknüpft die inhaltliche Darstellung der Odyssee von Homer nebst Interpretationen und Informationen zu diesem klassischen, antiken Versepos mit seiner persönlichen Beziehung zu seinem Vater, wobei sowohl dessen Leben als auch viele Episoden aus Daniel Mendelsohns Biographie erzählt werden.
    Im Mittelpunkt steht bezogen auf den Vater die Frage: "Aber welches ist das wahre Selbst?" (19)

    Mendelsohn stellt fest, "wie ich in dem Jahr lernte, in dem mein Vater an meinem Odyssee-Seminar teilnahm und wir uns auf die Spuren der Reisen ihres Helden machten, gibt es auf diese Frage sehr überraschende Antworten." (19)

    Ausgangspunkt des erzählenden Sachbuches ist also ein Seminar über die Odyssee, das der Professor für Altphilologie Daniel Mendelsohn am Bard College hält. Sein Vater, Anfang 81, bedauert bis heute, dass er in High School Latein abgewählt hat, und bittet seinen Sohn am Seminar teilnehmen zu dürfen,

    "ich lese die Odyssee auf meinem iPad, aber vieles verstehe ich einfach nicht. Hast du nicht gesagt, dass du im nächsten Semester ein Seminar dazu hältst?" (82)

    Der Aufbau des Romans entspricht dem Aufbau der Odyssee. Am Anfang steht das Proömium, in dem Mendelsohn die "Handlung" seiner Geschichte umreißt:
    Wir erfahren, dass sich sein Vater wöchentlich freitagmorgens im Frühjahrssemester 2011 an den Sitzungen zur Odyssee beteiligte, dass die beiden daraufhin eine Mittelmeer-Kreuzfahrt "Auf den Spuren der Odyssee" unternahmen und dass Jay Mendelssohn im kommenden Jahr sein Haus, in dem er seit Daniels Geburt gelebt hat, verlassen musste, ausgelöst von einem Sturz auf einem Parkplatz, und den Mendelsohn als arche kakon - "der Anfang allen Übels" - bezeichnet, weil dieser letztlich zum Tod des Vaters führt.

    An dieser Stelle des Sachbuchs führt der Autor zunächst die Bedeutung des Begriffs arche kakon in aller Ausführlichkeit aus, weist darauf hin, dass kakos (schlecht) sich in Kakophonie erhalten habe. Da dachte ich, das Buch sei zu dozierend, es werde zu wenig erzählt und statt dessen eine wissenschaftliche Abhandlung der Odyssee nebst etymologischen Erklärungen geliefert.

    Doch in den folgenden Kapiteln stellte sich diese Angst als unbegründet heraus. Die im Proömium vorgestellte Ringkomposition, eine Erzähltechnik, in der der Erzähler

    "mit seiner Geschichte [beginnt], nur um sogleich innezuhalten und auf eine ältere Situation zurückzukommen, die einen bestimmten Aspekt der Geschichte verständlich machen soll - sagen wir, ein Ereignis aus der Geschichte des Protagonisten oder seiner Familie -, und anschließend auf eine noch ältere Situation oder ein noch älteres Ereignis, das diesen etwas jüngeren Moment erklärt, und sich anschließend wieder in die Gegenwart zurückzuschrauben, bis zu dem Moment in der Erzählung, in dem er innehielt, um all diese Hintergründe zu liefern" (44),

    beherrscht Mendelsohn selbst perfekt.

    Im 2.Kapitel - Telemachie (Erziehung) - erfahren wir etwas über die ersten vier Gesänge der Odyssee, in denen nicht Odysseus, sondern sein Sohn Telemachos im Mittelpunkt steht und der im Verlauf der Handlung "erzogen" wird. Gleichzeitig erzählt Mendelsohn vom Seminar, in dem diese Gesänge besprochen werden und in dem sich sein Vater rege zu Wort meldet.
    Zudem beleuchtet er die Vergangenheit seines Vaters sowie seine Lebenseinstellung als "Schmerzensmann" - eine wortwörtliche Übersetzung von Odysseus.

    "Wenn man sich nicht anstrengen muss, lohnt es sich nicht." (73)

    Das scheint Jay Mendelsohns Lebensmotto zu sein, das ihn zu der Einstellung führt, Odysseus sei kein Held, da er immer wieder von den Göttern Hilfe erhalte und annehme.
    In den weiteren Gesängen geht es um Odysseus selbst und den göttlichen Plan, wie es ihm gelingen kann, nach Hause zurückzukehren und von seiner Frau wirklich erkannt zu werden.
    In diesem Teil erläutert Mendelsohn, was im griechischen Epos unter einer wahren Partnerschaft verstanden wird, "vollkommener Einklang im Denken" (158) - ein schöner Gedanke, denn so kann Penelope Odysseus seelisch erkennen, aufgrund ihrer Erinnerungen und gemeinsamen Geheimnisse, denn der Körper verändert sich.

    Im 3.Kapitel - Aplogoi (Abenteuer) - erzählt Mendelsohn einerseits von den Seminarsitzungen, in denen die bekannten Abenteuer des Odysseus im Mittelpunkt stehen, und der Kreuzfahrt, die er gemeinsam mit seinem Vater im Juni unternommen hat. Auf den Spuren des Odysseus entdeckt er neue Seiten an Jay Mendelsohn. Auch als Leser*in musste ich mein Bild von diesem interessanten älteren Herren revidieren. Die Beziehung der beiden erreicht eine neue, andere Qualität, die mit dem Seminar, aber auch der gemeinsam verbrachten Zeit sowie mit neu geteilten Geheimnissen zusammenhängen.

    "Wie viele Seiten mochte mein Vater haben, und welche war die >wahre< Seite?" (178)

    Anagnorisis (Wiedererkennung) - Odysseus und Penelope müssen sich wiedererkennen, darin geht es in den Gesänge der Odyssee, nachdem der Held nach Ithaka zurückgekehrt ist.
    In Bezug auf Jay Mendelsohn erfahren wir etwas über das Verhältnis zu seiner Frau, Daniel lässt Weggefährten zu Wort kommen, über die er mit seinen Vater nach dessen Tod spricht. Wieder zeigen sich neue Seiten an Jay und einiges, was Daniel geglaubt hat, über diesen zu wissen, muss er revidieren.

    "Doch der Sohn, auch wenn er von seinem Vater ist, kann nicht alles über seinen Vater wissen, weil der Vater vor ihm da ist." (336)

    Der letzte Teil - Sema (Zeichen) - erzählt vom Tod Jay Mendelsohns und dem Ende des Epos.

    Der Roman bietet fundierte Einblicke in das klassische Versepos Odyssee und erzählt gleichzeitig, wie diese die Vater-Sohn-Beziehung der Mendelsohns bereichert und auch verändert hat. Daniel erlebt neue Seiten an seinem Vater, macht sich auch nach dessen Tod auf die Suche nach der "wahren", wenn es sie denn gibt - oder haben wir nicht alle viele verschiedene Seiten.
    Letztlich setzt er sich dadurch auch mit dem Verhältnis zu seinem Vater auseinander und geht der Frage nach, die auch in der Odyssee gestellt wird.

    "Denn nur wenige Söhne sind wahrlich gleich ihrem Vater, meistens sind sie schlechter und nur wenige besser." (109)

    Insgesamt fand ich die Kombination aus Informationen und Interpretationen zu Homers Odyssee und den erzählenden Passagen zur Vater-Sohn-Beziehung sehr reizvoll. Eine gelungene Ringkomposition!