Die Schwestern von Mitford Manor

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Schwestern von Mitford Manor' von Jessica Fellowes
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

London, 1920: Für die 19-jährige Louisa geht ein Traum in Erfüllung. Sie bekommt eine Anstellung bei den Mitfords, der glamourösen und skandalumwitterten Familie aus Oxfordshire. Endlich kann sie der Armut und dem Elend der Großstadt entfliehen und dafür auf ein herrschaftliches Anwesen ziehen. Louisa wird Anstandsdame und Vertraute der sechs Töchter des Hauses, allen voran der 17-jährigen Nancy, einer intelligenten jungen Frau, die nichts mehr liebt als Abenteuer und gute Geschichten. Als Florence Nightingale Shore, eine Krankenschwester und Freundin der Familie, am helllichten Tag ermordet wird, beginnen Nancy und Louisa eigene Ermittlungen anzustellen. Schnell erkennen sie, dass nach den Wirren des Krieges jeder etwas zu verbergen hat.

Format:Broschiert
Seiten:496
Verlag: Pendo
EAN:9783866124523

Rezensionen zu "Die Schwestern von Mitford Manor"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 30. Sep 2018 

    Interessante Familiengeschichte

    Louisa lebt in 1919 in London bei ihrer Mutter. Beide schaffen es mit Mühe den Lebensunterhalt zu verdienen. Louisas Onkel Stephen, der mit in der Wohnung lebt, hat Louisa stehlen beigebracht. Als er sie an seinen Geschäftsfreund verschachern will, flieht sie. Sie ergreift ihre große Chance und kann bei den Mitfords als Kindermädchen arbeiten. Hier findet ein für sie ein völlig anderes Leben in einer Großfamilie statt. Mit den sieben Kindern, sechs Mädchen und ein Junge, kommt sie auf Anhieb klar. Ein besonderes Verhältnis hat sie zu Nancy, der ältesten 17jährigen Tochter. Also Florence Nightingale Shore, eine Bekannte der Familie ermordet wird, beginnen Nancy und Louisa mit eigenen Erkundungen. Dabei entdecken sie Ungereimtheiten, finden Fehler in der Ermittlungen der Polizei und ermitteln auf eigene Faust.

    Jessica Fellowes hat die Geschichte der Mitford Schwestern aufgeschrieben. Jeder Schwester soll ein Band gewidmet werden. Dieses ist das Buch über die älteste Schwester Nancy Mitford. Die Geschichte beruht zum Teil auf wahren Begebenheiten, insofern kann man zusätzlich mehr über die Mitfords im Internet lesen.

    Mit der Schilderung der Familiengeschichte der Mitfords lässt uns die Autorin tief ins England der zwanziger Jahre tauchen. Gleichzeitig gelingt es ihr den Mord an Florence Nightingale Shore authentisch mit in die Geschichte einzubauen. Das verleiht dem ganzen einen ganz besonderen Charme. Die Spannung, die sich im Laufe der Geschichte aufbaut, nimmt durch die Ermittlungen der beiden Mädchen zusätzlich an Fahrt auf. Was sie herausfinden, das müsst ihr unbedingt lesen.

    An diesem Buch hat mir die Mischung aus Familiengeschichte und dem Kriminalfall. Beides miteinander zu verbinden, ist der Autorin sehr gut gelungen und hat dem Buch zusätzliche Spannung verliehen. Gespannt bin ich auf die Geschichten um die weiteren Schwestern der Mitfords. Denn das diese Spuren in der Geschichte hinterlassen haben, kann jeder nachlesen. Das Buch hat mich sehr gut unterhalten und neugierig gemacht. Von mir gibt eine Leseempfehlung und verdiente vier Lesesterne.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 07. Aug 2018 

    Nancy Mitford ist neugierig

    Für die junge Louisa ist die Stelle als Kindermädchen bei der exzentrischen Adelsfamilie der Mitfords eine Rettung aus dem Elend. Nach dem Tod des Vaters geht es der Familie immer schlechter, zumal sich der Onkel Stephen eingenistet hat und Louisa unmissverständlich dazu aufgefordert hat, seine Schulden bei Buchmachern in Naturalien abzuzahlen.
    Bei den Mitfords findet sie nicht nur einen chaotischen kinderreichen Haushalt, sondern mit der ältesten Tochter Nancy auch eine Freundin. Nancy ist ziemlich frühreif, neugierig und fantasievoll. Alles, was sie später als Schriftstellerin auszeichnen sollte. Als eine Bekannte der Familie, die Krankenschwester Florence Nightingale Shore in einem Zug ermordet wird, ist die Neugierde der beiden geweckt. Besonders da Louisa Zeugin des Abtransports der Leiche war. So beginnt das ungleiche Paar zu ermitteln, immer unterstützt vom jungen Sullivan, der grade seinen Dienst bei der Bahnpolizei begonnen hat.
    Interessiert hat mich das Buch hauptsächlich wegen der Mitfords. Ich schätze Nancy als Autorin und anglophile Leserin kenne ich auch einiges aus der Familiengeschichte der Schwestern. Das Setting – die Zwanziger Jahre in England – ist ein farbiger und interessanter Hintergrund. England beginnt sich allmählich vom Trauma des Ersten Weltkriegs zu erholen und die alte Gesellschaftsordnung scheint nicht mehr so fest betoniert wie zuvor. Die beiden jungen Frauen wagen sich trotzdem weit vor mit ihren Befragungen und Ermittlungen. Das war aber nicht immer stimmig. Mir war es zu unrealistisch, dass sich Louisa als neues Kindermädchen so viele Freiheiten herausnehmen konnte und so viel Zeit für die Ermittlungen hatte. Da hätte ich mir – gerade bei Jessica Fellowes – mehr historische Genauigkeit gewünscht.
    Ich fand das Buch allerdings auch als Krimi nicht sonderlich spannend, vielleicht weil es zu unentschieden zwischen den Familienturbulenzen der Mitfords und den Detektivambitionen von Louisa, Nancy und Sullivan pendelt. Es ist breit angelegt und stellenweise recht abschweifend erzählt. Nicht immer sind die Handlungen logisch. Wann immer etwas erklärt werden muss, dass sich aus der Handlung nicht ableiten lässt, taucht passenderweise ein geheimnisvoller Brief auf, der den Protagonisten und damit den Lesern eine neue Richtung vorgibt.
    Den Mord an Florence Shore hat es tatsächlich gegeben und da er nie aufgeklärt wurde, ist die Lösung der Autorin sehr gewitzt.