Die Straße

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Straße' von Cormac McCarthy
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Straße"

Ein Mann und ein Kind schleppen sich durch ein verbranntes Amerika. Nichts bewegt sich in der zerstörten Landschaft, nur die Asche schwebt im Wind. Es ist eiskalt, der Schnee schimmert grau. Sie haben kaum etwas bei sich: ihre Kleider am Leib, einen Einkaufswagen mit der nötigsten Habe und einen Revolver mit zwei Schuss Munition. Ihr Ziel ist die Küste, obwohl sie nicht wissen, was sie dort erwartet. Die Geschichte der beiden ist eine düstere Parabel auf das Leben, und sie erzählt von der herzzerreißenden Liebe eines Vaters zu seinem Sohn.

Format:Taschenbuch
Seiten:256
EAN:9783499246005

Rezensionen zu "Die Straße"

  1. In Würde die Apokalypse erleben

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Feb 2020 

    Cormac McCarthy ist ein amerikanischer Schriftsteller, dessen bekannteste Werke wohl „No Country for old men“ sind, ein Roman, der von den Coen Brüdern erfolgreich verfilmt wurde, sowie der hier zu rezensierende Roman „Die Straße“ (The road), der 2007 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet wurde. Es ist ein vergleichsweise schmaler Roman, der gleichwohl den Leser in die Tiefen der menschlichen Existenz hineinführt und eindrucksvolle Bilder im Kopf erzeugen kann. Und das, obwohl er fast durchgängig in einer nur in Grautönen gezeichneten Landschaft eines postapokalyptischen Amerikas spielt. Was ist dort passiert? Der Leser erfährt es nicht, ist nur – wie die Romanhelden – konfrontiert mit einer abgestorbenen, von Asche überzogenen Welt mit nur wenigen verbliebenen Lebenszeichen und einer endlos erscheinenden Düsternis.
    Durch diese Welt ziehen ein Vater und sein kleiner Sohn, immer an einer Straße in grobe Richtung Süden orientiert, auf der Suche nach dem Meer und einem Ausweg aus der sie umgebenden Kälte. Der Vater hat eine Erinnerung an sein Leben vor der Apokalypse, Frau, Kind, Heim. Dem Jungen allerdings fehlt dieser Anker zu einem anderen, besseren Leben vollkommen. Das einzige, was er zu kennen scheint, ist die graue, düstere Welt, durch die er heimat- und obdachlos mit seinem Vater zieht, immer in Angst vor den Bösen und in Hoffnung auf ein Antreffen von Guten. Die beiden sind angewiesen auf das Auffinden von Resten der Zivilisation – Kleidung, Nahrung, Feuerungsmittel – um ihr Überleben sichern zu können. Doch die Suche führt sie immer wieder an Orte, an denen auch die Gefahr auf andere, potentiell Böse, zu treffen, besonders groß ist. Mit einer Waffe und zwei, später einem Schuss Munition ausgestattet, existiert permanent die Option, diese Suche auf Kosten des Lebens einer der wenigen verbliebenen Menschen zu führen. Hier befindet sich für die beiden die Grenze hin zum Bösen, die sie aber nie überschreiten. Warnende und davor sichernde Instanz dafür ist der kleine Junge, der mit großer Herzenswärme und Güte seinen Vater und sich durch diese grausame Landschaft führt, er ist die große moralische und ethische Instanz, der Wahrer der Würde des Menschen. Er zeigt damit eine menschliche Größe, die diesen düsteren Roman letztlich doch strahlen lässt und Hoffnung gibt. Und das, obwohl er nie in einer Welt leben durfte, in der diese Moralvorstellungen wirklich gesellschaftsbildend sein konnten.
    Der Vater ist diesem Sohn ein würdiger Begleiter, oftmals etwas realistischer in seinen Einschätzungen ihrer Möglichkeiten und Optionen, aber erfüllt von unbändiger Liebe zu seinem Sohn und einem riesigen Verantwortungsgefühl für ihn. Gefangen in den Dilemmata, in die ihn die Situation geführt hat.
    „Er konnte die Welt, die er verloren hatte, nicht zum Vergnügen des Kindes wiedererstehen lassen, ohne auch den Verlust wiedererstehen zu lassen, und vielleicht, dachte er, hatte das Kind das besser verstanden als er.“
    Die Dialoge der beiden sind kurz und knapp und sitzen dabei sprachlich so genau, dass sie den Leser oft mitten ins Herz treffen:
    „Okay.
    Okay? Einfach so?
    Auf mich hörst du doch sowieso nicht.
    Ich habe dir doch zugehört.
    Aber nicht sehr genau.“
    Am Ende stirbt der Vater und muss den Jungen in dieser grausamen Umgebung zurücklassen. Doch der Junge bleibt nicht allein und findet tatsächlich eine Gruppe von Guten, in der er das Überleben weiter versuchen kann.
    Mein Fazit:
    Düsterer als die Welt, in die wir hier geführt werden, geht wirklich nicht. Und doch habe ich das Buch mit einem warmen Gefühl der Hoffnung verlassen können. Die Würde des Menschen ist nicht nur nach unserem Grundgesetz unantastbar, sondern scheint ein Urinstinkt und ein Urbedürfnis des Menschen zu sein? Ist es wirklich so? Ich weiß nicht! Und habe durchaus meine Zweifel! Aber: wäre es nicht schön! Literarisch hat McCarthy dafür jedenfalls hier ein positives Statement gesetzt. Und ich habe es mit viel Begeisterung gelesen. 5 superdicke Sterne!