Die Schuld, die man trägt

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Schuld, die man trägt' von Michael Hjorth
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Schuld, die man trägt"

Nachdem bei der Reichsmordkommission ein Kollege als Mörder entlarvt wurde, soll die Sondereinheit unter Leitung von Sebastians Tochter Vanja Lithner aufgelöst werden. Da erhält sie einen Anruf: Eine Frau wurde außerhalb von Västerås ermordet aufgefunden, in einem Schweinemastbetrieb. An die Stallwand hat jemand in blutroten Buchstaben geschrieben: «Löse den Fall, Sebastian Bergman!».

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:480
Verlag: Wunderlich
EAN:9783805200943

Rezensionen zu "Die Schuld, die man trägt"

  1. Ausgezeichneter Psychothriller

    REZENSION – Vor bald 15 Jahren starteten die beiden schwedischen Drehbuch-Autoren Michael Hjorth (60) und Hans Rosenfeldt (59) mit ihrem ersten gemeinsamen Psychothriller „Der Mann, der kein Mörder war“ eine Kriminalreihe, die recht schnell zu einer Kultserie wurde, von der man mit jedem weiteren Band immer wieder aufs Neue gefangen wurde. Grund war die Figur des hochintelligenten Polizeipsychologen und Profilers Sebastian Bergmann, dessen meist abweisende Haltung anderen Menschen gegenüber nicht nur auf sein direktes Umfeld unausstehlich wirkt, sondern dessen Überheblichkeit und fehlende Empathie es auch dem Leser schwer macht, Sympathien für diesen gebrochenen Anti-Helden aufzubringen. Dies gilt gleichermaßen, vielleicht sogar erst recht für den aktuellen, im November beim Wunderlich Verlag veröffentlichten und in seiner Handlung wieder recht komplexen achten Band „Die Schuld, die man trägt“.
    Eigentlich soll die bisher so erfolgreiche Reichsmordkommission unter Leitung von Sebastians Tochter Vanja Lithner aufgelöst werden, nachdem deren junges Team-Mitglied Billy nur durch Bergmans Talent endlich als Serienmörder entlarvt werden konnte. Doch bevor es zur Auflösung kommt, muss die Sondereinheit in einem neuen Fall ermitteln: In einem Schweinemastbetrieb wurde eine Frau ermordet aufgefunden. An der Stallwand hatte der Mörder in blutroten Buchstaben die Aufforderung hinterlassen: „Löse den Fall, Sebastian Bergman!“. Vanja und ihr Team nehmen die Ermittlungen auf, auch um ihre Sondereinheit zu rehabilitieren. Doch vor allen anderen ist in diesem Fall ihr bei den Kollegen nicht sonderlich beliebter Vater zur Mitarbeit gefordert, der nun wirklich alles andere als ein Teamworker und schon längst nicht mehr im Polizeidienst tätig ist.
    Bergman war nicht immer so, wie man ihn heute kennt: Bei der Tsunami-Katastrophe 2004 verlor er seine junge Frau und die kleine Sabine, die er im Wasser anfangs noch im Arm hielt, sie dann aber verlor. Seitdem lebt er in der Überzeugung, er sei an ihrem Tod schuld und es nicht mehr wert, glücklich zu sein. Zerfressen vom Schuldgefühl, handelt er ohne Rücksicht auf sich und andere, wodurch er, meist ohne es zu wissen, an deren späterem Unglück schuld ist. Alle Indizien des neuen Mordfalles weisen darauf hin, dass sich einer dieser Unglücklichen nun an Bergman zu rächen scheint und ihn daran erinnern will, wie vielen anderen Menschen er durch sein Verhalten geschadet hat.
    Auch dieser achte Thriller um Sebastian Bergman überzeugt wie seine sieben Vorgänger durch seine ausgesprochen „starken“ Charaktere und seine psychologische Tiefenwirkung. Während der Lektüre entsteht ein Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Man läuft Gefahr zu vergessen, dass es sich doch nur um einen Roman handelt. Man lebt, leidet und liebt mit den Personen – vor allem natürlich mit dem Anti-Helden Sebastian Bergman, der mit seinem Tun und Lassen beim Leser einen Widerspruch auslöst: Eigentlich mag man ihn nicht, darf man ihn nicht mögen. Andererseits muss man mit diesem gebrochenen Mann unweigerlich Mitleid empfinden. „So viele Jahre hatte er ständig falsche Entscheidungen getroffen, ohne an den Folgen interessiert gewesen zu sein. Aber dies war wohl der Moment, in dem man die richtige Wahl treffen sollte“, heißt es am Schluss. „Er traf seine Entscheidung. Alles oder nichts. Dann begann er zu gehen.“ Ist die von Sebastian Bergman gewählte Richtung also das Ende dieser stilistisch und athmosphärisch bemerkenswerten und deshalb unbedingt empfehlenswerten Thrillerreihe? Oder müssen wir wieder zwei, drei Jahre auf einen nächsten Band warten? Fest steht jedenfalls, dass diese Psycho-Reihe auch mit ihrem achten Band „Die Schuld, die man trägt“ nicht an Spannung nachgelassen hat. Wer also wirklich gute Psychothriller lesen mag, kommt am schwedischen Autoren-Duo Hjorth & Rosenfeldt und ihrem Profiler Sebastian Bergman nicht vorbei, anderenfalls würde er wirklich etwas versäumen.

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  1. Ein Serienmörder fordert Sebastian Bergman heraus

    Sehr spannend, gute Personenzeichnung, aber etwas zu überkonstruiert

    Wir treffen hier in Band 8 alte Bekannte wieder, alle Mitglieder der schwedischen Reichsmord-Kommission. Die allerdings steht mächtig unter Druck, nicht nur, weil sich in einem Vorgängerband der Kollege Billy Rosén als Serienmörder entpuppt hat, sondern auch, weil schon wieder ein Mörder unterwegs ist, einer, der sich auf den Kriminalpsychologen Sebastian Bergman bezieht und ihn mit blutroter Schrift an der Wand des ersten Mordortes herausfordert, ihn zu finden. Es ist zu befürchten, dass es weitere Opfer geben wird.

    Sebastian Bergman ist hin und wieder beratend für die Polizei tätig und die tragende Person der Krimireihe (die auch seinen Namen trägt). Er ist zwar Psychologe, wirkt aber selbst gestört, möglicherweise, weil er beim Tsunami in Thailand Frau und Tochter verloren hat, was allerdings hier wieder in Frage gestellt wird. Vielleicht ist es aber auch sein nicht empathischer Charakter, andere Menschen für seinen Zwecke auszunutzen. Genau das könnte ihm nun zum Verhängnis werden.

    Es gibt von Beginn an mehrere Handlungsstränge: die Mordfälle mit den dazugehörigen Ermittlungen, Billy Rosén im Gefängnis, eine gewisse Cathy, deren Vater Kontakt mit Bergman gesucht hatte, die gestörte Stalkerin Ellinor, eine intrigante, karrieresüchtige Vorgesetzte, Vanja Lithners Probleme mit der Mutter. Sie werden alle im Laufe des Buches immer wieder aufgegriffen und weitergeführt.

    Gegen Ende des Buches treten die kriminalistischen Ermittlungen etwas in den Hintergrund und es wird atemberaubend spannend und es gibt böse Überraschungen.

    Ich hatte zuerst an 5 Sterne gedacht, aber zum Schluss hin fand ich die Geschichte zu konstruiert und mit zu vielen verrückten, psychiatrisch behandlungsbedürftigen Personen bevölkert. Dazu kommt, dass nicht alle Handlungsfäden zu einem Ende kommen, sondern einige einfach abbrechen, ins Leere laufen. Das betrifft glücklicherweise nicht den eigentlichen Mordfall. Diese Cliffhanger lassen stark vermuten, dass es einen weiteren Band geben wird.

    Fazit
    Wer einen spannenden Krimi sucht, den man kaum aus der Hand legen kann, und wen Übertreibungen und Clliffhanger am Ende nicht stören, für den ist dieses Buch geeignet.

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