Die Stadt der besonderen Kinder: Roman

Rezensionen zu "Die Stadt der besonderen Kinder: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Mär 2015 

    Eine Reise durch die Kriegswirren...

    Nach dem Angriff auf die Zeitschleife Cairnholm haben Jacob und die besonderen Kinder sich in letzter Sekunde mit mehreren Ruderbooten aufs Festland gerettet. Auch die Headmistress Miss Peregrine konnten sie von der Insel bringen, allerdings ist diese verletzt und kann sich nicht in ihre menschliche Gestalt zurückverwandeln. Dabei könnten die Kinder ein wenig Hilfe und Anleitung gebrauchen, sind sie doch ausgerechnet im England der 1940er Jahre gelandet. Sie müssen sich also nicht nur der fortgesetzten Angriffe ihrer Verfolger erwehren, sondern sich auch durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs kämpfen.
    Schnell wird den Kindern klar, dass sie Miss Peregrine unbedingt zu einer anderen Ymbryne bringen müssen, da eine solche Magierin ihr als Einzige helfen könnte. Angeblich soll eine gewisse Miss Wren in London leben und dort eine Zufluchtstätte für besondere Kinder verteidigen. Doch ausgerechnet in London droht den Kindern die größte Gefahr...

    Ich hatte gute Momente und schlechte, hatte ängstliche Gedanken und zuversichtliche (...) Und in den panischen Momenten fühlte es sich an, als würde ich in eine Rolle gesteckt, um die ich nicht gebeten hatte. Als hätte ich mich für den Dienst an vorderster Front in einem Krieg melden müssen, dessen Ausmaß wir noch gar nicht abschätzen konnten. (S. 53)

    Band zwei der Reihe um die besonderen Kinder steigt an genau der Stelle ein, an der Band eins endete. Das gefiel mir schon einmal, denn so fand ich nahtlos Anschluss an die Geschehnisse im ersten Band, den ich gerade erst vor kurzem gelesen habe. Für alle anderen, für die die Lektüre der ersten Folge schon länger her ist, gibt es als 'Wiedereinstigeshilfe' vor der eigentlichen Geschichte eine Bildergalerie der involvierten Personen, die aus Band eins bekannt sind. Die alten Fotos aufgereiht nebeneinander, darunter der Name und die Besonderheiten der jeweiligen Person. Eine schöne Idee, wie ich finde.

    Überhaupt: die Aufmachung. Ein derart liebevoll gestaltetes Buch ist mir tatsächlich lange nicht mehr untergekommen. Hardcover, der Inneneinband wie eine altertümliche Tapete in dunkelbraunem Muster gehalten, die Seitenzahlen in Schnörkel eingebettet - und dann: die Fotos!
    Wieder sind es die zahlreichen eingebundenen Fotos, die der Erzählung mehr Authentizität verleihen, als es die Geschichte alleine könnte. Alte Fotos, die für sich genommen interessant bis skurril sind - und wenn man Riggs Glauben schenken darf: unverfälscht - verschaffen hier in diesem Zusammenhang wieder einen Gruselfaktor, denn plötzlich könnte das Gelesene wahr sein.

    'Bin ich wirklich hier?' fragte ich sie. 'Schlaf weiter', sagte sie. 'Glaubst du, wir schaffen es?' Sie küsste mich auf die Nasenspitze. 'Schlaf weiter.' (S. 222)

    Aber die Verpackung ist ja nicht alles. In erster Linie geht es ja um das Geschriebenen - und die Düsternis von Äußerem und Innerem greift hier nahtlos ineinander. Getrieben, heimatlos, in ständiger Angst und Bedrohung irren die besonderen Kinder durch die Kriegswirren Englands und durch die Zeiten, doch nirgends können sie bleiben, kein Ort ist mehr sicher. Ihre Verfolger sind überall, die Aussichten, tatsächlich nach London zu gelangen und die letzte verbliebene Ymbryne zu finden, die Miss Peregrine noch rechtzeitig zu retten imstande wäre, schwinden mit jedem Tag.

    Auf dem Weg, in den Zeiten größter Gefahr, erhält der Leser Gelegenheit, die Charaktere näher kennenzulernen. Aus der Perspektive Jacobs erzählt, der erst seit kurzer Zeit weiß, dass auch er zu den besonderen Kindern gehört, erlebt der Leser die Aufregungen, Abenteuer, Gefahren hautnah mit und erfährt dabei von den Stärken und Schwächen der einzelnen, die sich gerade in den besonderen Zeiten deutlich herauskristallisieren.
    Die Handlung ist rasant bis ruhig, teilweise mit etwas langatmigeren Abschnitten. Insgesamt jedoch greift sie die Geschehnisse aus Band eins in weiterhin angenehmem und flüssigem Schreibstil gelungen auf und führt sie hier weiter.

    Dabei war ich gegen Ende schon fast bereit, dem Buch abgesehen von ein paar neuen Besonderheiten ein Weniger an Überraschungen zu attestieren - als eben gegen Ende genau diese eintraten. Gerade als ich schon gar nicht mehr damit rechnete. Gelungen. Und: gemein. Denn die dadurch angestoßenen neuen Entwicklungen lassen nun alle in der Luft hängen. Die besonderen Kinder, die Ymbrynes - und mich als Leser. Bleibt zu hoffen, dass bis zum Erscheinen des dritten Bandes der Reihe nicht wieder so viel Zeit vergeht!

    'Aber du kannst dich nicht jede Sekunde schlecht fühlen', wollte ich ihr sagen. 'Das Lachen macht schreckliche Dinge nicht schlimmer, genauso wenig, wie sie durchs Weinen besser werden. Es bedeutet doch nicht, dass es dir egal ist oder dass du schon vergessen hast. Es bedeutet nur, dass du menschlich bist.' (S. 360)

    Insgesamt eine gelungene Fortsetzung der Geschehnisse um die besonderen Kinder. Düster und ein wenig gruselig, gelungen untermalt durch die zahlreichen alten Fotos, entführt Band zwei der Reihe den Leser abermals in die Welt von Jacob, Emma & Co. Zwischendurch etwas langatmig, weiß der Roman insgesamt jedoch gekonnt zu unterhalten - und der böse Cliffhanger am Ende lässt Band drei herbeifiebern!

    © Parden

    Die Reihe um die 'besonderen Kinder' umfasst bisher folgende Bände:

    1. Die Insel der besonderen Kinder
    2. Die Stadt der besonderen Kinder

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 08. Mär 2015 

    Die Reise der besonderen Kinder

    Inhalt:
    Die Kinder sind von der Insel entkommen, doch nun müssen sie Hilfe für Miss P. finden, die als Vogel verwandelt wurde und nicht eigenständig zurück in ihre menschliche Gestalt kann. Das führt die Kinder von der Insel Richtung London. in der Hoffnung Hilfe zu bekommen und endlich wieder sicher zu sein, doch bis dahin ist noch ein weiter Weg

    Meine Meinung:
    Die Insel der besonderen Kinder war einer meiner Favoriten als es raus kam und da lag es nur Nahe den Nachfolger auch zu lesen. Dieser ließ nun eine Weile auf sich warten und ich hoffe das es beim nächsten Band, sollte es einen geben, nicht auch so ist. Der Titel ist angelehnt an dem vom ersten Band und ich finde er passt nicht so richtig. Die Reise der besonderen Kinder wäre für mich perfekt gewesen, denn das ist es. Eine Abenteuerreise der Kinder mit besonderen Fähigkeiten. Quer durch Großbritannien auf dem Weg nach London.

    Dabei müssen sie viele Abenteuer bestehen die dieses Buch so spannend machen. Sie werden gejagt und das nicht nur von den Wrights sondern auch von den Hollows. Die Spannung baute sich von beginn an recht schnell auf und ließ mich nicht mehr los. Immer weiter wollte ich in einem Buch lesen das wieder mit vielen alten Bildern ausgestattet ist. Bilder die das geschriebene zum Teil zeigen. Es gab auch hier und da Stellen die langatmig wurden, weswegen ich diesen Band nicht ganz so gut fand wie den Vorgänger.

    Es gibt hier nur die besonderen Kinder, ein paar besondere Tiere und ihre Verfolger. Diese Figuren kennen Leser des Vorgängers schon, weswegen ich nicht weiter darauf eingehen möchte. Das vorangegangene Buch sollte man unbedingt vorher noch lesen um auch alles zu verstehen und die Geschichte vollends genießen zu können.

    Am Ende muss ich sagen das ich auf einen Abschluss hoffte. Dieser kam jedoch nicht so dass ein dritter Band wahrscheinlich ist. Ich mag gerne weiterlesen und weiterschauen, denn in diesem Bilderbuch für Ältere entdeckt man bei jedem betrachten der Bilder wieder ein neues Detail.

    Mein Fazit: Für mich ein gelungener Zwischenband mit vielen faszinierenden Bildern und einiger Spannung. Fantasy wie sie Spaß macht

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 03. Feb 2015 

    Ein echtes Schmuckstück

    Die besonderen Kinder konnten nur mit knapper Not von ihrer Insel entkommen. Leider wurde Mrs. Peregrine verletzt, als sie Vogelgestalt angenommen hatte und kann sich jetzt nicht mehr zurückverwandeln. Darum machen sich die Kinder auf die Suche nach einer anderen Ymbryne, die ihnen helfen kann ihre Headmistress zurückzuverwandeln. Ihre Suche führt sie, nach einigen Umwegen und Erlebnissen, ins kriegsgebeutelte London. Doch dann geht plötzlich alles schief und die Kinder befinden sich in der größten Gefahr die sie sich nur vorstellen können.

    "Die Stadt der besonderen Kinder" ist der 2. Band um Jacob und seine besonderen Freunde und schließt sich nahtlos an den 1. Band "Die Insel der besonderen Kinder" an. Die Insel Cairnholm und die Zeitschleife werden überfallen und die Gruppe muss fliehen. Dann wird auch noch Miss Peregrine entführt und nur mit ganz viel Glück können die Kinder sie zurückholen. Sie haben keine Ahnung wo sie hingehen sollen und wer ihnen jetzt noch helfen könnte, denn alle Ymbryne wurden gefangen genommen und verschleppt und keiner weiß wo sie sind. Aber sie finden neue Freunde und Verbündete, die ihnen weiterhelfen, aber dann wird alles noch viel schlimmer.

    So lange mussten wir auf diesen 2. Band warten und dann endet er auch noch mit einem ganz miesen Cliffhanger. Wie soll ich denn jetzt die Zeit bis Band 3 überstehen? Als ich das Buch beendet hatte, hätte ich am liebsten gleich wieder mit Band 1 begonnen und ich weiß genau, dass es mir jetzt sehr schwer fallen wird, ein neues Buch zu beginnen, das mich genauso fesseln kann wie diese Geschichte. Es ist wie eine Sucht und der Leser giert ständig nach neuem "Stoff." Hoffentlich hat der Autor Erbarmen mit uns und lässt uns nicht wieder so lange warten.

    Die Aufmachung des Buches ist wieder ein Traum und macht es zu einem echten Schatz. Nicht nur das tolle Cover fällt ins Auge, sondern auch das braune, schön gemusterte Vorsatzpapier, das man auch bei jedem neuen Kapitel wiederfindet. Die Seitenzahlen sind eingerahmt von einer kleinen Bordüre und es gibt sehr viele alte Bilder zu entdecken, von denen nur wenige digital bearbeitet wurden. Diese Fotos sind etwas ganz besonderes und unterstreichen das Geschriebene und ergänzen es. Einfach nur wunderschön. Auch die Personengalerie am Anfang des Buches muss ich noch erwähnen, weil die Fotos wirklich toll sind. In letzter Zeit kaufe ich eher eBooks, weil ich keinen Platz mehr habe, aber diese Schmuckstücke muss man einfach als Print im Regal stehen haben.

    Wer den ersten Band gelesen hat weiß, wie bildhaft, spannend und flüssig der Schreibstil des Autors ist und wie viel Liebe er in seine besonderen Charaktere gesteckt hat. Dem Leser bleibt gar nichts anderen übrig, als sich in die Kinder zu verlieben und mit ihnen mitzufiebern und zu bangen. Sogar den mürrischen Enoch habe ich in mein Herz geschlossen. Ich versank total in dieser Geschichte und nahm nichts mehr um mich herum wahr. Dieses Buch wird auf jeden Fall wieder eines meiner Jahreshighlights werden.

    Es gibt so viele liebevolle Details, die die Charaktere so lebendig erscheinen lassen. Selbst wenn sie unsichtbar sind, so leicht sind, dass sie vom Boden abheben oder Bienen im Bauch beherbergen. Man wünscht sich die Kinder kennenzulernen und viel Zeit mit ihnen zu verbringen.

    Die Handlung ist so spannend, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte und wirklich in jeder freien Minute las. Die Gruppe gerät von einer Gefahr in die Nächste und es ist immer wieder Köpfchen gefragt um zu entkommen. Aber bevor ich euch jetzt das ganze Buch verrate, höre ich lieber auf zu schwärmen, auch wenn ich noch ewig so weitermachen könnte.

    Ich vergebe für dieses wundervolle Buch 5 von 5 Punkten, den Favoritenstatus und eine absolute Leseempfehlung für alle, die sich gerne in phantastische Welten entführen lassen. Ransom Riggs ist mit dieser Reihe etwas ganz besonderes gelungen, denn er verzaubert jung und alt damit.

    © Beate Senft