DUNKEL: Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'DUNKEL: Thriller' von Ragnar Jónasson
5
5 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "DUNKEL: Thriller"

Hulda Hermannsdóttir, Kommissarin bei der Polizei Reykjavík, soll frühzeitig in Ruhestand gehen, um Platz für einen jüngeren Kollegen zu machen. Sie darf sich einen letzten Fall, einen cold case, aussuchen – und sie weiß sofort, für welchen sie sich entscheidet. Der Tod einer jungen Frau wirft während der Ermittlungen düstere Rätsel auf, und die Zeit, um endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen, rennt. Eine Wahrheit, für die Hulda ihr eigenes Leben riskiert …

Format:Broschiert
Seiten:384
Verlag:
EAN:9783442758609

Rezensionen zu "DUNKEL: Thriller"

  1. Der erste Band, doch auch das Ende der Geschichte

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Mär 2021 

    Eine kurze Information vorneweg

    Diese Trilogie wird achronologisch erzählt: Der erste Band “Dunkel” ist tatsächlich das Ende der Geschichte! Der nächste Band “Insel” spielt fünfzehn Jahre zuvor, und “Nebel” macht dann nochmal einen Satz rückwärts durch die Zeit.

    Bisher habe ich nur “Dunkel” gelesen, mir aber sagen lassen, dass die Vorgeschichte durch einiges, was du in diesem ersten Band erfährst, rückwirkend nochmal eine ganz neue Dimension erhält. Ich bin gespannt!

    Erfreulich: hier spielt mal eine ältere Frau die Hauptrolle!

    Kommissarin Hulda Hermannsdóttir ist 64 Jahre alt und erwartet mit Schrecken ihre nahende Pensionierung bei der Polizei Reykjavík. All die Jahre hat sie sich in dieser männerdominierten Berufswelt behauptet, so gut es ging, ihr Job ist alles für sie – und jetzt droht ihr ganzer Lebensinhalt, wegzubrechen.

    Eigentlich hat sie ja noch ein paar Monate, aber dann stellt sich heraus, dass sie schon in zwei Wochen durch einen jüngeren Kollegen ersetzt werden soll. Einen letzten Fall, einen Cold Case, kann sie ihrem Chef als Zugeständnis noch abtrotzen. Der stellt sich das eigentlich so vor, das sie sich ein paar Wochen mit irgendeiner Nichtigkeit beschäftigt, bevor sie sich dann zur Tür hinauskomplimentieren lässt – doch weitgefehlt, Hulda gibt alles.

    Runter ins Kaninchenloch…

    Hulda sucht sich den Fall der Asylbewerberin Elena aus: es geht um eine junge Russin, die ertrunken aufgefunden wurde, angeblich ein Suizid. Aber so ganz stimmig ist das nicht, wenn man die Umstände genauer betrachtet, es gibt eklatante Ungereimtheiten… Schnell stellt Hulda fest: hier wurde mächtig geschlampt oder absichtlich vertuscht, und so nach und nach ergibt sich ein ganz anderes Bild: Mord

    Hulda macht sich mit ihren Ermittlungen keine Freunde. Es wird als Affront verstanden, dass sie die Arbeit des geschätzten männlichen Kollegen, der den Fall ursprünglich bearbeitet hat, kritisiert – und sich damit gegen die Hackordnung stellt. Sie ist allein auf weiter Flur, ohne nennenswerte Unterstützung, und vergräbt sich derart in den komplexen Fall, dass sie gar nicht merkt, wie sehr sie sich selber in Gefahr begibt

    Drei Abschnitte. Drei Tage. Drei Nebenhandlungen.
    Mehr und mehr tauchst du in Huldas Gedanken und ihr Leben ab, und das ist keineswegs immer eitel Sonnenschein. Beim Lesen musst du dein mentales Bild von ihr wiederholt korrigieren, denn obwohl sie durchaus sympathisch ist, tun sich da doch ein paar Abgründe auf.

    Überhaupt sind die wichtigsten Charaktere in diesem Thriller nicht immer liebenswert, aber stets glaubhaft und vielschichtig, mit Facetten, die überraschen. Auch die angesprochenen Themen haben es in sich: Sexismus in den Reihen der Polizei, die gravierenden Probleme von Asylsuchenden in Island, Einsamkeit, Verlust und Trauer… Und immer wieder schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen.

    Der Schreibstil passt perfekt zum Inhalt.

    Er liest sich schnell, flüssig und glasklar, Jónasson verliert kein Wort zu viel oder zu wenig. Die Atmosphäre ist dicht und von einer dunklen Schwermut geprägt, wie man das von einem isländischen Krimi fast schon erwartet – da kannst du beinahe in Melancholie verfallen, aber dennoch ist die Geschichte hochspannend und unterhaltsam.

    Die Themen sind sowohl zeitlos als auch aktuell, die Art und Weise, wie sie geschildert werden, originell und in einem ganz eigenen Stil verfasst. Der Schreibstil trägt dich mühelos über die Seiten – auch in Passagen, in denen die Geschichte eher langsam und mit unterschwelliger Spannung verläuft.

    Apropos Spannung.

    Zwischendurch hatte ich fast das Gefühl, dass ich als Leser:in in diesem Fall gefangen war wie in einem Spinnennetz, mich immer mehr in Theorien verstrickte, und auf einmal ging dann alles sehr schnell und es war zu spät…

    Ein Ende wie ein Paukenschlag.

    Da hätte ich niemals mit gerechnet. Ich glaube, ich habe minutenlang mit offenem Mund auf die Seite gestarrt.

    WAS? WIESO?! WIRKLICH?

    Wow. Das muss man sich als Autor auch erstmal trauen. Und mehr sage ich dazu nicht – lass dich bloß nicht spoilern!

    Fazit

    Kommissarin Hulda Hermannsdóttir ist 64 Jahre alt und soll bei der Polizei Reykjavík in zwei Wochen durch einen jüngeren Kollegen ersetzt werden. Ein letzter Fall wird ihr noch zugestanden – ein vermeintlich langweiliger Cold Case, um sie ruhigzustellen. Aber der Fall hat es in sich und Hulda sticht in ein Hornissennest…

    Hulda ist eine ganz andere Heldin, als man sie normalerweise in Krimis oder Thrillern findet, das fand ich schon mal großartig. Aber das Buch lässt sich auch sonst nicht lumpen: hochinteressante Themen, unerwartete Wendungen und Abgründe, ein stimmiger Schreibstil – und ein Ende, das einschlägt wie eine Bombe.

    Habe ich schon erwähnt, dass die Trilogie RÜCKWÄRTS erzählt wird? Jetzt weiß ich also, wie alles endet, aber ich habe noch keine rechte Ahnung, warum… Aber ich will es wissen, daher werde ich die anderen beiden Bände auf jeden Fall noch lesen.

  1. Huldas Weg

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Aug 2020 

    Dieses Buch ist ein Krimi-Tipp! Ungewöhnlich, spannend und immer wieder überraschend sind treffende Beschreibungen für "Dunkel". Ragnar Jonasson entführt in "Dunkel" die Leser nach Island, zur Kommissarin Hulda Hermannsdottir und leitet mit diesem Buch eine wirklich andere Trilogie ein. Hulda Hermannsdottir steht nämlich vor ihrer Pensionierung und ihrem letzten Fall, sie darf sich für ihre letzten Arbeitstage noch einen Cold Case heraussuchen. Und genau das tut sie, den Fall der ertrunkenen Russin Elena. Huldas Gedanken im Buch drehen sich fortan um ihre Vergangenheit/ihr vergangenes Leben, den Fall der ermordeten Russin Elena, vom Vorgänger als Selbstmord eingeordnet, um ihre drohende Pensionierung und ihr bisheriges Arbeiten in einer von Männern dominierten Arbeitswelt und um ihr jetziges/kommendes Leben. Dabei wirkt Hulda sympathisch, willensstark und auch eckig/sperrig. Doch nicht nur Huldas Gedanken zeigt Ragnar Jonasson, in anderen Erzählsträngen kommen noch weitere Frauen zu Wort, eine Frau, die um ihr Kind kämpft und eine Russin auf einer Reise. Dabei ist die Geschichte um Hulda packend, authentisch, aber auch unheimlich düster. In meinen Augen auch sehr passend in dieser dunklen nordischen Welt. Was mir bei diesem Buch sehr gefallen hat, ist, dass nicht nur der Kriminalfall zentral gestellt wurde, sondern dass auch Hulda und ihr Leben und Denken einen zentralen Part übernimmt, die Kommissarin wunderbar ausgeleuchtet wird. Einerseits ein spannender Kriminalfall und andererseits eine perfekt gezeichnete Ermittlerin. Eine wunderbare Mischung! Außerdem ist auch der Aufbau dieser Trilogie anders und vollkommen ungewöhnlich. Ich habe dieses Buch innerhalb eines Tages inhaliert und kann es absolut empfehlen!

  1. Huldas letzter Fall

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Aug 2020 

    Hulda Hermannsdóttir ist 64 Jahre alt und steht kurz vor der Pensionierung. Einen letzten Fall, einen „cold case“ soll sich die isländische Kriminalkommissarin noch aussuchen, bevor sie aus dem Polizeidienst ausscheidet. Sie wählt kurz entschlossen den unaufgeklärten Todesfall der russischen Asylwerberin Elena. Seit einem Jahr sind die Ermittlungen dazu eingestellt und sehr schnell erkennt Hulda, dass die wenigen Ergebnisse ihres Kollegen Alexander lückenhaft und schlampig sind. Bei ihren Nachforschungen gerät Hulda selbst in größte Gefahr.
    Der isländische Journalist, Übersetzter und Anwalt Ragnar Jónasson hat schon mehrere Kriminalromane geschrieben. Mit DUNKEL, dem ersten Teil der Hulda-Trilogie ist mir dieser Autor erstmalig aufgefallen. Sehr gut aufgefallen, möchte ich sagen.
    Es sind drei Erzählstränge, die Jónasson langsam einander annähert. Huldas aktuelle Situation, die Notizen einer ermordeten Frau und Huldas komplizierte und schicksalhafte Familiengeschichte. Behutsam schreibt der Autor über die Nöte einer alleinerziehenden Frau im Island der 1950er, über die entwürdigende Situation von Asylwerberinnen und über die Ungerechtigkeiten, denen Hulda als alternde Frau im Polizeidienst ausgesetzt ist, in dem Solidarität unter Männern mehr wiegt als Kompetenz.
    „Vielleicht lag es an der Schnelligkeit, mit der die meisten Elena vergessen hatten, warum es Hulda so schwerfiel, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Elena hatte in einem fremden Land Zuflucht gesucht und nur ein nasses Grab gefunden. Und niemanden kümmerte es. Hulda wusste, wenn sie diese letzte Gelegenheit, dem Rätsel auf den Grund zu gehen, nicht ergriff, würde sich nie wieder jemand die Mühe machen, und Elenas Geschichte geriete in Vergessenheit. Sie würde einfach das Mädchen bleiben, das nach Island gekommen und gestorben war.“
    Jónassons Ermittlerin Hulda Hermannsdóttir ist keine gewöhnliche Protagonistin. Sie ist nicht mehr die Jüngste, arbeitet noch ganz nach alter Schule, hat ein gutes Gespür, Augenmaß und ist hartnäckig. Eigentlich könnte sie sich ein schönes Leben machen, mit ihrem neuen Bekannten Pétur eine Romanze beginnen, mit der Vergangenheit abschließen. Doch sie will nicht hinnehmen, dass sie aufs Abstellgleis geschoben wird, räumt nicht freiwillig für einen jungen aufstrebenden männlichen Kollegen das Feld. Vielleicht ist gerade ihre Hartnäckigkeit der größte Fehler, den sie je begangen hat.
    „Sie hasste es, Fehler zu machen.
    Sie hasste es wirklich, Fehler zu machen.“
    Dieser Einstieg in eine Trilogie hat es in sich und diese wartet mit einem Finale auf, das unerwartet und ungewöhnlich ist.

  1. Düster, packend, realistisch

    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Jul 2020 

    „Dabei musste Hulda in Wahrheit nicht mal überlegen: Es gab einen unaufgeklärten Todesfall, der förmlich danach schrie, ihn sich wieder vorzunehmen.“ (Zitat Seite 36)

    Inhalt
    Hulda Hermannsdóttir ist bekannt dafür, im Job kompetent, präzise und freundlich zu sein. Privat ist die Kommissarin bei der Polizei Reykjavík in diesem Monat Mai erschöpft und deprimiert, denn sie wird demnächst fünfundsechzig Jahre alt und dies bedeutet, dass sie Ende des Jahres in Pension gehen muss. Doch nun wird sie sogar frühzeitig in den Ruhestand geschickt, innerhalb von zwei Wochen muss sie ihren Schreibtisch räumen. Während dieser Zeit darf sie einen unaufgeklärten Altfall bearbeiten. Sofort denkt sie an den Fall der jungen Elena, eine russische Asylsuchende, die tot in einer felsigen Bucht gefunden worden war. Weder der ermittelnde Kollege noch die Medien interessierten sich für das Schicksal dieser Frau, die in Island ein besseres Leben gesucht und den Tod gefunden hatte. Hulda beginnt zu ermitteln. Doch die Suche nach der Wahrheit ist schwierig und gefährlicher, als sie es sich vorstellen konnte.

    Thema und Genre
    In diesem packenden isländischen Thriller geht es um die schwierige Situation von Asylsuchenden zwischen Hoffnung und Abschiebung, besonders, wenn es sich um junge Frauen handelt. Wichtige Themen sind Kindheitserlebnisse, die prägend für das weitere Leben sind, problematische Mutter-Tochter-Beziehungen, Verlust, Enttäuschung, Einsamkeit.

    Charaktere
    Hulda Hermannsdóttir ist eine Frau, in deren Leben der Beruf im Mittelpunkt steht. Die plötzliche, vorgezogene Pensionierung, das Gefühl, in dieser von Männern dominierten Polizeiarbeit für zu alt und nicht mehr kompetent gehalten zu werden, beschäftigt und blockiert sie und führt zu Fehleinschätzungen bei ihren Ermittlungen. Privat lebt sie in selbst gewählter Zurückgezogenheit, denkt aber über eine mögliche neue Beziehung nach. Doch zuvor will sie unbedingt diesen cold case lösen.

    Handlung und Schreibstil
    Der Zeitraum der aktuellen Handlung umfasst nur drei Tage, drei in Kapitel unterteilte Hauptteile. Parallel zur Haupthandlung verlaufen zwei weitere Geschichten, die ebenfalls chronologisch geschildert werden. Sie haben einen direkten Bezug zum aktuellen Geschehen und legen in kleinen Abschnitten immer mehr Hintergrundinformationen offen. Unvorhersehbare Wendungen überraschen und erhöhen die Spannung. Diese wird durch die Sprache verstärkt und der Autor schildert so gekonnt das Leben der Menschen und beschreibt so eindrücklich die raue Natur in Island, dass man beim Lesen sofort in diese düstere, beklemmende Welt eintaucht. Genial ist die Idee, die Hidden Iceland Trilogie mit einem ersten Band zu beginnen, der inhaltlich der letzte ist.

    Fazit
    Ein düsterer, packender und sehr komplexer Thriller mit einer facettenreichen, ungewöhnlichen Ermittlerin, die man gerade deshalb sofort ins Herz schließt. Eine großartige Geschichte, wenn man das Genre Nordic Noir zu schätzen weiß.