Die Tote in der Sommerfrische: Ein Seebad-Krimi

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Tote in der Sommerfrische: Ein Seebad-Krimi' von Dix, Elsa
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Tote in der Sommerfrische: Ein Seebad-Krimi"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:416
Verlag:
EAN:9783442490349

Rezensionen zu "Die Tote in der Sommerfrische: Ein Seebad-Krimi"

  1. schöner historischer Krimi

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 24. Jul 2020 

    Viktoria Berg kommt aus gutem Hause, ihr Vater ist Staatsanwalt. Trotzdem hat sie sich bei ihrem Vater durchgesetzt und wird Lehrerin werden. Bevor sie ihre erste Stelle antritt geht sie noch in die Sommerfrische nach Norderney. Christian Hinrich ist Journalist und soll für eine Damenzeitschrift einen Artikel über die Sommerfrische auf Norderney schreiben. Eines Abends findet er eine Tote am Strand und Viktoria erkennt diese als ihre Jugendfreundin Henny. Die Polizei geht von einem Selbstmord aus, doch Viktoria und Christan glauben da nicht dran. So machen sie sich gemeinsam auf Spurensuche und geraten zwischen die gesellschaftlichen Fronten.

    Das Buch schildert vor allem die gesellschaftlichen Verhältnisse im Kaiserreich kurz vor dem ersten Weltkrieg. Die Hierarchien sind ganz klar geregelt, der Adel hält sich für etwas besonders und schaut auf alle herab. Die zu Geld gekommenen Industriellen, halten den Adel für überflüssig und jeden, der nicht entsprechend Geld verdient für nicht ebenbürtig. Der Mittelstand grenzt sich wiederum von den Arbeitern ab und auch diese hegen und pflegen ihre Vorurteile. Manchmal ist mir die Borniertheit der entsprechenden Vertreter in diesem Buch gewaltig auf den Keks gegangen.

    Allerdings war mir auch immer bewusst, dass es tatsächlich genau so war und auch die Behandlung der Frau war damals ja noch sehr heftig. So muss sich Viktoria zwischen einer beruflichen Laufbahn als Lehrerin und einer Heirat entscheiden. Wobei sie sich für die Entscheidung zu arbeiten massiv rechtfertigen muss.

    Der Kriminalfall entwickelt sich tatsächlich als ziemlich verwickelt und die Auflösung ist doch recht überraschend.

    Das Buch ließ sich sehr gut lesen, man hatte das Geschehen direkt vor Augen. Durch den Wechsel der Perspektive zwischen Viktoria und Christian bekommt der Leser einen guten Einblick in das Innenleben der beiden und kann ihre Zweifel und Unsicherheiten gut nachvollziehen. Außerdem entstehen so immer wieder kleine Brüche, die den Leser dazu bringen, weiterlesen zu wollen, um zu erfahren, wie es weitergeht.

    Das Buch ist der Auftakt einer Reihe. Ich bin gespannt, wie Viktoria und Christian sich wiedersehen und wie sich die Beziehung der beiden zueinander weiter entwickelt.

    Von mir daher eine Leseempfehlung für diesen schönen historischen Krimi.

  1. Sommerfrische auf Norderney

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Mai 2020 

    Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts ist Norderney ein mondänes Seebad. Dort trifft sich der Adel, wohlhabendes Bürgertum und Industrielle zur Sommerfrische. Auch Viktoria Berg genießt dort einen Urlaub, bevor sie eine Stelle als Lehrerin antritt. Sie hat sich erfolgreich einer Verheiratung widersetzt und möchte ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben führen. Bei einem Spaziergang am Strand beobachtet sie, wie ein junger Mann eine Tote aus dem Wasser birgt. Sie kannte die junge Frau, deren Mutter im Dienst ihrer Eltern stand. Christian Hinrichs, ein junger Journalist, weist Viktoria auf eine Verletzung an der Schläfe der jungen Frau hin. Doch die Polizei will davon nichts wissen. Ein Dienstmädchen, das ins Wasser geht – die gibt es nur eine Schlussfolgerung. Außerdem sollen die wohlhabenden Sommerfrischler nicht unnötig belästig werden.

    So beginnen Christian und Viktoria mit eigenen Nachforschungen, die bald einiges an Ungereimtheiten zu Tage fördert und beider näher, aber auch in Gefahr bringt.

    Seebad und Sommerfrische – bei diesen Worten hat man sofort Bilder im Kopf. Elegante Damen, die mit Sonnenschirm und in Begleitung von Herren in leichten Sommeranzügen und Strohhut auf der Promenade flanieren, Badekarren und Strandkörbe im Sonnenschein und leichter Brise. In dieser heiteren Atmosphäre hat Elsa Dix ihren historischen Kriminalroman angesiedelt und ihr gelingt es spielend, dieses Flair einzufangen.

    Ihre Figuren sind plastisch und farbig gezeichnet, ob schnöseliger Adliger oder einflussreicher Industrieller, sie wirken absolut lebendig auf mich. Das Augenmerk liegt natürlich auf Christian und Viktoria, die beide ein wenig am Rand dieser Gesellschaft stehen. Christian, der sich aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet hat und Viktoria, die ganz bewusst einen anderen Lebensweg geplant hat. Bei ihnen verspürt man ein gewisses Prickeln, aber die gesellschaftlichen Hürden sind hoch.

    Da von einem „ersten Fall“ die Rede ist, bin ich neugierig, wie sich das Verhältnis der Beiden in diesem Spannungsfeld entwickeln wird.

    Die Autorin hat sich einen sehr spannenden Handlungsablauf ausgedacht, der den Leser lange im Unklaren über Motiv und Möglichkeiten lässt. Aber allmählich schält sich ein Verdacht heraus und die Art, wie Christian und Viktoria zu ihren Erkenntnissen kommen, lässt mich auch manchmal schmunzeln. Ganz besonders den Mut und die Tatkraft von Viktoria gefällt mir.

    In diesen Krimi ist viel historisches Wissen um die Frühzeit des Badetourismus eingeflossen, ebenso wie um die gesellschaftlichen Normen dieser Zeit. Mir gefällt es gut, wenn ein kenntnisreicher Hintergrund mit einer angenehmen und locker zu lesenden Sprache vereint wird.

    Ein wirklich spannender und unterhaltsamer Krimi, der mich schon neugierig auf eine eventuelle Fortsetzung macht.