Die Schwärmer

Rezensionen zu "Die Schwärmer"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 09. Jan 2019 

    Funknerven

    In einer hoffentlich fernen, besser noch, nie so eintreffenden Zukunft, scheint in einem kleinen Kaff im Norden noch alles beim alten zu sein. Bis plötzlich keine Post mehr kommt. Die Chefin des Postamtes sendet ihren Sohn in die „Hauptstadt“. Er soll ergründen, was da los ist.

    Es ist eine seltsame Stadt, in die er da kommt. Gleichsam fortbauend bewegt sie sich in der Fläche und in die Höhe. Das Hauptpostamt liegt irgendwo in einer der unteren Ebenen. Man braucht es nicht mehr, denn nun regiert der SCHWARM.

    „Der Ort der Macht war nie ein Palast oder Parlament, sondern immer schon das Hirn.“ (Seite 130)

    Alle Menschen sind durch in diesen Schwarm durch ihren Funknerv verbunden. Nichts ist mehr geheim, nichts geht mehr verloren, selbst nach dem Tof sind die Gedanken, selbst die Gefühle für andere SCHWÄRMER abrufbar.

    Es gibt noch ein paar ANALOGE, die das nicht mitmachen und dagegen kämpfen. Auch führt die „moderne“ Welt Krieg gegen einen angeblichen, unsichtbaren (?) Gegner. Die Befehle werden über den SCHWARM entgegengenommen und gegeben. Mit dem Krieg kommt Teo, gleichsam als Scout wieder nach Hause. Er ist Teil eines „Krieges um die digitale Evolution...“

    * * *

    Der Autor, Willi Hetze ist Mediensoziologe. Der Verlag, Salomo Publishing, erklärt auf seiner Webseite, Dr. Hetze wäre einer der interessantesten Jungautoren der „Digital Natives“. Der Duden sagt dazu aus, dies wären Personen, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind. Das ist dann wohl richtig, denn Willi Hetze wurde 1985 geboren. Er beschäftigt sich „mit dem Einfluss digitaler Medien auf moderne Lebensentwürfe und der Vermischung virtueller und sozialer Wirklichkeiten.
    Hat man den vorliegenden Roman gelesen, erschließt sich einem eine weitere Aussage des Verlages, wenn er seinem „Senior Public Relations Consultant“ eine poetischen und pointierte Sprache attestiert und die Texte surreale Dimensionen aufweisen.

    „Der Morgen haucht seinen grauen Atem in die Nacht.“ (S. 337)
    „Am Nachmittag zerknittert und vergilbt der Wolkenhimmel wie Pergament.“ (S. 328)
    „Teo fuhr der weißen Morgensonne entgegen, die gleißend über den Kammwäldern den Wolkenthron bestieg.“ (S. 319)
    Solche Sätze fallen nicht aus dem Rahmen, sie fallen einfach auf und bringen den Leser ein Stück in die reale Welt, welche allerdings Parallelen aufweist. Künstliche Intelligenz, heute und im jetzt als die Zukunft angepriesen, ist nicht ungefährlich. Was passiert, wenn der Datenschutz vollständig aufgehoben ist, kann man in diesem Buch ebenfalls verfolgen.

    Es war nicht ganz einfach, diesem Rom an zu folgen. Zeitweise hielt mich nur das Interesse an der Hauptfigur, diesem Teo bei der Stange. Nach einem Drittel des Buches allerdings, war ich doch voll bei der Sache.

    Hetze schreibt „Googels Traum, in die Katastrophe gedacht“ und führt den Leser in einen „ Sog der digitalen Dystopie“. So könnte man die Pressestimmen auf der Verlagsseite kurz umreißen.

    Es ist ein spannendes, ein Angst erzeugendes Buch. Es passt in unsere Zeit.

    © Der Bücherjunge alias KaratekaDD