DUNKEL: Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'DUNKEL: Thriller' von Ragnar Jónasson
5
5 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "DUNKEL: Thriller"

Hulda Hermannsdóttir, Kommissarin bei der Polizei Reykjavík, soll frühzeitig in Ruhestand gehen, um Platz für einen jüngeren Kollegen zu machen. Sie darf sich einen letzten Fall, einen cold case, aussuchen – und sie weiß sofort, für welchen sie sich entscheidet. Der Tod einer jungen Frau wirft während der Ermittlungen düstere Rätsel auf, und die Zeit, um endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen, rennt. Eine Wahrheit, für die Hulda ihr eigenes Leben riskiert …

Format:Broschiert
Seiten:384
Verlag:
EAN:9783442758609

Rezensionen zu "DUNKEL: Thriller"

  1. Huldas Weg

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Aug 2020 

    Dieses Buch ist ein Krimi-Tipp! Ungewöhnlich, spannend und immer wieder überraschend sind treffende Beschreibungen für "Dunkel". Ragnar Jonasson entführt in "Dunkel" die Leser nach Island, zur Kommissarin Hulda Hermannsdottir und leitet mit diesem Buch eine wirklich andere Trilogie ein. Hulda Hermannsdottir steht nämlich vor ihrer Pensionierung und ihrem letzten Fall, sie darf sich für ihre letzten Arbeitstage noch einen Cold Case heraussuchen. Und genau das tut sie, den Fall der ertrunkenen Russin Elena. Huldas Gedanken im Buch drehen sich fortan um ihre Vergangenheit/ihr vergangenes Leben, den Fall der ermordeten Russin Elena, vom Vorgänger als Selbstmord eingeordnet, um ihre drohende Pensionierung und ihr bisheriges Arbeiten in einer von Männern dominierten Arbeitswelt und um ihr jetziges/kommendes Leben. Dabei wirkt Hulda sympathisch, willensstark und auch eckig/sperrig. Doch nicht nur Huldas Gedanken zeigt Ragnar Jonasson, in anderen Erzählsträngen kommen noch weitere Frauen zu Wort, eine Frau, die um ihr Kind kämpft und eine Russin auf einer Reise. Dabei ist die Geschichte um Hulda packend, authentisch, aber auch unheimlich düster. In meinen Augen auch sehr passend in dieser dunklen nordischen Welt. Was mir bei diesem Buch sehr gefallen hat, ist, dass nicht nur der Kriminalfall zentral gestellt wurde, sondern dass auch Hulda und ihr Leben und Denken einen zentralen Part übernimmt, die Kommissarin wunderbar ausgeleuchtet wird. Einerseits ein spannender Kriminalfall und andererseits eine perfekt gezeichnete Ermittlerin. Eine wunderbare Mischung! Außerdem ist auch der Aufbau dieser Trilogie anders und vollkommen ungewöhnlich. Ich habe dieses Buch innerhalb eines Tages inhaliert und kann es absolut empfehlen!

  1. Huldas letzter Fall

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Aug 2020 

    Hulda Hermannsdóttir ist 64 Jahre alt und steht kurz vor der Pensionierung. Einen letzten Fall, einen „cold case“ soll sich die isländische Kriminalkommissarin noch aussuchen, bevor sie aus dem Polizeidienst ausscheidet. Sie wählt kurz entschlossen den unaufgeklärten Todesfall der russischen Asylwerberin Elena. Seit einem Jahr sind die Ermittlungen dazu eingestellt und sehr schnell erkennt Hulda, dass die wenigen Ergebnisse ihres Kollegen Alexander lückenhaft und schlampig sind. Bei ihren Nachforschungen gerät Hulda selbst in größte Gefahr.
    Der isländische Journalist, Übersetzter und Anwalt Ragnar Jónasson hat schon mehrere Kriminalromane geschrieben. Mit DUNKEL, dem ersten Teil der Hulda-Trilogie ist mir dieser Autor erstmalig aufgefallen. Sehr gut aufgefallen, möchte ich sagen.
    Es sind drei Erzählstränge, die Jónasson langsam einander annähert. Huldas aktuelle Situation, die Notizen einer ermordeten Frau und Huldas komplizierte und schicksalhafte Familiengeschichte. Behutsam schreibt der Autor über die Nöte einer alleinerziehenden Frau im Island der 1950er, über die entwürdigende Situation von Asylwerberinnen und über die Ungerechtigkeiten, denen Hulda als alternde Frau im Polizeidienst ausgesetzt ist, in dem Solidarität unter Männern mehr wiegt als Kompetenz.
    „Vielleicht lag es an der Schnelligkeit, mit der die meisten Elena vergessen hatten, warum es Hulda so schwerfiel, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Elena hatte in einem fremden Land Zuflucht gesucht und nur ein nasses Grab gefunden. Und niemanden kümmerte es. Hulda wusste, wenn sie diese letzte Gelegenheit, dem Rätsel auf den Grund zu gehen, nicht ergriff, würde sich nie wieder jemand die Mühe machen, und Elenas Geschichte geriete in Vergessenheit. Sie würde einfach das Mädchen bleiben, das nach Island gekommen und gestorben war.“
    Jónassons Ermittlerin Hulda Hermannsdóttir ist keine gewöhnliche Protagonistin. Sie ist nicht mehr die Jüngste, arbeitet noch ganz nach alter Schule, hat ein gutes Gespür, Augenmaß und ist hartnäckig. Eigentlich könnte sie sich ein schönes Leben machen, mit ihrem neuen Bekannten Pétur eine Romanze beginnen, mit der Vergangenheit abschließen. Doch sie will nicht hinnehmen, dass sie aufs Abstellgleis geschoben wird, räumt nicht freiwillig für einen jungen aufstrebenden männlichen Kollegen das Feld. Vielleicht ist gerade ihre Hartnäckigkeit der größte Fehler, den sie je begangen hat.
    „Sie hasste es, Fehler zu machen.
    Sie hasste es wirklich, Fehler zu machen.“
    Dieser Einstieg in eine Trilogie hat es in sich und diese wartet mit einem Finale auf, das unerwartet und ungewöhnlich ist.

  1. Düster, packend, realistisch

    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Jul 2020 

    „Dabei musste Hulda in Wahrheit nicht mal überlegen: Es gab einen unaufgeklärten Todesfall, der förmlich danach schrie, ihn sich wieder vorzunehmen.“ (Zitat Seite 36)

    Inhalt
    Hulda Hermannsdóttir ist bekannt dafür, im Job kompetent, präzise und freundlich zu sein. Privat ist die Kommissarin bei der Polizei Reykjavík in diesem Monat Mai erschöpft und deprimiert, denn sie wird demnächst fünfundsechzig Jahre alt und dies bedeutet, dass sie Ende des Jahres in Pension gehen muss. Doch nun wird sie sogar frühzeitig in den Ruhestand geschickt, innerhalb von zwei Wochen muss sie ihren Schreibtisch räumen. Während dieser Zeit darf sie einen unaufgeklärten Altfall bearbeiten. Sofort denkt sie an den Fall der jungen Elena, eine russische Asylsuchende, die tot in einer felsigen Bucht gefunden worden war. Weder der ermittelnde Kollege noch die Medien interessierten sich für das Schicksal dieser Frau, die in Island ein besseres Leben gesucht und den Tod gefunden hatte. Hulda beginnt zu ermitteln. Doch die Suche nach der Wahrheit ist schwierig und gefährlicher, als sie es sich vorstellen konnte.

    Thema und Genre
    In diesem packenden isländischen Thriller geht es um die schwierige Situation von Asylsuchenden zwischen Hoffnung und Abschiebung, besonders, wenn es sich um junge Frauen handelt. Wichtige Themen sind Kindheitserlebnisse, die prägend für das weitere Leben sind, problematische Mutter-Tochter-Beziehungen, Verlust, Enttäuschung, Einsamkeit.

    Charaktere
    Hulda Hermannsdóttir ist eine Frau, in deren Leben der Beruf im Mittelpunkt steht. Die plötzliche, vorgezogene Pensionierung, das Gefühl, in dieser von Männern dominierten Polizeiarbeit für zu alt und nicht mehr kompetent gehalten zu werden, beschäftigt und blockiert sie und führt zu Fehleinschätzungen bei ihren Ermittlungen. Privat lebt sie in selbst gewählter Zurückgezogenheit, denkt aber über eine mögliche neue Beziehung nach. Doch zuvor will sie unbedingt diesen cold case lösen.

    Handlung und Schreibstil
    Der Zeitraum der aktuellen Handlung umfasst nur drei Tage, drei in Kapitel unterteilte Hauptteile. Parallel zur Haupthandlung verlaufen zwei weitere Geschichten, die ebenfalls chronologisch geschildert werden. Sie haben einen direkten Bezug zum aktuellen Geschehen und legen in kleinen Abschnitten immer mehr Hintergrundinformationen offen. Unvorhersehbare Wendungen überraschen und erhöhen die Spannung. Diese wird durch die Sprache verstärkt und der Autor schildert so gekonnt das Leben der Menschen und beschreibt so eindrücklich die raue Natur in Island, dass man beim Lesen sofort in diese düstere, beklemmende Welt eintaucht. Genial ist die Idee, die Hidden Iceland Trilogie mit einem ersten Band zu beginnen, der inhaltlich der letzte ist.

    Fazit
    Ein düsterer, packender und sehr komplexer Thriller mit einer facettenreichen, ungewöhnlichen Ermittlerin, die man gerade deshalb sofort ins Herz schließt. Eine großartige Geschichte, wenn man das Genre Nordic Noir zu schätzen weiß.