Dieser weite Weg: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Dieser weite Weg: Roman' von Isabel Allende
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Dieser weite Weg: Roman"

Gebundenes Buch
Der junge, idealistische Katalane Víctor Dalmau beginnt gerade als Arzt zu praktizieren, da bricht der Bürgerkrieg aus. Seine Familie beschließt, das belagerte Barcelona zu verlassen, aber der Marsch über die Pyrenäen endet desaströs. Unterdessen stirbt Víctors geliebter Bruder an der Front, und Víctor bringt es nicht über sich, seiner hochschwangeren Schwägerin Roser, einer angehenden Pianistin aus armen Verhältnissen, die ganze Wahrheit zu sagen. Und auch in Frankreich ist kein Bleiben, deshalb organisiert Víctor für Roser und sich in letzter Minute eine Überfahrt nach Südamerika. Im chilenischen Exil wächst sich ihre Verbundenheit nach und nach zu etwas Größerem aus, ist es Liebe? Rosas harte Arbeit zahlt sich jedenfalls aus, sie wird weithin gefeiert für ihr Klavierspiel. Für sie und Víctor scheint ein spätes gemeinsames Glück greifbar nahe - bis plötzlich eine weitere politische Katastrophe ihre Pläne zu vereiteln droht ...

Wie weit ist der Weg, den wir gehen müssen, um im Leben anzukommen? Isabel Allende erzählt die bewegende Geschichte einer schwangeren Pianistin und eines jungen Arztes, die unversehens in die turbulenten Zeitläufe des vergangenen Jahrhunderts geraten - eine Geschichte von Flucht und Neuanfang und den zärtlichen Verheißungen einer eigentlich unmöglichen Liebe.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:381
EAN:9783518428801

Rezensionen zu "Dieser weite Weg: Roman"

  1. Mit historischem Hintergrund verwobene Familiengeschichten

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 29. Jul 2020 

    Eine Isabel Allende kann natürlich erzählen. Wenn es dann noch um zwei wirklich faszinierende historische Ereignisse geht, die mich auch beide sehr interessieren, da kann eigentlich nichts schief gehen. Und es ging auch nichts schief. Der spanische Bürgerkrieg wurde schon in einigen anderen von mir gelesenen Büchern thematisiert, ein definitiv erschreckendes Ereignis, an dem Spanien in einer nachvollziehbaren Weise immer noch krankt. Eine Familiengeschichte vor diesem Hintergrund anzusiedeln ist ein geschickter Griff von Frau Isabel Allende. Und nicht nur die weiteren Informationen zu den Geschehnissen in Spanien sind interessant, auch dazulernen konnte ich noch mit diesem Buch. Dass ein Pablo Neruda mitgeholfen hat, aus der SS Winnipeg ein Flüchtlingsschiff mit 2200 Flüchtlingen aus Spanien zu machen war mir neu, also beide Fakten, Pablo Nerudas Einsatz und die Existenz der SS Winnipeg. Diese Flüchtlinge, hier besonders der katalanische Arzt Victor Dalmau und seine Schwägerin Roser, zu thematisieren und ihre Geschichte dann mit der chilenischen Geschichte zu verweben, ist absolut geschickt und wirklich interessant. Die SS Winnipeg bringt Victor und Roser 1939 nach Chile. Beide müssen sich in ihrer neuen Heimat erst einmal orientieren, dies tun sie und Rosers Sohn Marcel und alle strudeln auf die Ereignisse unter Allende in den 1970ern und den anschließenden Sturz Allendes durch einflussreiche Seilschaften zu. Deswegen kann man schlussendlich dieses Buch als Familiengeschichten vor einem äußerst interessanten historischen Hintergrund bewerten. Und Familiengeschichten kann die Allende perfekt schreiben. Und genauso ist diese Aufnahme der republikanischen spanischen Flüchtlinge äußerst interessant, wenn man diesen Fakt in Bezug zu Allende und dessen Wahlsieg setzt.

  1. Ein epischer Generationenroman, großartig erzählt

    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Okt 2019 

    „Aber es war nicht nur ein Scherz gewesen, es war auch die Angst vor der gespaltenen Liebe, vor der Trennung, davor, fern von ihren Lieben zu leben und zu sterben.“ (Zitat Seite 279)

    Inhalt
    Guillem und Victor Dalmau sind Brüder. Beide stehen im spanischen Bürgerkrieg ab 1936 auf der Seite der Miliztruppen der demokratisch gewählten Regierung, Guillem als Soldat und Victor als angehender Arzt. Ihre Gegner sind die rechtsgerichteten Nationalisten um General Franco. Guillem ist mit der begabten Pianistin Roser Bruguera verlobt und als er im Kampf stirbt, ist Roser bereits schwanger. Victor flieht mit Roser aus dem belagerten Barcelona nach Frankreich, wo er sie heiratet, damit er sie und ihren Sohn Marcel als Angehörige mit nach Chile nehmen kann. Pablo Neruda macht dies mit seinem Flüchtlingsschiff Winnipeg möglich, das am 4. August 1939 für mehr als 2000 spanische Flüchtlinge zum Schiff der Hoffnung wird. Chile ist ein ideales Land für einen Neubeginn, denn es bietet Chancen für alle. Doch dann ändert sich die politische Landschaft in Chile …

    Thema und Genre
    In diesem epischen Generationenroman geht es um politische Diktaturen, Krieg, Unterdrückung und Flucht. Die Geschichte handelt aber auch von Idealismus, Mut, Treue, Freundschaft, Hoffnung und Chancen auf Neubeginn, die das Leben immer wieder bietet. Wichtige Themen sind Heimat und Zugehörigkeit, ihre Charaktere vergessen die spanischen Wurzeln nicht. Dieses Buch ein Roman, doch die zeitgeschichtlichen Fakten und bekannten Personen sind real.

    Charaktere
    Victor ist Arzt aus Überzeugung, die Erlebnisse als junger Arzt im Studium während des Bürgerkrieges prägen sein weiteres Leben. In Chile gehören Roser und er als Einwanderer nicht zur Oberschicht, doch dort sieht sich der sozialistisch-demokratische Victor ohnedies nicht, er sieht die Armut in Chile und schaut nicht weg, sondern hilft. Roser und Victor verbindet eine tiefe Freundschaft und Vertrautheit. Auch der bekannte Dichter und Politiker Pablo Neruda spielt im Leben von Victor und Roser eine wichtige Rolle.

    Handlung und Schreibstil
    Die Autorin ist eine wunderbare Erzählerin, die ihre Geschichten so in das Zeitgeschehen einbindet, dass sich ein stimmiges, interessantes Ganzes ergibt. Die wechselhafte Zeit der Umstürze, in welcher dieser Roman spielt, ist an sich schon spannend zu verfolgen, sodass die Handlung ein packendes Leseabenteuer ergibt. Man merkt, dass die Autorin auch ihre fiktiven Charaktere ins Herz geschlossen hat, detailliert und stimmig nimmt sie sich Zeit für jede einzelne Protagonistin, für jeden einzelnen Protagonisten, ihre Handlungen, Entscheidungen und Gefühle. Sprachlich beeindruckend, hat mich dieses Buch sofort in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen, bis ich die letzten Seite gelesen hatte. Es sind ernste Themen und Konflikte, dennoch ist eine positive Geschichte, in der immer auch Hoffnung und Liebe mitklingen.

    Fazit
    Ein epischer Generationenroman, facettenreich, interessant und spannend. Ein sehr genau recherchiertes Zeitbild des spanischen Bürgerkrieges und der Machtübernahme von General Franco, sowie später der Umstürze in Chile. Sprachlich großartig erzählt, ist dieser Roman Garant für intensive Lesestunden, von denen man jede Minute genießt.