Die Nanny: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Nanny: Roman' von Macmillan, Gilly
3
3 von 5 (8 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Nanny: Roman"

Die siebenjährige Jo wächst im Luxus auf, doch Wärme und Zuneigung erfährt sie nur von ihrer geliebten Nanny Hannah. Als die eines Nachts ohne jede Erklärung verschwindet, bricht für das Mädchen eine Welt zusammen. Dreißig Jahre später kehrt Jo nach England in das Anwesen ihrer Kindheit am See zurück. Die Beziehung zu ihrer Mutter ist noch immer geprägt von Vorwürfen und Ablehnung, und so ist Jo überglücklich, als eine ältere Dame auftaucht und sich als Hannah, Jos ehemalige Nanny, vorstellt. Doch Jos Mutter ist misstrauisch. Denn sie weiß – Hannah ist tot, seit der Nacht vor über dreißig Jahren. Wem soll Jo glauben? Ihrer Mutter oder der Frau, die damals das einzig Guten in ihrem Leben war? Und will Jo die Wahrheit überhaupt wissen? Denn die tut manchmal so weh, dass man lieber mit einer Lüge leben würde …

Format:Broschiert
Seiten:448
Verlag:
EAN:9783764507176

Rezensionen zu "Die Nanny: Roman"

  1. Anders als erwartet

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 27. Aug 2020 

    Jocelyne, genannt Jo, ist nach dem plötzlichen Unfalltod ihres Mannes gezwungen mit ihrer Tochter Ruby wieder zur ihrer Mutter nach England zurückzugehen. Lake Hall, ein großes Anwesen von Lady Holt, Jo wollte niemals wieder dorthin zurück. Schon seit frühester Kindheit war das Verhältnis zu ihrer Mutter gestört. Ein richtig gutes Verhältnis bestand nur zu ihrer Nanny. Doch die verschwand eines Nachts spurlos und tauchte nie wieder auf.

    Doch dann geschieht das Unfassbare. Es klingelt und die ältere Dame, die vor der Tür steht, stellt sich als Nanny Hannah vor. Jo ist begeistert und stellt sie auch gleich als Nanny für ihre eigene Tochter ein. Doch ihrer Mutter ist das gar nicht recht. Sie zweifelt an der Wahrhaftigkeit von Hannah, denn sie ist sich sicher, Hannah ist tot.

    In verschiedenen Erzählperspektiven erschließt sich beim Lesen nicht nur das damalige und auch heutige Leben von Lady Holt. Auch Hannah und Jo kommen zu Wort. So fügen sich nach und nach die einzelnen Puzzlestückchen zusammen. Die Spannung, die sich dabei aufbaut, macht beim Lesen klar, das ganz dicke Ende kommt noch. Ab einem bestimmten Punkt ist auch klar, wer hier ein falsches Spiel mit den anderen Beteiligten spielt, aber da ist das Buch ja dann immer noch nicht zu Ende.

    Der Schluss war mir ein wenig zu abrupt, hat mir aber dennoch gut gefallen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung und verdiente vier Lesesterne.

  1. Zu Beginn spannend, flaut aber sehr schnell ab

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 27. Aug 2020 

    Zu Beginn spannend, flaut leider sehr schnell ab

    Die Nanny von Gilly Mcmillian

    Jocelyn Holt wurde eher von ihrer Nanny Hannah erzogen, als von ihren Eltern. Als Jocelyn 7 Jahre alt war, verschwand Hannah spurlos, anschließend wurde sie in ein Internat geschickt. Später, als sie älter wurde, brach Jocelyn den Kontakt dann komplett ab. Die Beziehung zu ihrer Mutter Virginia war schon immer schwierig, lediglich den Vater vergötterte sie als Kind sehr. Doch sie hatte immer das Gefühl, dass die Mutter wichtiger war.

    Als Jo, wie sich Jocelyn nun nennt, ihren Mann verliert, steht sie mit ihrer 10 jährigen Tochter Ruby fast mittellos da, und zieht zu ihrer Mutter, ihr Vater ist schon verstorben, nach Lake Hall auf das Anwesen ihrer Kindheit
    Virginia bemüht sich unheimlich um ihre Enkelin, sie verhält sich sehr verständnisvoll, ein Verhalten, das Jo sich damals für sich selbst gewünscht hätte. Jo möchte unbedingt arbeiten gehen, will, sehr zum Unwillen ihrer Mutter, bei einem befreundeten Kunsthändler anfangen. Dazu müsste sie allerdings nach London pendeln. Ruby von ihrer Mutter betreuen zu lassen ist Jo ein Gräuel, tief sitzen die Wunden der Zeit, als sie unter ihrer Mutter gelitten hat.
    Als ein Schädel im See gefunden wird, liegt der Verdacht nahe, dass es der von Hannah Burges sein könnte. Jo hat große Gedächtnislücken aus dieser Zeit, brennt aber auf Antworten.
    Als dann eine Frau auftaucht, die sich Hannah ausgibt, ist das Verwirrspiel komplett, und das Problem der Betreuung für Ruby scheint gelöst. Doch Ruby mag Hannah nicht........

    Zu Beginn war ich begeistert von diesem Thriller. Viele Fragezeichen, spannende Handlung, eins kommt zum anderen. Der Drang weiter zu lesen um Antworten zu bekommen war groß.
    Der weitere Verlauf war psychologisch sehr ausgefeilt, weil Hannah und auch Virginia einige interessante Geheimnisse haben. Vieles steht im weiteren Verlauf in einem anderen Licht. Jemand ist ganz eindeutig sehr manipulativ und hält die Fäden in der Hand. Ein spannendes Konstrukt, so lange bis sich das Buch dem Ende neigt. Denn das Ende war für mich mehr als enttäuschend, denn alles zeichnete sich im Vorfeld bereits ab. Es gab keine überraschende Wendung, es plätscherte alles nur noch so dahin. Einige Fragen wurden nicht geklärt, obwohl sie für mich wichtig gewesen wären.

    Schade, ein guter Anfang, aber insgesamt nicht spektakulär.

  1. Hinter der Fassade von Lake Hall

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 25. Aug 2020 

    Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Chris kehrt Jocelyn mit ihrer zehnjährigen Tochter Ruby nach Lake Hall zurück. Auf dem vornehmen Anwesen in England ist Jo aufgewachsen. Zu ihren Eltern, dem inzwischen verstorbenen Lord Alexander Holt und dessen Frau Virginia, hatte sie zuletzt kaum Kontakt. In ihrer Kindheit war das Verhältnis zu den beiden bereits unterkühlt. Nur für ihre Nanny Hannah empfand Jo viel Zuneigung. Doch im Alter von sieben Jahren muss sie die Entdeckung machen, dass ihr Kindermädchen plötzlich verschwunden ist. Nun, 30 Jahre später, ist das Verhältnis zwischen Jocelyn und Virginia noch immer angespannt und geprägt von Vorwürfen und Ablehnung. Und mit einem Mal steht eine Frau vor der Haustür, die behauptet, die verschollene Nanny zu sein. Was ist damals vorgefallen? Und zu wem gehörte der Schädel, der im See gefunden wird?

    „Die Nanny“ ist ein Spannungsroman von Gilly Macmillan.

    Meine Meinung:
    Der Roman besteht aus drei Teilen. Diese wiederum sind in etliche Kapitel mit kurzer Länge untergliedert. Erzählt wird im Präsens aus der Sicht von Jo und Virginia, jeweils in der Ich-Perspektive, sowie aus der von Detective Andy Wilton. Zudem gibt es einen weiteren Erzählstrang, der die Vergangenheit betrifft und aus der Sicht von Hannah geschrieben ist. Die Wechsel zwischen den Perspektiven sind reizvoll und sorgen für Spannung. Vorangestellt sind zwei kurze Abschnitte, die als eine Art Prolog betrachtet werden können. Dieser Aufbau funktioniert sehr gut.

    Der Schreibstil ist schnörkellos und unspektakulär, aber anschaulich und nicht unpassend. Er enthält viel wörtliche Rede. Zudem sind zwischendurch Textnachrichten abgedruckt.

    Die drei Frauen – Jocelyn, Virginia und Hannah – stehen klar im Fokus des Romans. Während zunächst die Figuren recht klischeehaft wirken, ergibt sich bald ein differenzierteres Bild. Sehr gut gelungen ist die psychologische Tiefe der drei Protagonistinnen, die immer mehr als Charaktere mit Ecken und Kanten Form annehmen. Ihre Gedanken, Gefühle und Motive lassen sich nachvollziehen. Allmählich wird klar, dass gleich mehrere Personen ein falsches Spiel spielen und nicht alles so ist, wie es scheint. Ein wenig übertrieben dargestellt ist allerdings Jos Naivität und Unreife, die angesichts ihres Alters an der Grenze des Glaubwürdigen kratzt.

    Das Erzähltempo ist recht langsam. Nur Stück für Stück entfaltet sich die Handlung. Inhaltlich greift die Geschichte unterschiedliche Themen auf und ist überraschend komplex. Zwar gibt es auch mehrere Wendungen und unerwartete Ereignisse. Immer wieder kommt es auf den rund 440 Seiten aber zu Längen, sodass ich während des Lesens mehrfach versucht war, Passagen zu überfliegen.

    Das größte Manko ist für mich jedoch die lausige Auflösung des Geheimnisses des Verschwindens von Hannah. Zum Ende hin wird der Roman unrealistisch und unlogisch. Dass so etwas tatsächlich in dieser Art passieren kann, halte ich für abwegig. Zudem wird das Verhalten der Nanny am Schluss inkonsistent und ist nicht mehr stimmig. Enttäuschend ist außerdem, dass einige offene Fragen und lose Enden einfach fallen gelassen werden.

    Das stimmungsvolle, genretypische Cover finde ich ansprechend. Der prägnante Titel, der wörtlich aus dem englischen Original übersetzt wurde, passt ebenfalls gut.

    Mein Fazit:
    „Die Nanny“ von Gilly Macmillan ist ein Spannungsroman, der für unterhaltsame Lesestunden sorgt. Aufgrund seiner Längen und der enttäuschenden Auflösung ist er für mich aber kein Must-Read.

  1. Vor allem das Ende schwächelt...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 22. Aug 2020 

    Die siebenjährige Jo wächst im Luxus auf, doch Wärme und Zuneigung erfährt sie nur von ihrer geliebten Nanny Hannah. Als die eines Nachts ohne jede Erklärung verschwindet, bricht für das Mädchen eine Welt zusammen. Dreißig Jahre später kehrt Jo nach England in das Anwesen ihrer Kindheit am See zurück. Die Beziehung zu ihrer Mutter ist noch immer geprägt von Vorwürfen und Ablehnung, und so ist Jo überglücklich, als eine ältere Dame auftaucht und sich als Hannah, Jos ehemalige Nanny, vorstellt. Doch Jos Mutter ist misstrauisch. Denn sie weiß – Hannah ist tot, seit der Nacht vor über dreißig Jahren. Wem soll Jo glauben? Ihrer Mutter oder der Frau, die damals das einzig Guten in ihrem Leben war? Und will Jo die Wahrheit überhaupt wissen? Denn die tut manchmal so weh, dass man lieber mit einer Lüge leben würde…

    Die Verwirrspiele und die wechselnden Perspektiven sind es, die diesem Roman einen gewissen Sog verleihen. Gerade die Sichtweisen der verschiedenen Charaktere (vor allem Jo und ihre Mutter wechseln sich hier ab) sorgen dafür, dass vermeintlich bereits bekannte Sachverhalte sich unerwartet in einem ganz neuen Licht zeigen und man als Leser plötzlich eine Kehrtwende in seinem Urteil vollziehen muss.

    Die Charaktere erscheinen im Verlauf der Erzählung in einem zunehmend anderen Licht. Während der Leser zu Beginn Sympathien für Jo entwickelt, die nach dem Tod ihres Ehemanns mit ihrer kleinen Tochter aus den USA nach England zurückkehrt und dort aufgrund ihrer prekären Lage ausgerechnet zu ihrer Mutter ziehen muss, mit der sie sich zeitlebens nie wirklich verstanden hat, kippt diese Einstellung allmählich, je mehr Hintergrundwissen man erhält.

    Schließlich ist es die Mutter, die trotz ihres fortgeschrittenen Alters plötzlich als diejenige erscheint, der übel mitgespielt wurde, und die trotz allem versucht, stets den Kopf oben zu tragen - ganz im Gegensatz zu Jo, die an alten Verletzungen und einer unversöhnlichen Vorwurfshaltung festhält und sich nur dann weiterentwickelt, wenn es gar nicht anders geht. Anstrengend.

    Ein wesentlicher Charakter des Romans ist natürlich das Kindermädchen Hannah - oder die Frau, die sich für sie ausgibt. Denn eigentlich kann sie es unmöglich sein. Jos Mutter ist sich da ganz sicher - aber das gehört zu den Geheimnissen, die niemals ans Tageslicht gelangen dürfen. Nur - was will diese Frau nach über dreißig Jahren? Weshalb taucht sie ausgerechnet jetzt auf?

    Im Verlauf der Erzählung blickt der Leser zunehmend hinter die vermeintlich glatte Fassade der adligen Familie - sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit gibt es etliche Geheimnisse um Lord und Lady Holt, die sie lieber im Verborgenen wissen würden, doch eins nach dem anderen kommt nun ans Licht. Erschreckend für die Tochter Jo, die als kleines Kind im Grunde von ihrem Kindermädchen Hannah aufgezogen wurde. Aber woran könnte sie sich womögich erinnern, wenn sie sich in das Alter von sieben Jahren zurückversetzen könnte? Mit dieser Frage spielt der Roman und hält damit die Spannung aufrecht, die allerdings phasenweise doch auch in langatmigen Passagen - vor allem im Mittelteil - zu versinken droht.

    Ein wirklicher Schwachpunkt des Romans ist für mich - ausgerechnet - das Ende. Dort kommt es gleich bei mehreren Charakteren zu eher unglaubwürdigen und nicht vorstellbaren Verhaltensweisen, so dass hier bei mir eher Kopfschütteln angesagt war denn Begeisterung über einen passenden Schlussakt. Außerdem bleiben hier auch einige Fragen offen, was mich per se schon unbefriedigt zurücklässt.

    Alles in allem eine nette Unterhaltung, die ich nicht ungern gelesen habe, die mich aber auch nicht wirklich überzeugen konnte. Hiervon hatte ich mir allein schon aufgrund des Klappentextes doch mehr versprochen...

    © Parden

  1. Wenn das Blatt sich wendet...⠀

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 19. Aug 2020 


    Um mit einem positiven Punkt zu beginnen:⠀

    Hochinteressant ist, wie widersprüchlich die verschiedenen Charaktere bei jedem Perspektivwechsel gezeichnet werden.Wer gerade noch zuckersüß und sympathisch wirkte, erscheint aus dem Blickwinkel einer anderen Person berechnend und kalt – oder umgekehrt.⠀

    Als Leser merkt man schnell, dass man sich so oder so kein voreiliges Urteil bilden sollte, weil man nicht weiß, wie weit man den Wahrnehmungen und Erinnerungen bestimmter Charaktere trauen kann. Obwohl deren Erinnerungsfetzen alles andere als untrüglich sind, setzt sich nach und nach ein verschwommenes, indes eindeutiges Gesamtbild zusammen.⠀

    Aus anfänglich flach erscheinenden Figuren werden nach und nach Menschen mit Ecken und Kanten, mit echtem Herzblut und schlüssigen Hintergrundgeschichten.⠀

    Leider bleibt ausgerechnet Protagonistin Jo, Fix- und Angelpunkt der Geschichte, recht blass. Über weite Passagen lässt sie keine nennenswerte Entwicklung erkennen, wenn sie ihr nicht von außen aufgezwungen wird. Dies erweist sich im Laufe des Buches zwar als folgerichtig, dennoch wirkt sie dadurch blutarm. Es sind stattdessen die beiden Widersacherinnen, die am interessantesten sind: Nanny Hannah und Mutter Virginia, die sich aufs Blut nicht ausstehen können.⠀

    Die Hintergrundgeschichte, warum dem so ist, entpuppt sich als erfreulich komplex und vielschichtig. Es geht nicht nur um die Tote um See, sondern auch um andere Vergehen. Außerdem gewinnt der Leser einen Einblick in das dekadente Luxuslebens des gelangweilten Adels – und dessen mal mehr, mal weniger harmlose Abgründe.⠀

    Es kommt zu einigen erstaunlichen Enthüllungen. Dinge passieren, die eigentlich nicht sein können, aber wider jegliche Probabilität dennoch so sind… Oder doch nicht? Wieder und wieder kippt das Bild, und mehr als ein Charakter intrigiert meisterhaft, während ein anderer Charakter sich der gedanklichen Ketten nicht bewusst ist.⠀

    Bis zu einem gewissen Punkt ist das großartig geschrieben und wahnsinnig geschickt konstruiert, da macht das Lesen und Miträtseln sehr viel Spaß.⠀

    Leider fällt dieses Kartenhaus in den letzten Abschnitten des Buches in sich zusammen.⠀

    Eine Entwicklung ist mehr als fragwürdig: ein Charakter vollbringt Dinge, die meines Erachtens schlichtweg unmöglich sind. Das Verhalten dieses bisher sehr eindeutig gezeichneten Charakters fällt außerdem vollkommen aus der Rolle, ohne dass die Gründe nachvollziehbar wären.⠀

    Mein Eindruck war: das muss so sein, weil das Ende des Buches sonst nicht funktionieren würde – nicht, weil es Sinn macht für diesen Charakter! Danach wurde es für mich auch recht vorhersehbar.⠀

    Dabei ist das Potential eigentlich vorhanden: Die Autorin hat im ersten Teil des Buches das Fundament für einen großartigen Spannungsroman mit überzeugendem Ende gelegt. Aber ganz am Schluss greift sie manche losen Fäden nicht mehr auf, lässt sorgfältig gelegte Fallen verstauben, missachtet ihre eigenen psychologischen Winkelzüge…⠀

    Fazit⠀

    Das Buch schlug mich schnell in seinen Bann, ich fand es flüssig und spannend geschrieben, sowie gekonnt konstruiert. Ich fieberte und rätselte mit, ich las es mit viel Vergnügen – endlich mal wieder ein echtes Spannungs-Highlight!⠀

    Leider fand ich die Auflösung dann aber wenig glaubhaft und dadurch enttäuschend. Vorher hätte ich das Buch vorbehaltlos als Must-Read weiterempfohlen, jetzt muss ich zu meinem Bedauern Abstriche machen.⠀

    Dennoch: ich bereue nicht, “Die Nanny” gelesen zu haben – vom Ende abgesehen ist das Buch unterhaltsam und spannend. Muss man nicht lesen, kann man aber sehr gut!⠀

  1. Leider ein Fehlgriff.

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 09. Aug 2020 

    Der 442 seitige Roman „Die Nanny“ von Gilly Macmillan hat mich aufgrund seines Covers und Klappentextes sehr gereizt.
    Jetzt habe ich ihn gelesen und leider fällt meine Bewertung nicht allzu gut aus.

    Es ist ein Roman, der den Leser am Anfang auf falsche Fährten schickt, Fragen aufwirft und Spannung erzeugt.
    Das ist ja erstmal genau das, was man sich von einem Thriller erwartet. Mit der Zeit wird er recht vorhersehbar, streckenweise sogar etwas langweilig... und dann folgt die Enttäuschung, denn die Auflösung ist unglaubwürdig und höchst fraglich. Sie lässt viele Fragen offen und ist nur schwer vorstellbar.
    Der Schluss wirkt zu konstruiert und mindert leider Qualität und Niveau des Buches.

    Auf zwei Zeitebenen und aus mehreren Perspektiven erzählt die Autorin den Roman, mit dem ich nicht richtig warm wurde und dessen Personal zu eindimensional beschrieben wurde.

    Manches, von dem erzählt wird, fand ich regelrecht überflüssig, Anderes wiederum hätte mich genauer interessiert, aber die Autorin ging nicht näher darauf ein.

    Jetzt aber vielleicht noch ein paar Worte zum Inhalt:

    Jo hat eine Nanny.
    Eine Nanny, Hannah, die ihr mehr Mutter ist, als ihre leibliche.
    Und dann das Entsetzliche: Hannah verschwindet über Nacht, als Jo erst sieben Jahre alt ist.
    Zeitsprung.
    Nach 30 Jahren kehrt Jo mit ihrer Tochter Ruby zurück in das Herrenhaus Lake Hall und dann beginnen geheimnisvolle Dinge ihren Lauf zu nehmen.
    Mutter und Tochter finden den Schädel eines Menschen und fragen sich, ob es der von Hannah sein könnte.
    Und dann taucht auch noch eine Frau auf, die, Hannah zu sein behauptet.

    Fazit:
    Aus der vielversprechenden Idee hätte viel mehr gemacht werden können.
    Ich kann leider nur zwei von fünf Sternen geben.

  1. Hütet euch vor dieser Nanny!

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 07. Aug 2020 

    Vor 30 Jahren verschwand Hannah, die geliebte Nanny der siebenjährigen Jocelyn Holt, spurlos. Als Jocelyn nun, frisch verwitwet, mit ihrer Tochter Ruby nach Lake Hall auf das elterliche Anwesen zurückkehrt, leben die alten Spannungen mit ihrer Mutter Virginia wieder auf. Dann findet Ruby bei einem Bootsausflug einen menschlichen Schädel. Könnte damit das Verschwinden der Nanny erklärt werden? Doch plötzlich steht eine Frau vor den Toren von Lake Hall, die behauptet Hannah zu sein. Nur Lady Holt - Virginia - ist sich sicher, dass nicht sein kann, denn sie selbst hat Hannah damals im See versenkt.
    Die britische Autorin Gilly MacMillan hat schon mehrere Spannungsromane geschrieben. „Die Nanny“ ist nun ihr neuester Wurf. Gekonnt baut sie eine unangenehme Atmosphäre zwischen allen Beteiligten auf, die geprägt ist von Lügen, Betrug und Misstrauen.
    Mit den Ich-Erzählstimmen von Jocelyn, die sich später Jo nennen lässt und Virginia sowie mehreren Einschüben aus der Vergangenheit der Nanny, lernen wir sehr unterschiedliche Seiten der Protagonistinnen kennen. Es ist vor allem der schwelende Mutter-Tochter-Konflikt im Fokus. Und je mehr man von Jo, Virginia und Hannah liest umso mehr verschieben sich die Betrachtung und Sympathien von der einen zur anderen.
    „Hannah bedeutet ihr alles. Hannah mag sie. Hannah hört zu und hat Zeit, Jocelyn Dinge zu erklären. Hannah ist besser als Mutter. Hannah liebt Jocelyn.“
    Als Hannah sich wieder auf Lake Hall breit macht, diesmal als Betreuung für Jos Tochter Ruby, beginnt die Situation zu eskalieren. Es ist längst nicht alles so wie es scheint. Denn die Nanny hat sehr viel zu verbergen und auch Virginia hat so manches am Laufen, womit man nicht gerechnet hätte. Gut bewahrte Ereignisse, echte und falsche Erinnerungen, niemandem kann man trauen.
    „Die Wahrscheinlichkeit, dass Erinnerungen zurückkehren, ist geringer, wenn nichts da ist, was sie auslöst.“
    Sehr perfides Gaslightning macht das Buch spannend und lesenswert. Doch leider nur bis zu dem Moment, als sich aufklärt, was es mit dem Knochenfund und dem damaligen Verschwinden der Nanny auf sich hat.
    Hütet euch vor dieser Nanny, denn sie ist manipulativ, intrigant, bösartig und unglaubwürdig.

  1. Ansätze von Charakterzeichnung zu erkennen

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 06. Aug 2020 

    Kurzmeinung: Ganz nett.
    Ansätze von Charakterzeichnung zu erkennen

    Es ist mal etwas anderes, wenn die Nanny verschwindet und nicht das Kind entführt oder geraubt wird. Entspannend anders.

    Inhalt: Jocelyn Holt war seinerzeit total auf Nanny Hannah geprägt. Denn Mutter und Vater sind mit glamourösen Partys beschäftigt und haben keine Zeit für sie. Um so schlimmer als Jocelyn die Nanny im Alter von sieben Jahren urplötzlich verliert. Nun, dreißig Jahre später, taucht ihr Kopf im See auf. Und kurz darauf sie selber. Allerdings quietschlebendig.

    Neben der Krimischiene, die MacMillan mit einem Detektivpärchen dezent bedient, das unaufdringlich immer einmal wieder auftaucht, aber sehr kurz, was mir gut gefällt, weil der Roman nicht von komischen, urigen oder sonstigen charaktervollen Detektives lebt, legt die Autorin den Fokus auf die Mutter-Tochter-Schiene.

    Für mein Dafürhalten hätte sie hier weit mehr investieren müssen. Und das hätte sich gelohnt!

    Zwar ist die weitere Vertiefung des Mutter-Tochter-Aspekts für die Handlung, in der die Nanny der Mittelpunkt ist, nicht unbedingt notwendig, aber, was die Autorin anführt, bleibt doch sehr an der Oberfläche und teilweise schablonenhaft, schade, hier wäre noch mehr drin gewesen. Dennoch entsteht ein Lesesog.

    Die Autorin schreibt recht gefällig und für einen Kriminalroman nicht einmal platt. Zwar kann sie meiner Lieblingsphrase „holte tief Luft“ nicht widerstehen, aber die Schreibweise reißt nicht nach unten aus. Nach oben allerdings auch nicht. Zwar versucht die Autorin sich an Atmosphäre, in dem sie „Natur“ schildert, aber diese Schilderungen tragen nichts zur Handlung bei. Was u.a. das Kennzeichen von Kitsch ist.

    Nun. Denn. Bei Kriminalromanen zählt die Auflösung. Die Autorin hält die Leserschaft einigermaßen bei Laune und in Spannung, aber ihre Auflösung ist dann doch etwas fragwürdig. Beim Schluss ins Kreuzverhör genommen, würde die Autorin möglicherweise arg ins Schwitzen kommen.

    Fazit: Mit seinen vierhundert Seiten überzeugt die Autorin mit einer gefälligen Schreibweise und den Ansätzen von Charakterentwicklung bei ihren Figuren. Allerdings bleiben diese Charakterisierungen dann doch noch zu sehr an der Oberfläche hängen und wirken schwarz-weiß. Keineswegs werden die komplizierten Muster menschlichen Verhaltens abgebildet. „Zu einfach“ würde Elton aus Wer-weiß-denn-sowas sagen. Dennoch entwickelt sich ein nettes kleines Verwirrspiel, das ganz unterhaltsam ist. Die Auflösung wiederum überzeugt psychologisch gesehen überhaupt nicht. Und auch sonst nicht. Da sind Logiklöcher, die schreien förmlich. Die Autorin hätte ihren Roman vielleicht noch zwanzig Jahre weiter spannen müssen, „um mich zu kriegen“.

    Kategorie: Kriminalroman
    Verlag: Blanvalet, 2020