Die tödliche Tugend der Madame Blandel: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die tödliche Tugend der Madame Blandel: Roman' von Marie Pellissier
4
4 von 5 (3 Bewertungen)

Gardienne Lucie: Ordnung geht über Leichen


Paris, Place des Vosges: Seit über vierzig Jahren wacht die Gardienne Lucie über das Wohl des Hauses und seiner Bewohner. Nur die kaltherzige Vanessa Blandel macht ihr das Leben schwer. Als eines Tages Vanessas Leiche aus der Seine geborgen wird, glaubt Lucie einen großen Fehler begangen zu haben. Denn in ihrer wohlgemeinten Ordnungswut hat sie in der Beletage der Blandels wichtige Spuren verwischt. Sie muss unbedingt vor der Polizei herausfinden, wer Vanessa auf dem Gewissen hat! Mitten im August liefert sich Lucie mit dem ermittelnden Kommissar Legrand ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen, das sie tief ins Herz der Seine-Metropole führt …


Format:Kindle Edition
Seiten:336
Verlag: Diana Verlag
EAN:

Rezensionen zu "Die tödliche Tugend der Madame Blandel: Roman"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 03. Jul 2015 

    Paris liegt an der Seine

    In einem vornehmen Pariser Stadthaus arbeitet Lucie als Hausmeisterin. Nach Jahrzehnten auf diesem verantwortungsvollen Posten wird ihr die Tätigkeit allmählich etwas beschwerlich. Natürlich gibt Lucie das nicht zu und ist immer eifrig bei der Sache und mitunter erweist sie den Bewohnern noch kleine Zusatzdienste wie das Bügeln der Wäsche. Und eben diese will sie der herrischen Vanessa Blandel eines Tages zurückbringen. Mühsam klettert Lucie die Treppe hoch nur um in der Wohnung Blandel niemanden anzutreffen. Soll sie nun alles wieder nach unten schleppen? Wozu hat sie einen Schlüssel? Sie wird die Sachen nur eben abstellen. Doch als Lucie die Wohnung betritt bemerkt sie, dass es dort sehr unordentlich ist und Lucie kann nicht anders, sie beginnt aufzuräumen.

    Die herzensgute aber doch etwas neugierige Hausmeisterin Lucie, die sich nicht scheut, sich in die Belange der Bewohner einzumischen, wenn sie meint, es sei zu deren bestem, gerät hier in einen Kriminalfall. Das hätte sie sich nie träumen lassen, doch Vanessa Blandel ist nicht nur verschwunden, sondern auch tot. Lucie sorgt sich sehr, sie könnte mit ihrer Aufräumaktion ein wenig über das Ziel hinaus geschossen sein. Was, wenn sie damit gleich auch wichtige Spuren beseitigt hat. Um den Fehler auszubügeln, fängt Lucie selbst an, in Vanessa Blandels Leben herum zu stochern.

    Zwar erscheinen der tumbe Kommissar Legrand und die gewitzte Hausmeisterin etwas stereotyp in ihrer Gegensätzlichkeit, dennoch versteht es die Autorin ihre Leser mit einem unterhaltsamen Krimi zu erfreuen. Ein lockeres in die Irre führen wechselt sich mit versteckten Hinweisen auf eine Weise, die peu a peu zum Täter führt. Geschickt spielt die Marie Pellissier mit der Rätselbereitschaft ihrer Leser und ist ihm doch immer einen Schritt voraus. Gerne kann man mitfiebern, ob Lucie zu einer Lösung dieses Falles kommt. Nein, Lucie gehört noch nicht zum alten Eisen, ein Rentnerdasein am Stadtrand ist wirklich nichts für sie. Ein schöner Ausflug nach Paris.

    3,5 Sterne

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 31. Jan 2015 

    Miss Marple auf Französisch...

    Seit mehr als vierzig Jahren sorgt Lucie in der Place des Vosges Nr. 3, Paris, als Hausmeisterin für Ordnung, verteilt Post, Pflaster und gute Ratschläge. Die Bewohner schätzen und lieben ihre Gardienne. Einzig Vanessa Blandel, die erst vor Kurzem die Wohnung ihrer Schwiegermutter übernommen hat, macht ihr das Leben schwer. Eines Tages entdeckt Lucie mit Entsetzen, dass das Schlafzimmer unordentlich hinterlassen wurde - und dabei ist Vanessas Ehemann auf Geschäftsreise, das weiß sie ganz genau! Lucie macht sich sofort daran, alle Spuren des Ehebruchs zu beseitigen. Kurz darauf wird Vanessa tot aus der Seine geborgen.
    Lucie ahnt, dass sie in ihrer Ordnungsliebe diesmal zu weit gegangen ist. Wahrscheinlich hat sie wertvolle Spuren vernichtet, und die Polizei wird sie verdächtigen! Da steht auch schon Kommissar Legrand in der Tür und will von der Gardienne alles über die Blandels wissen. Ein ums andere Mal muss Lucie den Kommissar auf eine falsche Fährte locken, um mit ihren eigenen Nachforschungen dem Mörder nahe zu kommen - gefährlich nahe...

    "So wie er war konnte sie den Raum auf keinen Fall lassen, auch wenn die Szenerie im Dämmerlich schon weniger hässlich wirkte. Lucie musste Ordnung schaffen! Bestimmt würde die äußere Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes eine heilsame Wirkung auf das Innenleben der Eheleute haben..." (S. 20)

    Lucie ist die gute Seele des Hauses und nimmt ihre Aufgaben als Gardienne seit über vierzig Jahren sehr ernst. Neben den eigentlichen Pflichten erledigt sie immer wieder auch kleine Gefälligkeiten und macht sich damit auf liebenswerte Art nahezu unentbehrlich. Auch Vanessa Blandel nutzt die Dienstleistungen Lucies, doch zeigt sie sich ihr gegenüber anders als die anderen Mieter des Hauses immer wieder kritisch und undankbar. Dennoch bemüht sich Lucie unverdrossen weiterhin um einen positiven Kontakt, weshalb es ihr fast als selbstverständlich erscheint, die eindeutigen Spuren im Schlafzimmer zu vernichten, um den Ehefrieden der Blandels nicht zu gefährden.
    Doch hat sie sich nicht träumen lassen, welche Auswirkungen ihr Ordnungsssinn und Harmoniebedürfnis haben würde. Als Vanessa tot aus der Seine gefischt wird, hat Lucie große Sorge, durch die Vernichtung möglicher Beweise selbst ins Visier der polizeilichen Ermittlungen zu geraten. Da bleibt ihr kaum etwas anderes übrig, als sich selbst auf die Jagd nach dem Mörder zu begeben. Ein Unterfangen, das ihr ganzes bisheriges Leben auf den Kopf stellt....

    Lucie ist eigentlich in einem Alter, in dem sie sich mit ihrem Ehemann Antonio in den wohlverdienten Ruhestand begeben könnte. Doch sie denkt gar nicht daran - schließlich ist das Pariser Haus nicht nur ihr Arbeitsplatz, sondern ihr Zuhause seit über vierzig Jahren. Allerdings bringen die Ermittlungen in dem Mordfall und die neuen Erkenntnisse über Menschen, die sie zu kennen glaubte, nun alles durcheinander, und zuweilen taucht in Lucie doch der Gedanke auf, ob sie dem allen wirklich noch gewachsen ist.
    Eine liebenswürdige Ermittlerin à la Miss Marple begegnet dem Leser in diesem Krimi, und natürlich darf hier auch nicht das Pendent des eher trotteligen Polizisten fehlen, dem die auf eigene Faust forschende Lucie haushoch überlegen ist. Manchmal etwas überzogen die Rolle des im Dunkeln tappenden und stets die falschen Schlüsse ziehenden Polizisten, besticht der Krimi dennoch durch seine warmherzige Art. Das Pariser Flair, das einen hier auf Schritt und Tritt begleitet, trägt ein Übriges zur Wohlfühlatmosphäre bei, und ein flüssiger Schreibstil sorgt überdies für unterhaltsame Lesestunden...

    Ein warmherziger Krimi mit Pariser Flair, unterhaltsam und intelligent - richtig schön für einen sonnigen Nachmittag auf dem Sofa...

    © Parden

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 05. Jun 2014 

    Tolles Pariser Flair

    Lucie lebt seit vielen Jahren am Place des Vosges Nr. 3 in Paris und wacht dort als Gardienne über die Bewohner des Hauses und kümmert sich liebevoll um sie. Besonders Justinien ist sie liebevoll zugetan, hat sie ihn doch schon als Kind betreut und mag seine Mutter Georgette sehr gerne. Darum denkt sie auch nicht lange darüber nach als sie seine Wohnung in schlimmem Zustand vorfindet und räumt kurzerhand auf. Was sich als großer Fehler erweist. Denn Justiniens Frau Vanessa wurde ermordet und Lucie hat aus versehen die Spuren beseitigt. Weil sie große Angst hat von der Polizei wegen Behinderung der Ermittlungen verhaftet zu werden, setzt sie alles daran um diesen Fall aufzuklären und gerät plötzlich selbst in Gefahr....

    Ich hatte großes Glück dieses Buch in einer Leserunde bei Lovelybooks lesen zu dürfen, denn ich weiß nicht, ob ich es sonst entdeckt hätte. Mir wäre ein wunderschönes Buch entgangen. "Die tödliche Tugend der Madame Blandel ist eher ein leiser Krimi, der mit zarten Tönen daher kommt und den Leser mit wunderschönen Beschreibungen von Paris betört und mit seinem französischem Flair begeistert. Es gibt auch einen spannenden Kriminalfall, der aber ganz ohne Brutalität auskommt.

    Die Charaktere des Buches sind wundervoll. Besonders sticht die Gardienne Lucie heraus. Eine warmherzige Frau, die immer für die Bewohner des Hauses zur Stelle ist und viel mehr tut als sie eigentlich müsste. Sie ist Ansprechpartnerin, Seelentrösterin und einfach die gute Seele des Hauses.
    Und dann gibt es da noch Kommissar Legrand, der vorübergehend nach Paris versetzt wurde und in diesem Mordfall ermitteln soll. Er ist, ja wie soll ich das nett ausdrücken? Er ist ein Idiot, eine Nervensäge, ein Versager? Frauenfeindlich und sexistisch? Ja das passt alles, wird ihm aber dennoch nicht gerecht. Ich habe mich jedenfalls köstlich über ihn amüsiert. Er belebt die Geschichte ungemein, auch wenn man über ihn immer nur den Kopf schütteln kann. Man muss das Buch einfach lesen um das zu verstehen. Die anderen Figuren sind genauso toll gezeichnet.

    Der Schreibstil ist wunderbar bildhaft und ich hatte oft das Gefühl mit Lucie durch die Straßen von Paris zu laufen oder mit ihr gemeinsam die Schönheit des Hauses zu bewundern, das sie so sehr liebt und in dem sie schon so lange lebt. Ich flog geradezu durch die Seiten und wurde des öfteren auf eine falsche Spur gebracht. Wie konnte ich mich im Mörder nur so irren? Das passiert mir wirklich nicht oft. Jetzt wo ich das Buch beendet habe, bin ich sehr traurig darüber und hoffe, dass es bald eine weitere Geschichte um Lucie und die Bewohner des Hauses geben wird.

    Da für mich alles zusammen genommen den perfekten Krimi ergibt vergebe ich für "Die tödliche Tugend der Madame Blandel" 5 von 5 Punkten, den Favoritenstatus und eine Leseempfehlung an alle, die sich gerne durch wunderschöne Beschreibungen verzaubern lassen. Ich würde das Buch am Liebsten gleich noch einmal lesen.

    © Beate Senft