Du springst, ich falle: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Du springst, ich falle: Roman' von Maryam Madjidi
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3 von 5 (1 Bewertungen)

"Maryam Madjidi verwandelt die Tragik des Lebens in glasklare Poesie." Julia Schoch.

In diesem autobiographischen Debüt erzählt Maryam Madjidi von ihrer Kindheit im Iran, vom Kampf der Eltern für den Kommunismus und davon, wie sie ihr Spielzeug an die Kinder im Viertel verschenken musste. Heimlich vergrub sie die Lieblingssachen im Garten und steckte sie später in den Koffer für Frankreich. Hier sollte das neue Leben anfangen - ohne Kampf, ohne Gefängnis. Aber die kleine Maryam fühlt sich fremd, weil alles fehlt: die eigene Sprache, echte Freunde, die geliebte Großmutter. In Paris sind die Hände des Vaters plötzlich nutzlos, die Augen der Mutter müde. Als junge Frau fährt Maryam nach Teheran zurück, verliebt sich und bricht mit allem." Du springst, ich falle" gewann 2017 in Frankreich den Prix Goncourt für das beste Debüt des Jahres. Ein kraftvoller Roman über das, was unsere Zeit bestimmt - die Suche nach Identität und Heimat.

Prix Goncourt du premier roman 2017.

"Die reizvolle Mischung aus Phantasie und realistischen Szenen voller präziser Beobachtungen, Stimmen und Gesten bringt das pralle Leben zum Vorschein." Le Figaro.

"Ein großartiges Debüt." L'Express.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:224
Verlag: Blumenbar
EAN:9783351050504

Rezensionen zu "Du springst, ich falle: Roman"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 13. Feb 2019 

    Rezension von "Du springst, ich falle" von Maryam Madjidi

    "Du springst, ich falle" ist ein autobiographisches Buch der Autorin, die eine ungemein poetische Sprache besitzt. Es kommen immer wieder Sätze, Ausdrücke, Abschnitte, die vom Klang oder Sinn zum Schmelzen schön sind. Was wäre das für ein Buch geworden, wenn es aus einem Erzählfluss/Erzählstrom bestanden hätte. Schade. Dieses abgehackte Hin- und Herspringen hat mich an diesem Buch sehr gestört. Man hätte einen wunderbaren Familienroman daraus bauen können mit vielen historischen Daten versehen. Man hätte in einem Erzählfluss schildern können, was im Iran passiert ist, was dieser Familie passiert ist, was im Exil mit dieser Familie war. Schon diese kurzen Geschehnisse/Einblicke im/in den Iran der Eltern lassen einen beim Lesen schaudern. Wie kann man weiter machen, wenn man so etwas sehen/erleben muss. Aber durch dieses auch irgendwie unfertige Hin- und Herspringen wird meiner Meinung nach der Geschichte ein großer Teil der Kraft genommen. Und auch eine gewisse Aussage wird dem Buch genommen. Was sehr schade ist. Das was der Autorin in ihrer Kindheit im Iran passiert ist, hat Folgen gehabt, dass spürt man deutlich. Die Autorin kann beim geneigten Leser und auch bei mir durchaus Mitleid erzeugen. Ja. Aber bringt das irgendjemanden weiter. Es hilft. Ja. Es tröstet in einem gewissen Rahmen. Ja. Aber irgendwann muss ein jeder erkennen, dass man selbst den Schlüssel für das eigene Leben in den Händen hält und eben nicht die Vergangenheit der Grund für alles sein darf und muss. Dieser Titel "Du springst, ich falle" sagt es ja schon aus. So etwas gilt in meinen Augen für die Kindheit. Aber sobald man sich erwachsen nennt in meinen Augen nicht mehr. Klar prägt einen das Erlebte der Kindheit. Aber später muss man erkennen, dass man selbst steuert. Und das fehlte mir bei dem Geschilderten der Autorin. Ebenso fehlte mir ein empathischer Blick auf das Leben der Eltern. Und auch den Wunsch in den Iran zurückzukehren kann ich nur in der Form verstehen, ihre Familie wiederzusehen. Aber dort leben zu wollen, eine Frau, die in Frankreich studiert hat, sollte in meinen Augen schon wissen, welche Rechte ihr im Iran noch bleiben. Das ist für mich zu viel des Guten. Natürlich hat man Heimweh. Und kulturell sind Frankreich und der Iran meilenweit voneinander entfernt. Ich glaube auch, dass man vieles vermisst, was das Ganze sicher noch extrem erschwert. Das Thema Essen fand ich da in dem Buch sehr amüsant, aber auch treffend. Aber setzt man deswegen alles aufs Spiel? Aus Trotz !?!?! Und über der ganzen Zeit in dem neuen Land muss es doch sicher auch schöne Geschehnisse gegeben haben, es müssen sich doch Freundschaften in Frankreich entwickelt haben. Das fehlt in diesem Buch vollkommen. Was ich gut gezeichnet fand, ist die Situation eines Flüchtlings in einem fremden Land. Keine Sprache/Verständigung mit anderen zu haben, deswegen ausgegrenzt zu sein, auf die eigene kleine Familie zurückgeworfen zu sein. Das fördert Aggressionen. Die Verständigung zu ermöglichen und dann eine fremde Kultur zu verstehen ist schon schwere Arbeit.

    Aber im Großen und Ganzen betrachtet, bin ich weder mit der erzählenden Person klargekommen/warmgeworden, noch war diese abgehackte Geschichte etwas für mich. Der Funke ist leider nicht zu mir übergesprungen. Schade.