Dunkelnacht

Buchseite und Rezensionen zu 'Dunkelnacht' von Kirsten Boie
5
5 von 5 (5 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Dunkelnacht"

„Weil auch in diesen Zeiten irgendwer das Richtige tun muss, einfach, weil es richtig ist.“ April, 1945. Alle spüren, dass der Krieg und die fürchterliche Ideologie der Nationalsozialisten kurz vor dem Ende stehen. Doch in der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945, zwei Tage vor Hitlers Selbstmord, ereignet sich das dunkelste Kapitel der damals noch jungen Stadt Penzberg in Bayern. Denn während der einst von den Nazis abgesetzte Bürgermeister zurück ins Rathaus zieht, erlässt die Wehrmacht den Befehl, alle Widerständler sofort hinzurichten. Und zwischen allen Fronten stehen die Jugendlichen Marie, Schorsch und Gustl.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:112
EAN:9783751200530

Rezensionen zu "Dunkelnacht"

  1. Beklemmender Jugendroman über die Penzberger Mordnacht

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Jul 2021 

    MEINE MEINUNG
    *Weil auch in diesen Zeiten irgendwer das Richtige tun muss, einfach, weil es richtig ist.*
    In ihrem neuen großartigen Jugendbuch „Dunkelnacht“ widmet sich die bekannte Hamburger Autorin Kirsten Boie den sehr beklemmenden Ereignissen rund um die „Penzberger Mordnacht“. In diesem erstaunlich dünnen Büchlein greift die Autorin die historisch verbürgten, aber nur wenigen bekannten Geschehnisse auf, die sich wenige Tage vor Ende des 2. Weltkriegs Ende April 1945 in dieser kleinen bayerischen Kleinstadt südlich von München zugetragen haben.
    Diese als Nouvelle verfasste, knappe aber äußerst gehaltvolle und beeindruckend erzählte Geschichte befasst sich mit einem unfassbaren Verbrechen und einem speziellen, eher selten behandelten Aspekt der von den Nazis begangenen Greueltaten, der von Historikern als "Endphasenverbrechen" bezeichnet wird. Gekonnt für die jugendliche Leserschaft ab 15 Jahren aufbereitet eignet sie sich hervorragend für den Geschichtsunterricht, ist aber auch für Erwachsene interessant zu lesen. Entsprechend findet sich für die jugendliche Zielgruppe im Anhang ein kurzes Glossar, das einige eventuell unbekannte, aber zum Verständnis wichtige Begriffe und Zusammenhänge rund um die damalige Nazi-Zeit und das Hitler-Regime erläutert.
    Der Autorin gelingt es hervorragend, uns gleich von Beginn an in die beklemmende und bewegende Handlung hineinzuziehen, indem sie geschickt sorgsam recherchierte zeitgeschichtliche Hintergründen einfließen lässt und uns sehr authentische Einblicke in die damalige Lebenswelt ihrer Protagonisten vermittelt. Auch wenn die allwissende distanzierte Erzähl-Perspektive zunächst etwas gewöhnungsbedürftig wirkt, so passen der gewählte Schreibstil und die einfach gehaltene, sehr prägnante Sprache hervorragend zu der erzählten Geschichte. Sehr schnell wird die unheilvolle Stimmung greifbar und lässt einen nicht mehr los, denn man ahnt schon früh, die grauenvollen Verwicklungen der Geschehnisse für die Beteiligten und die unausweichlich aufziehende Katastrophe, die schließlich in einer unfassbaren Tragödie mündeten.
    Gekonnt versetzt die Autorin uns in das kleine Städtchen Penzberg und vermittelt ein stimmiges, authentisches und lebendiges Bild der damals herrschenden Zustände.
    Rasch wird deutlich, dass in der Bevölkerung viele auf gegensätzlichen Seiten stehen – auf der einen Seite die fanatischen Nazis, die verbissen immer noch an den Endsieg glauben, und auf der anderen Seite die „Roten“- Arbeiter zumeist, die nur darauf hoffen, dass der Hitler-Kult endlich ein Ende nimmt und die Alliierten dem Ganzen ein baldiges Ende bereiten. Sehr anschaulich und nachvollziehbar zeigt die Autorin auf, dass gerade die Jugend wie Marie und Schorsch von der Nazi-Ideologie geprägt ist und zugleich auch von den Ansichten ihrer Eltern beeinflusst wurde.
    Gekonnt verdeutlicht Boie aus Sicht der drei Protagonisten die ganze Zerrissenheit zwischen Krieg und Frieden oder Richtig und Falsch, und zeigt auf, wie ein jeder in dieser Ausnahmezeit und dem quasi rechtsfreien Raum auszuloten versucht, wo man mit seiner Haltung zukünftig steht oder manchen an dem Irrglauben festhält, durch bestimmte Taten, das Ende doch noch verhindern zu können. Ich finde auch für Jugendliche, die sich noch nicht sehr eingehend mit dieser Zeit auseinandergesetzt haben, ist es der Autorin hervorragend gelungen, die diffizilen Aspekte dieser komplexen Lage zu umreißen und zugleich die unterschiedlichen Emotionen wie Pflichtbewusstsein, Schuld, Angst, Misstrauen und zarter Hoffnung einzufangen.
    Die zum Abschluss sehr verstörende Geschichte endet dennoch mit einem hoffnungsvollen und versöhnlichen Ausklang und ist überaus passend gewählt.
    In ihrem wichtigen und sehr gelungenen Nachwort bettet die Autorin ihre Geschichte nochmals in einen weiteren Kontext im Hinblick auf die unzureichende und beschämende gerichtliche Aufarbeitung der unfassbaren, während der Penzberger Mordnacht begangenen Taten ein und zeigt uns Lesern eine zusätzliche Dimension dieses großen, letztlich ungesühnten Unrechts auf, das mich wirklich fassungslos und betroffen zurückgelassen hat.

    FAZIT
    Mit ihrem hervorragenden Jugendbuch hat Kirsten Boie ein äußerst wichtiges Werk gegen das Vergessen geschrieben, das betroffen macht, nachdenklich stimmt und noch lange nachwirkt! Zugleich hat sie den 16 unschuldigen Opfern dieser kaltblütigen und skrupellosen Bluttat ein würdiges Denkmal gesetzt!
    Man kann nur hoffen, dass dieses sehr lesenswerte Buch auch viele jugendliche LeserInnen erreicht!

  1. Warum wurdet ihr Tätern eurer eigenen Bewohner?

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Apr 2021 

    "Wer heute nach Penzberg kommt, ahnungslos und ohne zu wissen, den wird nichts mehr erinnern an dieses Grauen der Mordnacht am Ende des Zweiten Weltkriegs" (Buchauszug)
    Es ist die Nacht des 28. auf den 29. April 1945 im bayrischen Penzberg. Die Menschen sehen sich dem Ende des Kriegs entgegen uns so ist es kein Wunder, das eine Radiomeldung die Bevölkerung des Orts aufschreckt und Hoffnung macht. Bei dieser wird das Kriegsende verkündet und der ehemalige Bürgermeister, der damals von den Nazis abgesetzt wurde, versucht nun möglichst zu retten, was geht, um das Dorf nach dem Krieg am Leben zu erhalten. Was gut gedacht war, wird zur schlimmsten Nacht Penzbergs werden. Den gerade sein Vorhaben soll ihm und Weiteren zum Verhängnis werden.

    Meine Meinung:
    Das düstere Cover mit dem kleinen Emblem zeigt auf, um welche Zeit und Thema es in diesem Buch geht. Ich finde es dazu noch gut, dass es etwas düster ist den, so passt es zu dem Geschehenen. Jedoch hatte ich nicht geahnt, dass mich so eine ungerechte, bestialische Tat erwarten würde, die mich wirklich erschüttert hat. Der Schreibstil ist der Autorin sehr gut gelungen. Die kurzen prägnanten Sätze und die kleinen Kapitel sind genau richtig gewähnt für jugendliche Leser und als Schullektüre. Was ich zumindest hoffe, dass dieses Buch zu den Kommenden zählen wird. Den es ist eine Thematik, die uns alle angeht, jeden betreffen und sich sicherlich jederzeit wiederholen kann. In dieser Geschichte, die auf einen realen Hintergrund basiert, geht es um Gehorsam, Mut, Hetze, Ängste, um eine Tragödie. Es geht nicht um den Holocaust, sondern um die letzten Tage vor Kriegsende, militärische Befehlsgewalt im Nationalsozialismus und wie dies sogar nicht einmal vor der eigenen Bevölkerung Halt macht. Ich wusste ja schon, dass viele Deutsche Angst hatten, vor dem Regime und davor verhaftet zu werden, wenn man etwas Falsches sagte oder tat. Doch bisher habe ich noch nie über so etwas gelesen, wo dieses Thema mit wirklich so viel Vehemenz wie hier behandelt wird. Ich frage mich, wie die Dorfbewohner sich danach je wieder in die Augen schauen konnten. So viel Elend in einer einzigen Nacht durch Personen oder einer Organisation die sich "Werwolf" nannte. Die einerseits total verblendet von einem Hitlerregime waren und anderseits einfach einem Befehl folgten, egal wen es in dem Moment treffen wird. Ich kann nach Ende des Buchs gut verstehen, warum Kirsten Boie dieses Buch so wichtig ist. Sie wollte diese Nacht aufzeigen und den Opfern von damals endlich einen Namen geben. Dass man wirklich allen gedenkt, die in dieser Nacht ums Leben kamen. Ich finde, das hätte sich schon längst gehört. Traurig bin ich, dass man bisher von dieser Gräueltat noch nie was gehört oder gelesen hat. Warum schweigt darüber unsere Generation von damals? Deshalb finde ich es so wichtig, dass man dieses Buch ebenfalls in Schulen behandelt. Den diese Opfer sind genauso Opfer des Naziregimes geworden. Gut ausgesucht sind zudem die fiktiven Charaktere von Schorsch, Gustl und Marie, bei denen ich ihre Ängste, Zweifel und Sorgen spüre, genauso wie den Hass, den einige Werwölfe in sich tragen. Sicherlich wurde bei vielen dieser Hass noch durch die Hitlerjugend (HJ) geschürt. Eindrucksvoll ist, dass am Ende die einzelnen Opfer benannt und im Nachwort weiteres erklärt wird. Trotzdem dieses Ereignis einige sicher erschüttern wird, bin ich der Ansicht, das es enorm wichtig für die Aufarbeitung unserer Vergangenheit ist. Wer, wenn nicht wir, kann diesen Opfern den heute noch gedenken? Darum gibt es von mir eine absolute Leseempfehlung und 5 von 5 Sterne.

  1. Wenn die Nacht ins Dunkel abtaucht

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Mär 2021 

    Klappentext:
    „„Weil auch in diesen Zeiten irgendwer das Richtige tun muss, einfach, weil es richtig ist.“
    April, 1945. Alle spüren, dass der Krieg und die fürchterliche Ideologie der Nationalsozialisten kurz vor dem Ende stehen. Doch in der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945, zwei Tage vor Hitlers Selbstmord, ereignet sich das dunkelste Kapitel der damals noch jungen Stadt Penzberg in Bayern. Denn während der einst von den Nazis abgesetzte Bürgermeister zurück ins Rathaus zieht, erlässt die Wehrmacht den Befehl, alle Widerständler sofort hinzurichten. Und zwischen allen Fronten stehen die Jugendlichen Marie, Schorsch und Gustl.“

    Ja, auch als Erwachsener kann man super Jugend-Romane lesen, die einem fast vom Hocker hauen und wenn sie aus der Feder von Kirsten Boie stammen, dann sowieso. Die drei Jugendlichen Marie, Schorsch und Gustl kann man ja nur zu gut mit ihrer Meinung verstehen, da wir Leser ihnen eine ganze Menge mehr voraus haben. Wir verstehen ihre Bedenken, ihre Ängste und würden ihnen am liebsten den Mund verbieten um nicht zu tief in die braune Gefahr abzurutschen oder gar das schlimmste zu befürchten. Boie lässt ihre Figuren extrem frei und gewollt de Gefahr ins Auge blicken. Es ist nichts geschönt, warum auch?! War doch dies, die dunkelste Zeit in unserer Geschichte. Kirsten Boie hat einerseits für Jugendliche aber auch für Erwachsene einen ganz großartigen und kurzen Roman bzw. eine Novelle verfasst, der einen dem Atem anhalten lässt. Ihre Wortwahl ist gewählt und der Zeit entsprechend, ihre Sprache rund und flüssig, ihre Intention großartig. Dem Leser bleiben genügend freie Gedanken um selbst darüber nachzudenken bzw. sich Fragen zu stellen. Es ist für Jugendliche ein anspruchsvolles Buch und für Erwachsene ein echter kleiner Schatz, eine Novelle eben.
    Für dieses großartige Werk kann ich nicht anders als 5 Sterne zu vergeben.

  1. Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 21. Mär 2021 

    Da ich mich sehr häufig mit den Weltkriegen beschäftige, wollte ich sehen wie die Thematik in einem Jugendbuch verarbeitet worden ist und begann zu lesen. Nie im Leben habe ich gedacht, dass das Leseerlebnis so intensiv sein würde.

    In der Geschichte geht es um Marie, Schorsch und Gustl. Beide Jungen mögen das Mädchen und möchten es für sich gewinnen, aber geht das in so einer Zeit überhaupt, wo der Krieg noch nicht vorbei ist? Doch dann passieren schreckliche Dinge im Ort. Auf welcher Seite stehen die jungen Leute?

    Ich möchte gleich vorab sagen, dass es in jedem Fall besser ist sich an die Altersempfehlun des Verlages zu halten. Auch wenn die Aufmachung fast einem Kinderbuch gleich kommt, so habe ich doch Schwierigkeiten mir vorzustellen, dass 10- Jährige das Geschriebene verstehen könnten.

    Die Kapitel sind mit dem jeweiligen Datum, Uhrzeit, Ort und handelnden Figuren versehen, so dass der Leser immer weiß bei wem er gerade ist. Zudem fühlte es sich dadurch wie ein Countdown an.

    Durch die gesamte Handlung führt ein beobachtender Erzähler und es wird eher distanziert berichtet. Anfänglich fand ich das etwas seltsam, aber bei den geschilderten Ereignissen war es dann doch besser, dass der Leser von oben drauf schaut und nicht mittendrin ist.

    Der nüchterne und reduzierte Schreibstil der Autorin trägt zusätzlich dazu bei, dass eine dunkle Grundstimmung herrscht. Ahnlich fühlt sich das Herrannahen eines Gewitters an. Man muss sich an die Art der Schreibe erst einmal gewöhnen, da man es einfach nicht erwartet, dass doch so erwachsen alles dargestellt wird.

    Mir hat gefallen, dass durch diese Geschichte mal andere Taten als die üblich bekannten angesprochen werden, denn von Penzberg hatte ich bis dato noch nie gehört. Nur wenn wir uns immer daran erinnern, werden die grausamen Taten nicht in Vergessenheit geraten.

    Ansonsten möchte ich noch die tolle Gestaltung des Buches hervorheben. Mir gefällt die raue Oberfläche und dass man auf einen Schutzumschlag verzichtet hat. Dass die Seiten am oberen Ende wie angekokelt aussehen, macht auch optisch etwas her beim Lesen selbst.

    Im Anhang befinden sich übrigens Begirffserklärungen, was ich zwar nicht benötigt habe, aber den jüngeren Lesern sicher helfen wird zu verstehen.

    Fazit: Ein ungemein wichtiges Buch, welches mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. So etwas sollte Schullektüre sein. Klasse!

  1. „Wozu sind ganz und gar durchschnittliche Menschen fähig?

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 05. Mär 2021 

    Die erschütternden Geschehnisse am 28. und 29. April 1945 in der rund 50 Kilometer südlich von München gelegenen ehemaligen Bergarbeiterstadt Penzberg sind Gegenstand der Jugendnovelle "Dunkelnacht" von Kirsten Boie. Die historischen Fakten sind akribisch recherchiert und stammen aus dem Archiv der Stadt Penzberg sowie aus den Prozessakten zu diesen sogenannten Endphasenverbrechen. Fiktiv sind jedoch die drei Jugendlichen Schorsch, Marie und Gustl, aus deren Sicht Kirsten Boie über die Verbrechen berichtet, wenn sie sich nicht selbst als auktoriale und emotionale Erzählerin einbringt. Gustl kämpft als „Verräter-Kind“ bei den Werwölfen fanatisch für das Vaterland und seine Ehre, Schorsch wird als Sohn eines Polizeimeisters Zeuge von dessen Aktenvernichtung und Maries Vater saß als "Roter" eingige Zeit im KZ Dachau.

    Die historischen Fakten
    Am 28. April 1945 standen die Amerikaner unmittelbar vor der ehemals roten Stadt Penzberg. Die Widerstandsbewegung Freiheitsaktion Bayern hatte den Reichssender München besetzt und rief zum Schutz der Betriebe gegen Sabotage durch die Nazis und zur Übernahme der Ordnungsmacht durch die Bürgermeister aus der Zeit vor 1933 auf. Zusammen mit einigen Getreuen setzte daraufhin das ehemalige Stadtoberhaupt Hans Rummer den Penzberger NS-Bürgermeister ab, verhinderte die Flutung des Bergwerks, befreite die Zwangsarbeiter und bereitete den Einmarsch der Amerikaner ohne Blutvergießen vor. Ein durchziehendes Wehrmachts-Regiment und ein Rudel der Untergrundorganisation Werwölfe sorgten jedoch dafür, dass die Gruppe um Hans Rummer sowie ihrer roten Gesinnung verdächtige Penzberger Bürger als „Volksverräter“ hingerichtet wurden. Am Nachmittag des 28 April 1945 wurden acht Männer von einem Vollstreckungskommando erschossen, in der darauffolgenden Nacht sechs Männer und zwei Frauen erhängt: „Die Wehrmacht schießt, der Werwolf hängt.“ (S. 100) 

    Schnelle Szenenwechsel
    Wie ein Protokoll ist der schmale Roman aufgebaut mit exakten Zeitangaben als Kapitelüberschiften. Die Unterkapitel sind mit den handelnden Personen überschrieben. Die Kürze dieser Abschnitte steigert die unheilvolle Dramatik und die Spannung, obwohl nie ein Zweifel am düsteren Ausgang dieser Stunden besteht. Die Schilderung der Morde durch die Augen der Jugendlichen ist äußerst knapp, aber gerade darum besonders eindrücklich. Das gelungene Layout mit dem grau-schwarz angesengten oberen Rand verstärkt die zutiefst beklemmende Szenerie.

    Gedenken und Mahnung
    Kirsten Boie stieß bei der Lektüre des Sachbuchs "Wolfszeit" von Harald Jähner auf die Verbrechen von Penzdorf. Einerseits hält sie mit Dunkelnacht die Geschichte der Opfer lebendig und setzt ihnen mit einer Namensliste im Anhang ein Denkmal. Andererseits erzählt sie diesen Teil der deutschen Geschichte heutigen Jugendlichen bewusst, um den Gefahren von rechtsnationalem Gedankengut etwas entgegenzusetzen. Der Blickwinkel der jugendlichen Protagonisten erleichtert die Identifikation und die Auseinandersetzung mit Themen wie Angst und Misstrauen, Ehre, Pflichtgehorsam und Mitläufertum, Hass und Verrohung, aber auch Mut und Menschlichkeit.

    Im ebenfalls sehr lesenswerten Nachwort beschreibt Kirsten Boie die beschämende gerichtliche Aufarbeitung der Verbrechen im Nachkriegsdeutschland und das zurückhaltende Gedenken in der Stadt.

    Ich wünsche mir, dass viele Jugendliche ab etwa 15 Jahren "Dunkelnacht" lesen, am besten als Schullektüre. Anregungen für aktuelle Diskussionen bietet der Roman mehr als genug, denn:

    "Penzberg zeigt: Eine unmenschliche Politik betrifft am Ende selbst diejenigen, die glaubten, unbeteiligt bleiben zu können." (Nachwort, S. 116)