Die Seltsamen

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Seltsamen' von Stefan Bachmann
4
4 von 5 (3 Bewertungen)

Eines der phantasievollsten und souveränsten Debüts des Jahres, geschrieben von einem Schweizer, der damit als 18-Jähriger zum Bestsellerautor in Amerika wurde: Ein schüchterner Junge zieht aus, seine Schwester zu suchen, und findet nicht nur einen Freund, sondern muss – vielleicht – auch die Welt retten.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:368
Verlag: Diogenes
EAN:9783257068887

Rezensionen zu "Die Seltsamen"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 30. Aug 2014 

    Kind Nr. 10

    In alten Zeiten zerstörte eine Katastrophe die Stadt Bath und der Krieg zwischen Menschen und Feenwesen begann. Das ist lange her und in New Bath sind kaum noch Spuren der Vergangenheit zu bemerken. Der Einfluss der Feen ist nur noch gering, Industrie und Eisen beherrschen die Welt und machen leider die Luft schlecht. Im Verborgenen leben allerdings die Mischlinge zwischen Feen und Menschen, diese kommen meist nicht über das Kinderalter hinaus und sind ausgesprochen hässlich und eben seltsam. Auch Bartholomew und Hattie sind davon nicht ausgenommen, nur selten erlaubt die Mutter ihnen nach draußen zu gehen. Und so beobachtet Bartholomew die Welt aus dem Fenster. Dabei muss er mit ansehen wie sein Fast-Freund aus dem Nachbarhaus von einer Fremden fortgeholt wird. In London kommt Mr. Jelliby einer Verschwörung auf die Spur.

    Man könnte meinen die Geschichte des kleinen Außenseiters, der sich zur Rettung der Welt oder Londons oder so aufmacht, sei irgendwie bekannt. Dennoch ist es dem Autor gelungen das Rad ein wenig neu zu erfinden und das auf sehr unterhaltsame und fesselnde Weise. Man sieht das düstere industrialisierte England fast vor sich, den verhangenen Himmel, die Ausdünstungen der Maschinen. Die Menschen, die durch die Gegen hasten. Dagegen Bartholomews abgeschlossene Welt, die nicht so geschützt ist wie die Mutter es eigentlich gerne hätte. Doch Bartholomew rebelliert und neugierig wie er ist, richtet er damit erstmal einiges Unheil an, was ihm erst nicht bewusst ist. Als er dies jedoch erkennt, ist sein Entsetzen gut nachzuempfinden.

    Mit viel Phantasie hat der Autor seine Welt der Seltsamen gestaltet und damit ein packendes Werk geschaffen, dass sowohl jungen als auch älteren Lesern eine vergnügliche Lektüre bereiten wird. Nur vor einer Sache wird gewarnt, es handelt sich mal wieder um einen ersten Teil.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 22. Apr 2014 

    eine düstere Geschichte

    Bartholemew Kettle ist ein Seltsamer, halb Mensch, halb Feenwesen. Er muss sich zusammen mit seiner Schwester Hettie versteckt halten, sonst werden sie gejagt. Eines Tages beobachtet Bartholemew durch das Fenster, wie eine geheimnisvolle Dame mit dem Mischlingskind in einem Wirbel von schwarzen Federn verschwindet. Und er weiß auch, dass auch er beobachtet wurde und nun in Gefahr schwebt.
    Gleichzeitig bemerkt der junge Politiker Arthur Jelliby, dass sein Kollege Mr. Lickerish etwas im Schilde führt. Und der Schlüssel zu allem scheinen verschwundene Mischlingskinder zu sein. Arthur versucht Mr. Lickerish zu überführen und trifft dabei auf Bartholemew. Zusammen versuchen sie dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

    Die Aufmachung des Romanes mutet auf den ersten Blick sehr schlicht an. Befasst man sich jedoch näher mit dem Cover und hat dann auch noch die Geschichte gelesen, merkt man, dass das Cover sehr gut auf die Mischung aus Steampunk und Fantasy abgestimmt ist. Denn der abgebildete mechanische Vogel nimmt eine kleine, aber trotzdem wichtige Rolle ein.

    Auch die Geschichte ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig und man braucht einige Zeit, um sich in das vom Autor geschaffene England und hier explizit London und Bath hineinzuversetzen. Doch ist man dann erst mal drin, erwartet einem eine interessante Geschichte.

    Für mich war es kaum zu glauben, dass der Autor bei Entstehung des Romans erst 16 Jahre alt war. Denn durch den Roman zieht sich eine düstere Stimmung, die durch verschiedene Szenen ihren Höhepunkt findet. So etwa die verschwundenen, ermordeten Kinder oder die Feenwesen, die nicht feengleich sind, sondern durchtrieben, gierig und mordlüstern.

    Auch wenn die Geschichte an sich sehr faszinierend ist, konnte ich mich mit den Personen teilweise nicht anfreunden. Sie wirkten blass und wenn der Autor versuchte, ihnen Tiefe zu verleihen, verlor er sich wieder in der Beschreibung der Umgebung. Ich konnte deswegen keinen Bezug zu den Charakteren aufbauen.

    Die Ideen, die der Autor in dem Roman verarbeitet, waren fast schon zu dicht aufeinanderfolgend. Auch das Glück, dass den beiden Hauptprotagonisten ständig hold war, wurde sehr ausgereizt.

    Trotzdem wollte ich immer wissen, wie es denn weitergeht, denn das von Dampfmaschinen und Feenwesen bevölkerte England wirkt interessant und birgt bestimmt eine Menge Raum für weitere Abenteuer.

    Die Geschichte endet mit einem Cliffhanger. So warte ich gespannt auf den zweiten Teil, der im Herbst 2014 erscheinen soll.

    Fazit:
    Eine düstere Geschichte!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Apr 2014 

    Tolle Steampunkgeschichte

    Die Stadt Bath existiert nicht mehr. Sie wurde komplett zerstört, als sich ein Portal zwischen unserer Welt und der Feenwelt öffnete. Viele der Wesen gingen durch das Portal und konnten nie wieder zurück, als es plötzlich wieder verschwand. Die Wesen wurden von der Regierung geknechtet, mussten in den Fabriken arbeiten und wurden und in New Bath zusammenpfercht. Dort lebt auch der junge Bartholomew mit seiner Schwester Hettie und ihrer Mama. Er und Hettie sind Mischlingswesen und somit der Abschaum vom Abschaum. Sie gehören zu keiner Gruppe und müssen versteckt werden, denn wenn man sie auf der Straße erwischt, können sie einfach aufgehängt werden. Aber sie machen das Beste daraus bis plötzlich Mischlingskinder verschwinden und Tod und vollkommen hohl im Fluss gefunden werden. Als Bathy in seinem geheimen Versteck auf dem Dachboden aus dem Fenster schaut, sieht er eine wunderschöne Frau in einem pflaumenblauen Kleid am Haus gegenüber. Da wo sein Freund wohnt. Der kommt auch aus dem Haus, redet mit der Frau und plötzlich sind sie und der Junge in einem Meer aus schwarzen Federn verschwunden.....

    Ich hatte großes Glück schon vorher über die Aktion "der schwarzen Federn" zu stolpern. Da erfuhr man schon sehr viel über die Vorgeschichte zum Buch. Das war sehr interessant und spannend und wir durften die ganze Zeit mit rätseln. Das machte natürlich richtig neugierig auf das Buch und ich habe am Ende sogar eins der begehrten Leserundenexemplare ergattert. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie sehr ich mich gefreut hatte.

    Beim Lesen wurde mir sehr schnell klar, dass dieser Autor ein Genie sein muss, denn er hat das Buch als 16-jähriger geschrieben. Was für eine Leistung. Bei "Die Seltsamen" handelt es sich um einen Steampunkroman vom Feinsten. Es gibt Aufziehtiere, Roboter, total verpestete Luft von den Fabriken, mechanische Kutschen und alles was das Herz begehrt. Ich war sehr schnell in der Geschichte um Barthy und Hettie gefangen. Was mir besonders gefiel, war, dass der Autor uns einen Spiegel vorhält. Sehr gut überträgt er das Thema Rassismus auf die Feenwelt. Vieles davon kam mir sehr bekannt vor. Die Angst vor dem Unbekannten, die schrecklichen Vorurteile und der Hass auf Wesen die anders sind. Unsere Geschichte zeigt uns deutlich, dass wir kein bisschen besser sind.

    Stefan Bachmann hat einen wundervollen und bildhaften Schreibstil, so dass ich mich mitten im Geschehen fühlte. Die Geschichte flog geradezu an mir vorbei und viel zu schnell war das Buch ausgelesen und es endete auch noch mit einem ganz fiesen Cliffhanger, da es noch eine Fortsetzung geben wird. Zum Glück, denn so ganz konnte ich die Geschichte noch nicht los lassen. Der Abschied von einigen Charateren fiel mir sehr schwer und ich freue mich auf ein Wiedersehen.

    Ich vergebe für diesen tollen und phantasievollen Roman 5 von 5 Punkten und eine Leseempfehlung für alle, die jetzt neugierig wurden. Lest das Buch, es ist wie eine Reise in eine fremde Welt und ihr werdet gar nicht mehr nach Hause zurück wollen.

    © Beate Senft