Eine eigene Zukunft

Rezensionen zu "Eine eigene Zukunft"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Apr 2019 

    Eine tolle Familiengeschichte

    1936 kommen Victoria, Mona und Luz gemeinsam mit ihrer Mutter von Andalusien nach New York, um ihren Vater Emilio Arenas in dessen kleinen Restaurant zu unterstützen. Das ist nicht einfach für die Frauen, da sie auch die Sprache nicht beherrschen. Dann geschieht ein Unglück und Emilio stirbt. Um sich und das Lokal über Wasser zu halten, entwickeln sie einen Plan - das Lokal wird kurzerhand ein Nachtclub.

    Dies war das erste Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe. Gerne möchte ich auch weitere von ihr lesen, da mir dieses Buch sehr gut gefallen hat. 
    Der Schreibstil ließ sich sehr gut und flüssig lesen und ich konnte direkt spüren, dass dieser Roman von einer Spanierin verfasst wurde. Das Temperament sprang so manches Mal direkt durch die Seiten zu mir. Ich fühlte mich während des Lesens in die 1930er Jahre versetzt und konnte bestens in die damalige lebendige Zeit eintauchen. Das Flair wurde wirklich hervorragend beschrieben und vermittelt. 
    Die Charaktere waren greifbar und authentisch und ich hatte ein gutes Bild von ihnen vor Augen. Ich war in der Lage, mich in sie hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufühlen. Ich konnte richtiggehend mitfiebern und mithoffen, dass sich alle ihre Träume irgendwann erfüllen mögen. 
    Hervorragend skizziert wurde das Familienband und das Miteinander der Schwestern, auch mit der Mutter. Es war total faszinierend zu lesen, wie sie sich fernab der Heimat durchschlugen, was sie alles erlebten und wie sie sich entwickelten. Durch interessante Wendungen und Erlebnisse entfaltete sich eine tolle Spannung, die mich an der Geschichte festhielt. Allerdings gab es auch ein paar kleine Längen, die ich dann aber auch schnell gelesen hatte. 

    Eine tolle Familiengeschichte, die ich sehr gerne gelesen habe. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 12. Apr 2019 

    Drei Frauen gehen ihren Weg

    Bei diesem Buch von Maria Duenas handelt es sich um die Geschichte einer spanischen Einwandererfamilie in New York. Die Familie Arenas wird im New York des Jahres 1936 von unvorhergesehenen Ereignissen überrollt. Der Vater Emilio Arenas stirbt überraschend bei einem Unglück im Hafen. Die gerade erst im Januar 1936 in New York angekommene restliche Familie ist komplett mit der jetzigen Situation überfordert, der englischen Sprache kaum mächtig, sind die Mutter Remedios Arenas und deren Töchter Victoria, Mona und Luz mit einer recht ausweglosen Lage konfrontiert. Die aus ärmlichen Verhältnissen aus Málaga in Südspanien stammende Familie ist recht mittellos und sieht sich jetzt einem gewissen Schuldenberg ausgeliefert, den der Vater auch aus deren Überfahrtskosten nach Amerika aufgebaut hat, durch den Tod der Mutter von Remedios und den darauffolgenden Rauswurf aus der Wohnung in Málaga bedingt. Die durch den Schuldenberg und die Sprachbarriere negative Lage der Familie bietet kaum Hoffnung, eigentlich wollen alle drei nur schnell zurück nach Spanien. Der Unfalltod des Vaters könnte allerdings gewisse Entschädigungszahlungen ermöglichen, eine resolute Nonne und ein windiger Anwalt tauchen auf und wecken Erwartungen, das Restaurant des Vaters hatte auch schon bessere Zeiten gesehen und die anderen Jobs der Töchter spülen nicht viel Geld in die Haushaltskasse. Doch die Schulden müssen bezahlt werden.

    Und so baut sich eine doch recht spannungsvolle Geschichte mit vielen Wendungen auf. Das wäre das Positive an diesem Buch, ein wirklich recht großer Sog, recht informative Einblicke in das Leben der spanischen Einwanderer im New York des Jahres 1936, und eine recht abwechslungsreiche Geschichte. Die negativen Seiten des Buches beinhalten für mich die Charakterdarstellungen der drei jungen Frauen, erst kennzeichnet sie eine Dickköpfigkeit und Halsstarrigkeit, dann sind sie wieder gefühlüberfrachtet und temperamentvoll, dann wieder überbordend naiv und leichtgläubig, dann mutieren sie fast schon zu kämpferischen und starken Charakteren. Wenn man bedenkt aus welcher Zeit und welcher Gegend diese Frauen entstammen sollen, klingt das für mich nicht schlüssig. Auch der Umgang der drei jungen Frauen mit ihrem männlichen Umfeld ist für mich nicht immer schlüssig, einerseits sind sie die naiven Dummchen, andererseits laszive Gestalten. Ja was denn nun? Ich empfand das alles als zu seifig. Ein Charakter kann ja eine Wandlung im Laufe einer Geschichte mitmachen, aber für meine Begriffe erklärt nichts in der Handlung diese Veränderung. Also schlussfolgernd kann ich sagen, "Eine eigene Zukunft" ist ein Roman mit einem hohen Unterhaltungsfaktor, allerdings sollte man sich nicht so viele Gedanken über die Schlüssigkeit der Charaktere machen.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 08. Apr 2019 

    Drei Schwestern in New York

    Duenas beschreibt in ihrem Roman das Schicksal dreier Schwestern, die auf die harte Tour lernen müssen ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
    Sie leben in den 30iger Jahren in Spanien, in Armut und ohne große Aussichten. Der Vater ist ein Abenteurer, der es nie lange an einem Ort aushält. Er kam nur sporadisch in die Heimat und brach nach einigen Monaten wieder auf, nicht ohne seine Ehefrau schwanger zurückzulassen. Nun will er sein Glück in New York gefunden haben und befiehlt seiner Familie nachzukommen. Dort erwartet sie das gleiche Leben, wie in Spanien – nur eben in der Fremde. Der Vater stirbt und Mutter und Töchter bleiben entwurzelt zurück. Doch die spanische Community funktioniert, sie nehmen die Frauen auf und weisen ihnen einen Weg. Hier möchte ich vor allem die Figur der Nonne Lito nennen, die für mich die stärkste und farbigste Protagonistin ist.
    Das Buch ist interessant geschrieben und die Autorin versteht es wirklich mit Worten Bilder zu malen. Die geschichtlichen Einsprengsel aus dem spanischen Bürgerkrieg und dem New York der dreißiger Jahre haben mir gefallen. Allerdings hat sie bei mir nie richtiges Interesse für die Schwestern Victoria, Luz und Mona wecken können. Nach dem Klappentext hatte ich mir einen spannenderen Weg für drei tatkräftige Frauen erwartet, aber das hat das Buch nicht richtig erfüllt. Zu sehr nehmen sie alle Schicksalsschläge hin und arrangieren sich. (Wer schreibt eigentlich die Klappentexte?) Den Weg zur Freiheit erkämpfen sie sich eigentlich nicht richtig, er passiert ihnen. Auch als erwachsene Frauen ist das Wort der Eltern für sie Gesetz, ob logisch oder nicht.
    Duenas hat einen überreichen Figurenkosmos in das Buch eingeführt. Jede Person wird ausgiebig charakterisiert, wir erfahren von Wünschen und Hoffnungen, Irrungen und Wirrungen. Aber dann verschwinden sie im Lauf des Romans in der Versenkung. Ich fand das manchmal verwirrend.
    Ich kannte die Schriftstellerin schon von einem früheren Buch. „Eine eigene Zukunft“ konnte mich nicht so überzeugen.