Drei Kameradinnen: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Drei Kameradinnen: Roman' von Shida Bazyar
2.65
2.7 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Drei Kameradinnen: Roman"

In ihrem neuen Roman erzählt Shida Bazyar voller Wucht und Furor von den Spannungen und Ungeheuerlichkeiten der Gegenwart – und von drei jungen Frauen, die zusammenstehen, egal was kommt. Seit ihrer gemeinsamen Jugend in der Siedlung verbindet Hani, Kasih und Saya eine tiefe Freundschaft. Nach Jahren treffen die drei sich wieder, um ein paar Tage lang an die alten Zeiten anzuknüpfen. Doch egal ob über den Dächern der Stadt, auf der Bank vor dem Späti oder bei einer Hausbesetzerparty, immer wird deutlich, dass sie nicht abschütteln können, was jetzt so oft ihren Alltag bestimmt: die Blicke, die Sprüche, Hass und rechter Terror. Ihre Freundschaft aber gibt ihnen Halt. Bis eine dramatische Nacht alles ins Wanken bringt.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:352
EAN:9783462052763

Rezensionen zu "Drei Kameradinnen: Roman"

  1. Die drei Kameradinnen

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 07. Mai 2021 

    Die drei Freundinnen Kasih, Hani und Saya kennen sich seit ihrer Jugend. Sie alle haben gemeinsam, dass sie in ihrem Leben immer wieder aufgrund ihrer Herkunft ausgegrenzt oder ihnen mit Misstrauen begegnet wird. Nach einer längeren Zeit der Trennung treffen sie sich auf einer Hochzeit wieder, und auch jetzt noch spielen Hass und Rechtsradikalismus eine große Rolle in ihrem Alltag.

    Erzählt wird der Roman von Kasih, über sie selbst erfährt man dennoch am wenigsten. Denn sie stellt vor allem einen Bericht zusammen, der aus Rückblicken und einzelnen Szenen besteht, in deren Fokus Hani und Saya stehen. Dabei geht sie nicht unbedingt chronologisch, sondern eher assoziativ vor. Sie verweist auch selbst immer wieder auf die Unvollständigkeit dessen, was sie sagt, und darauf, dass nicht alles sich unbedingt genau so abgespielt haben muss wie sie es erzählt. Die Erzählweise hat mir tatsächlich gut gefallen, denn die Leser werden immer wieder direkt angesprochen, die Autorin will provozieren, und irgendwann beginnt man unweigerlich sich zu fragen, ob man nicht selbst längst angefangen hat der Bequemlichkeit halber die Augen zu verschließen und manchmal eben doch lieber einfach in Schubladen zu denken.

    Gestört haben mich vor allem ein paar Längen, die sich im Laufe des Buches ergeben, sowie die zwangsläufig doch recht subjektiv gefärbte Sicht Kasihs. Da sie selbst zugibt, immer wieder Details zu verändern und sich manche Dinge vollständig ausgedacht zu haben, büßt zwar keinesfalls der Roman an sich an Wichtigkeit, die Geschichte, die er enthält, aber an Verlässlichkeit ein. Der Grundton ist mir zudem gelegentlich zu wütend, zu plakativ und zu absichtlich provokativ; das ist aber wohl auch meine subjektive Einschätzung.

    "Drei Kameradinnen" ist zweifelsohne ein wichtiges Buch und ich habe es auch gerne gelesen. Es regt zum Überdenken des eigenen Verhaltens an, möchte den Leser dazu bringen sich selbst die Frage zu stellen, ob er nicht längst viel zu abgestumpft und zu sehr an Rassissmus und Hetze gewohnt ist. Einiges hat mich dennoch gestört oder mir gefehlt, und so lande ich am Ende bei guten 3 Sternen.

  1. Zwiespältiger Eindruck

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 22. Apr 2021 

    Shida Bazyar konnte mich mit ihrem 2016 erschienenen Debutroman „ Nachts ist es leise in Teheran“ überzeugen. Deshalb bin ich mit großen Erwartungen an ihr neues Buch herangegangen.
    Im Mittelpunkt stehen drei junge Frauen, die sich seit Kindheitstagen kennen. Aufgewachsen sind sie in einer Siedlung, in der viele migrantische Familien lebten. Sie haben die gleichen Erfahrungen mit ihrem Anders- Sein gemacht, sind immer wieder mit Vorurteilen, Misstrauen und Zuschreibungen konfrontiert worden, fühlten sich diskriminiert in ihrem Alltag. Sie gehen aber unterschiedlich mit diesen Erfahrungen um. Da ist Hani, pflichtbewusst und zurückhaltend. Sie versucht, sich mit ihrer Situation zu arrangieren, ohne sie groß zu hinterfragen. Dagegen steht Saya, eine selbstbewusste und kämpferische Frau, voller Zorn auf eine Gesellschaft, in der Nazis wieder salonfähig sind. Sie sieht überall Beispiele für Diskriminierung und Rassismus und geht engagiert dagegen an. Kasih ist die Erzählerin im Roman. Sie hat Soziologie studiert und ist nach unendlich vielen erfolglosen Bewerbungen Hartz 4 - Bezieherin.
    Die drei treffen sich nun wieder anlässlich der Hochzeit einer ehemaligen Schulfreundin.
    Gleich an den Anfang stellt Shida Bazyar einen reißerischen Zeitungsartikel über einen Brandanschlag, bei dem Menschen ums Leben kamen. Saya M. wird unterstellt, sich radikalisiert und den Brand gelegt zu haben.
    Was ist passiert und wie konnte es dazu kommen?
    Doch Kasih ist eine unzuverlässige Erzählerin. Sie lässt uns bald wissen, dass ihr nicht zu trauen ist. „... ohne mich checkt ihr hier gar nichts. Ihr braucht mich, aber ich kann euch verarschen, ohne dass ihr irgendwas davon merkt.“ „ Woher ich das weiß? Woher ich überhaupt alles weiß? ...Ich weiß es nun einmal, ihr wisst doch auch immer so viel und alles besser.“
    Sie verschweigt manches, um nicht das Schubladendenken des Lesers zu bedienen. So erfährt man z.B. nicht, aus welchen Ländern die Familien der drei Mädchen flüchten mussten.
    Dann greift sie den Leser persönlich an, wirft ihm rassistisches Denken und Handeln vor. Sie zieht eine Trennung zwischen dem „ ihr“ der Leserschaft und dem „ wir“ der Menschen mit Migrationshintergrund. Das rüttelt auf und provoziert, bewusst. Vielleicht will die Autorin hier zeigen, wie es ist, unter Generalverdacht zu geraten.
    Sicherlich sind viele der Beobachtungen und viele der Vorwürfe, die hier laut werden, berechtigt. Denke man nur an den fragwürdigen Umgang mit den Opfern der NSU- Morde ( auf diesen Prozess wird im Roman eingegangen, ohne ihn so namentlich zu kennzeichnen). Wahrlich kein Ruhmesblatt für die deutsche Polizei. Und sicherlich kann ich als weiße Leserin nicht nachfühlen, wie es ist, als Mensch mit dunkler Hautfarbe in Deutschland zu leben. Doch alles mit dem Rassismus- Vorwurf zu belegen, greift zu kurz. Man braucht keinen Migrationshintergrund, um nach einem Soziologiestudium ohne berufliche Perspektive dazustehen. Und man braucht keinen Migrationshintergrund, um beim Jobcenter wie ein lästiger Klient behandelt zu werden.
    Shida Bazyar geht es nicht um einen fairen Umgang mit dem Thema. Sie überspitzt, fordert Widerspruch heraus. Das macht sie mit ihrer raffinierten Erzählweise und ihrem kritischen Blick. Wie das Cover suggeriert, verbirgt sich hinter dem Buch politischer Zündstoff.
    „ Drei Kameradinnen“ ist ein gesellschaftskritischer Roman, der einen zwiespältigen Eindruck bei mir hinterlässt.

  1. Pöbeleien gewinnen keinen Blumentopf.

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 20. Apr 2021 

    Kurzmeinung: Provokation ist nicht zielführend.

    Die Autorin geht nach dem Motto vor, Provokation verschafft Gehör.

    Eigentlich ist „Die drei Kameradinnen“ ein rein tendenziöses, politisches Buch, fast schon ein Statement, mit dem Inhalt, etwas zugespitzt formuliert, alle Deutschen seien Rassisten. Und das bedeutet, dass man den Roman als Roman kaum ernst nehmen kann. Vielleicht könnte der Roman als provokantes Theaterstück durchgehen. Dazu passten dann auch die ausgiebigen Dialoge. Aber das Stück liegt nun einmal in Romanform vor.

    Die drei Protagonistinnen sind durch und durch Kunstfiguren. Eigentlich sind ja alle Romanfiguren Kunstfiguren, aber Hani, Saya und Kasih sind es in besonderem Maße.

    Denn sie tragen drei politisch-typische Migrationshaltungen auf den Markplatz. Sie sind Fackelträger, Fahnenträger und Platzhalter. Hani ist die Angepaßte und deshalb auch Angepisste, Saya die Rebellin und Kasih, Kasih hat kein Gesicht, sie ist die unzuverlässige Erzählerin und hat die Aufgabe launiger Publikumsbeschimpfung übernommen. Botschaft: Alle Deutschen sind böse, äh, ich meine Rassisten. Und wenn sie vielleicht doch keine Rassisten sind, könnten sie es doch irgendwie geheim inwendig doch sein oder wenigstens werden oder wenn auch das nicht, haben sie auf alle Fälle mehr Privilegien als die Migrantinnen. So what? Ach ja, und Migrantinnen darf man bestimmt nicht sagen und auch nicht Menschen mit Migrationshintergrund und überhaupt ist alles, außer dem Buch und seinem Anliegen und den Migrantinnen in allem recht zu geben, eine Beleidigung. Die Migrantinnen sind natürlich auch Deutsche, aber sie und ihre Angehörigen sind die einzig nicht Bösen im Lande. Wie gut, dass wir sie haben.

    Um was geht es eigentlich? Die Handlung ist banal. Drei Frauen mit Migrationshintergrund besuchen eine Hochzeit.

    Um sich Bedeutung zu verschaffen vermarktet der Roman am Rande den Prozeß um Beate Zschäpe. Hier hält man inne. Hier wäre die zentrale Botschaft anzusiedeln gewesen. Ist aber nicht, der Roman verliert sich im Folgenden weiter genau wie im Vorhergehenden im kleinlichen Befindlichkeitsmodus und hält ausgiebig Nabelschau. Doch Provokation allein reicht nicht für große Kunst, nicht mal für kleine!

    Hier hat man mit mächtig vielen Übertreibungen und Pöbeleien versäumt, ein Thema in der Tiefe zu betrachten, das es würdig gewesen wäre, zu besprechen, nämlich wie wir alle zusammen ein Klima für Toleranz schaffen können. Denn Toleranz ist keine Einbahnstraße.

    Fazit: Mit Pöbeleien gewinnt man weder einen Blumentopf noch Empathie. Wenigstens nicht bei mir.

    Verlag: Kiepenheuer @ Witsch, 2021
    Kategorie: Belletristik.