Die Marie vom Hafen (Die großen Romane)

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Marie vom Hafen (Die großen Romane)' von Georges Simenon
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4 von 5 (1 Bewertungen)

Mit einem Nachwort von Christian Seiler
Gebundenes Buch
Ein Fischerdorf in der Normandie, direkt an der Atlantikküste: Nach dem Tod ihres Vaters beschließt die 17-jährige Marie, nun Vollwaise, anders als ihre Geschwister in Port-en-Bessin zu bleiben und ihr Leben selbst zu bestreiten. Als Serviererin im Café de la Marine verzaubert die verschlossene Schönheit nicht nur ihren Geliebten Marcel, sondern zieht auch bald Henri Chatelard in ihren Bann, Liebhaber ihrer Schwester Odile und doppelt so alt wie Marie. Eifersüchtig beäugt Marcel die beiden. Zunächst zeigt Marie dem Café- und Kinobetreiber die kalte Schulter, doch sie bleibt nicht lange unempfänglich für das Werben des unwahrscheinlichen Verehrers ...

"Ich schwöre: eine der drei schönsten Liebesgeschichten der Welt." Jakob Arjouni

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:176
EAN:9783455005189

Rezensionen zu "Die Marie vom Hafen (Die großen Romane)"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 19. Jul 2019 

    Der arme Jules

    Der arme Jules hinterlässt fünf Kinder. Odile lebt schon nicht mehr daheim. Marie hat sich um die Jüngeren gekümmert. Und die drei Jüngsten werden noch auf der Trauerfeier unter den Verwandten verteilt. Marie beginnt im örtlichen Café zu arbeiten. Der gut betuchte Freund ihrer Schwester macht ihr das Angebot, in einer seiner Firmen eine Stelle anzutreten. Marie jedoch will zu hause bleiben, am Hafen. Der schon über 30jährige Henri, eine solche Abfuhr nicht gewöhnt, beginnt immer wieder in Maries Nähe aufzutauchen. Marie trifft sich derweil erstmal lieber mit Marcel.

    Im Atlantik Verlag werden die Romane und Geschichten von Georges Simenon neu aufgelegt. Dessen Maigret-Romane sind weithin bekannt. Doch das Oeuvre des Autors ist weitaus umfassender. Ein Beispiel der Vielfältigkeit Simenons bietet die Geschichte von Marie vom Hafen. Eine Geschichte, die eher traurig beginnt, muss die junge Frau nun auch noch ihren Vater beerdigen. Noch nicht volljährig besteht die Gefahr, dass andere über ihr weiteres Leben entscheiden, so wie bei ihren jüngeren Geschwistern. Marie sucht nach einem Ausweg. Dass Henri, der eigentlich mit ihrer Schwester zusammen ist, ihr nachstellt, ist ihr zunächst eher lästig. Ziemlich kühl lässt sie ihn abblitzen.

    Bereits im Jahr 1938 erschien die Erstausgabe dieser Erzählung und wirkt doch auch in der heutigen Zeit nicht altmodisch. Wenn auch kühl, so ist Marie doch ausgesprochen pfiffig und fortschrittlich. Beim Lesen fragt man sich, in wie weit sie Pläne schmiedet. Dennoch gefällt sie mit ihren eigenen Kopf. Ihre Schwester Odile wirkt dagegen nachgiebig und weich. Henri scheint ein arroganter Schnösel zu sein, der es durchaus verdient hat, mal ausgebremst zu werden. Zwar ist die Geschichte schnell gelesen, aber keinesfalls schnell vergessen. Die Marie vom Hafen hat etwas, das sicher dazu einlädt, sie mehr als einmal zu genießen.