DIE WAHRHEIT

Buchseite und Rezensionen zu 'DIE WAHRHEIT' von Melanie Raabe
4.5
4.5 von 5 (4 Bewertungen)

Vor sieben Jahren ist der reiche und zurückgezogen lebende Geschäftsmann Philipp Petersen während einer Südamerikareise spurlos verschwunden. Seither zieht seine Frau Sarah (37) den gemeinsamen Sohn alleine groß. Doch dann erhält Sarah wie aus heiterem Himmel die Nachricht, dass Philipp am Leben ist. Die Rückkehr des vermeintlichen Entführungsopfers löst ein gewaltiges Medieninteresse aus. Sarah hat zwiespältige Gefühle, nach all der Zeit verständlich. Sie hat eine harte Zeit hinter sich. Gerade war sie dabei, sich von der Vergangenheit zu lösen. Ihr Ehemann taucht, wenn man so will, zur Unzeit auf. Was wird werden? Gibt es eine gemeinsame Zukunft? Sie ist auf alles vorbereitet, nur auf das eine nicht: Der Mann, der aus dem Flugzeug steigt, ist nicht der, als der er sich ausgibt. Es ist nicht ihr Ehemann. Es ist ein Fremder – und er droht Sarah: Wenn sie ihn jetzt bloßstelle, werde sie alles verlieren: ihren Mann, ihr Kind, ihr ganzes scheinbar so perfektes Leben …

Format:Broschiert
Seiten:448
Verlag: btb Verlag
EAN:9783442754922

Rezensionen zu "DIE WAHRHEIT"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Mär 2017 

    Der Fremde daheim

    Die 37jährige Sarah hat sich mit ihrem Sohn in ihrem Leben eingerichtet, dass so ganz anders geworden ist. Ihr Mann Phillip verschwand vor sieben Jahren während einer Geschäftsreise nach Südamerika. Und nun bekommt sie plötzlich die Nachricht, ihr Mann sei wieder aufgetaucht und werde mit dem nächsten Flug wieder in Hamburg ankommen. Sarah ist sehr unsicher, wie sie die Nachricht aufnehmen soll. Eigentlich ist es eine Freude, doch als sie ihrem Mann am Flughafen abholen soll, sieht sie einen Fremden. Einen Fremden, der ihr auch noch droht, ihn ja nicht auffliegen zu lassen. Sarahs Leben gerät zu einem Albtraum.

    Man stelle vor, das Leben läuft wieder ganz gut. Der schwere Verlust ist langsam überwunden, man möchte nach vorne schauen. Und dann die Nachricht, mit der nach der langen Zeit nicht mehr zu rechnen war und das Entsetzen als ein Fremder vor einem steht. Einer, der einfach behauptet, der eigene Mann zu sein. Dieser Unglaube, der langsam im Gehirn verarbeitet werden muss. Als ob die Realität leicht verschoben ist. Irgendwie ist alles wie es sein soll, aber irgendwie fühlt es sich zehn Zentimeter daneben an. Sarah hat Angst vor dem Fremden, was will er in ihrem Leben.

    Sehr spannend aus Sicht Sarahs und des Fremden geschildert, zeigt sich nach und nach ein Bild von einem Ehepaar, das mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Fast schien es als sei das Losungswort vergessen. Wie geht man mit der Situation um, plötzlich einen Fremden im Haus zu haben. Jemanden, den man nicht einfach wieder los wird, es ist ja angeblich der eigene Mann. Mit leichter Hand geht die Autorin ein furchteinflößendes Dilemma an. Sie versteht es, die Phantasie anzuregen, über Sarahs Geschichte, die des Fremden und die einer Ehe. Man verschlingt die Seiten in Erwartung eines fulminanten Finales. Doch gerade als man eine spektakuläre Auflösung in Reichweite glaubt, präsentiert sich ein eher normales Ende, welches zwar etwas enttäuschend wirkt, schließlich aber genau dadurch doch wieder überrascht.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 23. Okt 2016 

    Verstörend, aber spannend

    Sieben Jahre lebt Sarah Petersen schon im Ungewissen. Vor sieben Jahren verschwand ihr Mann Philipp bei einer Geschäftsreise in Südamerika. Wurde Philipp entführt? Es gab aber nie eine Lösegeldforderung. Ist er tot? Sarah hat sich gerade einigermaßen in ihr Leben als allein erziehende Mutter des achtjährigen Leo gefügt, hat sogar einen neuen Mann in ihr Leben gelassen – als sie die Nachricht bekommt, dass Philipp lebt und in Kürze heimkehrt. Sarahs Gefühle sind äußerst zwiespältig: Freude, Unsicherheit, Angst vor dem, was nun auf sie zukommt. Und dann der Schock: der Mann, der aus dem Flugzeug steigt, ist nicht ihr Mann! Es ist ein Fremder, der sich als Philipp ausgibt, der alles über sie weiß, und der ihr droht.
    Zu Beginn wird die Handlung hauptsächlich aus Sarahs Sicht beschrieben, sodass man als Leser denkt wie sie, fühlt wie sie und genauso viel weiß wie sie. Man empfindet Respekt für sie als starke Frau, die diesen Schicksalsschlag so gut überwunden hat, dass sie ihrem Sohn eine so gute Mutter ist. Oder erkennt sie ihren Mann nur nicht mehr, da er sich so sehr verändert hat?
    Erst als der Fremde in eigenen, kurzen Kapitel zu Wort kommt, erhärtet sich der Verdacht, dass Sarah doch Recht hat, dass der Fremde ein Betrüger ist. Doch was will er von ihr?
    Zunächst identifiziert man sich mit Sarah, doch allmählich beschleichen einen Zweifel, ob man ihrer Sicht trauen darf. Kleine Andeutungen weisen darauf hin, dass sie etwas verbirgt, dass etwas Schlimmes geschehen ist, das sie aber offenbar so gut verdrängt hat, dass sie sich nur noch in Träumen daran erinnert. Auch die Motive des Fremden werden immer undurchsichtiger.
    ,,Die Wahrheit“ ist kein actionreicher Thriller. Die Spannung entwickelt sich eher wie in einem Kammerspiel. Die Protagonisten kommen einzeln zu Wort, ihre Gedanken und Gefühle werden meist im Präsens geschildert wird, sodass man als Leser unmittelbar dabei ist und immer wieder in die Irre geleitet wird. Psychologisch interessant, raffiniert und spannend.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Sep 2016 

    Was ist die wirkliche Wahrheit?

    Seit sieben Jahren ist der Ehemann von Sarah Peterson verschwunden. Von einer Reise nach Südamerika kehrte er nicht mehr zurück. Sieben Jahre trauerte sie um ihn, war nicht in der Lage in ein neues Leben ohne ihn zurückzukehren. Dann kommt der völlig unerwartete Anruf vom Auswärtigen Amt. Ihr Mann Philipp wurde in Kolumbien befreit und ist bereits auf dem Rückweg nach Deutschland. Das Zusammentreffen mit ihm ist für Sarah eine Katastrophe. Das ist nicht ihr Mann. Nur niemand scheint es zu bemerken, keiner glaubt ihr. Im Gegenteil sie wird, je mehr sie andere von ihrem Verdacht erzählt, für unglaubwürdig und paranoid hingestellt. Aber der Fremde ist auch nicht bereit, das Feld zu räumen. Je intensiver beide um die Wahrheit kämpfen, umso bedrohlicher wird die Situation für Sarah. Was will der Fremde?

    Melanie Raabe hat das Buch in zwei Erzählebenen gegliedert. Die ausführliche von Sarah beschreibt sehr anschaulich ihre Gedanken und Ängsten. Der zweite Erzählstrang ist dem Fremden gewidmet. Seine Gedanken sind sehr sachlich, kurz, knapp und bedrohlich. Beide Perspektiven passen zeitlich zueinander. Das gibt der ganzen Story einen besonderen Kick und lässt sie dadurch unterschwellig noch bedrohlicher wirken. Worauf das ganze hinausläuft, ahnt man lange nicht. Dann die plötzliche Erkenntnis und alles wirkt klarer.

    Mir hat auch dieses Buch von Melanie Raabe wieder ausgezeichnet. Ich vergebe nur zu gerne fünf Lesesterne und eine klare Leseempfehlung.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Sep 2016 

    Mamihlapinatapai

    Mamihlapinatapai , dieses Wort sollte man googeln, denn in meinen Augen ist es der zentrale Kern dieses Thrillers, den ich persönlich eher als psychologisches Drama beschreiben würde. Dies aber nur vorweg.

    Melanie Raabe konstruiert in ihrem Thriller: Die Wahrheit ein beachtliches psychologisches Konstrukt. Sarah Petersen ist unsterblich in Philipp, ihren Ehemann, verliebt. Als dieser von einer Geschäftsreise nach Kolumbien nicht wiederkehrt beginnt für Sarah und ihrem 1 jährigen Sohn Leo die Hölle. Als Sarah nach 7 Jahren langsam wieder in ein normales Leben zurückfindet, passiert das unglaubliche.....Philipp ist wieder da. Als Sarah und Leo ihn am Flughafen in Empfang nehmen wollen, bemerkt Sarah, dass es ein Fremder ist, der vor ihr steht.....Ein Drama beginnt, denn dieser Fremde behauptet weiterhin Philipp Petersen zu sein, und setzt Sarah unter Druck, denn Sarah hat etwas zu verbergen.

    Die Geschichte an sich lässt zunächst wirklich an einen Thriller denken, entpuppt sich aber nach meinem Empfinden eher zum Drama. Als Thrillerfan war ich anfangs ein wenig enttäuscht, so hätte man aus dieser Vorlage doch auch mehr machen können. Doch irgendwann streifte ich meine Erwartungshaltung ab und wurde doch positiv überrascht. Melanie Raabe hat eine Art dem Leser die Abgründe und Sehnsüchte des Menschen näher zu bringen, die sehr speziell aber durchaus gekonnt ist. Unterschwellig brodelt dieses Buch vor Spekulationen und unterdrückter Gefühle.

    Die Charaktere erklären sich durch Rückblenden, es wird viel aus der Vergangenheit eingeschoben, man bekommt immer wieder einen neuen Bruchteil von Sarah oder Philipp und kann dann das Bild so nach und nach zusammensetzten. Sehr gelungen und reizvoll, zumal der Eindruck von mal zu mal variert, gut ist nicht automatisch gut, und böse nicht gleich böse. Schwer zu erklären, man muss es gelesen haben.

    Fazit: Ein Buch, dass mich erst langweilte, aber dann doch überraschte. Ein wenig wie der Wolf im Schafspelz........