Ein mögliches Leben: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Ein mögliches Leben: Roman' von Hannes Köhler
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Ein mögliches Leben: Roman"

Roman
Gebundenes Buch
"Hannes Köhler schreibt von einer Reise in die Vergangenheit, die das Verzeihen möglich macht und die Gegenwart verstehen lässt. Ein ungemein wertvolles Buch." Lucy Fricke

Ein Wunsch, den Martin seinem Großvater Franz nicht abschlagen kann: eine letzte große Reise unternehmen, nach Amerika, an die Orte, die Franz seit seiner Gefangenschaft 1944 nicht mehr gesehen hat. Martin lässt sich auf dieses Abenteuer ein, obwohl er den Großvater eigentlich nur aus den bitteren Geschichten seiner Mutter kennt. Unter der sengenden texanischen Sonne, zwischen den Ruinen der Barackenlager, durch die Begegnung mit den Zeugen der Vergangenheit, werden in dem alten Mann die Kriegsjahre und die Zeit danach wieder lebendig. Und endlich findet er Worte für das, was sein Leben damals für immer verändert hatte.

Mit jeder Erinnerung, mit jedem Gespräch kommt Martin seinem Großvater näher, und langsam beginnt er die Brüche zu begreifen, die sich durch seine Familie ziehen. Er erkennt, wie sehr die Vergangenheit auch sein Leben geprägt hat und sieht seine eigene familiäre Situation in einem neuen Licht.

Ein vielschichtiger Roman über die tiefen Spuren, die der Krieg bis heute in vielen Familien hinterlassen hat.

"In einer äußerst präzisen Sprache, mit sehr feinen Beobachtungen und der Genauigkeit eines Historikers hat Hannes Köhler eine literarische Studie über die Nachwirkzeit von Erfahrungen geschaffen." Inger-Maria Mahlke

Diskussionen zu "Ein mögliches Leben: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:352
EAN:9783550081859

Rezensionen zu "Ein mögliches Leben: Roman"

  1. Reifeprozess

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Feb 2019 

    Ein Roman der nachdenklich macht, der eine Zeit lebendig werden lässt, die lange vorbei ist. Aber ist sie das wirklich ? Das Buch ist in klarer Sprache geschrieben und erzeugt nach einer anfänglichen Durststrecke einen deutlichen Sog. Man wird in eine Geschichte hineinkatapultiert, die sehr spannend geschrieben ist, die einen langen Nachhall besitzt.

    Der Roman beginnt mit einer Reise von Franz, dem Großvater und Martin, dem Enkel. Man bemerkt gleich zu Anfang das in der Familie der Beiden deutliche Abgründe lauern. Beide reisen nach Texas, weil Franz an den Ort seiner Gefangenschaft zurück möchte. Und in dem Museum des ehemaligen Lagers in Texas angekommen, beginnt er sich zu erinnern, an seine Gefangenschaft in Amerika am Ende des zweiten Weltkrieges. Es geht um die deutschen Gefangenen und ihre unterschiedlichen politischen Auffassungen. Und es geht darum, was politische Ideologien mit Menschen machen, oder was Menschen mit sich machen lassen und anderen Menschen antun. Der Großvater erzählt von seiner Zeit in diesem Lager, bis er ein Trauma erlebt. Die Hauptperson durchlebt in seiner Zeit im Lager und besonders durch das erlebte Trauma einen Gesinnungswandel, verändert sich langsam, aber kontinuierlich.

    "Die Innenseiten seiner Augenlider sind die Bildfläche, die er seinem Hirn nicht geben darf. Die Zugfahrt über hat er hinausgestarrt, zunächst in die Wüste, auf die gelben Felsen Arizonas, später in das leuchtende Rot im Süden Utahs, aber auch die Farben sind nicht mehr neutral, auch das Rot wollte erzählen, von den schneeweißen Verbänden, die es gefärbt hat, davon, wie es erst sehr hell und leuchtend war und dann fast schwarz werden konnte; wie es zurückkehrte, auch wenn man die Verbände wechselte, wie es schien, als verließe mit dem Rot wirklich alle Farbe den Körper neben Franz, den Körper, über den er wachte."

    Er wird daraufhin in ein anderes Lager in Utah verlegt. Als die Beiden dann im Jetzt nach Utah reisen, beginnt sich eine Veränderung heraus zu kristallisieren. Der ehemals so verschlossene Großvater beginnt sich zu öffnen und erscheint dem Enkel wie ein neuer Mensch. Ein gegenseitiges Verstehen beginnt und es bröckeln viele Missverständnisse, die über die Zeit in der Familie entstanden sind. Und bald erfasst dieses Bröckeln die ganze Familie, Mauern fallen, werden eingerissen.

    Es geht um Reifeprozesse, die die Personen des Romans durchleben. Es zeigt wie Ereignisse, die vor langer Zeit einer Person widerfahren, noch lange Zeit später in den weiteren Personen einer Familie spürbar/fassbar sind und die weiteren Auswirkungen im familiären Rahmen. Aber es zeigt auch die Kraft der Veränderung, und das es sich immer lohnt diese zuzulassen.

    Ein tolles Buch !

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