Die Tage mit Bumerang: Roman

Rezensionen zu "Die Tage mit Bumerang: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Jul 2019 

    Davor und Danach

    Es gibt in Annus Leben ein Davor und ein Danach. Das Davor war eine etwas eigenbrötlerische Existenz als Übersetzerin. Sie lebt im allein im Elternhaus, seit Mutter und Vater viel zu früh starben. Das Dorf ist klein, eine überschaubare Welt, wo auch schon die Eltern die zugezogenen Außenseiter waren.

    Das Danach wird durch einen tragischen Unfall markiert, denn Annu verursacht hat. Daran zerbricht sie fast. Sie wird vorverurteilt, im Dorf gemieden und auch Lars und Birte, ihre besten Freunde sprechen nicht mehr mit ihr. Sie kapselt sich ab, beginnt mit dem Spiegel und den alltäglichen Gegenständen zu reden. Doch dann steht eines Tages ein Schaf in ihrem verwilderten Garten. Es lässt sich nicht vertreiben, hat das Grundstück zur neuen Heimat auserkoren und Annu beginnt sich um ihren Bumerang zu kümmern.

    Der nicht sehr umfangreiche Roman hat mir gut gefallen. Es ist eine leicht, aber nie seichte Geschichte. Dafür sorgen die sympathischen Einsprengsel mit Lars, der sich einen Kampf gegen Anglizismen auf die Fahne geschrieben hat und einige sehr witzige Wortschöpfungen parat hat. Oder auch Annus reicher Schatz an finnischen Sprichwörtern. Das ist eine sehr warmherzige, fast etwas märchenhaft-versponnene Geschichte. Sie hat mich gleich angesprochen und ein tiefe Empathie für Annu hervorgerufen. Annu hat durch ihren Vater finnische Wurzeln und vielleicht macht das auch den Hang zur Schwermütigkeit aus.

    Wie sie in ihrem Kummer gefangen ist, war sehr mitfühlend und anrührend erzählt, dabei aber nie schwer oder zu melancholisch. Ganz im Gegenteil, gerade das zugelaufene Schaf Bumerang ist für heitere Szenen gut. Dazu entwickelt sich eine Beziehung zum Rettungssanitäter, der damals die Erstversorgung machte und immer wieder einmal nach Annu sieht. Instinktiv scheint er zu wissen, wann Zuspruch oder Ansporn nötig ist.

    So wandelt sich das dunkle Danach allmählich in einen hellen Neuanfang.