Die Tote im Wannsee: Kriminalroman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Tote im Wannsee: Kriminalroman' von Lutz Wilhelm Kellerhoff
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

1968 - Wolf Heller ermittelt

Eine junge Frau wird tot am Ufer des Wannsees gefunden. Nur ihre roten Schlangenlederschuhe geben einen brauchbaren Hinweis auf ihre Identität. Als Kommissar Heller ein Bild der Schuhe in einer Berliner Zeitung veröffentlichen lässt, meldet sich eine Kollegin der Toten: Heidi Gent arbeitete in Horst Mahlers Anwaltskanzlei. Heller soll den Fall schnell abschließen, alles Politische ist zu meiden. Auf der Polizei liegt noch der Schatten der Ermordung von Benno Ohnesorg, der Druck aus dem Schöneberger Rathaus ist enorm. Doch als Heller zufällig mitbekommt, dass sein Chef lautstark mit einem Unbekannten über die Tote streitet, lässt er nicht mehr locker.

Rudi Dutschke, Uschi Obermaier, Willy Brandt, Axel Springer - die Sechzigerjahre sind ihre Bühne, West-Berlin ist ihre Bühne. Es stand viel auf dem Spiel in der irrlichternden Stadt. Und Wolf Heller muss sich als junger Kommissar in diesen Zeiten beweisen.

Format:Broschiert
Seiten:384
EAN:9783550050640

Rezensionen zu "Die Tote im Wannsee: Kriminalroman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Feb 2020 

    Ende Oktober 1968: im Wannsee

    Ende Oktober 1968: im Wannsee wird die Leiche einer erstochenen Frau entdeckt, es braucht seine Zeit, bis ihre Identität geklärt ist. Es handelt sich um eine junge Mutter, die bei dem damals linksradikalem (und heute neofaschistischen) Anwalt Horst Mahler als Büroangestellte gearbeitet hat. Ihre Eltern lenken den Verdacht auf den schlagenden Ehemann, der tatsächlich festgenommen wird und dessen in der Haft vollzogene Selbstmord den Verdacht gegen ihn zu bestätigen scheint. Insofern legt der Chef der Mordkommissions Wert darauf, den Fall als abgeschlossen zu betrachten. Doch Kommissar Wolf Heller hat da so seine Zweifel, woher hatte die Frau die 12000 DM auf ihrem Sparbuch, die außerhalb der Möglichkeiten ihres Verdienstes lagen? Warum hatte der Ehemann vor seinem Selbstmord seine Unschuld beteuert, wo sind die Kinder und nicht zuletzt, wer ist der Mann mit dem Luxus-BMW, der mehrfach an der seite des Opfers gesehen wurde? Also ermittelt er weiter und stößt auf Spuren in der eigenen Abteilung und weitere Ungereimtheiten, deren Ursprünge im kalten Krieg liegen.

    Zudem gerät der junge Kommissar, der wegen des frühen Todes seiner Mutter im Clinch mit seinem Nazivater liegt, privat in einige Nöte. Soll er seine langjährige Vermieterin, deren Kinder ihn als Vaterersatz akzeptiert haben, heiraten. Was ist mit der jungen Amerikanerin Louise, die er im Zuge der Ermittlungen kennenlernt und die sich als Teil einer linken Kommune entpuppt? Das alles findet vor dem Hintergrund der sich gegen Ende der Jahres 1968 vollziehenden Spaltung der Studentenbewegung ab. Nach dem Attentat auf Rudi Dutschke ist die Empörung groß und einige Agitatoren versuchten, diese für ihre Ziele, die endgültige Radikalisierung der Studenten, auszunutzen. Tatsächlich markierte die im Roman beschriebene Schlacht am Tegeler Forst den Auftakt zur Gewalt, dem mit der Gründung der RAF eine ungleich folgenschwerere Entwicklung folgte, die aber zugleich viele Sympathisanten verschreckte und damit dem Zerfall des SDS Vorschub leistete.

    Erschreckend, aber nicht neu ist die Erkenntnis aus einem Dialog im Vorfeld der Schlacht, der eigentlich nur am Rande des Romans eine Rolle spielt. Eine Linksextreme gibt darin Louise gegenüber antisemitische Vorurteile preis. Dass dies keine Erfindung der drei Autoren ist, zeigt der Verlauf der tatsächlichen Geschichte, zahlreiche RAF-Aktivisten ließen sich von der PLO schulen, und vielleicht ist vor diesem Hintergurnd auch der Weg des realen Mahler nicht mehr ganz so überraschend. Aber dennoch bleibt die Frage, wie war es möglich, dass aus der berechtigten Empörung über die Sünden der Naziväter und die Tatsache, dass viele davon in der Bundesrepublik und West-Berlin in Amt und Würden kamen, damit vereinbar.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 24. Apr 2019 

    Zeitgeschichtlich interessanter Kriminalroman

    Eine Frauenleiche wird am Wannsee im Strandbad angetrieben. Unzählige Messerstiche die Todesursache. Der junge Kommissar Wolf Heller wird mit den Ermittlungen beauftragt.
    Es ist das Berlin Ende der 1960er Jahre. Die Schüsse auf Benno Ohnesorg, das Attentat auf Rudi Dutschke, Studentendemonstrationen haben die Stadt und vor allem die Berliner Polizei in Mitleidenschaft gezogen. Als sich herausstellt, dass die tote Frau Kanzleigehilfin bei Horst Mahler war, erkennt Heller bald, dass es sich nicht um eine eventuelle Beziehungstat handelt, sondern um einen höchst brisanten politischen Fall.
    Wolf Heller, der eigentlich unpolitisch sein will, ist eine höchst interessantere Figur. Er will integer, unbestechlich handeln, will sich von der Nazi Vergangenheit seines Vaters sowie der seines Vorgesetzten distanzieren. Er verspürt Sympathie und ein gewisses Verständnis für die links revoltierenden Studenten, ist zerrissen zwischen Pflichtbewusstsein, Gewissen und Ideologie.
    Der Leser hat Wolf Heller gegenüber einen Wissensvorsprung, weiß von Anfang an um die Umstände der Ermordung der jungen Frau. Wie Wolf Heller sich nach und nach an die Lösung des Falles herantastet, bleibt trotzdem spannend.
    Die Tote im Wannsee, geschrieben von dem Autoren Trio Lutz, Wilhelm und Kellerhoff, kann durchaus als zeitgeschichtliche Unterrichtsstunde verpackt in einen tadellos umgesetzten Kriminalroman angesehen werden!