Die Topeka Schule: Roman

Rezensionen zu "Die Topeka Schule: Roman"

  1. Der verbindende rote Faden fehlt und macht dieses Buch für mich

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 20. Sep 2020 

    Der verbindende rote Faden fehlt und macht dieses Buch für mich zu einem Fehlgriff!

    Dieses Buch hat mich enttäuscht! Nachdem ich von der Leseprobe regelrecht begeistert war, erlosch diese Begeisterung bei der Lektüre des Romans leider recht schnell. Dieses Buch ist eine Familiengeschichte aus dem mittleren Westen der USA und eingebettet in diese Familiengeschichte ist eine Gesellschaftskritik. Eigentlich klingt das so richtig nach meinem Geschmack. Thematisch definitiv. Aber der Autor schafft es über seine Schreibe mir dieses Buch richtig zu vergällen. Diese Schreibe wirkt recht anspruchsvoll, die Sprache ist abgehoben, dabei wirkt diese Geschichte distanziert und kühl, meist schaffen es die Figuren nicht mich zu erreichen, ich langweile mich und suche nach dem Zusammenhang, der sich erst nach und nach aus dem Nebel herausschält. Irgendwie wirkt es, als würde der Autor vielleicht zu viel wollen und verzettelt sich darüber, zumindest ist dies meine Deutung. Das Erzählte ist oft zusammenhanglos, wirr, aneinander gestückelt, inhaltlich auseinandergerissen, der verbindende rote Faden fehlt oft. Irgendwie hätte dieses Buch für meine Begriffe überarbeitet werden müssen, insgesamt stimmiger gemacht werden müssen. Denn thematisch ist es ein wichtiges Buch, ein richtiges Buch, nur in dieser Gestalt ist es kein Buch für mich. Die Struktur in dieser Familie ist interessant und problembehaftet und die Verbindungen, die vom Autor gezogen werden, sind definitiv interessant. Aber die Gestaltung des Buches ist dies definitiv nicht! Ich habe mich durch dieses Buch durchgequält und das ist keine gute Lektüre!

  1. Aufschlussreiches Sittenbild der heutigen USA

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Aug 2020 

    MEINE MEINUNG
    «Die Topeka Schule» ist bereits der dritte Roman des US-amerikanischen Schriftstellers Ben Lerner, der eigentlich Lyriker ist und mit seinen Romanen inzwischen zum international gefeierten Shooting Star der amerikanischen Literaturszene avancierte. Es ist ein mitreißender, ungeheuer vielschichtiger und anspruchsvoller Roman, der mich mit seiner Mischung aus faszinierender Coming of Age-Geschichte um den hochbegabten Protagonisten Adam, seiner komplexen Familiengeschichte und der bedrückenden Geschichte um den „verlorenen Jungen“ Darren, die schließlich in einer fatalen Tragödie mündet, sehr fesseln konnte.
    Feinfühlig, sehr eindringlich und stets äußerst sprachgewaltig erzählt Ben Lerner in seinem Roman die Geschichte einer Intellektuellen-Familie aus Topeka, einer Stadt in Kansas im Mittleren Westen, um die Jahrtausendwende und ihrem recht labilen Zusammenhalt. Die Handlung wird uns nicht-chronologisch in einem abwechslungsreichen, multiperspektivischen Erzählstil präsentiert. So wird Adams Erzählstrang aus der dritten Person erzählt, während wir die Handlung aus der Sicht von Adams Therapeuten-Eltern jeweils in der Ich-Perspektive erleben, die uns Leser zudem oftmals direkt ansprechen – der erfolgreichen feministischen Autorin Jane, die den Missbrauch durch ihren Vater aufzuarbeiten versucht und Adams einfühlsamen Vater Jonathan, der seine Ehe mit einer Affäre verrät. Eingeschoben ist zudem eine weitere als kursiv gedruckte, Transkript-ähnliche Sicht, die sich in verschiedenen Episoden der traurigen Geschichte von Adams Schulkameraden Darren widmet, einem Patienten von Adams Vater und von seinen Mitschülern gemobbten Außenseiter mit kognitiven Defiziten. Der permanente Wechsel zwischen den Perspektiven, eingestreute Andeutungen und implizierte Vorahnungen erzeugen beim Leser ein ungutes Gefühl und steigern die Spannung ungemein. Aus den vielen erzählten Episoden ergibt sich schließlich ein interessantes, aufwühlender und nachdenklich stimmendes Gesamtbild.
    Lerner lässt uns im Laufe der oftmals mäandrierenden Handlung an familiären Dramen, Missverständnissen, Konflikten, inneren Kämpfen, fehlender Kommunikation und Versöhnungsversuchen teilhaben. Hervorragend sind Lerner seine unterschiedlichen Charaktere gelungen, die sehr vielschichtig, lebendig und mit nuancierten Persönlichkeiten ausgearbeitet sind. Mit außerordentlich gutem, psychologischem Feingespür enthüllt er menschliche Sehnsüchte, Wunschdenken, folgenschwere Fehlurteile und allzu menschliche Irrtümer und zeigt uns letztlich die Komplexität des Lebens auf.
    Doch wirft er in seinem Roman auch einen hochinteressanten, äußerst scharfsichtigen und kritischen Blick auf die US-amerikanische Gesellschaft.
    Die unglaubliche Vielzahl der im Laufe der Handlung angeschnittenen Themen ist nahezu erschlagend und regt sehr zum Nachdenken an, ist aber mit oftmals sehr US-amerikanischen Bezügen und Anspielungen nicht immer verständlich. Die Bandbreite reicht von genial orchestriert bis hin zu ausufernd nebulös und so habe ich mir in einigen Fällen gewünscht, dass er seine tiefgründigen Einlassungen mehr auf den Punkt hätte bringen können.
    Geschickt beleuchtet er komplexe Themenfelder vom Feminismus über fundamentalistische, homophobe religiöse Eiferer wie die Phelps bis hin zu fragwürdigen Männlichkeitsritualen, toxischer Maskulinität, weißem Elitebewusstsein oder den Wurzeln der Wut des sich abgehängt fühlenden weißen Manns. In den Mittelpunkt rückt Lerner aber immer wieder die Auseinandersetzung mit der Macht der Sprache, ihrer Umfunktionierung und der Problematik zunehmender manipulativer „Phrasendrescherei“ und Verwendung leerer Worthülsen in Politik und Gesellschaft.

    FAZIT
    Ein vielschichtiger und beeindruckender Roman, der allerdings nicht leicht zu lesen ist. Sprachgewaltig und anspruchsvoll geschrieben, verwirrend, nachdenklich stimmend und aufwühlend!