Die Schönen und Verdammten

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Schönen und Verdammten' von F. Scott Fitzgerald
2.85
2.9 von 5 (6 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Schönen und Verdammten"

Da haben sich zwei gefunden: Anthony, der smarte Millionenerbe, und Gloria, die betörende Schönheit. Gemeinsam verbringen sie ein Leben im Rausch, und die ganze Welt liegt ihnen zu Füßen. Dennoch fühlt sich ihr snobistisches Upperclass-Dasein immer öfter reizlos und eintönig an. So beginnen sie sich in ihrem goldenen Käfig zu langweilen und ihrer Glamourwelt überdrüssig zu werden. Von zwei Glückskindern im Überfluss, die ihr wertvollstes Gut vergeuden: ihr Leben. Fitzgeralds Romanklassiker aus dem New York des »Jazz-Age« ist ein großes Lesevergnügen und zugleich eine scharfsinnige Gesellschaftssatire.

Format:Taschenbuch
Seiten:624
Verlag:
EAN:9783328106715

Rezensionen zu "Die Schönen und Verdammten"

  1. Die Reichen und Schönen verdammt in quälendem Selbstmitleid

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 24. Jan 2022 

    “Die Schönen und Verdammten” ist ein Roman von F. Scott Fitzgerald, der weit im Schatten seines Hauptwerkes „Der große Gatsby“ steht, der sich aber in etwa mit der gleichen Zeit beschäftigt und in der gleichen Gesellschaftsschicht angesiedelt ist. Mit Anthony und Gloria begleiten wir in diesem Roman ein Paar über ihr Kennenlernen und die Jahre ihrer Ehe hinweg, die in meist quälendem Selbstmitleid und mit dem alleinigen Zweck, auf die Erbschaft des reichen Onkels zu warten, um den man sich ansonsten einen Dreck kümmert, dahinziehen. Wir befinden uns im New York des so genannten Jazz Age und tatsächlich gehen Anthony und Gloria von einer Party zur anderen und doch empfinden sie und mit ihm der Leser so gar kein Vergnügen an diesem Treiben, alles ist öde und kommt einer Zumutung gleich, denn die Geldmittel wollen einfach nicht so fließen wie man sich das wünscht, bzw. wie Anthony und Gloria das als selbstverständlich erwarten. Das alles schildert Fitzgerald über viele, viele Seiten in einer treffenden, pointierten Sprache, die damit aber bei mir als Leserin nur den Unmut über diese Langweiler-Figuren, die so viel Potential hätten und dies einfach komplett außer Acht lassen, einfach nur steigern konnte.
    „Sein Tag, der gewöhnlich ein qualliges, form- und rückgratloses Wesen war, hatte eine mesozoische Struktur angenommen, marschierte sicher, ja unbeschwert auf einen Höhepunkt zu, … wie es sich für einen Tag gehört. Er fürchtete jenen Augenblick – der dem Tag das Rückgrat brechen würde -, wenn er die junge Frau endlich kennengelernt, mit ihr gesprochen und dann mit einer Verbeugung Abschied von ihrem Lachen genommen hatte, um zu dem traurigen Bodensatz in den Teetassen und dem abgestandenen Geruch übrig gebliebener Sandwiches zurückzukehren.“
    So wird auch das Kennenlernen der Geliebten hinabgezogen in den Bereich der Zumutung. Selbst kurze Höhepunkt des Lebens werden griesgrämig abgewertet. Aus der lichtdurchflutenden Jazz-Zeit New Yorks wird in diesem Roman ein Graus.
    Das Warten auf die Erbschaft dauert länger als den beiden lieb ist und wird nach dem Tod des Onkels dann auch noch mit wenig Hoffnung auf ein gutes Ende stark verzögert, denn die Erbschaft fällt gar nicht Anthony, sondern anderen zu. Das Leben auf Pump in Erwartung des letztendlichen Reichtums steht damit nun auch erkennbar auf den tönernen Füßen, auf denen es die ganze Zeit schon stand. Und doch gibt es für beide keine Alternativen bzw. sie ziehen keine auch nur in Betracht. Kurze, nie ganz ernst gemeinte Ausflüge in die Arbeitswelt werden schnell wieder abgebrochen, denn natürlich bieten sie nicht die finanzielle Ausstattung, die man sich von dem Geld des Onkels erhofft und sind auch darüber hinaus nicht dazu geeignet, das Leben in Langeweile und Nichtstun weiterführen zu können.
    So sacken beide immer mehr ab in Alkoholismus und Lebensunmut. Und als dann, wenn der komplette Absturz kurz bevor zu stehen scheint, die recht unerwartete Entwicklung kommt, indem ihnen die Erbschaft doch noch zugesprochen wird, wird dies wohl kaum noch dazu führen können, eine wirkliche Wendung zum Guten zu schaffen.
    Ein vermeintlich aussichtsloses Leben, in dem aber einfach die vielen, vielen Chancen und das große, große Glück komplett übersehen wurde. Und so hat beides – Chancen und Glück - diese beiden Leben eben auch nie berührt.
    Hinter dieser negativen Schilderung dieser „Reichen und Schönen“, die bei Fitzgerald die „Schönen und Verdammten“ sind, steckt sicher eine ganze Menge Satire und Gesellschaftskritik. Mich allerdings konnte das bei der Lektüre nicht erreichen. Die Lektüre war zum großen Teil lähmend und quälend. Und so kann ich auch nicht mehr als 2 Sterne vergeben.

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  1. Ausufernd inszenierter Niedergang

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 23. Jan 2022 

    Der Autor hat mich einst mit seinem berühmtesten Roman „Der große Gatsby“ begeistert und so griff ich zu, als jetzt dieser, Fitzgeralds zweiter Roman, in der farbenfrohen Penguin Klassiker Edition erschien. Er schrieb ihn als jung verheirateter Mann und man kann durchaus Parallelen zu seinem späteren Eheleben mit Zelda erkennen – als selbsterfüllende Prophezeiung.

    Hauptfigur Anthony Patch ist zu Beginn des Romans im Jahr 1913 fünfundzwanzig Jahre alt. Seine Eltern hat er früh verloren. Trotz eines absolvierten Studiums geht er keiner geregelten Tätigkeit nach. Er reist viel, genießt das Leben und träumt von einem Leben als Schriftsteller, wofür ihm aber Fleiß und Disziplin fehlen. Stattdessen genießt er sein Leben als Dandy und lebt ausschließlich vom Geld seines betagten Großvaters:

    „Dass er der Enkel von Adam J. Patch war, schenkte Anthony ebenso viel gesellschaftliche Sicherheit, als hätte er sein Geschlecht übers Meer bis zu den Kreuzfahrern zurückverfolgen können.“ (S.8)

    Außer dessen Unterhalt und vor allem der zu erwartenden Erbschaft verbindet Anthony mit seinem Großvater nichts. Ihre Zusammenkünfte sind gefühlsarm. Der Ältere verlangt einen Arbeitsnachweis, den der Jüngere schuldig bleibt. Anthony verachtet seinen Großvater. Er treibt sich lieber mit seinen Freunden Maury und Dick auf verschiedenen Vergnügungen herum, immer ein gutes Gläschen in der Hand. Erst als er Dicks Kusine Gloria kennenlernt, erwacht sein Ehrgeiz, denn er möchte dieses bildschöne, dabei aber völlig oberflächliche und egozentrierte Wesen für sich gewinnen, was ihm schließlich auch gelingt – schließlich ist er der Enkel von Adam J. Patch.

    Die Ehe wird anfangs durch starke körperliche Anziehung zusammengehalten. Zunehmend schleicht sich aber Verdruss und Langeweile ein, nichts kann darüber hinwegtäuschen, dass die beiden eigentlich überhaupt nicht zueinander passen und völlig unfähig sind, Kompromisse zu schließen. Man versucht, Freunde um sich herum zu scharen, Abwechslung zu generieren und Partys zu feiern, die immer mit einer ordentlichen Menge Alkohol verbunden sind. Es setzt sich eine unheilvolle Abwärtsspirale in Gang, die über verschiedene Stationen fast bis zum Ende des Romans anhält. In Erwartung der großen Erbschaft lassen die Zwei die Puppen tanzen, benehmen sich wie ungezogene, realitätsferne Kinder, verprassen ihr Geld und schlagen Warnungen in den Wind.

    Der Niedergang wird in zahlreichen Erlebnissen und Episoden geschildert. Hier hätten dem Roman ein paar Kürzungen gut getan, nicht jede neue Party bringt für den Leser auch neue Erkenntnisse. Das ist mein größter Kritikpunkt.

    Was macht diesen Roman trotzdem lesenswert? Es ist zunächst die unvergleichliche Sprache Fitzgeralds. Er beschreibt blumig und bildreich in virtuosen Schachtelsätzen eine vergangene Welt, in der Standesdenken offenbar ein zentrales Charakteristikum darstellte. In der New Yorker Upperclass-Gesellschaft zählten Herkunft und Stammbaum weit mehr als die eigene Leistung. Eheschließungen hatten insbesondere für Frauen den sozialen Aufstieg zum Ziel. Erwerbsarbeit galt mehr als Makel denn als Errungenschaft. Auch die Weltgeschichte macht nicht Halt, als Anthony im Ersten Weltkrieg Dienst tun muss, eine für ihn völlig neue Herausforderung, die aber leider zu keinen nennenswerten neuen Erkenntnissen oder Verhaltensänderungen führt. Insofern zeichnet Fitzgerald ein famoses Sittengemälde der damaligen Zeit. Er spart dabei nicht mit Ironie und Sarkasmus, was die Lektüre über weite Strecken trägt und unterhaltsam werden lässt. Fitzgerald scheint sich an seinem eigenen Schaffensprozess erfreut zu haben, denn er experimentiert mit verschiedenen Stilformen. Er baut Kurzgeschichten oder Theaterauszüge in den Text ein, spricht den Leser auch direkt an. Nicht alles fügt sich meines Erachtens organisch in die Handlung ein.

    Es geht zentral um die Darstellung einer Oberschicht, die es so (hoffentlich) in der heutigen Zeit nicht mehr gibt. Darauf muss man sich einlassen, sowohl in Sprache als auch Handlung. Es gibt wunderbar treffende, allgemeingültige Formulierungen zu entdecken, die den Klassiker-Status und die Neuauflage dieses Romans unbedingt rechtfertigen. Auch das Ende hält eine Überraschung bereit.

    Wer sich allerdings erstmalig mit Scott Fitzgerald beschäftigen will, dem möchte ich doch lieber seinen Gatsby ans Herz legen, der ebenfalls ein grandioses Sittengemälde zeichnet, allerdings deutlich klarer und komprimierter.

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  1. Ein Absturz mit Glanz und Gloria

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Jan 2022 

    Fällt der Name des amerikanischen Schriftstellers Francis Scott Fitzgerald, denkt man unweigerlich an seinen Roman „Der große Gatsby“, erstmalig veröffentlicht im Jahre 1925. Doch bereits drei Jahre zuvor hat Fitzgerald einen Roman veröffentlicht, der sich ebenfalls mit der Welt der Reichen Amerikas in den 20er Jahren befasst: "Die Schönen und Verdammten". Fitzgeralds zweiter Roman, der zwar an den Erfolg des späteren großen Gatsbys nicht heranreicht, aber immer noch gut genug war, um Fitzgerald ein Einkommen zu sichern, das er durch das Schreiben von Kurzgeschichten zusätzlich aufbesserte.

    Protagonist des Romans "Die Schönen und Verdammten" ist Anthony Patch, ein Sproß aus reicher Familie, dessen Wohlstand Großvater Alfred zu verdanken ist. Opa Alfred ist jedoch nicht besonders freigebig mit seinen Dollars, was auch Enkel Anthony zu spüren bekommt, der mit einer jährlichen Rente, die er aus dem Vermögen des Alten erhält, einigermaßen über die Runden kommt, wobei Anthony zugegebenermaßen einen sehr kostspieligen Lifestyle pflegt. Mit ein wenig mehr Bescheidenheit und Zurückhaltung käme er sicherlich besser zurecht. Doch Anthony wäre nicht Anthony, wenn er das Leben nicht aus vollen Zügen, in Luxus und mit Glamour genießen würde. Ein anderes Einkommen bezieht er nicht. Eine Arbeit ist ihm verpönt und zu gewöhnlich. Sollen doch diejenigen arbeiten, die nicht mit dem guten Aussehen, dem Esprit, der Intelligenz eines Anthony sowie einem reichen Großvater gesegnet sind. Während Anthony das Leben also in vollen Zügen genießt, lernt er Gloria kennen, die seine Einstellung zu einem Leben in Müßiggang teilt.

    Gloria ist ein echtes Kaliber – bildschön, ein echter Hingucker für die Männerwelt, aber leider der Inbegriff der Selbstsucht. In Sachen Luxus und Glamour steht sie Anthony in nichts nach.

    Die Beiden heiraten und verprassen von da an gemeinsam das vorhandene Einkommen. Natürlich leben sie über ihre Verhältnisse und Opa Alfred lässt sich leider Zeit mit dem Ableben.

    Der Roman erzählt die Geschichte dieses Paares, die in Saus und Braus beginnt und dessen Leben nach und nach zerfällt.

    Gloria und Anthony leben in einer Scheinwelt. Sie haben nur wenig mit dem "wahren" Leben zu tun, da ihnen jegliche Bodenständigkeit fehlt. Die Mühlsal des Alltags ist ihnen völlig fremd. Einem Beruf nachzugehen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, erscheint ihnen zu gewöhnlich. Ihr einziger Lebensinhalt ist das eigene Vergnügen in Form von Parties, Alkoholexzessen, vozugsweise mit Gleichgesinnten. Ihre einzigen Sorgen bestehen zu Beginn des Romans darin, sich zu langweilen.

    Da sie über ihre Verhältnisse leben, kommen zu der Angst vor Langeweile und Eintönigkeit mit der Zeit finanzielle Probleme sowie Sorgen vor dem Verlust des Lebensstandards und des guten Aussehens hinzu. Letzteres nagt insbesondere an Gloria. Doch hier legt das Paar, dem jegliches Verantwortungsgefühl fremd ist und das durch das Leben geht, wie übermütige Kinder, eine "Vogel-Strauß-Mentalität" an den Tag. Die Probleme werden verdrängt und ignoriert.
    F. Scott Fitzgerald hat mit diesem Roman eine Satire auf die Gesellschaft Amerikas der 20er Jahre geschrieben, wobei er sich dabei nur auf einen kleinen Teil der Gesellschaft konzentriert: die jungen Reichen und Schönen seiner Zeit - oder , wie er sie nennt, "die Schönen und Verdammten"

    Ob Fitzgerald nun mit seinen Schilderungen des Lebens in einer vergnügungssüchtigen Party-Gesellschaft übertreibt oder ob das Leben in diesen Kreisen tatsächlich so war, sei dahin gestellt. Auf jeden Fall sind seine Beschreibungen sehr amüsant, obwohl dieses Amüsement schnell in Langeweile bei der Lektüre umschlagen kann.
    Denn in der ersten Hälfte dieses über 600 Seiten umfassenden Romans beschreibt er die Langeweile im sinnbefreiten Leben seiner Protagonisten: Von einer Party zur nächsten, Treffen mit Gleichgesinnten, Klamotten, gutes Aussehen und was sonst noch ein Leben in Saus und Braus mit sich bringt.
    Ein paar Parties weniger hätten dem Roman sicherlich gutgetan und dem Leser die Lektüre einfacher gemacht, auch wenn Fitzgeralds Sprachstil und Ironie für viele Längen in diesem Buch entschädigt.

    Die Handlung nimmt erfreulicherweise mit zunehmendem Absturz der Patches Fahrt auf und wird dabei interessanter. Fitzgerald erlaubt dieser Geschichte sogar einen Ausflug in die Kriegswelt. Denn man bedenke, die Handlung spielt zu einer Zeit, in der der 1. Weltkrieg bereits auf Hochtouren lief. Bis kurz vor seinem Ende wird der Krieg von Fitzgeralds Protagonisten erfolgreich ignoriert. Schließlich kommen die Figuren aber doch mit dem Krieg in Berührung, wenn auch nur glimpflich ... zu glimpflich, denn eine Weiterentwicklung der geistigen Reife, die durch Erlebnisse an der Front und beim Militär zu erhoffen gewesen wären, bleibt aus und die Patches setzen trotz dieses Intermezzos ihren Absturz weiter fort. Der Roman endet mit einer desillusionierenden Überraschung, die mir nicht für diesen Roman gefallen hat. Aber gut, Schriftsteller schreiben eh, was sie wollen. Und was dem einen Leser nicht gefällt, wird von dem anderen bejubelt.
    In Summe hat mir dieser Klassiker gefallen, was aber allein an dem Sprachstil von Fitzgerald und seiner Ironie gelegen hat.

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  1. Auf den Schwingen von Glanz und Glorie

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 09. Jan 2022 

    Anthony Patch hofft darauf das Erbe seines Großvaters einstreichen zu können. Der alte Mann würde es allerdings gern sehen, wenn sein Enkel arbeiten würde und seine Freizeit mit vernünftigen Dingen verbringt. Doch Anthony kann beidem nichts abgewinnen. Er achtet sehr auf sein Äußeres und lebt in den Tag hinein, beginnt früh am Tag zu trinken, zu feiern. Als er die hübsche Gloria kennenlernt, dauert es nicht lange und sie leben dieses ausschweifende Leben gemeinsam. Doch so schrumpft das Geld Anthonys, da es für zwei reichen muss, und sie ihren Luxus nicht missen möchten von Jahr zu Jahr. Die Ehe der beiden wirkt alles andere als harmonisch, es scheint als ob sie einfach nur gut im gemeinsamen Feiern und protzen sind. Dort ergänzen die beiden sich perfekt,ansonsten scheint vieles eine Fassade zu sein.
    Nach und nach kann man beobachten, dass Freunde ihren eigenen Weg finden, den Ernst des Lebens erkennen, doch Gloria und Anthony scheinen das Karussell nicht verlassen zu können.

    An sich ist die Idee des Romans ganz interessant, doch leider waren mir die Passagen viel zu ausufernd erzählt. Das meiste, gerade im ersten Drittel, wiederholte sich ständig, ich war es teilweise leid, mir den nächsten Exzess des Pärchen anzutun.
    Im weiteren Verlauf wurde dies ein wenig besser, da zu den wilden Parties und Trinkgelagen der ein oder andere halbherzige Versuch hinzukamen, um doch Arbeit zu finden. Das tragische an dem Ganzen ist, dass es durchaus Chancen gab, diese aber nicht genutzt wurden. So kam während des Lesens wenig Verständnis in mir auf. Die Opferrolle, wie Anthony sich manchmal sah, ist nicht angebracht. Es reicht im Leben nicht eine hohe Summe erben zu können, ohne die geringste Bemühung selbst etwas zu tun.
    Umstände wie die Enterbung, ein Prozess und einige andere Ereignisse, ließen mich zum Ende hin dann am Ball bleiben. Letztendlich wollte ich dann doch wissen wie dieser Roman endet. Wie das Leben des glamourösen Paares nun endete, hat mich sogar ein wenig überrascht.

    Dennoch ist mein persönliches Fazit zu diesem oft hochgelobten Klassiker eher verhalten. Mir wurde das Buch wärmsten empfohlen von jemandem der einen anderen Roman des Autors kennt und sehr schätzt. Leider kann ich mich der Begeisterung für den Autor nicht anschließen.

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  1. 600 Seiten geballte Langeweile.

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 06. Jan 2022 

    Kurzmeinung: Ich wollte es mögen. Hat nicht geklappt.

    Auf fast 600 Seiten schildert uns der Autor in dieser schön aufgemachten Reihe der Klassiker-Neuauflagen der Penguin Edition, (die ich normalerweise sehr schätze) wie ein junges Ehepaar der Oberschicht sich durchs Leben manövriert. Ja, eigentlich nicht einmal das. Manöver würden den Einsatz von Strategie und Planung erfordern. Aber Anthony und Gloria Patch sind Quallen. Ihr Hirn ist ungeübt. Sie planen nicht. Pläne würden sie überfordern. Allenfalls können sie darüber nachdenken, wie es wäre, wenn sie Pläne machten.

    Anthony und Gloria Patch, deren Werdegang von Kindheit an und deren Kennenlernen wir auf den ersten 200 Seiten verfolgen, lassen das Leben passieren. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes passive Menschen. Dafür gibt es einen Grund. Alles hat einen Grund. Aber weder Grund noch Ursache werden vom Autoren ausgelotet. Schade. Da bleibt viel psychologisch interessantes Material liegen.

    Obwohl sie beide sehr jung sind, heiraten sie einander und haben nur den einen Wunsch, das Leben zu genießen. Was heißt „das Leben?“ Sie wissen gar nicht, was das ist. Und leider bleibt das so, auf allen 600 Seiten, obwohl das Paar, allein schon durch den Verlauf der Historie, nicht ganz von Leid verschont bleibt.

    Da ist auch eine Erbschaftsangelegenheit, ein Rechtsstreit, der sich über Jahre hinzieht, weil Anthonys steinreicher Großvater als er endlich das Zeitliche segnet, beide warten darauf, geben es aber nicht zu, Anthony enterbt. Dass Anthony das Testament anficht, ist das einzige, was er je aktiv auf den Weg brachte. Und diese Aktivität rettet ihn auch, allerdings erst dann, als es für die beiden „Seelen“ keine Rettung mehr gibt.

    Der Kommentar:
    Den Niedergang verantwortungsloser verzogener reicher Gören zu erleben, hätte durchaus ergötzlich sein können. So wie die Lektüre von Thomas Manns „Buddenbrooks“ bei aller vermittelten Schwermut dennoch ergötzlich ist, also die Schilderung des Niedergang einer Kaufmannsfamilie.

    Allerdings verschont uns Fitzgerald anders als Thomas Mann und auch anders als sein schreibender Zeitgenosse Ernest Hemingway vor starken Charakterzeichnungen. Fitzgeralds Figuren sind langweilig. Albern. Hohl. Pappmaché. Sie glitzern nicht einmal. Sie sind einfach nur eindimensional.

    Sicher kann Fitzgerald schreiben. Manche seiner Vergleiche sind herrlich, allerdings ebenso viele daneben. Fitzgerald versagt seiner Entourage leider jede Entwicklungsmöglichkeit. Man gewinnt den Eindruck, soviel Hohlheit und Dummheit auf einen Schlag gibt es gar nicht. Nun ja, schriftstellerische Freiheit. Das kann der Autor durchaus machen. In meinen Augen hat er jedoch kein Thema. Ausser demjenigen, Kreise um seine Figuren zu ziehen.

    Als Gesellschaftssatire ist das Buch in meinen Augen schon deshalb ein kompletter Rohrkrepierer, weil es keinen übergeordneten Erzähler gibt, der spitze Bemerkungen einwerfen könnte oder die Dinge auf den rechten Platz rücken würde. Einen Erzähler, der sich über seine eigenen Figuren lustig macht, hätte ich ja eventuell noch honoriert. Aber leider konnte ich diesem Werk überhaupt nichts abgewinnen. Null. Sorry.

    Fazit: Wenn man mir, was Lektüre angeht, Romane von Hemingway oder Fitzgerald zur Wahl gibt, dann weiß ich, wonach ich greife.

    Kategorie: Klassiker. Neuauflage.
    Penguin Edition, 2022

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  1. Müßiggang und Narzissmus

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 06. Jan 2022 

    Der redselige auktoriale Erzähler stellt uns gleich zu Beginn den männlichen Protagonisten des Romans vor:

    "1913 war Anthony Patch fünfundzwanzig, und bereits zwei Jahre zuvor hatte ihn - zumindest theoretisch - die Ironie, der Heilige Geist unserer Tage, berührt. (...) In dem Moment, da wir er ihn kennenlernen" (7).

    Anthony ist ein klassischer Dandy. Während sein Großvater zu Reichtum gekommen ist, lebt sein Enkel von seinem Vermögen, ist also nicht gezwungen zu arbeiten, auch wenn er nicht wirklich über die Runden zu kommen scheint. Aber er kann auf ein beträchtliches Erbe vertrauen, das sein Großvater, der das "alte Amerika" verkörpert, ihm hinterlassen wird. Seine Eltern sind früh verstorben, so dass Anthony im Alter von 11 bereits Waise ist.
    Der Erzähler schildert uns im Überblick seine Jugend, seine Zurückgezogenzeit, sein Studium, seine Reise nach Europa und seinen Aufenthalt in Rom.
    1912 kehrt er nach Amerika zurück, da sein Großvater schwer erkrankt ist, und bleibt.

    "Im Jahre 1913 war Anthony Patch Anpassung an die Welt nahezu vollzogen. "(16)

    Wir erfahren, wie er seine Wohnung eingerichtet hat, mit besonderem Augenmerk auf seinem Badezimmer.
    Im ersten Dialog zwischen Anthony und seinem Großvater beschreibt der auktoriale Erzähler dessen Alterungsprozess genial. Das Leben wird als Blasebalg geschrieben, das zunächst pralles Leben gewährt und dann "Wangen und Brust, Arme und Beine leergesogen (hat). Er hatte gebieterisch seine Zähne gefordert, einen nach dem anderen, seine kleinen Augen in dunkel-bläuliche Säcke gebettet, ihm die Haare geraubt, an manchen Stellen Grau zu Weiß, an deren Rosa zu Gelb verfärbt, rücksichtslos Farben tauschend wie ein Kind, das einen Malkasten ausprobiert." (23)

    Während sein Großvater ihn auffordert etwas zu tun, gaukelt Anthony ihm vor, er schreibe ein Buch über das Mittelalter, obwohl er tatsächlich kaum ernsthaft daran arbeitet. Statt dessen verbringt er seine Tage und Abende mit seinen Freunden Dick Caramel, der tatsächlich einen Roman schreibt, und Maury Noble, der sich ebenfalls im Müßiggang übt.
    Ihr erster Dialog ist wie ein Theaterstück gesetzt - ungewöhnlich, sogar mit Regieanweisungen.
    Ungewöhnlich ist auch das Kapitel "Rückblende ins Paradies", in dem die Schönheit auf die Erde geschickt wird (nebenbei eine Satire auf die USA) und wahrscheinlich in der Gestalt von Gloria auftaucht, Gloria Gilbert, Dicks Cousine, deren Bekanntschaft Anthony macht und die ihn bezaubert. Sie ist die weibliche Protagonistin des Romans und künftige Ehefrau Anthonys.

    Gloria ist eine Narzisstin, die um sich selbst kreist, und von Männern Bewunderung verlangt. Nichtsdestotrotz verliebt sie sich in Anthony und beide erliegen der Illusion der perfekten Liebe.

    "Sie waren die Stars auf dieser Bühne, von denen jeder nur für zwei Zuschauer spielte: Die Leidenschaft ihrer Gleisnerei schuf Tatsachen. Dies war die Quintessenz der Selbstverwirklichung doch war es wohl eher Gloria, die sich in dieser Liebe verwirklichte, während Anthony sich häufig vorkam wie ein gerade noch geduldeter Gast auf einem von ihr gegebenen Fest." (180)

    Das 2.Buch beschreibt die Ehe der beiden, während im 3.Buch Anthony als Gefreiter eingezogen wird. Die Handlung ist insgesamt dürftig. Im Mittelpunkt stehen die beiden Protagonisten und deren ausschweifendes Leben. Zudem hat der Roman starke autobiographische Züge, im Nachwort von Tilman Höss stellt dieser fest, Fitzgerald "behandelte in (seinem) zweite(n) Roman, "The Beautiful and Damen" (1922), die ersten Jahre seiner Ehe.

    Tragischerweise scheint der Roman eine Art selbst erfüllende Prophezeiung zu sein, wie es im Nachwort heißt. Die Probleme, mit denen das junge Paar konfrontiert wird, ereilen auch Fitzgerald und seine Frau Zelda - Alkoholismus, psychische Erkrankungen, Geldnot. Er zeigt "wie zwei Menschen im Überfluss ihr Leben vergeuden" (Nachwort, 614). Sie verkörpern einerseits das "neue" Amerika und andererseits gelingt es ihnen nicht, einen alternative Gegenentwurf zum "alten"Amerika zu leben. Ihr Lebensentwurf, der auf Konsum, Egoismus und Narzissmus basiert, ist nicht tragfähig.

    Einen überraschenden Twist am Ende des Romans erwartet die Leser*innen, die sich durch eine beträchtliche Anzahl von Seiten gelesen haben. Kürzungen hätten diesem Klassiker gut getan. Insgesamt hat der Roman mich nur teilweise überzeugt, da er schlicht und ergreifend viel zu viele langatmige Passagen hat, zu wenig geschieht und die Figuren keine Entwicklung durchlaufen - das wiegt auch die Sprache nicht auf.

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