Eine Liebe, in Gedanken: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Eine Liebe, in Gedanken: Roman' von Kristine Bilkau
4.4
4.4 von 5 (5 Bewertungen)

"Eine Liebe, in Gedanken" erzählt von Liebe und Lebenslügen, von den Hoffnungen und Träumen der im Krieg geborenen Generation, vom Gefühl des Aufbruchs und Umbruchs der Sechziger Jahre. Kristine Bilkau hält uns einen Spiegel vor: Wie viel Intensität, Risiko und Schmerz lassen wir zu, wenn es um unsere Gefühle und Beziehungen geht? Hamburg, 1964. Antonia und Edgar scheinen wie füreinander gemacht. Sie teilen den Traum von einer Zukunft fern von ihrer Herkunft. Im Krieg geboren und mit Härte und Verdrängung aufgewachsen, wollen die Welt kennenlernen, anders leben und lieben als ihre Eltern. Edgar ergreift die Chance, für eine Außenhandelsfirma ein Büro in Hongkong aufzubauen. Toni soll folgen, sobald er Fuß gefasst hat. Nach einem Jahr der Vertröstungen löst Toni die Verlobung. Sie will nicht mehr warten und hoffen, sondern endlich weiterleben. Tonis und Edgars Leben entwickeln sich auseinander, doch der Trennungsschmerz zieht sich wie ein roter Faden durch beide Biographien. Toni lebt in dem Konflikt zwischen ihren Idealen von Freiheit und Unabhängigkeit und dem Wunsch, sich zu binden, um Edgar zu vergessen. Fünfzig Jahre später, nach dem Tod ihrer Mutter fragt sich Tonis Tochter: War ihre Mutter gescheitert oder lebte sie, wie sie es sich gewünscht hat: selbstbestimmt und frei? Wer war dieser Mann, den sie nie vergessen konnte? Die Tochter will ihm begegnen, ein einziges Mal.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
EAN:9783630875187

Rezensionen zu "Eine Liebe, in Gedanken: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Aug 2018 

    Das Fazit eines Lebens...

    Unversehens ist ihre Mutter gestorben, und die Tochter - als namenlose Ich-Erzählerin - löst deren Wohnung auf. Doch geschieht dies nicht Knall auf Fall, sondern über Wochen hinweg, ein behutsamer Abschied. Dabei entdeckt die Tochter in einem blauen Koffer ein Bündel Briefe an ihre Mutter, geschrieben vor zig Jahren von Edgar, der großen Liebe von Antonia.

    Durch diese Briefe und durch ihre Erinnerungen an Erzähltes nähert sich die Tochter der Vergangenheit ihrer Mutter an. Tief taucht sie ein in das Geschehen in den Jahren 1964 bis 1967 - einer Zeit im Spannungsfeld zwischen den biederen 50ern und der 68er-Bewegung, die so vieles revolutionierte. Der Roman erzählt schwerpunktmäßig von der Begegnung und der Liebe Antonias (Tonis) und Edgars, führt dem Leser dabei fast nebenher jedoch auch den Alltag und die gesellschaftlichen Zwänge dieser Zeit vor Augen. Jemand wie Toni mit ihren Träumen und dem Freiheitsdrang - ist so jemand unter diesen Bedingungen nicht schon von vornherein zum Scheitern verurteilt?

    Die Tochter spürt dem vergangenen Leben ihrer Mutter nach, fragt sich, wie diese als junge Frau war, was sie bewegte, wofür sie kämpfte, weshalb diese so intensive Liebe zu Edgar letztlich scheiterte. Doch findet man auf solch einer Spurensuche wirklich alle Antworten?

    "Ich hatte versucht, mir vorzustellen, wer sie als junge Frau gewesen war, wer sie geworden war, doch es konnte ja immer nur ein Ausschnitt bleiben, Geschichten, von mir erdacht. Wie nah ich der Frau von damals und der Frau, die sie geworden war, hatte kommen können, das würde ich nie wissen." (S. 250)

    Vielleicht ist es meine persönliche Situation, die dazu führte, dass mir dieser zweite Roman Kristine Bilkaus so nah kam. Selbst ein Kind der 60er Jahre könnte ich besagte namenlose Tochter sein, die im Leben ihrer Mutter forscht, die bereits verstorben ist. 'Da meine Mutter aber ein sehr verschlossener Mensch war, wäre es mir niemals möglich (gewesen), so tief in ihr Leben einzutauchen - aber die Frage, ob sie das Leben gelebt hat, von dem sie träumte, beschäftigt(e) mich auch immer wieder. Ich werde die Antwort darauf nicht mehr finden, doch mag ich die Vorstellung, dass es - ähnlich wie hier - möglich wäre.' Dies schrieb ich im Rahmen der Leserunde, und tatsächlich ist es genau so.

    Doch ist es natürlich nicht allein das Sujet des Romans, das mich hier ansprach. Der Schreibstil der Autorin hat mich einmal mehr begeistern können - distanziert und doch auf eine ganz eigene Art berührend, melancholisch und doch kraftvoll, leise und doch eindringlich. Mit einigen wenigen Strichen entstanden bildhafte Szenen lebendig vor Augen, stille Bilder voller Aussgekraft, deutlich aber unaufdringlich. Dachte ich anfangs noch, die wenig große Seitenzahl könnte mich durch die Erzählung rauschen lassen, wurde ich rasch eines Besseren belehrt. Hier verlangt jeder Absatz, jedes Kapitel die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Lesers, denn der Text wirkt nach.

    "... die Liebe zwischen Toni und Edgar, die von so kurzer Dauer gewesen war und für meine Mutter doch ein Leben lang gehalten hatte. (...) Ich wünschte mir, diese Zeit der beiden von irgendwoher zurückholen zu können und meiner Mutter zurückgeben zu können. Wie ein verloren geglaubtes Schmuckstück, das immer vermisst und nie vergessen worden war. Hier, das habe ich für dich gefunden, es gehört zu dir." (S. 25)

    Das Fazit eines Lebens - mit großem Taktgefühl für seine Figuren taucht dieser Roman ein in das Scheitern einer großen Liebe und in ein gelebtes Leben voller Intensität und Treue zu sich selbst. Für mich ein Jahres-Highlight...

    © Parden

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 02. Apr 2018 

    Eine vergangene Liebe

    Dies ist ein berührender, aber nie kitschiger Roman, in dem zum Einen eine Tochter versucht, sich nach dem Tod ihrer Mutter vorzustellen, was für ein Mensch sie war. Und zum Andern eine Liebesgeschichte, die schon lange zurückliegt.

    Als die Mutter stirbt, bleibt ihre Tochter mit schlechtem Gewissen zurück. Viel zu wenig Zeit verbrachte man in den letzten Wochen, Monaten, Jahren miteinander. Was weiß sie überhaupt von ihr? Wie war sie als junge Frau? Wie war das mit ihrer großen Liebe, damals, mit der sie sich in Hongkong ein gemeinsames Leben aufbauen wollte?
    Abwechselnd liest man, wie die Tochter mit dem Verlust klar kommt und die Auflösung des Haushalts die Erinnerungen an ihre Mutter hervorbringt sowie das, was damals tatsächlich geschah. Die Liebesgeschichte zwischen ihr, Toni, und Edgar, Mitte der Sechziger Jahre. Die Geschichte einer lebenslustigen, intelligenten und selbstbewussten jungen Frau, die die Welt kennenlernen wollte, aber nicht um jeden Preis. Den Preis ihres selbst bestimmten Lebens zum Beispiel, wofür sie auch Entscheidungen traf, die ihr ganzes Leben änderten.

    Kristine Bilkau gelingt es gut, den Tonfall der trauernden Tochter so wiederzugeben, dass man auch ohne Klagen und Jammern die Liebe und den Verlust spürt, den diese empfindet. Aber auch die Stimme der jungen Toni ist gut getroffen: ein bisschen frech, neugierig auf die Welt und trotz mancher Zweifel durchaus selbstbewusst. Ein gelungenes Porträt wie auch eine überzeugend wirkende Darstellung der damaligen Verhältnisse in den Sechzigern.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 31. Mär 2018 

    Auf den Spuren der LIebe

    Inhalt:
    "Eine Liebe, in Gedanken" erzählt von Liebe und Lebenslügen, von den Hoffnungen und Träumen der im Krieg geborenen Generation, vom Gefühl des Aufbruchs und Umbruchs der Sechziger Jahre. Kristine Bilkau hält uns einen Spiegel vor: Wie viel Intensität, Risiko und Schmerz lassen wir zu, wenn es um unsere Gefühle und Beziehungen geht?

    Fazit:
    Der Schreibstil ist hervorragend - sehr bildhaft und detailreich, daher taucht man in die Geschichte ein und Sehnsüchte und Liebe sind beim Lesen richtig "spührbar" - und auch flüssig, man kommt gut und schnell voran. Die Tragik des Buches geht auch eins zu eins auf den Leser über - man fühlt mit den Protagonisten mit.
    Diesen Roman kann ich jeden empfehlen, der hinter die Fassade von Familien schauen will, und auf der Suche nach einem tiefgründigen Roman ist - denn hierbei handelt es sich definitiv nicht um leichte Literatur. Ein Buch was unter die Haut geht und einem nicht so schnell wieder los lässt.

    Inhalt:
    "Eine Liebe, in Gedanken" erzählt von Liebe und Lebenslügen, von den Hoffnungen und Träumen der im Krieg geborenen Generation, vom Gefühl des Aufbruchs und Umbruchs der Sechziger Jahre. Kristine Bilkau hält uns einen Spiegel vor: Wie viel Intensität, Risiko und Schmerz lassen wir zu, wenn es um unsere Gefühle und Beziehungen geht?

    Fazit:
    Der Schreibstil ist hervorragend - sehr bildhaft und detailreich, daher taucht man in die Geschichte ein und Sehnsüchte und Liebe sind beim Lesen richtig "spührbar" - und auch flüssig, man kommt gut und schnell voran. Die Tragik des Buches geht auch eins zu eins auf den Leser über - man fühlt mit den Protagonisten mit.
    Diesen Roman kann ich jeden empfehlen, der hinter die Fassade von Familien schauen will, und auf der Suche nach einem tiefgründigen Roman ist - denn hierbei handelt es sich definitiv nicht um leichte Literatur. Ein Buch was unter die Haut geht und einem nicht so schnell wieder los lässt.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Mär 2018 

    Wenn eine große Liebe scheitert

    Hamburg im Jahr 1964: Antonia Weber, kurz Toni, und Edgar Janssen sind scheinbar ein tolles Paar. Mit Mitte 20 teilt die junge Frau mit ihm den Traum von einer Zukunft fernab der Heimat. Als Edgar nach Hongkong geht, um für eine Außenhandelsfirma dort ein Büro aufzubauen, haben sie gemeinsame Pläne. Sie soll ihm folgen, sobald er Fuß gefasst hat. Doch ein Jahr lang wird sie immer nur vertröstet. Sie beschließt, ohne ihn weiterzuleben. Der Trennungsschmerz lässt beide jedoch auch im Laufe der Zeit nicht los. Fünfzig Jahre später, kurze Zeit nach dem Tod von Toni, will ihre Tochter Edgar ein einziges Mal treffen. Wer war der Mensch, den ihre Mutter nie vergessen konnte? Was genau ist damals passiert?

    „Eine Liebe, in Gedanken“ ist ein bewegender Roman von Kristine Bilkau.

    Meine Meinung:
    Der Roman besteht aus vielen, eher kurzen Kapitel. Erzählt wird einerseits aus der Ich-Perspektive aus der Sicht von Tonis Tochter und andererseits aus der Sicht von Toni selbst. Die Geschichte spielt teilweise in der Gegenwart und teilweise in den 1960er-Jahren. Diesen Aufbau finde ich gelungen.

    Besonders begeistern konnte mich die Sprache. Sie ist intensiv und gefühlvoll. Der Schreibstil schaffte durch die wundervollen Beschreibungen eine lebendige Atmosphäre. So konnte mich die Geschichte schnell in ihren Bann ziehen.

    Edgar, Toni und ihre Tochter sind die drei Hauptfiguren, auf die sich der Roman konzentriert. Die Charaktere wirken authentisch und werden liebevoll gezeichnet. Ich konnte vor allem die Gedanken und Gefühle der beiden Frauen sehr gut nachvollziehen.

    Inhaltlich ist die Geschichte sehr emotional und berührend. Positiv fällt dabei auf, dass sie ohne Kitsch und Klischees auskommt.

    Gut gefallen hat mir außerdem, wie tiefgründig der Roman ist. Es geht um mehr als nur Liebe. Es geht um Hoffnungen, Träume, Lügen und Zeiten des Umbruchs. Mich konnte die Geschichte sehr zum Nachdenken anregen.

    Das Cover des Buches gefällt mir sehr gut. Es passt gut zum Inhalt. Auch der Titel ist treffend formuliert. Er könnte aber zu der falschen Annahme verleiten, es handele sich um einen ganz gewöhnlichen Liebesroman, was das Buch definitiv nicht ist.

    Mein Fazit:
    „Eine Liebe, in Gedanken“ von Kristine Bilkau ist ein gelungener Roman, der mich sehr berühren konnte. Ich kann ihn wärmstens empfehlen.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 15. Mär 2018 

    Einseitige Liebe

    „Da steht ein Mann auf einem Stuhl, da steht ein Mann, der sie genau betrachtet, da steht eine Mann, der sie sieht, der sie liebt.“

    Leider konnte ich diesen besagten liebenden Mann in dem Roman von Kristine Bilkau „Eine Liebe, in Gedanken“, der im März 2018 im Luchterhand Literaturverlag erschienen ist, nicht sehen.

    Die Geschichte spielt die meiste Zeit in Hamburg in den 60er Jahren. Die junge Antonia verliebt sich in Edgar und träumt von einer schönen gemeinsamen Zukunft. Diese Träume können sich jedoch leider nie erfüllen und hinterlassen eine verletzte Frau, die ihre Liebe zu Edgar nie ganz überwunden hat. Nach dem Tod von Antonia trauert ihre Tochter sehr und versucht in Erfahrung zu bringen warum ihre Mutter nicht mit Edgar glücklich werden konnte und warum diese beide Menschen keine gemeinsame Zukunft hatten.

    Der Beginn des Buches klang für mich so vielversprechend, denn ich erwartete eine Liebesgeschichte, die Zeit und Raum überwinden würde. Leider machte mich das Buch in seinem Verlauf nur wütend, wütend auf die damalige Zeit und auf die Naivität der Frauen. Meiner Meinung nach ging die wahre Liebe nur von Antonia aus, sie liebte Edgar so sehr, dass sie für ihn alles aufgeben würde, ihren guten Job, ihre Wohnung und ihre Familie. Doch Edgar erwiderte diese Gefühle nicht auf die Weise, die Toni verdient hätte und trotzdem trauerte Toni ihm bis zu ihrem Lebensende hinterher und stand so ihrem eigenem Glück im Wege. Man erfährt in dem Buch sehr viel darüber, wie das Bild der Frau in der damaligen Zeit war und kann sich dadurch nur glücklich schätzen in einer anderen Zeit zu leben, in einer Zeit in der Frauen für vollwertig genommen werden und ihr Leben selbstbestimmt leben können.

    Der Sprachstil des Buches hat mich sehr angesprochen, da er so malerisch und melancholisch war. Die Autorin hat es geschafft mich mit diesem Roman in eine traurige Atmosphäre zu versetzten und die Gefühle der Frauen sehr gut wiederzugeben, so dass man mit den beiden trauern konnte. Eine Sache, die mich wiederum etwas gestört hat und die ich noch in keinem einzigen Buch erlebt habe ist, dass man nicht weiß wie die Tochter von Antonia heißt und somit sich selber ausdenken muss, wer denn nun die Geschichte eigentlich erzählt. Ist es vielleicht sogar Kristine Bilkau selber? Möchte die Autorin diesen Eindruck vermitteln?

    Ich kann dieses Buch leider nur bedingt weiter empfehlen. Leser, die eine Liebesgeschichte mit Happyend suchen, sollten auf jeden Fall die Finger von diesem Buch lassen. Wer jedoch in einer melancholische und traurige Stimmung versinken möchte, sollte auf jeden Fall zu diesem Buch greifen und wird dadurch belohnt, dass er sehr viel über Deutschland in den 60er Jahren erfährt und wie Frauen damals behandelt und angesehen wurden.