Dorian Gray

Buchseite und Rezensionen zu 'Dorian Gray' von Oscar Wilde
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3 von 5 (1 Bewertungen)

Für den Maler Basil Hallward verkörpert Dorian Gray die unvergleichliche Muse, die ihm als Künstler zu voller Blüte verhilft und ihm Genialität einflößt. Lord Henry erscheint dieser anmutige Jüngling wie ein hohles Gefäß von vollendeter Form, das darauf wartet, geöffnet und von Leben erfüllt zu werden. Basil betet Dorian als den Inbegriff von Aufrichtigkeit, Tugend und vollendeter Schönheit an. Für Lord Henry ist er hauptsächlich ein sehr interessantes Experiment.

Von der Ausstrahlung seines jungen Freundes geblendet und ihm völlig ergeben, überschüttet Basil ihn mit einer Flut an Komplimenten. Scharfzüngig, mit herrlich extremen Aussagen und provozierenden Thesen, versetzt Lord Henry den noch schlummernden Geist Dorians mit seinen paradoxen Philosophien in Aufruhr. Basil, von Dorians scharlachroten Lippen, den goldenen Haarwellen und den weiten blauen Augen betört, versucht, seine einzigartige Schönheit in einem großen Kunstwerk zu verewigen. Lord Henry, von seiner Unwissenheit und Formbarkeit angetan, verhilft ihm mit messerscharfem Geist und hypnotischer Redegewandtheit zu einer zweifelhaften Bewußtheit.

Dorian Gray erschauert, als er sich auf dem fertiggestellten Gemälde erblickt, und in seinem Entzücken über sich selbst richtet er einen wahnwitzigen und folgenschweren Wunsch an das Universum: Möge er in Wirklichkeit immer so jung und schön bleiben wie auf diesem Porträt. Stattdessen solle das Bild für ihn altern. Sein Gebet wird auf mystische Weise erhört. Dorian, vergiftet durch den schlechten Einfluß von Lord Henry und eines Romans, den dieser ihm zu lesen gibt, gerät immer mehr zum Opfer seiner innersten Abgründe. Nach außen hin bleibt er makellos, doch sein Porträt, das er voller Furcht vor Entdeckung in einem verstaubten Zimmer auf dem Dachboden versteckt, offenbart ihm die Verfehlungen seiner Seele erbarmungslos und auf gräßlichste Weise.

Verschleiert, wie es zu Oscar Wildes Zeiten nur möglich war, schwingt das Thema der Homosexualität mit. Viel dreht sich um männliche Schönheit und Jugend, um die zweifelhafte Moral der Gesellschaft, um verborgene Sünden und geheimnisvolle Anziehungskräfte und um schwerwiegende Gefühle von Schuld.

Wildes einziger Roman ist ein Werk von großer Eigenart, geschrieben in der für Wilde typischen blumigen und äußerst kunstvollen Sprache, voller gewagter und tiefgründiger Spekulationen um die Doppelnatur der menschlichen Seele und um das mysteriöse Wechselspiel zwischen Kunst und Leben. In ihm spielt das Reale mit dem Irrealen. Es beschreibt die Tragödie um den Identitätsverlust einer dekadenten Seele. --Daphne Unruh

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:360
Verlag: KOMET
EAN:9783898363631

Rezensionen zu "Dorian Gray"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 05. Mai 2014 

    Oscar Wildes einziger Roman...

    Lord Henry Wotton, ein geistreich-zynischer Dandy ist es, der den zu Beginn der Handlung unverdorbenen und faszinierend schönen Dorian Gray zum rücksichtslosen Ausleben seiner Jugend verführt. Der gutaussehende Jüngling verkehrt in Künstlerkreisen und der vornehmen englischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts.
    Beim Anblick eines Portraits, das der Dorian vergötternde Maler Basil Hallward von ihm gemalt hat, verliebt sich Dorian in seine eigene Jugend und Schönheit. Der mit der Intensität eines Gebets ausgesprochene Wunsch Dorian Grays, statt seiner selbst möge das Bildnis altern, wird ihm gewährt. Ein fataler Wunsch, wie sich herausstellt - schließlich ist Dorian für dessen Erfüllung bereit, seine Seele zu geben... Dorian, vergiftet durch den schlechten Einfluß von Lord Henry und eines Romans, den dieser ihm zu lesen gibt, gerät immer mehr zum Opfer seiner innersten Abgründe. Nach außen hin bleibt er makellos, doch sein Porträt, das er voller Furcht vor Entdeckung in einem verstaubten Zimmer auf dem Dachboden versteckt, offenbart ihm die Verfehlungen seiner Seele erbarmungslos und auf gräßlichste Weise.

    Seit seinem Studium in Oxford wandte sich Wilde mehr und mehr einem Ästhetizismus zu, den er nicht nur in der Kunst, sondern auch im Leben zum Maß aller Dinge machte. So auch in der Schriftstellerei.
    Wilde lässt selbst in diesem Buch Lord Henry an einer Stelle sagen: "Mein einziger Kampf richtet sich gegen Worte. Das ist der Grund, weshalb ich den gewöhnlichen Realismus in der Literatur verabscheue! Der Mann, der es fertig bekommt, einen Spaten einen Spaten zu nennen, sollte gezwungen werden, selbst einen zur Hand zu nehmen." (S. 313)

    Dies schicke ich voraus, um deutlich zu machen, dass es sich bei Wildes einzigem Roman wahrlich um keine einfache Lektüre handelt. Die Sprache ist poetisch, häufig sehr blumig und wortgewaltig - Sätze, die eine Dreiviertelseite einnehmen, sind keine Seltenheit. Für mich ist auch dem Roman anzumerken, dass Wilde in erster Linie Essays und Theaterstücke geschrieben hat. Ganze Kapitel lang geschieht im Grunde nichts - allein die Konversation oder die Gedankengänge Dorian Grays sind Gegenstand der Handlung.
    Sicher ist gerade der Zynismus und die provozierende Redeweise des Lord Henry Wotton amüsant und erfrischend, doch in der Summe fand ich den gesamten Schreibstil oft ermüdend und langatmig. Vor allem das elfte Kapitel, das als Bindeglied zwischen dem dahinplätschernden Anfang und den dramatischeren Ereignissen in der Folge dient, hat mich manches Mal ans Aufgeben denken lassen. Dieses Kapitel stellt einige Jahre Dorian Grays im Zeitraffer vor - die Gebiete und Themen, mit denen er sich in diesen Jahren beschäftigt hat. Hier kommt es zu einer endlosen Aufzählung von exotischen Musikinstrumenten, Ringen, Edelsteinen, Wandteppichen, Gewändern u.a.m. Ein Essay für sich! Hätte ich mir hier kein Querlesen gestattet, hätte ich das Buch wohl endgültig zusgeklappt...

    Dass der Roman seinerzeit für einen Skandal gesorgt hat, lässt sich nachvollziehen, sind doch die homosexuellen Anspielungen - Wilde selbst saß wegen seiner homosexuellen Neigung zwei Jahre im Zuchthaus - nicht zu überlesen.
    Aber auch die Idee als solche: Jugendwahn und Idealisierung der Schönheit - ist es heute nicht aktueller denn je?

    Einen Extra-Punkt Abzug gibt es jedoch für die mir vorliegende Ausgabe von Komet, die Wilde mit seinem Ästhetizismus sicherlich auch nicht gerade gutgeheißen hätte. Erst einmal hat mich die Qualität des Papiers entgeistert - Erinnerungen an Jugendherbergs-Toilettenpapierrollen kamen hoch... Unglaublich fand ich daneben auch die Anzahl der Druckfehler in dieser Ausgabe. Da wurde beim Korrekturlesen auf jeden Fall ungehörig gespart.

    Auch wenn es stellenweise sehr anstrengend war, diesen Klassiker zu lesen, bin ich doch froh, es getan zu haben - denn wie so oft, ist das Buch viel tiefgründiger als es jede Verfilmung sein kann.

    © Parden