Die Nachricht: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Nachricht: Roman' von Doris Knecht
4.65
4.7 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Nachricht: Roman"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
Verlag:
EAN:9783446271036

Rezensionen zu "Die Nachricht: Roman"

  1. Die Nachricht

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 08. Sep 2021 

    Ruth arbeitete als Drehbuchautorin in einer mittelgroßen Stadt in Österreich. Sie hatte ihren Mann verloren durch einen Unfall. Ihr Sohn war beim Skiunfall anwesen. Sie war beruflich unterwegs und war dann mit dem endgültigen Tod ihres Mannes konfrontiert. Im Laufe der Ehe hatten sich beide entfremdet und sie hatte mit dem Gedanken gespielt sich von ihrem Mann zu trennen. Nach dem Tod stellte sich heraus, dass Ludwig eine Geliebte hatte. Ruths Sohn Bennie litt sehr unter dem Verlust seines Vaters. Er war anwesend beim Skiunfall und musste tatenlos zusehen wie sein Vater verstarb. Aus diesem Grund konsultierte Bennie einen Kinder- und Jugendpsychiater Simon. Mit diesem Mann verabredete sie sich dann auch und sie fühlte sich zu ihm hingezogen. Diese Liebesbeziehung war eher eine On und Off- Beziehung. Wenn es zu eng und zu intensiv wurde, ging Simon auf Distanz und verabredete sich mit anderen Frauen. Nach einiger Zeit suchte dann Simon wieder Anschluss an Ruth und sie gingen wieder zusammen ins Bett, bis Simon sich wieder zurück zog.

    Im Laufe der Zeit bekam Ruth obszöne Nachrichten aus den soz. Medien/ Facebook/ Twitter. Da sie auch beruflich viel im Internet unterwegs war, war sie an diese Medien angewiesen. Schlimmer noch auch ihre Freunde, Kinder und Arbeitgeber bekommen Nachrichten, sie sie verunglimpfen. Sie als Schlampe darstellten u.ä. Ihr Leben war bestimmt von diesen Nachrichten, die sie stark mitnahm. Sie vertraute mit der Zeit kaum jemanden, da diese Nachrichten sehr persönliche Themen anschnitten, die nur ihre engsten Vertrauten wussten.

    Eigene Meinung:

    Ich finde das Thema sehr wichtig, da das Thema gut Stalking und Belästigung von Frauen, die beruflich präsent sind, beschreibt. Nur fand ich das Thema manchmal zu ausufernde, mit immer wiederkehrenden Wiederholungen beschrieben. Was mich manchmal etwas langweilte. Aber insgesamt fand ich es sehr lesenswert, auch von der Sprache des Buches.

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  1. Genial

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Aug 2021 

    Ich war schon lange nicht mehr beim Lesen eines Buches so sehr in Versuchung, auf der letzten Seite vorzeitig nach der Auflösung zu linsen. Hier liegt ein Rätsel auf dem Tisch, das einen packt und verstört.

    Drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes bekommt Ruth plötzlich anonyme Nachrichten, die intime Details aus ihrem Privatleben kommentieren und verhöhnen. Ihr Mann hatte ein Verhältnis, ja, das hat sie auch herausgefunden, aber wie kann das jemand anderes wissen.

    Als Fernsehmoderatorin ist sie üble Facebookkommentare gewöhnt, aber das geht doch zu weit. Irgendjemand stalkt sie, beobachtet sie, kennt ihre Adresse und ihre Handynummer. Nicht nur das, er diffamiert sie sogar in ihrem eigenen Kreis, Freunde, Familie, sogar der Arbeitgeber bekommen ebenfalls pikante Dinge über sie zu hören. Und auch, wenn die natürlich alle auf Ruths Seite stehen, ist da doch ein Gerücht in der Welt, das eine Erklärung verlangt.

    Dieses Buch liest sich im Flug. In einem wundervollen Stil, plastisch, originell, ohne große Wortakrobatik zu betreiben, erzählt Doris Knecht diese vertrackte Geschichte, die zeigt, wie perfide Cybermobbing funktioniert. Ruths Situation ist gruselig.

    Man blickt in ihr Leben und lernt sie gut kennen. Sie ist eine selbstbewusste Frau und Mutter, aber nicht perfekt. Eigentlich ist sie taff genug, sich zu wehren, aber diese Situation überfordert sie und reißt auch noch kaum verheilte Wunden auf. Die Erinnerungen an ihren Ehemann lösen Trauer aus aber auch Wut über einen Betrug, den man noch nicht mal mehr anklagen kann.
    Wer mag dieser Nachrichtenschreiber sein und warum nur? Man rätselt mit und hat früher oder später nahezu jeden in Verdacht.

    Dieses Buch ist genial, einfühlsam und toll erzählt, spannend und beängstigend bringt es unaufdringlich wichtige Themen auf den Tisch, zeigt Misogynie in vielen Spielarten und führt vor, wie leicht man schuldlos zum Opfer werden kann.
    Ich bin beeindruckt und habe eine neue Lieblingsautorin entdeckt.

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  1. Fremdeinwirkung

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Aug 2021 

    Kurzmeinung: Wunderbare Neuentdeckung. Habe bereits weitere Romane von Doris Knecht geordert. Sympathisch ist sie auch noch!

    Der neue Roman „Die Nachricht“ von Doris Knecht ist ein Schwergewicht. Vordergründig geht es um eine digitale Stalkinggeschichte, die jedem passieren könnte. Theoretisch wissen wir alle, dass die Anonymität im Netz ein Problem ist. Doch wenn man betroffen ist, ist es dann doch ganz anders. Das erfährt auch Ruth, die Heldin, die keine Löwin ist.

    Hintergründig geht es jedoch um Misogynie, im digitalen Zeitalter nicht weniger ausgeprägt als im analogen, sogar im Gegenteil. Fast immer sind Frauen die Betroffenen von Stalking, Männer die Täter. Meistens kommen sie sogar ungeschoren davon.

    Wie der Alltag Ruths in ihrem Landhaus abläuft, wird mit Liebe beschrieben. Wald. Fluss. Angler. Licht und Luft. Trauer. Erinnerungen. Einsamkeit. Denn Ruth ist gerade dabei, die erste Trauerphase um den Verlust ihres Ehemanns abzuschließen. Ihr Ehemann war kein Heiliger. Trauer und Wut mischten sich.

    Der Roman ist kein Sachbuch über Cybermobbing und steigt infolgedessen auch nicht besonders tief in das Thema ein. Es geht um Psychologie. Um Alltag. Um Seele. Der Roman ist auch kein Kriminalroman. Denn dann hätte man die Spannungskurve kritisieren können. Obwohl das Buch durchaus spannend ist. Aber es geht eben auch um etwas anderes: um das Leben selbst nämlich.

    Wie es ist, plötzlich herausgerissen zu werden aus seinem Alltag durch Leid und Mobbing. Davon handelt der Roman. Und wie schwerfällig man agiert, denn man braucht Zeit, zu reagieren, sich zu sammeln. Derartige Einbrüche im Leben machen etwas mit einem. Die Autorin hat diesen Prozeß hervorragend beschrieben. Zweifel. Misstrauen. Verlassenheit. Resignation. Ängste. Wut.

    Wenn einem die unaufgeregte lyrische Schreibweise von Doris Knecht zusagt und man Landleben im Buch mag, und man mitgerissen werden will in einen Lesesog, den Doris Knecht auf doch wenigen Seiten zu entwickeln vermag, für den ist "Die Nachricht" ein wunderbarer Lesegenuß. Es sieht so unscheinbar aus, das Buch mit dem Häuschen und dem vielen Grün auf seinem Cover! Aber das täuscht! Innen drin ist Qualität.

    Fazit: Doris Knecht ist eine bereichernde Neuendeckung für mich. Eine Kandidatin für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2021, wenn es nach mir ginge. Halt wieder typisch Hanser-Verlag. Mein Kompliment!

    Kategorie: Belletristik
    Verlag: Hanser 2021

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