Ein perfekter Freund

Rezensionen zu "Ein perfekter Freund"

  1. Fabio Rossi auf der Suche nach seiner Identität

    Bei diesem Roman handelt es sich um den dritten und letzten Teil von Martin Suters neurologischer Trilogie, aber keine Angst, man muss die ersten beiden Teile nicht gelesen haben, aber man sollte es unbedingt nachholen. Wie auch in den vorherigen Romanen aus der Trilogie behandelt Martin Suter das Thema Gedächtnisstörungen.

    Man begleitet Fabio Rossi auf der Suche nach seiner eigenen Identität. Während des Lesens machte ich mir bereits Gedanken, was ich besser fände:: Vergessen oder Erinnern; irgendwie hatte ich ein seltsames Gefühl ob Fabios Vergangenheit. Dieses Gefühl täuschte mich nicht. Denn mit Fortdauer der Geschichte wird dem Leser der an sich sympathische Fabio zunehmend unsympathischer. Wobei man hier von dem Fabio vor seiner Persönlichkeitsveränderung sprechen muss. Der neue Fabio, wirkt hingegen verloren und kann selbst gar nicht glauben, was für ein Mensch er vorher war. Klingt alles sehr komplex, löst sich aber mit Leichtigkeit auf.

    Ganz besonders haben mir die zum Teil skurrilen Personen gefallen, wie zum Beispiel Herr Dr. Vogel, ein überaus gewichtiger Experte auf dem Gebiet des Gedächtnisverlustes. Generell ist die Geschichte mit einer Prise Situationskomik gespickt, voll von tollen Dialogen. Die Geschichte ist aber von Martin Suter nicht in ein festes Korsett geschnürt worden, sodass für den Leser viel Raum für Phantasie bleibt.

    Man kann es erahnen, ich bin schon ein großer Fan des Autors. Für mich ist er tatsächlich einer der besten Gegenwartsautoren, seine Bücher lassen sich leicht lesen, und obwohl es sich dabei um Fiktion handelt sehr nahe an der Realität dran und gleichen einer Gesellschaftsstudie.

    Interessant war für mich, dass die Story rund um den Gedächtnisverlust von Fabio Rossi von einer Kriminalgeschichte ummantelt wurde, sodass für mich als Leser Spannung aufkam. Die medizinischen Fakten wurden, soweit ich das laienhaft beurteilen kann, sehr gut recherchiert, sie wurden detailliert beschrieben, aber wirkten nicht überladen.

    Wer noch nie einen Suter gelesen hat, sollte ihm jedenfalls eine Chance geben, diejenigen, die den Autor kennen, aber dieses Buch noch nicht gelesen haben, sollten unbedingt zugreifen und es schleunigst nachholen. Und nein, ich bin leider nicht der Pressesprecher von Martin Suter.

    Autor

    Martin Suter, geboren 1948 in Zürich, arbeitete bis 1991 als Werbetexter und Creative Director, bis er sich ausschließlich fürs Schreiben entschied. Seine Romane – zuletzt erschien ›Elefant‹ und ›Allmen und der Koi‹ – sowie seine ›Business Class‹-Geschichten sind auch international große Erfolge. Martin Suter lebt mit seiner Familie in Zürich.