Die Mission des Kreuzritters: Historischer Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Mission des Kreuzritters: Historischer Roman' von Ulf Schiewe
4.4
4.4 von 5 (8 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Mission des Kreuzritters: Historischer Roman"

Jerusalem, 1129. Als älteste Tochter des Königs soll Melisende einst die Krone erben und über das Heilige Land herrschen. Den von ihrem Vater ausgesuchten Bräutigam lehnt die eigenwillige junge Frau jedoch vehement ab. Heimlich verlässt sie mit einer Eskorte die Stadt. Doch sie kommt nicht weit. Ihre Reisegruppe wird überfallen, ihre Wache getötet, sie selbst als Geisel verschleppt. Um sie zu retten, schickt König Baudouin den Tempelritter Raol de Montalban aus. Bald merkt er: Gefahr droht von mehr als einer Seite ...

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:528
Verlag: Lübbe
EAN:9783785727591

Rezensionen zu "Die Mission des Kreuzritters: Historischer Roman"

  1. Akribisch recherchiert, spannend und filmtauglich

    Melisende von Jerusalem ist eine historische Figur. Über 20 Jahre lang war sie Königin von Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge. Und um diese historische Figur herum entspinnt Ulf Schiewe eine atemberaubende Geschichte um Liebe, Verrat und knallharte Machtpolitik. Aber der Reihe nach.

    Im Jahre 1129, knapp 30 Jahre, nachdem Jerusalem im ersten Kreuzzug von christlichen Heeren erobert wurde, herrschte Melisendes Vater Balduin II über das Heilige Land. Seine verstorbene Frau schenkte ihm keine männlichen Erben. In der damaligen Zeit war es unüblich, dass die älteste Tochter anstelle eines Sohns den Thron besteigt. Deshalb will Balduin seine älteste Tochter an einen wohlhabenden und mächtigen fränkischen Adeligen verheiraten, der nach seinem Tod an Melisendes Seite über Jerusalem herrschen soll. Eine Zweckheirat, wie sie in der damaligen Zeit üblich war. Melisende weigert sich, sie will nicht "wie eine Kuh" auf dem Markt verkauft werden, aber sie weiß, dass ihr Vater, der König, auf Dauer am längeren Hebel sitzt. Sie flieht. Und damit nehmen die Verwicklungen ihren Lauf.

    Mit der Gefangenname von Melisende durch Balduins Gegenspieler verlässt die Geschichte den Pfad der historisch verbürgten Fakten. Aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Ulf Schiewe erzählt eine Geschichte aus der Zeit der Tempelritter und Kreuzzüge, die in jedem Fall genauso hätte passieren können. Denn die Umstände, Personen und Gebräuche sind so detailreich und lebendig geschildert und akribisch recherchiert, dass die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit verschwimmt.

    Bei der Lektüre, bei den Schilderungen von Land und Leuten, Jerusalem und anderen Küstenorten der Kreuzfahrerstaaten, hatte ich immer wieder die Bilder von Ridley Scotts Film "Königreich der Himmel" im Kopf, der allerdings 70 Jahre später im Heiligen Land spielt. Sollte Scott jemals die Jahrzehnte davor erzählen wollen, mit "Die Mission des Kreuzritters" hätte er die passende Vorlage dazu.

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  1. Wunderbarer Geschichtsschmöker

    Meine Begeisterung für historische Romane hält sich seit einigen Jahren in Grenzen. Aber wer kennt es nicht – die Ausnahme von der Regel? Eben. Und so gehören seit 2019 die jeweils neu erschienenen Bücher des Autors Ulf Schiewe zu den Pflichtlektüren – zumal die von Ulf begleiteten Leserunden stets über jeden Zweifel erhaben sind und man mit den dort gegebenen zusätzlichen Informationen noch mehr Wissen zu den jeweiligen Themen mitnimmt als man eh schon durch die Bücher lernt. Für diese geballte Power an geschichtlichen Hintergründen aus unterschiedlichen Bereichen ziehe ich meinen Hut vor dem Autor!

    In seinem neuesten Schmöker „Die Mission des Kreuzritters“ begibt sich die geneigte Leserschaft auf eine Reise nach Jerusalem im Jahre 1129. Dort begegnen wir der (historisch verbürgten) Melisende – die Tochter von Balduin II. Jerusalem. Sie soll sich mit Foulques d´Anjou verheiraten, was sie zwar vehement ablehnt, ihr aber letzten Endes nichts nutzt.

    Nun beginnt eine (fiktive) Flucht, der eine Entführung folgt. Wird Melisende von dem Tempelritter Raol de Montalban gerettet werden? Das solltet ihr selbst herausfinden ha ha ha.

    Wie in seinen anderen Romanen verknüpft Ulf Schiewe kongenial historisch verbürgte Personen mit fiktiven Charakteren und Handlungen, weiß das aber so geschickt zu formulieren, dass es schwerfällt, Dichtung und Wahrheit auseinanderzuhalten. Will heißen: der Autor versteht es wie nur Wenige durch umfangreiche Recherchen zu seinen Büchern sich so konsequent in seine Figuren bzw. die jeweilige (historische) Zeit hineinzuversetzen, dass man ihm alles abnimmt *g*. Die grundsätzlich in seinen Romanen enthaltenen Nachworte, in denen es immer noch umfangreiche Zusatzinformationen etc. gibt, sind Standard und geben Aufschluss darüber, was fiktiv und was real ist. Ebenso Standard sind Glossare der wichtigsten Begriffe und eine Aufstellung aller im Buch vorkommenden Personen, so dass die geneigte Leserschaft genau weiß, wer fiktiv und wer real ist/ war.

    Seine Figuren (egal ob real oder fiktiv) sind stets sich kritisch hinterfragend – auch ihr eigenes Handeln. So fragt sich der Tempelritter Raol relativ am Anfang:

    „Wozu ist er hier auf dieser Erde? Was hat Gott mit ihm vor, wenn er es schon selbst nicht weiß? […] Mit einem, der zu viel erlebt, zu viel gesehen, zu viel Blut vergossen hat? Immer im Namen des Herrn, obwohl es doch heißt, du sollst nicht töten. Vielleicht gibt es gar keinen Plan Gottes. Weder für mich noch für andere. Vielleicht gibt es auch keinen Gott, und wir bilden uns das alles nur ein.“ (S. 32)

    Ich habe Melisende und Raol sehr gerne „verfolgt“ und war (wie oben schon angedeutet) zum wiederholten Mal schlichtweg begeistert von der Detailfülle des Romans.

    Glasklare Leseempfehlung für alle Fans von (hochwertigen) historischen Romanen und somit 5* wert!

    ©kingofmusic

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  1. Geschichte wird lebendig

    Geschichte wird lebendig

    Ulf Schiewe ist mir bereits durch andere Werke bekannt, seine Liebe zur Geschichte klingt in allen mir bekannten Werken durch, so auch hier.
    Doch hier erwartete mich persönlich Neuland, denn aus der Zeit um 1129, wusste ich so gut wie gar nichts vor diesem Roman.

    Jerusalem, es regiert Baudouin, der nun seine älteste Tochter Melisende vermählen möchte. Söhne sind ihm nicht geschenkt worden, so muss er strategisch vorgehen, und seinen Schwiegersohn mit Bedacht wählen, damit für sein Land die bestmöglichen Vorteile entstehen. So fällt seine Wahl auf den Grafen Foulques dˋAnjou. Melisende ist entsetzt, und zieht es vor zu flüchten, zu ihrer Schwester nach Antiochia, doch auf dem Weg dorthin wird sie entführt, und nach Schaizar gebracht.
    Genau da kommt dann der Tempelritter Raol Montalban ins Spiel, der vom König ausgesandt wird, um seine Tochter auszulösen.

    Im weiteren Verlauf der Handlung erleben wir ein spannendes Abenteuer, geschickt mit den historischen Fakten kombiniert. Das Buch lässt den Leser nicht mehr los. Ulf Schiewe hat eine brillante Art zu erzählen, er lässt keine Fragen offen und es wird nie langweilig. Seine Liebe zur Historie ist erkennbar und macht aus seinen Romanen wahre Schätze an Informationen. Diese Inhalte fließen nebenher ein, was mir persönlich sehr gut gefällt, denn ich lese historische Tomane ungern wie ein Sachbuch, wo nur Fakten aneinandergereiht werden.
    Die Charaktere im Roman sind keineswegs uninteressant, und in meinem Fall hatte ich schnell ein paar Charaktere die ich gern hatte. Natürlich gibt es ebenso den ein oder anderen Unsympathen, der die Geschichte interessanter macht.

    Ich persönlich kann diesen Roman jedem wärmsten ans Herz legen, ein tolles Leseerlebnis!

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  1. Auf gefährlichen Wegen im Heiligen Land

    Das Königreich Jerusalem im 12. Jahrhundert: Die junge Melisende ist außer sich vor Wut. Ihr Vater, König Baudouin, hat entschieden, dass seine Älteste den Adeligen Foulques d‘Anjou heiraten soll - ohne Melisende um ihre Meinung zu fragen. Die Thronerbin verabscheut den designierten Bräutigam und will sich der Hochzeit entziehen. Mit ihrer Schwester fasst Melisende den Plan, mit einer Eskorte heimlich aus Jerusalem zu fliehen. Doch die Königstochter ahnt nicht, in welche Gefahr sie sich damit begibt. Kann der Tempelritter Raol de Montalban sie retten?

    „Die Mission des Kreuzritters“ ist ein historischer Abenteuerroman von Ulf Schiewe.

    Meine Meinung:
    Der Roman beginnt mit einem Prolog, an den sich 19 Kapitel anschließen. Die Handlung spielt im Jahr 1129 in Jerusalem und an weiteren Schauplätzen im Heiligen Land. Landkarten in den Innenklappen sind hilfreich bei der Orientierung. Erzählt wird im Präsens und in chronologischer Reihenfolge aus der Sicht verschiedener Personen, vorwiegend aus der von Melisende und Raol.

    In sprachlicher Hinsicht ist der Spagat zwischen anschaulichem Schreiben und historischer Korrektheit gut gelungen. Zum besseren Verständnis ist ein Glossar beigefügt. Auf dieses musste ich aber erfreulicherweise nicht zurückgreifen, weil es dem Autor gelungen ist, auch unbekannte Begriffe und Formulierungen so einzubetten oder zu erklären, dass sie sich gut erschließen.

    Erwartungsgemäß stehen die Thronerbin und der Tempelritter im Fokus der Geschichte. Melisende und Raol sind zugleich sympathische und authentisch wirkende Protagonisten, die mit psychologischer Tiefe ausgestattet sind. Zwar taucht Raol de Montalban nicht zum ersten Mal in einem Schiewe-Roman auf. Allerdings erhält er hier erstmals eine tragende Rolle. Das Buch lässt sich überdies ohne Vorwissen aus anderen Bänden lesen.

    Darüber hinaus gibt es etliche Nebenfiguren. Trotz der Vielzahl an Charakteren und den teils recht exotischen Namen fällt es nicht schwer, den Überblick zu behalten. Im Zweifel hilft die Auflistung der handelnden Personen, die historische und fiktive Figuren als solche ausweist.

    Besonders gut gefallen hat mir, dass es der Autor schafft, auf unterhaltsame und keineswegs trockene Weise interessante Hintergründe aus der Zeit der Kreuzzüge und der ersten christlichen Besiedlung im Königreich Jerusalem unterzubringen. Obwohl mich diese Epoche ursprünglich wenig gereizt hat, habe ich gerne über die gesellschaftliche und politische Situation jener Tage gelesen und konnte viel Zeitgeschichtliches aufsaugen. Auch ohne jegliche Vorkenntnisse lässt sich die Geschichte sehr gut nachvollziehen.

    Dass Ulf Schiewe dabei weiß, wovon er schreibt, ist immer wieder festzustellen. Seine fundierte Recherche wird auch in den angefügten „Anmerkungen des Autors“ deutlich. Ein schönes Extra, das darüber aufklärt, welche Teile der Geschichte erfunden sind und welche auf wahren Tatsachen beruhen.

    Das einzige Manko stellt für mich die eigentliche Handlung dar. Während die erste Hälfte abwechslungsreich und überraschend geworden ist, mich also sehr gut unterhalten hat, fällt der Roman in der zweiten Hälfte etwas ab. Das Geschehen tritt dort ein wenig auf der Stelle und es kommt zu inhaltlichen Wiederholungen. Positiv anzumerken ist jedoch, dass die Handlung trotz ihrer Dramatik nicht unglaubwürdig oder überzogen wirkt.

    Das hochwertig anmutende Cover passt hervorragend zur Geschichte. Auch der Titel ist eine gute Wahl.

    Mein Fazit:
    Dass Ulf Schiewe sein Handwerk beherrscht, hat der Autor ein weiteres Mal bewiesen. Fans historischer Romane kommen auch bei „Die Mission des Kreuzritters“ auf ihre Kosten. Eine empfehlenswerte Lektüre!

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  1. 4
    31. Dez 2021 

    Melisende von Jerusalem...

    Obschon ich wahrlich kein Fan historischer Romane bin, gibt es einige Autoren, bei denen ich eine Ausnahme mache. Ulf Schiewe gehört dazu, da mich "Der Attentäter" und "Die Kinder von Nebra" seinerzeit überzeugen konnten. Hätte ich allerdings gewusst, dass "Die Mission des Kreuzritters" der zweite Band einer vierbändigen Reihe ist, hätte ich hier wohl verzichtet - das ist mir dann doch zu viel "Geschichte". Aber dann hätte ich wiederum etwas verpasst. Und dieser Roman ist in sich abgeschlossen und kann dementsprechend auch für sich gelesen werden.

    Geschrieben hat Ulf Schiewe hier einen informativen historischen Roman um eine starke Frau und einen Tempelritter, angesiedelt zwischen dem 1. und 2. Kreuzzug. Eine Zeit großer Unruhen im Outremer, da hier jeder gegen jeden kämpfte um Vormachtstellungen und Eroberungen. Christen, Juden, Muslime - Araber, Seldschuken, Syrer: hier gab es große Interessenskonflikte - und wie man weiß, halten die Unruhen in dieser Region bis heute an.

    Für Leser:innen wie mich, die recht blauäugig weil nur wenig historisch "vorbelastet" an die Lektüre gehen, ist der Roman angesichts einer überbordenden Informationsfülle phasenweise schwer verdaulich. Da wird mit Namen, Nationalitäten, Traditionen, Kulturen, Konfliktherden, politischen und geografischen Gegebenheiten in der Vergangenheit wie in der Gegenwart der Erzählung nicht gespart, angereichert durch eine sehr bildhafte und detaillierte Beschreibung der Lebensumstände einzelner Gruppen, so dass mir zwischenzeitlich durchaus der Kopf rauchte.

    Zugutehalten muss man dem Autor allerdings wieder einmal eine intensive Recherchearbeit sowie die gelungene Einbettung der genannten Informationen in eine lesenswerte Erzählung. Da Entführungen von wichtigen Personen zu jener Zeit wohl ein probates Mittel waren, um die eigene Staatskasse aufzufüllen oder um anderweitige Vorteile für seine eigenen Interessen herauszuschlagen, findet sich auch Melisende von Jerusalem plötzlich in dieser misslichen Lage.

    Diese Frau - die im übrigen tatsächlich gelebt hat: von 1105 bis 1161 n. Chr. - ist nicht irgendjemand, sondern die älteste Tochter des Königs von Jerusalem. Eigentlich wollte sich Melisende zu ihrer Schwester nach Antiochia flüchten, um der von ihrem Vater arrangierten Hochzeit mit dem hässlichen, rothaarigen, überheblichen Fulko von Anjou aus dem Weg zu gehen. Doch ein dummer Zufall lässt sie in die Hände des Neffen des Emirs von Schaizar geraten. Mit einem dicken Lösegeld ausgestattet, wird schließlich der Tempelritter Raol de Montalban losgeschickt, um Melisende auszulösen und nach Jerusalem zurück zu bringen.

    Wer Kampfszenen mag, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen, Fans von Liebesgeschichten ebenso. Die Rettung der Melisende von Jerusalem gestaltet sich natürlich kompliziert, da es noch andere Gruppierungen gibt, die an einer einfachen Lösung kein Interesse haben. Da geht es durchaus brutal und blutig zu, die Flucht und die Jagd auf Melisende und Raol gestaltet sich oftmals recht spannend, aber es gibt auch ruhige Szenen, in denen sich die Flüchtenden allmählich näher kommen.

    Wer Zugang zu Wikipedia oder anderen verlässlichen Quellen hat, der wird schnell herausfinden, dass diese (fiktive) mittelalterliche Liebesgeschichte kaum eine Aussicht auf eine Zukunft hat. Die reale Melisende von Jerusalem hat doch diesen Fulko von Anjou geheiratet, allerdings gleichberechtigt als Königin neben ihm und nach seinem Tod noch weitere 10 Jahre Regentiin. Eine starke Frau also, der Ulf Schiewe hier nachgespürt hat.

    Interessanterweise hat der Autor hier neben den historischen Fakten auch andere Themen eingeflochten wie die Frage nach dem Recht der Christen, in das heilige Land einzumarschieren und es für sich zu deklarieren, oder auch die Frage nach der Rolle der Frau. Zu jenen Zeiten waren arrangierte Eheschließungen üblich, und je höher der Stand war, um so wichtiger waren politisch oder wirtschaftlich vorteilhafte Verbindungen. Aber Melisende hinterfragt und beklagt diese Rolle als bloße "Schachfigur". Und da die wahre historische Melisende durchaus eine Frau war, die ihre Interessen auch und gerade gegenüber ihrem ungeliebten Ehemann durchzusetzen wusste, wird deutlich: Emanzipations-Bemühungen gab es bereits im Mittelalter...

    Alles in allem ein vielschichtiger historischer Roman, der mich mit seiner Detailfülle z.T. sehr gefordert hat, der mich letztlich aber mit einer runden Geschichte und einem glaubwürdigen Abschluss abholen konnte. Für Fans dieses Genres und jener Epoche sicher eine Empfehlung...

    © Parden

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  1. Levante vor 1000 Jahren

    Vor wenigen Wochen wurde ich „aufgefordert“, an einer Leserunde teilzunehmen. Nach längerer Zeit mal wieder und diesmal auf der Leseplattform Whatchreadin. Da ich in gewissen Kreisen als Liebhaber historischer Romane bekannt bin, war das vielleicht folgerichtig, denn Die Mission des Kreuzritters spielt in der Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Kreuzzug, gegen um das Jahr 1130.
    In Jerusalem herrscht König Balduin II.* (1080-1131) der hat nur Töchter, die älteste ist Melisende (1105-1161). Balduin hat seine Tochter auf das Herrschen oder zumindest Mitherrschen vorbereitet, doch dazu soll sie einen gewissen Fulko von Anjou** und Maine (1092 – 1143) ehelichen, der Witwer ist der Prinzessin überhaupt nicht genehm. Also widersetzt sie sich, indem sie versucht, zu ihrer Schwester Alice nach Antiochia zu entfliehen. Dieser Plan geht schief, denn sie wird, beliebtes politisches Mittel in dieser Zeit, entführt von einem Usama Ibn Munqidh (1095 – 1188), dem Neffen des Emirs von Schaizar.

    Retten soll sie, als die Entführung in Jerusalem bekannt wird, ein Tempelritter namens Raol de Montalban....

    Irgendwie wird das alles schon gut gehen, denn, man sieht es an den Lebzeiten der bisher genannten Personen; wenn man weiter googelt, dann erfährt der interessierte Leser, dass Melisende diesen Fulko tatsächlich heiraten, das Königreich Jerusalem allerdings auch zehn Jahre allein regieren wird.

    Dieser de Motalban allerdings ist eine fiktive Figur, der Ulf Schiewe die Montalban-Reihe gewidmet hat. Es ist bereits das vierte Buch um diesen Raol, welches der Vielschreiber verfasste.

    Daraus resultiert vermutlich auch, dass es eben dieser Kreuzritter ist, um den sich letztlich der Inhalt hauptsächlich dreht – was allerdings der Buchtitel ankündigt.

    Es ist ein spannender Plot, der auch ansprechende und interessante Beschreibungen von Kultur und Landschaft bietet, nicht nur, aber vielleicht vor allem für Leser, die Palästina, Jerusalem, Genezareth und den Jordan besucht haben. Also solche wie mich. Wobei zum Beispiel die Beschreibung der Grabeskirche das Bild dieses zentralen Ortes der Christenheit dem heutigen Inneren entspricht. Ich stand förmlich wieder in diesem riesigen sakralen Bau. Auch die Geschehnisse im Harem von Schaizars waren gut zu lesen.

    Ich empfand insgesamt das Lesen des Romans als schön und spannend. Allerdings hätte ich mir durchaus etwas mehr „Geschichte“ gewünscht. Ulf Schiewe schreibt zwar im Nachwort, dass zum Beispiel Entführungen ein „beliebtes“ politisches Mittel zur Durchsetzung von Interessen in dieser Zeit gewesen seien, aber ein wenig mehr Outremer oder meinetwegen auftretende Ismaeliten hätten mich mehr angesprochen, zumal die Handlung ja sowieso fiktiv angelegt ist.

    Für manche Leserin (Leserunde) scheint aber genug „Geschichte“ in der Geschichte enthalten gewesen sein. Bei mir steht aber eben diese eher im Vordergrund, statt einer Liebesgeschichte im Mittelalter.

    * * *

    Ulf Schiewe ist wie gesagt ein Vielschreiber. Im Blog hat Anne Parden, die mich zur Leserunde einlud, bereits „Die Kinder von Nebra“ und „Der Attentäter“ besprochen. Gerade Ersteres dürfte irgendwann von mir aufgeblättert werden.

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  1. Zu empfehlen!

    Klappentext:

    „Jerusalem, 1129. Als älteste Tochter des Königs soll Melisende einst die Krone erben und über das Heilige Land herrschen. Den von ihrem Vater ausgesuchten Bräutigam lehnt die eigenwillige junge Frau jedoch vehement ab. Heimlich verlässt sie mit einer Eskorte die Stadt. Doch sie kommt nicht weit. Ihre Reisegruppe wird überfallen, ihre Wache getötet, sie selbst als Geisel verschleppt. Um sie zu retten, schickt König Baudouin den Tempelritter Raol de Montalban aus. Bald merkt er: Gefahr droht von mehr als einer Seite ...“

    Ulf Schiewe hat einen neuen historischen Roman verfasst. Wer seine Bücher kennt, setzt die innere Messlatte immer hoch und auch dieses Mal hat Schiewe uns Leser keineswegs enttäuscht. Die Geschichte rund um Melisende hat unheimlich viel Spannung, historische Fakten, Wissen, Power auf jeder Seite und in jeder Situation und fesselt den Leser an das Buch. Hier geht es nicht nur um eine Geschichte, Schiewe verwebt hier sehr gekonnt auch wieder reale Fakten und als Leser erweitert man dadurch seinen Horizont. Seine Charaktere sind sehr gut ausgefeilt und man sieht ihre Gesichter förmlich vor Augen. Man lebt mit Melisende mit und ihrem Drang mit und als dann die Tempelritter ihren Auftritt haben, ist man wahrlich fest in der Geschichte versunken.

    Schiewes Art und Weise Geschichten zu schreiben ist immer bei jedem Buch etwas besonderes. Er weißt genau den Leser am Ball zu halten ohne dabei langweilig und nervig zu sein. Seine Spannungsbögen (ja, es gibt hier mehrere!) sind immer äußerst gelungen und vielseitig.

    Dieses Werk hier ist einfach nur genial gelungen und verdient 5 von 5 Sterne.

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  1. 4
    28. Dez 2021 

    Emanzipation

    Eine interessante und auch spannende Zeitreise in den Nahen Osten des 12. Jahrhunderts ist "Die Mission des Kreuzritters". Von Ulf Schiewe hatte ich schon "Die Kinder von Nebra" gelesen und wusste daher, dass der Autor sehr gut recherchiert und spannende Geschichten zu Papier bringt. Von daher ist mein Interesse schnell geweckt, als ich hörte es kommt ein neues Buch von ihm. Eigentlich hatte ich auf eine Fortsetzung von "Die Kinder von Nebra" gewartet, war aber auch am 12. Jahrhundert im Nahen Osten interessiert. Ich habe mich dann nicht weiter um das Buch gekümmert und weiter nachgeforscht, denn hätte ich das getan, wäre ich aus der Leserunde wieder ausgestiegen. Warum? Nun, dieses Buch ist der 2. Teil aus einer Vierer-Serie. Und da mein SuB schon riesig ist. ...

    Aber gut, ist halt auch ein interessantes Gebiet in einer bemerkenswerten Zeit und der Autor schreibt außergewöhnlich gut und spannend. So kam dann dieses Buch zu mir und ich wurde natürlich nicht enttäuscht. Denn der Autor hat wieder einmal gut recherchiert und sich eine reale Person der Weltgeschichte herausgepickt und um ihr Leben eine fiktionale Geschichte geschrieben. Und was soll ich sagen, ich hatte dieses Buch in Windeseile gelesen. Denn losgelassen hat es mich nicht mehr.

    Es geht um Melisende von Jerusalem, eine reale Frau, die um ihre Position am Hofe zu streiten wusste. Und das Buch ist eine Geschichte um die Liebe und um die Gier/um den Menschen, aber auch eine Geschichte um den Fremdenhass und eine Geschichte um die Frauenrechte. Und damit ist dem Autor eine interessante Geschichte gelungen. Und mit dieser eindrucksvollen und auch reizvollen Thematik hat mich der Autor natürlich vollkommen erreicht. Und mein SuB wächst um die weiteren Bücher des Vierteilers, denn ich war zufrieden mit "Die Mission des Kreuzritters" und möchte nun mehr über die Montalbans erfahren.

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