Eden: Thriller (suhrkamp taschenbuch)

Rezensionen zu "Eden: Thriller (suhrkamp taschenbuch)"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 02. Jan 2019 

    Abgründe...

    Nach den dramatischen Ereignissen im ersten Band dieser Trilogie ( 'Hades') haben die Detectives Frank Bennett und Eden Archer Mühe, wieder in den Alltag ihrer Arbeit im Morddezernat in Sydney zurückzufinden. Eden fällt dies deutlich leichter, doch Frank rutscht ab in Alkoholexzesse, Drogen und Verwahrlosung. Viel Zeit dafür bleibt ihm allerdings nicht, denn schon steht der nächste Fall an, für den Eden ihn unbedingt als Ermittler braucht.

    Die Spur von drei verschwundenen Mädchen führt auf eine entlegene Farm, auf der Biofleisch produziert wird, und wo allen ohne nachzufragen ein vorübergehendes Zuhause geboten wird, die gerade nicht wissen wohin. Eine große Kommune von Gestrandeten gibt es da, und von allen drei Mädchen ist bekannt, dass sie sich dort aufgehalten haben.

    Die toughe und durchaus nicht zimperliche Eden bietet an, sich dort undercover einzuschleusen - ein wahrlich gefährliches Unterfangen. Die Arbeit auf der Farm ist hart, der Umgang miteinander rau und respektlos, Frauen gelten als Freiwild, und auch Eden muss jederzeit damit rechnen, attackiert zu werden. Detective Frank Bennett und ein junger Kollege überwachen die Aktion über verborgene Kameras rund um die Uhr, doch Frank ist nicht immer bei der Sache.

    Ausgerechnet Edens Ziehvater Hades, Heinrich Archer, benötigt nämlich ebenfalls dringend Franks Hilfe. Als Herr der Unterwelt von Sydney hat Hades kaum Angriffe zu befürchten, doch nun macht ihm ein Stalker auf seiner gut gesicherten Müllkippe das Leben zur Hölle. Hades wird beobachet und mittels einer Videokamera überwacht, und will wissen weshalb und von wem. Dieser Fall führt tief in Hades Vergangenheit, in einen düsteren Abgrund voller Gewalt und Blut.

    Der gefährliche Undercover-Einsatz von Eden stellt den einen Handlungsstrang dieses Thrillers dar, der Fall um Hades den zweiten, wobei hier lange Zeit die Rückblenden in Heinrichs Kindheit und Jugend in den 60er und 70er Jahren dominieren und deutlich machen, dass er keine Chance hatte, jemals einen Ausweg aus dem Strudel der Gewalt zu finden. Beide Handlungsstränge überbieten sich gegenseitig an Düsternis und Bedrohung, wobei sich mir bei der lange Zeit nur unterschwelligen aber stets präsenten Gefahr auf der Farm stellenweise die Haare aufstellten, auch wenn es im Mittelteil des Thrillers für mich einige Längen gab.

    In diesem zweiten Band erhalten die Charaktere allmählich mehr Tiefe und Profil, wobei ich vieles mit einer morbiden Faszination las, ohne mich (glücklicherweise) empathisch zu fühlen. Für keine einzige Figur habe ich wirkliche Sympathie entwickelt, aber bei allen Hauptcharakteren wird deutlich, was für Auswirkungen eine verkorkste und traumatische Kindheit auf die Persönlichkeitsentwicklung hat.

    Das Ende gestaltete sich erwartungsgemäß als wenig zimperlicher Showdown und bot noch einmal an Feuerwerk an Gewalt, Blut und Unmenschlichkeit, wobei Eden stellenweise zu einer Art Lara Croft mutierte und definitiv Übermenschliches leistete. Und gerade als beim Lesen das Adrenalin nachließ, der Epilog noch einige Aspekte beleuchtete und offene Fragen beantwortete, ausgerechnet da sorgte der allerletzte Satz wieder für Herzklopfen. Eines ist gewiss: der finale Band wird mehr als spannend!

    Düster, vielschichtig, brutal, voller Abgründe und Geheimnisse - nichts für Zartbesaitete, aber für alle anderen Thrillerfans zu empfehlen!

    © Parden

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 22. Dez 2018 

    Sunday

    Nach ihrem letzten Fall arbeiten Eden und Frank Bennett eigentlich nicht so gut zusammen, vor allem weil Frank den Tod seiner Freundin noch längst nicht überwunden hat. Die Stunden bei der Psychologin Dr. Stone ignoriert Frank regelmäßig. In der Stadt sind drei junge Frauen verschwunden. Bisher hat die Polizei keine heiße Spur und Eden wird als verdeckte Ermittlerin bei einer Gruppe Verdächtiger eingeschleust. Gemeinsam mit dem jungen Kollegin Juno soll Frank ihren Einsatz absichern. Dazu reicht seine Zeit jedoch kaum, denn auch Hades hat einen Auftrag für ihn. Hades wird bedroht und daran wird sich nur etwas ändern, wenn er herausfindet, was mit seiner Jugendfreundin Sunday geschehen ist.

    In diesem zweiten Teil der Reihe um Eden und Frank geht es viel um die Vergangenheit von Hades, der Eden großgezogen hat. Frank macht sich auf die Suche nach Sunday, eine Suche, die er eher inoffiziell gestalten muss, fast wie ein Privatdetektiv. Deshalb ist er auch nicht immer vor Ort, um Edens Einsatz zu überwachen. Juno dagegen gerät schnell in Edens Bann, wobei natürlich fraglich ist, ob das unter Kollegen so gut ist. Wer Eden kennt so wie Frank zum Beispiel wird Juno davon abraten, sich zu sehr mit Eden zu beschäftigen. Aber Juno ist jung und wer lässt sich in dem Alter schon was sagen.

    In diesem zweiten Teil geht es über etliche Strecken recht ruhig zu. Eden scheint sich in ihrer Rolle als verdeckte Ermittlerin fast wohl zu fühlen. Franks Widerstand gegen die Hilfe der Psychologin wird fast slapstickhaft. Und Hades Geschichte fast zu grausam, dass der bedroht wird fast normal, auch wenn er das nicht gewohnt ist. Wenn der Autorin nicht ein geradezu furioses Finale gelungen wäre, würde man diesen Mittelband für einen eher mäßigen Übergang vom Beginn zum Abschluss halten. So habe bleibt man starr vor Spannung und kann es kaum erwarten zu erfahren, ob es für alle Beteiligten eine Art gutes Ende geben kann.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Jun 2017 

    Der zweite gelungene Band der Reihe

    Beinahe nahtlos macht 'Eden' dort weiter, wo 'Hades' endete: Nach der erfolgreichen Jagd auf den Serienmörder Jason, der kurz zuvor auch Frank Bennetts Geliebte ermordet hatte, ist Frank in ein tiefes Loch gestürzt, das er mit Alkohol und Tabletten zu füllen versucht. Eden, seine Partnerin, reißt ihn gnadenlos heraus, denn ein, nein, eigentlich zwei neue Fälle stehen an. Zum einen benötigt Hades, der Vater von Eden, die inoffizielle Hilfe von Frank. Zum anderen sind drei junge Mädchen verschwunden, die alle kurz zuvor auf der Farm von Jackie waren. Eden wird dort undercover eingeschleust und von einer Minute auf die andere ist Franks volle Aufmerksamkeit notwendig.
    Wie auch beim ersten Teil gibt es mehrere Erzählstränge. Während aus Edens Sicht der Fortgang ihrer Undercover-Ermittlungen geschildert wird, ermittelt Frank neben der Überwachung von Edens Einsatz auch für Hades, der wissen möchte, was aus seiner Jugendliebe Sunday geworden ist. Denn deren Neffe ist davon überzeugt, dass Hades für den Tod seiner Tante verantwortlich ist und will Antworten. Antworten, was wirklich passiert ist. Im dritten Erzählstrang wird Hades Lebensweg geschildert bis zum Zeitpunkt von Sundays Verschwinden.
    Die Spannung ist dieses Mal deutlich verhaltener, obwohl die zu klärenden Fälle im Gegensatz zum ersten Band tatsächlich erst kurz vor dem Ende mit wirklichen Überraschungen aufwarten können. Vielleicht weil es keine weiteren Verbrechen gibt bzw. das Ganze weit in der Vergangenheit liegt, entwickelt sich die Geschichte mehr zu einem Psychogramm des Ermittlers sowie einer Gruppe von Personen, die fern am Rande der Gesellschaft leben. Insbesondere Letzteres liest sich schrecklich, wenn sich Menschen schlimmer als Tiere verhalten: wie sie im Dreck hausen, bis zur Besinnungslosigkeit besaufen und zudröhnen, aus Freude Menschen und Tiere quälen und vielleicht noch Schlimmeres.
    ‚Eden‘ ist zwar weniger spannend als Band 1, aber dennoch fesselnd. Band 3 werde ich also auch noch lesen ;-)