Ein Buchladen zum Verlieben: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Ein Buchladen zum Verlieben: Roman' von Katarina Bivald
4
4 von 5 (3 Bewertungen)

Wie eine Buchhandlung einen verschlafenen Ort wieder zum Leben erweckt.


Es beginnt mit einer ungewöhnlichen Brieffreundschaft. Die 65-jährige Amy aus Iowa und die 28-jährige Sara aus Schweden verbindet eines: Sie lieben Bücher – mehr noch als Menschen. Begeistert beschließt die arbeitslose Sara, ihre Seelenverwandte zu besuchen. Als sie jedoch in Broken Wheel ankommt, ist Amy tot. Und Sara plötzlich mutterseelenallein. Mitten in der Einöde. Irgendwo in Iowa. Doch Sara lässt sich nicht unterkriegen und eröffnet mit Amys Büchersammlung einen Laden. Und sie erfindet neue Kategorien, um den verschlafenen Ort für Bücher zu begeistern: »Die verlässlichsten Autoren«, »Keine unnötigen Wörter«, »Für Freitagabende«, »Gemütliche Sonntage im Bett«. Ihre Empfehlungen sind so skurril und liebenswert wie die Einwohner selbst. Und allmählich beginnen die Menschen aus Broken Wheel tatsächlich zu lesen – während Sara erkennt, dass es noch etwas anderes im Leben gibt außer Büchern. Zum Beispiel einen ziemlich leibhaftigen Mr. Darcy …


Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:448
Verlag: btb Verlag
EAN:9783442754564

Rezensionen zu "Ein Buchladen zum Verlieben: Roman"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 19. Mär 2017 

    Buchladen verändert Kleinstadt in den USA

    Inhalt
    Die 28-jährige Sara aus Schweden reist 2011 im September in die USA, nach Iowa in ein verschlafenes, fast ausgestorbenes Nest namens Broken Wheel, um ihre Brieffreundin, die 65-jährige Amy zu besuchen, mit der sie seit 2 Jahren eine Brieffreundschaft verbindet.
    Die Briefe von Amy an Sara, die zwischen innerhalb der Handlung eingestreut sind, handeln vorwiegend von Büchern, aber auch von den Bewohnern Broken Wheels. Nachdem Sara ihren Job in einem Buchladen in Stockholm verloren hat, lädt Amy sie ein und Sara ergreift die Chance einer Auszeit. Mit ihrer Heimat verbindet sie nur wenig, sie hat ein eher distanziertes Verhältnis zu ihren Eltern und ihrer Schwester und auch nur wenige Freunde - keine Beziehung. Sie scheint vorwiegend in Büchern zu leben und zieht diese den Menschen vor.
    Als sie in Broken Wheel ankommt, gerät sie auf Amys Beerdigung und ist zunächst von der Situation überfordert.
    Amys Freunde überreden sie in ihrem Haus zu bleiben und die zwei Monate trotzdem in der Stadt zu verbringen.
    Sara entdeckt in Amys Schlafzimmer eine große Auswahl an Büchern.

    "Amys Zimmer war eingerichtet wie die Bibliothek aus Saras Träumen. (...) An allen Wänden: Bücherregale. Der Nachttisch bestand aus einem Bücherstapel. Das oberste ein Fotoband mit Luftaufnahmen von Iowa, wies auf dem Umschlag die Abdrücke eines Glases auf." (S.69)

    Nach längeren Überlegungen entschließt sie sich in Broken Wheel, wo offenkundig niemand am Lesen interessiert ist, im ehemaligen Laden von Amys Mann einen Buchladen mit Amys Büchern zu eröffnen. Sie glaubt, es sei im Sinne ihrer Freundin und wird von den Bewohnern unterstützt. Allen voran von dem armen George, der von seiner Frau und Tochter verlassen und zum Alkoholiker wurde, seit wenigen Monate aber trocken ist. Er wird Saras Chauffeur und hilft ihr, den Laden auf Vordermann zu bringen, den sie wie ein gemütliches Wohnzimmer einrichtet.
    Die Besitzerin des gegenüberliegenden Diners, Grace, eine tatkräftige Frau, die Waffen liebt, steht ihr anfangs ebenso wie John, Besitzer des Lebensmittelgeschäftes und Amys bester Freund, eher kritisch gegenüber.
    Amys Freundin, die disziplinierte Caroline dagegen unterstützt ihr Vorhaben. Sie ist in der Kirche aktiv, knapp über 40, ledig und sagt allen ungeschminkt, was sie denkt. Auch Andy und sein Freund Carl, die eine Kneipe führen, sind auf Saras Seite, ebenso wie die verheiratete Jen, die den Nachrichtenbrief der Stadt herausgibt, in dem normalerweise nichts Sensationelles zu lesen ist, bis zwei Jugendliche Sara eines Nachmittags durch das Schaufenster des Buchladens beim Lesen beobachten. Sie wagen das Experiment, die Zeit zu stoppen, wie lange sie ohne aufzublicken weiter liest. Es werden fast 6 Stunden.

    "Im Laufe des Nachmittags wuchs die Gruppe vor dem Fenster immer weiter an. Als Jen und ihr Mann vorbeikamen, waren sie schon zu zehnt." (S.161)

    Immer mehr Menschen versammeln sich, bis ein richtiges Straßenfest entsteht, das Broken Wheel vereint. Der folgende Nachrichtenbrief verbreitet sich auch in der Nachbarstadt, so dass am nächsten Wochenende viele Auswärtige den Buchladen besuchen. Da dürfen Broken Wheels Bewohner natürlich nicht zurückstehen und tun so, als ob sie eifrige Leser/innen seien und sorgen damit für viele witzige Szenen.
    So verändert Sara unbewusst das Leben der Stadt - bis ihr Touristenvisum ausläuft und alle eine naheliegende Lösung suchen, so dass sie bleiben kann, in der der gut aussehende Jungselle Tom ein nicht unerhebliche Rolle spielt....

    Bewertung
    Ich mag Bücher, die von Büchern und Buchhandlungen erzählen, außerdem skandinavische Literatur, gleich zwei Gründe nach dem vorliegenden Roman zu greifen. Meine Erwartungen wurden jedoch nur teilweise erfüllt. Von anderen Büchern wird recht viel erzählt, gleich eines der ersten Jugendbücher, die angesprochen werden, habe ich selbst als junges Mädchen mehrfach gelesen: Betty und ihre Schwestern. Auch vielen anderen Bekannten bin ich begegnet...
    Gefallen hat mir die sympathische Protagonistin Sara, die das Leben der Bewohner Broken Wheels mit ihrem Buchladen und ihrer Einstellung, für jeden gebe es das richtige Buch, ins Wanken bringt.

    "Er (Tom) dachte an Sara, an den Buchladen und den Basar (...) und an eine Hauptstraße, die wieder zu leben schien, als sein sie plötzlich immer in Sonne gebadet, an eine Stadt, die in wenigen Wochen von Schwarzweiß und leuchtendes Technicolor übergegangen war." (S.398)

    Allein durch ihre unaufdringliche Anwesenheit und die Bücher, die sie an die Bewohner verteilt, bricht sie deren gewohnte Denkmuster und Verhaltensweisen auf.
    An Vorurteilen und Problemen innerhalb der Stadt spart die Autorin dabei nicht: ein homosexuelles Pärchen, eine ältere, selbst disziplinierte Frau und ein bisexueller jüngerer Mann verlieben sich, ein trockener Alkoholiker kümmert sich um eine viel jüngere Alleinerziehenden, die sich ebenfalls in ihn verliebt und am Ende löst sich in Wohlgefallen auf. Das ist ein bisschen zu viel des Guten.

    Und Sara selbst erlebt, dass das Leben mehr zu bieten hat, als nur Bücher zu lesen und findet ihre große Liebe.

    Die Vorhersehbarkeit der Geschichte und das "typische" Happy End, in dem wirklich alle (!) Handlungsfäden ein glücklichen Ausgang finden, machen die ganze Story unglaubwürdig und unrealistisch, aber das will sie, glaube ich, nicht sein.
    Sondern ein romantischer Unterhaltungsroman, eine Liebeserklärung an Bücher, aber auch an die Bewohner einer Kleinstadt im mittleren Westen der USA.
    Ein Buch für zwischendurch - nett, aber nicht mehr.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Aug 2014 

    Die Liebe zum Buch

    Durch ihre Liebe zu Büchern entsteht zwischen der Schwedin Sara und der wesentlich älteren Amerikanerin Amy eine wundervolle Brieffreundschaft. Irgendwann ist es dann so weit und die schüchterne Sara reist nach Iowa in das kleine Örtchen Broken Wheel. Doch sie kommt zu spät. Amy verstarb kurz vorher und sie kann sie nicht mehr in die Arme schließen. Die Bewohner von Broken Wheel überreden Sara in Amys Haus zu wohnen und trotzdem ihren Urlaub hier zu verbringen. Da die Bewohner ihr immer alles schenken wollen oder sie einladen fühlt sie sich nicht wohl und sie überlegt, wie sie den Leuten etwas zurückgeben kann. Da sie ihr halbes Leben in einer Buchhandlung gearbeitet hat, kommt sie auf die Idee Amys Büchersammlung zum Verkauf und Tausch anzubieten und das in einer Stadt, in der noch nie jemand freiwillig ein Buch in der Hand hatte. Um den Menschen die Bücher schmackhaft zu machen erfindet sie absolut originelle Kategorien, in die sie die Bücher unterteilt. So gibt es das Regal "Sex, Waffen und Gewalt", ein Regal namens "Kein überflüssiges Wort", "Sehr zuverlässiger Autor" und noch so viel mehr. Und auch wenn die Menschen von Broken Wheel kein großes Interesse an den Büchern haben, so finden sie doch Sara interessant genug um dem Buchladen einen Besuch abzustatten. Und bald wird er der Mittelpunkt der kleinen Stadt. Doch irgendwann läuft Saras Visum aus......

    "Ich kann um nichts in der Welt erklären, warum ich die Menschen vorziehe. Wenn man sich ihre bloße Anzahl ansieht, dann tragen auf jeden Fall die Bücher den Sieg davon - in meinem ganzen Leben habe ich wohl eine Handvoll Menschen geliebt, im Vergleich zu Dutzenden oder hunderten von Büchern (und hier rechne ich nur die, die ich wirklich geliebt habe, die, bei denen der bloße Anblick schon froh macht, über die man immer lachen muss, egal, was sonst gerade passiert, zu denen man immer wieder zurück kehrt wie zu einem alten Freund und von denen man genau weiß, wann man ihnen zum ersten Mal "begegnet" ist, ich bin sicher, du weißt was ich meine). Aber die Handvoll Menschen, die man liebt.... die ist doch mehr wert, als diese ganzen Bücher". (Seite 171)

    "Ein Buchladen zum Verlieben" ist eine wunderschöne leise Geschichte mit viel Herz und der Liebe zum Buch. Ich muss gestehen, dass ich beim Lesen sogar die Leserunde vergaß, und vollkommen in der Geschichte versank. Ich hatte echte Schwierigkeiten, wieder daraus aufzutauchen und auch wenn ich nicht las, dachte ich über die Charaktere nach. Sie wurden zu richtigen Freunden, die ich eigentlich nie wieder verlassen möchte und ich bin wirklich sehr traurig, das Buch beendet zu haben. Aber eins weiß ich ganz genau: Es wird nicht bei dem einen Mal lesen bleiben, denn es ist ein Buch, das man immer und immer wieder genießen kann und bei dem man trotzdem immer noch neue Facetten entdeckt.

    "Bücher sind phantastisch, und sie kommen in einer Hütte im Wald sicherlich zu ihrem Recht, aber welchen Sinn hat es denn, ein phantastisches Buch zu lesen, wenn man andere Menschen nicht darauf aufmerksam machen und darüber reden und daraus zitieren kann?" (Seite 171)

    Sara ist ein richtiger Büchernerd und sie wirkt wie ein verängstigtes Reh und eigenartig weltfremd. Aber es passt zu ihrem Charakter und ich schloss sie sofort in mein Herz. Man muss Sara, die Bücher bisher immer mehr als Menschen liebte, einfach gern haben. Die Bewohner von Broken Wheel sind alle herrlich skurril aber doch herzlich und es macht wirklich großen Spaß über sie zu lesen. Zum Beispiel das einzige schwule Pärchen Andy und Carl, über die es natürlich jede Menge Gerede gibt. Oder Caroline, die taffe und gottesfürchtige Frau, die immer alles organisiert. Jen, die allen mehr oder weniger ihren Willen aufzwingt oder George, der trockene Alkoholiker, der für alle nur der arme George ist. Sie sind alle wundervoll lebendig und facettenreich und wirklich alle machen im Laufe der Geschichte eine absolut nachvollziehbare Wandlung durch.

    "Merkst du das? Der Duft von neuen Büchern. Ungelesenen Abenteuern. Freunden, die man noch nicht kennengelernt hat, Stunden magischer Wirklichkeitsflucht, die auf uns warten". (Seite 351)

    Der Schreibstil der Autorin ist wundervoll warmherzig und bildhaft, so dass man mitten in den Straßen von Broken Wheel steht und alles mit eigenen Augen mitverfolgen kann. Ich saß bei Sara im Buchladen und wir lasen gemeinsam oder unterhielten uns, ich stand an der Theke von Graces Diner und trank mit ihr einen Kaffee und sie erzählte mir von den Frauen ihrer Familie, ich ging durch die Gänge von Johns Eisenwarenhandlung und kaufte meine Lebensmittel und ich saß ins Amys Haus und fragte mich, was ich eigentlich hier tue. Ich verliebte mich ein wenig in Tom und trank bei Andy und Carl ein Bier. Ich fühlte mich zu Hause, ein wenig geliebt und verstanden.

    "Was war Jesus denn gewesen, wenn man genau hinschaute; auch nur eine Art frühe Variante von langhaarigem Hippie, der seine Eltern verließ, um mit einer kollektiven Großfamilie durch die Gegend zu ziehen". (Seite 120)

    Das ganze Buch ist so wundervoll, dass ich es am Liebsten komplett zitieren würde. Das geht natürlich nicht und darum kann ich euch nur ans Herz legen, diesem Buch eine Chance zu geben. Es ist so wundervoll und ich liebe es von ganzem Herzen. Darum bekommt es von mir 5 von 5 Punkten, den Favoritenstatus und eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Es wird schwer werden ein neues Buch zu beginnen, denn in Gedanken bin ich immer noch in Broken Wheel und ich habe das Gefühl, dass ich da auch noch lange bleiben werde.

    © Beate Senft

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 27. Aug 2014 

    Ein Wohlfühlbuch, das etwas an Zauber verlor...

    Eine merkwürdige Situation, in die Sara da geraten ist. Über ihre Liebe zu Büchern kam die 28-jährige Schwedin in Kontakt zu der deutlich älteren Amerikanerin Amy und unterhielt zwei Jahre lang einen intensiven Briefaustausch mit ihr. Schließlich lud Amy die mittlerweile arbeitslose Buchhändlerin ein, sie in Iowa zu besuchen - doch als Sara voller Begeisterung eintrifft, holt sie niemand wie vereinbart in der Nachbarstadt ab. Als sie schließlich in Broken Wheel ankommt, erfährt Sara zu ihrer großen Bestürzung, dass die 65-jährige Amy verstorben ist, die Beerdigung ist gerade vorüber.
    Was nun? Heimfahren? Zwei Monate sollte der Aufenthalt in Iowa dauern, so weit reicht das Visum. Doch Sara hat nicht mit der Reaktion der Einwohner von Broken Wheel gerechnet. Die bestehen darauf, dass die junge Frau troz allem in Amys Haus wohnen soll, und alle bemühen sich, dass Sara sich möglichst wohlfühlt. Keine Miete soll sie zahlen, kein Geld geben für Essen, Trinken und was man sonst noch so zum Leben braucht. Statt Amys Gast ist Sara nun Gast der ganzen Gemeinde.

    " '...Broken Wheel! (...) Kaum der richtige Ort für eine Touristin. Gibt doch rein gar nichts zu sehen. Das Einzige, wovon wir mehr als genug haben, ist Sinnlosigkeit."

    Broken Wheel hat seine ganz eigene Geschichte. "Und bei einem dieser Trecks zerbrach ein Rad: Broken Wheel wurde aufgrund eines Unfalls gegründet und danach benannt, und seither schien die Stadt sich Mühe zu geben, um diesem Namen Ehre zu machen."
    Fast alle, die Arbeit suchen, ziehen weg, ein Geschäft nach dem anderen musste schließen, Familienbetriebe wurden zerschlagen, nur noch Mais scheint dort zu wachsen. Geblieben sind ein paar wenige Bewohner, einer verschrobener als der andere - sich gegenseitig beobachtend und doch einsam in ihrem Innersten. Und ausgerechnet hierher hat es Sara nun verschlagen. Sie fühlt sich wohl in Amys Haus, als sie erst die Bücher entdeckt hat - doch erträgt sie es kaum, so auf Kosten der Gemeinde zu leben. Ein Gedanke nimmt allmählich Gestalt an:

    "Sie dachte daran, dass sie dieser Stadt gern etwas zurückgeben würde. Bücher waren da eine gute Möglichkeit. Egal, ob sie es wussten oder nicht, Bücher waren das, was sie hier brauchten, das war ganz offensichtlich."

    Und so bringt Sara allmählich Amys alten leerstehenden Laden wieder auf Vordermann, stellt Regale hinein, gemütliche Sessel und einen kleinen Tisch - und füllt die Regale auf. Mit Büchern. Mit Amys Büchern, alle gelesen und geliebt und nun auf der Suche nach neuen Besitzern.
    Die Einwohner lassen Sara gewähren, doch als der Laden eröffnet wird, wissen sie nicht so recht, was sie nun damit anfangen sollen. Sara jedoch bleibt optimistisch:

    "Sie zweifelte nicht daran, dass sie die Bewohner von Broken Wheel zum Lesen bringen würde, egal, was die sich so dachten."

    Sara weiß Gelegenheiten zu nutzen. Sie sortiert die Regale nach einem ganz eigenen System, das die Menschen in Broken Wheel ermutigen soll, nach dem richtigen Buch zu suchen. »Die verlässlichsten Autoren«, »Keine unnötigen Wörter«, »Für Freitagabende«, »Gemütliche Sonntage im Bett« - sind nur einige der Kategorien, die Sara für sie erfindet. Und allmählich beginnt sich ihre Hartnäckigkeit auszuzahlen.

    "Amys Büchersammlung enthielt keine ungewöhnlichen oder wertvollen Exemplare, aber sie hatte einen Raum voll purer, konzentrierter Lesefreude erschaffen (...) Sara war fest entschlossen, ihren - ihren gemeinsamen - Buchladen zu einem ähnlichen Lesetempel zu machen."

    Der Ort beginnt zu lesen. Und mit den Büchern und dem Buchladen geht eine Veränderung der Menschen einher. Sie entdecken Neues, Ungeahntes - auch an den Menschen um sie her und an sich selbst. Und auch Sara, die als schüchterne, unsichere Frau nach Iowa kam, bleibt von den Veränderungen nicht ausgenommen. Sie, die immer vor dem Leben geflohen ist und sich in Büchern vergrub, lernt nun immer neue Leute kennen und lässt sich auf sie ein.

    "Bücher oder Menschen, fragst du. Das ist eine schwere Entscheidung, muss ich sagen (...) und dennoch, so sehr ich diese Frage auch drehe und wende, ich muss mich am Ende wohl für die Menschen entscheiden (...) in meinem ganzen Leben habe ich vielleicht eine Handvoll Menschen geliebt, im Vergleich zu Dutzenden oder hunderten von Büchern (und hier rechne ich nur die, die ich wirklich geliebt habe, die, bei denen der bloße Anblick schon froh macht, über die man immer lachen muss, egal, was sonst gerade passiert, zu denen man immer wieder zurückkehrt wie zu einem alten Freund und von denen man genau weiß, wann man ihnen zum ersten Mal 'begegnet' ist) (...) Aber die Handvoll Menschen, die man liebt... die ist doch mehr wert als diese ganzen Bücher."

    Auch Sara macht in ihrer Zeit in Broken Wheel diese Erfahrung - doch die zwei Monate gehen schnell vorbei. Der Rückflug nach Schweden steht an, zurück in ihr altes Leben. Die Einwanderungs-Gesetze der USA sind furchtbar streng, und es scheint keine Möglichkeit für Sara zu geben, länger in Iowa zu bleiben. Oder für immer?
    Alle in Broken Wheel wollen ihr dabei behilflich sein - doch die Behörden sind bereits auf Sara aufmerksam geworden...

    Diese 448 Seiten lassen sich unglaublich flott herunterlesen. Die ersten zwei Drittel des Buches haben mich wirklich bezaubert, auch wenn der Wandel von Sara von der eher grauen Maus zu einer recht selbstbewussten jungen Frau sich doch recht rapide zu vollziehen schien. Gerade die Stellen, an denen es sich um die Bücher drehte, waren oft wunderschön - und ich hätte seitenweise Zitate herausschreiben können, nur um keines zu vergessen.

    "Sie ließ die Tür einen Spaltbreit offen stehen, so dass der Geruch von feuchter Herbstluft sich mit dem Duft der Bücher vermischte. Sie hatte immer gefunden, dass Herbstluft und Bücher gut zusammenpassten, dass beide auf irgendeine Weise zu bequemen Sesseln und großen Tassen Kaffee oder Tee gehörten, und niemals wurde ihr das deutlicher als hier in ihrem eigenen Buchladen."

    Erzählt wird meist aus der Perspektive Saras, doch gelegentich gibt es einen Perspektivwechsel zu einem der Bewohner von Broken Wheel, so dass man auch diese Personen zunehmend besser kennenlernt. Und eingestreut gibt es häufig Auszüge aus den Briefen von Amy an Sara aus vergangener Zeit, so dass es ein wenig ist, als ob Amy immer auch ein bisschen bei dem Geschehen dabei wäre.
    Gerade diese Briefpassagen haben mir unglaublich gut gefallen, denn aus den Zeilen sprach oft eine Weisheit, die das Leben prägt - und die Amy auf diese Art mit Sara (und dem Leser) teilte.

    "Ab und zu glaube ich, dass nicht die Stärke des Kummers von Bedeutung ist, sondern wie sehr er sich festsetzen kann."

    Das letzte Drittel des Buches hat dann für mich ein wenig vom Zauber verloren - hier geht es auch weniger um die Bücher, sondern mehr um das Leben in Broken Wheel und um den Versuch, Sara einen längeren Aufenthalt dort zu ermöglichen. Für mich glitt das Geschehen dabei eher ins Seichte ab, was ich bedauert habe.
    Nichtsdestotroz gehört das Buch zu den Wohlfühl-Büchern, wenn auch ein wenig zu sehr mit dem Hang zum Chick-Lit, was ich so nicht erwartet habe.

    Gute 3,5 Sterne vergebe ich dafür - und weil es solch ein Füllhorn an Zitaten bietet, runde ich gerne auf 4 Sterne auf.

    © Parden