Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert' von Joël Dicker
5
5 von 5 (3 Bewertungen)

Ein Skandal erschüttert das Städtchen Aurora an der Ostküste der USA: 33 Jahre nachdem die zauberhafte Nola dort spurlos verschwand, taucht sie wieder auf. Als Skelett im Garten ihres einstigen Geliebten ...Dieser raffinierte, anspielungsreiche Roman liest sich wie ein Krimi und ist doch viel mehr!
Es ist der Aufmacher jeder Nachrichtensendung. Im Garten des hochangesehenen Schriftstellers Harry Quebert wurde eine Leiche entdeckt. Und in einer Ledertasche direkt daneben: das Originalmanuskript des Romans, mit dem er berühmt wurde. Als sich herausstellt, dass es sich bei der Leiche um die sterblichen Überreste der vor 33 Jahren verschollenen Nola handelt und Quebert auch noch zugibt, ein Verhältnis mit ihr gehabt zu haben, ist der Skandal perfekt. Quebert wird verhaftet und des Mordes angeklagt. Der einzige, der noch zu ihm hält, ist sein ehemaliger Schüler und Freund Marcus Goldman, inzwischen selbst ein erfolgreicher Schriftsteller. Überzeugt von der Unschuld seines Mentors - und auf der Suche nach einer Inspiration für seinen nächsten Roman - fährt Goldman nach Aurora und beginnt auf eigene Faust im Fall Nola zu ermitteln ...

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:736
EAN:9783492307543

Rezensionen zu "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Mai 2018 

    Was ist die Wahrheit?

    Worum geht es?
    Marcus Goldman ist ein erfolgreicher Schriftsteller, gerade (Oktober 2008) hat er einen Roman über den Fall Harry Quebert geschrieben und wird überall in New York auf der Straße auf sein Buch angesprochen, das für Aufsehen gesorgt hat.

    Wer ist dieser Harry Quebert?
    Ein ebenfalls berühmter Schriftsteller, Marcus´ ehemaliger Dozent und sein Freund, der zurückgezogen an der Ostküste der USA, im Städtchen Aurora lebt. Der Kontakt zwischen den beiden ist nach Marcus Erfolg abgebrochen. Als er eine Schreibblockade hat und ihm jegliche Inspiration für einen neuen Roman fehlt, besucht er Harry, der ihn zu dem gemacht hat, was ihn als Schriftsteller auszeichnet.

    Im Roman eingebettet sind immer wieder Lektionen, die Harry Marcus erteilt hat - rücklaufend von Lektion 31 bis zu Lektion eins, die das Ende eines Romans thematisiert und gleichzeitig den Schlusspunkt des vorliegenden Romans einleitet.

    Während der Werdegang des Schriftstellers Marcus zunächst im Vordergrund steht, entwickelt sich die Geschichte unversehens zu einem Kriminalfall, denn ein schreckliches Ereignis erschüttert das Städtchen Aurora. Während Marcus Aufenthalt im Sommer 2008 wird in Harrys Garten die Leiche der schönen Nola gefunden, jenes 15-jährigen Mädchens, das am 30.August 1975 spurlos verschwunden ist. Da beim Skelett nur eine Tasche mit dem getippten Manuskript von Harrys erstem großen Roman "Der Ursprung des Übels" zusammen mit einer persönlichen Widmung - Adieu, allerliebste Nola - gefunden wird, landet Harry in Untersuchungshaft und soll des Mordes angeklagt werden.
    Harry beichtet Marcus, dass er eine Beziehung zu dem 15-jährigen Mädchen in jenem Sommer hatte, beteuert aber seine Unschuld. In den Gesprächen zwischen den beiden im Gefängnis, die Marcus aufnimmt und die die Grundlage seines Romans werden, rekonstruiert Harry die außergewöhnliche Liebesgeschichte der beiden und malt ein leuchtendes Bild des Mädchens, in das er sich unsterblich verliebt hat und die ihn zu seinem Roman inspiriert hat, der von einer unmöglichen Liebe erzählt und Briefe enthält, die die beiden sich geschrieben haben.

    Was ist an jenem Abend des 30.August 1975 geschehen, an dem nicht nur Nola verschwunden ist, sondern auch eine alleinstehende Witwe erschossen wurde? Sie hatte die Polizei informiert, dass ein Mann Nola in den Wald folge. Eine Weile später erreichte die Wache ein weiterer Anruf der Witwe, das Mädchen habe sich zu ihr geflüchtet. Als die Polizisten in ihrem Haus eintreffen, ist sie tot und Nola verschwunden - ein schwarzer Chevrolet Monte Carlo ist die einzige Spur, die die Polizei verfolgen kann - ohne Erfolg.
    Marcus glaubt fest an die Unschuld seines Mentors und stellt eigene Nachforschungen in Aurora an, zuerst gegen den Willen des Ermittlers der Staatspolizei Gaholowood, bis er diesen mit seinen Ergebnissen überredet, fortan zusammenzuarbeiten. Letztlich überzeugen ihn die Drohbriefe, die Marcus erhält und die ihn auffordern zu verschwinden.
    Wer hat ein Interesse daran, dass er keine Nachforschungen anstellt?Welche Rolle spielt der reiche Geschäftsmann Stern und dessen Fahrer, der sich oft in Aurora herumgetrieben hat? Welche Rolle spielen Nolas Eltern, warum ist die Familie 1969 von Alabama nach Aurora umgezogen?
    Marcus "wühlt" tief in der Vergangenheit, befragt Tamara Quinn, in deren Bar Harry Teile seines Romans geschrieben hat, weil Nola dort gearbeitet hat. Und deren Tochter Jenny unsterblich in Harry verliebt gewesen ist. Viele Fragen, denen Marcus und Gaholowood nachgehen. Immer neue Details werfen jeweils ein völlig anderes Licht auf den Fall, so dass man nicht mehr weiß, was denn die Wahrheit über den Fall Harry Quebert ist.

    Nach vielen Irrungen, Wirrungen und unvermuteten Wendungen offenbart das Ende eine überraschende Antwort auf alle offenen Fragen.

    Bewertung
    Glaubt man zunächst, der Roman erzähle vom Werdegang eines Autors, vom Schreiben eines Buches, von den Problemen, die nach dem ersten großen Erfolg auftreten, vom Überwinden dieser Krise bis hin zum nächsten großen Erfolg, so überrascht die Wendung hin zu einem Kriminalfall um das mysteriöse Verschwinden von Nola und dem Fund der Leiche nach über 30 Jahren.

    In den Vordergrund rückt die Frage, was an jenem 30.August 1975 wirklich geschehen ist und welche Ereignisse im Vorfeld dazu geführt haben. Viele Umwege gehen wir gemeinsam mit Marcus, immer wieder neue Hypothesen werden formuliert, verworfen, neue Details zwingen zum Umdenken.

    Beim Hören fällt die außergewöhnliche Struktur des Romans nicht ins Auge, aber die Kombination aus dem Erzählstrang der Gegenwart, den vielen nicht chronologischen Rückblicken in die Vergangenheit aus den unterschiedlichsten Perspektiven, die sich durchaus widersprechen und die Aufnahmen, die Marcus macht, um seinen Roman über den Fall Harry Quebert zu schreiben, sowie die Lektionen sorgen zusätzlich für Spannung und Abwechslung.

    Offene Fragen werden selten sofort beantwortet - meist erfolgt dann ein Rückblick oder ein weiterer Umweg. Die vielen Wiederholungen haben mich beim Hören nicht gestört - im Gegenteil, ich war dankbar dafür, so habe ich den Überblick nicht verloren. Und das Ende ist wirklich überraschend!

    Und da ist ja noch die außergewöhnliche Liebesgeschichte zwischen der 15-Jährigen und dem über 30 Jahre alten Harry Quebert, der in Nola die Liebe seines Lebens und seine Muse gefunden hat. Auch diese Beziehung und Nola erscheinen immer wieder in einem neuen Licht.

    Torben Kessler, der mich beim Hörbuch "Unter der Drachenwand" nicht überzeugt hat, liest diesen Roman so hervorragend, dass ich definitiv auch "Die Geschichte der Baltimores" hören möchte. Das soll noch besser sein.
    Das mag ich nach diesem großartigen Roman fast nicht glauben, ob der noch zu übertreffen ist?

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Sep 2017 

    Krimi, Liebesstory + wie man ein Buch schreibt - alles in einem

    1.221 Minuten, das sind mehr als 20 Stunden - so lange dauert dieses von Torben Kessler vorgetragene Hörbuch. Was sich vielleicht erst mal etwas abschreckend anhören mag, aber grundsätzlich dürfte es kein Problem sein, denn die Geschichte ist durchweg spannend, unterhaltsam und abwechslungsreich. Doch sollten keine längere Pausen dazwischen liegen, da stets zwischen verschiedenen Zeiten hin und her gesprungen wird. Mir fehlte dann ein bisschen die Orientierung, sodass ich wiederholt von vorne begonnen habe.
    Marcus Goldman ist ein erfolgreicher Autor, zumindest nach seinem ersten Buch. Doch sein zweites Werk lässt auf sich warten, es fehlt ihm schlicht an Inspiration. Da erreicht ihn die Nachricht, dass im Garten seines verehrten Lehrers und Freund Harry Quebert das Skelett eines jungen Mädchens gefunden wurde, das vor 33 Jahren verschwand. Quebert soll der Mörder sein, der ein Verhältnis mit der erst 15jährigen Nola hatte. Marcus reist sofort nach Aurora, dem Ort des Verbrechens, und macht sich auf die Suche nach der Wahrheit, denn er ist (als Einziger) von der Unschuld seines Freundes überzeugt. Dabei bringt er Dinge ans Tageslicht, die für immer vergessen sein sollten und bringt sich selbst in Gefahr.
    Wie ich oben bereits erwähnte, ist die Handlung recht verschachtelt. Haupterzählstrang ist die Gegenwart im Jahre 2008, in der das Skelett der vermissten Nola gefunden wird. Marcus Goldman beschreibt als Ich-Erzähler detailliert seine Nachforschungen und erinnert sich dabei an die gemeinsame Zeit mit seinem Lehrer (um 1999 glaube ich), in der sie sich anfreundeten. Die Erkenntnisse, die er über die Zeit von Nolas Verschwinden gewinnt, Sommer 1975, werden wie eine eigenständige Erzählung berichtet, jeweils aus der Perspektive unterschiedlicher Personen. So entsteht auch eine Liebesgeschichte, nämlich die von Harry und Nola. Daneben gibt es Rückblicke in die noch frühere Vergangenheit, womit einzelne Figuren genauer beschrieben werden (Woher kommen Nolas Eltern? Wie kam Luther zu seiner Entstellung? usw.). Doch damit nicht genug ;-) Ein ebenfalls wichtiger Bestandteil dieses Romans dreht sich um die Schwierigkeit, ein gutes Buch zu schreiben, genauer: Marcus Goldmans Schwierigkeiten damit. So sind es mehrere Geschichten in einer, sodass bei mangelnder Aufmerksamkeit oder längeren Pausen beim Hören (beim Lesen weiß ich es nicht) mir schon mal der rote Faden abhanden kann.
    Was dieses Buch auszeichnet, sind seine zahlreichen und vielfältigen Überraschungen. Irgendwie glaubt man zu wissen, in welche Richtung sich das Alles entwickelt - doch weit gefehlt. Nichts, absolut nichts ist so wie es scheint und eine Verblüffung folgte auf die nächste. Obwohl es eine Vielzahl von undurchsichtigen Zusammenhängen gibt, gelingt es dem Autor, wirklich alles ohne Unlogiken aufzulösen, sodass man vor Verwunderung und Erstaunen nur noch den Kopf schütteln kann. Selten habe ich bei einer Hörlektüre so häufig 'Das gibt es doch nicht' oder 'Das kann nicht wahr sein' vor mich hin gemurmelt.
    Auch der Vorleser macht seine Sache sehr gut, denn es ist wohl keine Leichtigkeit, einen Roman mit mindestens zehn, eher mehr unterschiedlichen, häufig vorkommenden Personen so vorzutragen, dass man sich nicht völlig verliert. Obwohl er die Stimmlagen meist nicht allzu markant verändert, wusste ich doch immer gleich, wer gerade spricht. Torben Kessler, ein Name den ich mir für Hörbücher merken werde.
    Fazit: Ein wirklich klasse Hörvergnügen für mehr als 20 Stunden.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Jun 2014 

    Worüber man schreiben solte

    Nach einem erfolgreichen ersten Buch durchlebt der Schriftsteller Marcus Goldman eine Schaffenskrise. Sein Agent und auch sein Verlag fangen an, ihm richtig auf die Pelle zu rücken. Er muss schließlich seinen Vertrag erfüllen. In seiner Not wendet er sich an seinen alten Lehrer Harry Quebert und besucht ihn an der alten Uni. Kurz darauf werden in Queberts Garten die sterblichen Überreste eines Menschen gefunden. Wie sich schnell herausstellt, handelt es sich um die vor 33 Jahren verschwundene Nola. Mit ihr begraben wurde ein Originalmanuskript von Harrys erfolgreichstem Buch. So gerät Quebert unter Mordverdacht und nach seiner Verhaftung ist Marcus einer der wenigen, die zu Quebert halten und ihm helfen wollen.

    Einmal angefangen kann man von diesem Buch nicht mehr lassen. Zum einen kann man die Entwicklung eines dichten Kriminalfalls verfolgen, der immer wieder Überraschungen aufweist, der zum Miträtseln einlädt und dann aufs Glatteis führt. Das allein birgt schon Spannung, die der Autor geschickt zu steigern weiß. Wenn alle Verdächtigen erfolgreich ausgeschlossen sind, erfährt man schließlich die Wahrheit, die unerwartet und tragisch wirkt.

    Zum anderen geht es aber auch um den Literaturbetrieb und die Leiden des Autors an seinen Büchern. Welchen Druck der Verlag ausübt, um an das nächste Buch zu kommen. Und wie zwecklos es doch ist, dem Autor etwas abpressen zu wollen. Es bedarf einer Idee, eines ersten Satzes, ein Problem, das wohl viele Autoren kennen. Die Leere im Kopf, ein Buch, das sich einfach nicht schreiben lassen will. Und dann ist sie doch da, die kreative Schöpfung, die es gilt festzuhalten und auszuformulieren. Witzig dabei, die Ideen der Verantwortlichen, was alles hilfreich sein kann, um Termine einzuhalten. Fast schon genial, wie Hinweise verdreht werden, um das Werk besser dastehen zu lassen.

    Eine kleine Auflockerung in diesem anspruchsvollen Roman, von dem man sich fragt, ob der junge Autor ebenso gelitten hat wie seine Figuren, sind die Gespräche Marcus´ mit seiner Mutter. Eine herausragende Lektüre, nach der man wünscht, Marcus möge die Liebe finden, die Bücher hat er ja schon.