Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle: Kriminalroman

Rezensionen zu "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle: Kriminalroman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 30. Aug 2019 

    Blackheath

    Mit einem Gefühl der Desorientierung erwacht er. Irgendwie ist er Sebastian Bell, oder nicht? Auf jeden Fall wird etwas Schreckliches geschehen. Ein Schuss ertönt und eine Frau ruft um Hilfe. Ist es Anna? Bell weiß nicht wohin er sich wenden soll. Nach Osten ruft ihm jemand zu und drückt ihm einen Kompass in die Hand. Bald erreicht er Blackheath, ein düsteres und weitläufiges Herrenhaus, das sicher schon bessere Tage gesehen hat. Unbedingt will Sebastian weiteres Unheil verhindern. Aber Eigensicherung geht vor. Das schützt Bell allerdings nicht davor, einiges in Erfahrung zu bringen, was nur schwer zu ertragen ist.

    Das gab es schon, einen Tag immer wieder von vorn beginnen zu lassen. Wieso also nochmal? Eine Frage, die der Autor mit Leichtigkeit beantwortet. Er gewinnt der Idee etliche überraschende Facetten ab. Sein Protagonist, Aiden Bishop, darf oder muss den Tag wieder und wieder erleben, indem sein Geist in verschiedene Körper schlüpft. Aus den Sichtweisen und auch mit den Erfahrungen und Gedanken verschiedener Wirte erfährt er, um welches Ereignis es hier geht und auch was seine Aufgabe ist. Er ist freiwillig nach Blackheath gekommen, doch nun schafft er es nicht mehr, den Ort zu verlassen, es sei denn er löst das Rätsel.

    Es bietet sich gewiss an, dieses Buch mehrfach zu lesen. Einmal recht zügig, weil man einfach umkommt vor Spannung, was der Autor für seinen Protagonisten in petto hat. So ungewiss ist der Ausgang der Sache, so groß der Zweifel. Ist das Rätsel erstmal gelöst, könnte es heißen, noch einmal zum Genießen. Erst dann kann man wahrscheinlich die Feinheiten wahrnehmen, die der Autor in seiner Geschichte versteckt hat, alle Verschachtelungen entschlüsseln, jeden kleinen Hinweis entdecken. Schon beim ersten Lesen fragt man sich, wie es der Autor geschafft hat, die zahlreichen Fäden in der Hand zu behalten. Einzig die Rahmenhandlung wird eher kurz gestreift, die sieben Tode der Evelyn Hardcastle werden von allen Seiten beleuchtet, auf eine Art und Weise, dass man bald nicht mehr von dem Buch lassen kann.

    4,5 Sterne

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Aug 2019 

    Geniale Idee, starkes Debüt

    Inhalt:

    Auf dem Anwesen der Familie Hardcastle findet ein Maskenball statt. Am Ende des Abends wird Evelyn Hardcastle sterben. Aber nicht nur einmal, nein, der Tag wird immer wieder wiederholt. Aiden Bishop hat dazu eine Nachricht bekommen: »Heute Abend wird jemand ermordet werden. Es wird nicht wie ein Mord aussehen, und man wird den Mörder daher nicht fassen. Bereinigen Sie dieses Unrecht, und ich zeige Ihnen den Weg hinaus.«
    Aiden Bishop hat 8 Tage Zeit, den Mord aufzuklären. Doch es wird ihm nicht leichtgemacht. Jeden Tag wacht er in einem anderen Körper auf, muss herausfinden, wer Freund und wer Feind ist. Außerdem will jemand unbedingt verhindern, dass er Blackheath verlässt.

    Meinung:

    Zuerst einmal muss ich sagen, ich bin noch immer geflasht, was für ein geniales Buch! Das Debüt von Stuart Turton ist sowas von gelungen!

    Das Buch ist in der Ich-Perspektive in der Gegenwart geschrieben. Durch einen Gedächtnisverlust weiß der Protagonist nichts mehr, nicht einmal mehr seinen eigenen Namen. So können wir gemeinsam mit dem Ich-Erzähler Blackheath und die Menschen darin entdecken. Für uns ist es natürlich teilweise genauso verwirrend, wie für ihn. Noch dazu kommt, dass der Protagonist jeden Tag den Körper wechselt und teilweise auch wieder zurück in einen vorigen Körper geschickt wird.

    Das alles hört sich etwas verwirrend an. Für mich war aber gerade diese Idee und auch die Umsetzung davon der Grund, warum ich das Buch unbedingt lesen wollte. Und es hat mich in keinster Weise enttäuscht. Ich war total in der Geschichte gefangen und es hat sich fast so angefühlt, als würde ich Blackheath selbst erkunden, selbst mit den Menschen sprechen, selbst versuchen, den Mord aufzuklären bzw sogar zu verhindern.

    Ich kann kaum erahnen, was für eine Herausforderung das Schreiben dieses Krimis war. Nicht nur, dass es viele, wirklich viele Charaktere gab, nein, jeder davon war auch toll beschrieben. Jeder Körper, in den der Protagonist gesteckt wurde, hatte seine Eigenarten und Charakterstärken, wie auch -schwächen. Aber auch die Figuren, denen Aiden begegnet ist, waren gut dargestellt, auch wenn sich unser Protagonist manchmal in ihnen getäuscht hat.

    Und hier kommen wir zur nächsten Stärke dieses Krimis. Das Ende war an keiner Stelle vorhersehbar. Immer wieder kamen unerwartete Entwicklungen und Wendungen in der Geschichte, die man einfach nicht kommen sah. Da dachte man, dass man jetzt einen Punkt entwirrt hat, doch dann kommt man drauf, dass doch alles ganz anders war.

    Nun noch zum Cover und den ersten Seiten: Mir gefällt das Cover sehr gut und ich finde, dass es auch gut zum Buch passt. Wenn man den Umschlag abnimmt, kommt ein schwarzes Buch mit roter Schrift hervor. Auf der Innenseite befindet sich ein Plan von Blackheath inklusive der Zimmerbelegung. So kann man immer nachschauen und sich zurechtfinden.

    Das Buch selbst startet mit einer Einladung zum Maskenball, auf der unter anderem alle wichtigen Personen aufgelistet sind.

    Fazit:
    Es wird zurecht gesagt, es sei eine Mischung aus Agatha Christie und Täglich grüßt das Murmeltier. Eine geniale Idee mit einer starken Umsetzung! Das Buch fesselt bis zum Schluss mit seinen Charakteren und unerwarteten Wendungen der Geschichte.