Ein Sohn ist uns gegeben: Commissario Brunettis achtundzwanzigster Fall

Rezensionen zu "Ein Sohn ist uns gegeben: Commissario Brunettis achtundzwanzigster Fall"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 27. Feb 2020 

    Krimi light

    Wer salzarm isst, entkoffeinierten Kaffee trinkt und sich beim Treppensteigen am Gelände festhalten muss, dürfte mit diesem Krimi bestens bedient sein. Die Gefahr, dass die Fingernägel kürzer werden, besteht ebenfalls nicht. Wenn man also kein Hardcore-Leon-Fan ist wie ich, sollte man als Krimi- oder gar Thrillerleser besser die Finger von diesem Roman lassen. Er hat 307 Seiten, der Mord passiert etwa auf Seite 200, bis dahin plätschert die Handlung, sofern man dieses Wort gebrauchen mag, so vor sich hin.

    Brunetti wird von seinem Schwiegervater gebeten, einmal ein Auge auf die Beziehung eines seiner besten Freunde zu einem deutlich jüngeren Mann zu werfen. Um dem Geliebten eine Gunst zu erweisen, möchte er ihn adoptieren, womit sein reiches Erbe an ihn fallen würde. Brunetti soll nun überprüfen, ob der junge Mann tatsächlich ein Liebender ist oder nur ein schnöder Erbschleicher. Am Anfang eher widerwillig geht Brunetti auf dieses Ansinnen ein. So richtig weiter kommt er nicht, letztendlich vollzieht sich der Adoptionsakt trotz zahlreicher Mahnungen. Kurz darauf stirbt der Erblasser eines natürlichen Todes und der junge Liebhabe tritt sein Erbe an. Soweit, so unspektakulär. Doch nach seinem Tod taucht eine alte Freundin des Gestorbenen auf, um in Venedig eine Gedenkfeier im engsten Freundeskreis zu organisieren. Noch am Abend ihrer Ankunft, bei der Brunetti sie kennenlernt, wird sie ermordet. Es bedarf einiger Ermittlungsarbeit sowie der emsigen Internetrecherche Elletras, bis Brunetti ein Geheimnis aufdeckt, das sowohl das Motiv für den Mord als auch den Täter entlarvt.

    Also eigentlich alles wie immer. Die Brunettis zelebrieren ihr Familienleben, sinnieren über Gott und die Welt, ein bisschen Patta-Stress und fertig ist der diesjährige Donna Leon-Roman. Wer's mag wird gut bedient, wer nicht sollte sein Geld für etwas anderes ausgeben.