Die Tankstelle am Ende des Dorfs: Roman (insel taschenbuch)

Rezensionen zu "Die Tankstelle am Ende des Dorfs: Roman (insel taschenbuch)"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 16. Nov 2019 

    Eine elegante Mischung aus Humor und Melancholie

    „Fyksens Tankstelle“ war 2006 Lars Myttings Debüt und ließ damals schon erahnen, dass es sich lohnt, den Mann im Auge zu behalten. Mit diesem Buch bringt der Suhrkamp Verlag Myttings Debüt neu heraus, um uns die Wartezeit bis zur Fortsetzung von „Die Glocke im See“ zu verkürzen. Schön!

    Erik Fyksen lebt für Autos. In seiner Dorftankstelle schraubt und bastelt er den ganzen Tag. Man verlässt sich auf ihn. Erik hält auch noch die ältesten Autos am Leben.

    Die Tankstelle hat damals Elise liebevoll im 60er Jahre Stil gestylt. Alles erinnert ihn an sie.

    Mit dem Bau der neuen Straße würde Eriks Tankstelle ins Abseits gestellt werden. Was soll er tun?

    Mit sehr feinem Humor erzählt Lars Mytting von Eriks Dilemma, der, genau wie seine Tankstelle, in der Vergangenheit verhaftet ist, seiner Verflossenen nachtrauert und sich in Arbeit vergräbt. Und er erzählt auch vom Dorfleben, wo sich alles eingespielt hat, eine Hand die andere wäscht und man durchaus für eine Autoreparatur eine Zahnbehandlung bekommt. Wo aber auch Missverständnisse Familienfehden auslösen können und aus Streit ein Krieg werden kann.

    Dieses Buch ist witzig aber auch anrührend, eine elegante Mischung aus Humor und Melancholie, erzählt in einer wunderbaren Sprache.

    Viele Formulierungen sind einfach genial. „Doch während die Erinnerungen an den Wundrändern eintrockneten…“ Das ist knapp, originell und wirklich treffend.

    Grundsätzlich ist hier vieles zwiespältig und zum Scheitern verurteilt. Es ist z.B. klar, dass eine Tante-Emma-Tankstelle nicht mit großen Konzernen konkurrieren kann. So häufen sich zum Ende hin auch die Tragödien. Ein Wandel wird angedeutet oder auch nicht, da bleibt alles etwas schwammig. Bei den vielen hier angelegten Problemen scheute sich der Autor wohl letztendlich, Farbe zu bekennen, um kitschfrei aus der Sache herauszukommen. Das fand ich ein klein wenig schade, ist das Buch doch sonst wirklich gelungen.

    Ein feines Buch, klug und anrührend, witzig und mitreißend, das fast nach Maschinenöl riecht und macht, dass wir diesen Duft mögen.