Die Lüge: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Lüge: Roman' von Mattias Edvardsson
4.4
4.4 von 5 (5 Bewertungen)

Lund, Schweden: Adam, Ulrika und Stella sind eine ganz normale Familie. Adam ist Pfarrer, Ulrika Anwältin und Stella ihre rebellierende Tochter. Kurz nach ihrem 19. Geburtstag wird ein Mann erstochen aufgefunden und Stella als Mordverdächtige verhaftet. Doch woher hätte sie den undurchsichtigen und wesentlich älteren Geschäftsmann kennen sollen und vor allem, welche Gründe könnte sie gehabt haben, ihn zu töten? Jetzt müssen Adam und Ulrika sich fragen, wie gut sie ihr eigenes Kind wirklich kennen – und wie weit sie gehen würden, um es zu schützen …

Format:Broschiert
Seiten:544
Verlag: Limes Verlag
EAN:9783809027058

Rezensionen zu "Die Lüge: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Mai 2019 

    Ist eine Lüge immer verwerflich?

    Ist eine Lüge immer verwerflich?

    Diese Frage stelle ich mir nach dem lesen dieses Thrillers von Mattias Edvardsson: " Die Lüge"

    Für die Eltern Adam Sandall,Pfarrer, und Ulrika Sandall, Anwältin, geschieht etwas unvorstellbares. Gerade noch denken sie eine normale Familie zu sein, da gerät ihre 19 Jährige Tochter unter Mordverdacht. Sie soll einen wesentlich älteren Mann getötet haben, von dem sich niemand vorstellen kann, woher Stella ihn überhaupt gekannt haben soll. Warum sie einen Grund gehabt haben soll ihn umzubringen ist ebenso unklar. Nun steht die Welt der kleinen Familie Kopf.

    Der Erzählstil des Autors nicht angenehm, er schafft eine spannende aber ehe ruhige Atmosphäre. Der Leser wird ruhig und beschaulich nach und nach ins Geschehen eingebunden.
    Das interessante an diesem Thriller sind eindeutig die verschiedenen Erzählperspektiven. Der Leser erfährt aus Sicht von Adam, Stella und Ulrika was vor und um die Mordzeit herum geschah. Aus deren jeweiligen Sicht und Wahrnehmungen entsteht ein sehr ungleiches Fundament aus Eindrücken, die sehr unterschiedlich sind. Es ist faszinierend beschrieben was die drei zu berichten haben, zumal man unabhängig von der Geschichte des anderen eigentlich bei jeder das Gefühl hatte, so könne es sich tatsächlich zugetragen haben. Auch wenn der Thriller insgesamt sehr geradlinig verläuft, hält der Autor doch ein paar überraschende Wendung parat. Man rätselt allerdings fast bis zum Ende, ob Stella nun gemordet hat oder nicht....

    Am Ende des Buches blickt man auf die Erkenntnis zurück, dass Menschen lügen, auch bei Dingen wie zum Beispiel Mord. Um der Spannung Willen, werde ich aber nicht verraten zu welchem Zweck gelogen wurde. Denn es gibt bekanntlich viele Gründe aus denen gelogen wird, nur ist auch jede Lüge verwerflich? Oder gibt es manchmal sogar gute Gründe dies zu tun? Nur so viel, es lohnt sich wirklich dieses Familiendrama im Thrillerformat zu lesen, ich war gefesselt und habe einige spannende Lesestunden erlebt.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Apr 2019 

    Viele Lügen

    Gibt es die Wahrheit? Oder nur verschiedene Sichtweisen der ,,Realität", die von jeder Person ganz anders wahrgenommen wird?

    In dem Roman ,,Die Lüge" wird die Geschichte einer schwedischen Familie erzählt, die auf den ersten Blick völlig normal und durchschnittlich wirkt. Adam, der Vater, ist Pfarrer, die Mutter Ulrika Anwältin und die Tochter Stella eine rebellierende 19-Jährige. Doch dann wird Stella verhaftet. Sie soll den wesentlich älteren Geschäftsmann Christopher Olsen erstochen haben. Die Eltern sind natürlich völlig schockiert. Stella kommt in Untersuchungshaft und lehnt es ab, mit ihren Eltern in Kontakt zu treten. Diese sind jedoch bereit, alles für ihre Tochter zu tun, auch wenn sie dafür lügen müssen.
    ,,Die Lüge" ist interessant konstruiert, da das Geschehen aus der Perspektive aller drei Familienmitglieder erzählt wird, aber getrennt und nacheinander. Zuerst kommt Adam zu Wort, der in zahlreichen Rückblenden das erste Kennenlernen von ihm und Ulrika in Studentenzeiten, die frühe Kindheit und Jugend Stellas erzählt. Dem engagierten und toleranten Pastor nimmt man ab, dass er trotz seiner moralisch hohen Ansprüche bereit ist, für seine Tochter die Unwahrheit zu sagen, um ihr ein Alibi für die Tatzeit zu geben. Allerdings bemerkt man auch, dass seine Sichtweise stellenweise widersprüchlich wirkt.
    Anschließend kommt die Tochter Stella zu Wort, die teils aggressiv, teils übersensibel, in jedem Fall sehr emotional ihre Sicht der Dinge äußert. Spätestens jetzt bemerkt man, dass sie dieselben Geschehnisse teilweise völlig anders wahrgenommen und erlebt hat als ihr Vater. Im dritten Teil erfährt der Leser das Geschehen aus der Perspektive der Mutter, was die Spannung noch einmal deutlich steigert. Nach und nach setzt sich so ein Mosaik zusammen, das die verschiedenen Facetten der Realität zeigt, aber auch die Tat letztendlich verständlich macht. Während der erste Teil noch in recht gemächlichem Tempo erzählt wird, passend zum verständnisvollen und gutmeinenden Pastor, nimmt die Dynamik im 2. Teil deutlich zu, was auch durch Stellas jugendliche Ausdrucksweise authentisch vermittelt wird. Ulrika als Rechtsanwältin ist dagegen kühler, berechnender und drückt sich auch knapper und präziser aus. Edvardsson schafft es, jedem seiner Protagonisten eine ganz eigene Sprache zu verleihen, sodass man als Leser die Verschiedenartigkeit der beteiligten Figuren deutlich spüren kann.
    Eigentlich müsste der Roman ,,Die Lügen" heißen, da letztendlich alle in der einen oder anderen Form lügen, um ihre Familie zu schützen.
    Eine geschickt konstruierte und dadurch zunehmend spannende Geschichte, die ich jedem Krimiliebhaber ans Herz legen kann.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 16. Apr 2019 

    Was erzählen sie uns nicht?

    Die Sandells sind die perfekte Familie. Vater Adam ist Pfarrer, Ulrika Rechtsanwältin, die 19-jährige Tochter Stella jobbt gerade bei H&M, um sich ihre Traumreise nach Asien zu finanzieren.
    Doch dann bricht alles auseinander, als die Leiche eines jungen Mannes aufgefunden wurde. Sehr bald steht Stella in Verdacht Chris Olsen erstochen zu haben.
    Mattias Edvardsson erzählt in seinem Roman von den großen Lügen im Leben der Familie Sandell. Es sind drei Erzähler, jeder für sich unzuverlässig, drei Perspektiven, drei Wahrheiten. Vater, Tochter, Mutter, in dieser Reihenfolge erzählen die Familienmitglieder den Verlauf der Geschichte, von den Ermittlungen, von der Verhandlung gegen Stella. In vielen Erinnerungen an die Vergangenheit rollen sie aber auch ihre eigene Familiengeschichte auf.
    Doch was ist wahr, was ist erfunden? Und vor allem: was erzählen sie uns nicht? Das ist die größte Frage bei diesem immens spannend aufgebauten Roman. Hinter der vordergründig gutbürgerlichen Fassade liegen wohlgehütete Geheimnisse verborgen. Nach und nach setzten sich die Puzzleteilchen der Geschichte zusammen, doch bis zum Schluss ist man nie auf der sicheren Seite.
    Wer die Romane von Hakan Nesser mag, wird Die Lüge lieben.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Apr 2019 

    Wer lügt hier eigentlich?

    Es ist eine ganz normale Familie, die in Lund in Schweden lebt. Adam ist Pfarrer, Ulrika ist Rechtsanwältin und ihre Tochter Stella. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als Stella plötzlich verhaftet und des Mordes angeklagt wird. Ihr wird vorgeworfen mit ihren 19 Jahren einen wesentliche älteren Geschäftsmann mit mehreren Messerstichen ermordet zu haben. Für die Eltern bricht eine Welt zusammen. Sie können sich nicht vorstellen, dass ihre Tochter zu so einer Tat überhaupt fähig wäre. Kannte sie diesen Mann überhaupt? Da die Staatsanwaltschaft unbeirrbar an die Schuld Stellas glaubt, versucht Adam auf eigene Faust zu ermitteln und eigene Erkenntnisse zu finden. Was er erfährt, lässt ihn kaum glauben. Kannte er seine Tochter eigentlich noch?

    Der Autor beleuchtet diesen Roman aus verschiedenen Perspektiven. Er lässt uns an den Erinnerungen und Erlebnissen von Adam teilhaben. Je mehr wir von Adam über Stella lesen, über ihre Entwicklung und ihr Erwachsen werden, umso klarer wird das Bild. Aber ist es das richtige? Auch Stella kommt zu Wort. Ihre Erzählungen sind anders. Die gemeinsamen Erlebnisse mit ihrem Vater erhalten einen anderen Blickwinkel und lassen uns während des Lesens an vielem zweifeln. Dann kommt die Mutter zu Wort und verwirrt uns noch mehr. Nichts ist so, wie es scheint. Wer sagt hier die Wahrheit, wer lügt.

    Dieses Verwirrspiel ist es, was diesen Roman lesenswert macht. Auch wenn es in dem Roman um einen Kriminalfall geht, ist es kein Krimi. Aber für mich war es dennoch absolut lesenswert. Bis zum Schluss war ich im Unklaren über das Geschehene. Das war es auch, was das Buch so lesenswert machte. Diese unterschwellige Spannung, die sich durch das gesamte Buch zieht und einen nicht mehr los lässt. Mir hat es gefallen und ich kann es nur empfehlen, weil es so anders ist. Von mir gibt es eine Leseempfehlung und verdiente fünf Lesesterne.

  1. 4
    (4 von 5 *)
     - 09. Apr 2019 

    Es braucht viel Zeit, um sich ein Leben aufzubauen, ...

    ... aber nur einen Moment, um es in Trümmer zu legen.

    Mattias Edvardssons Spannungsroman „Die Lüge“ ist im März 2019 bei Limes erschienen und umfasst 544 Seiten.
    Auf den ersten Blick scheint es sich bei den Sandells um eine harmonische Durchschnittsfamilie zu handeln: Adam ist Pfarrer, Ulrika Anwältin und die 19-jährige Stella weiß noch nicht so recht, was sie vom Leben erwartet. Doch dann gerät der Teenager unter Mordverdacht: Stella wird des Mordes an dem einige Jahre älteren Geschäftsmann Christopher Olsen verdächtigt. Und ihre Eltern versuchen alles, um eine Verurteilung zu verhindern.
    Das Besondere und Faszinierende an diesem Roman liegt darin, dass der Mordfall konsequent und in chronologischer Abfolge aus drei unterschiedlichen Perspektiven rekonstruiert wird: der des Vaters, Stellas und derjenigen der Mutter. Dabei kommt es auch immer wieder zu Rückblenden in die Familiengeschichte, was den Leser/innen gleichzeitig einen Einblick in die Familienstruktur vermittelt.
    Während aus der Sicht des Vaters die Familie anfangs als harmonische Einheit erscheint, werden hier schon nach und nach Brüche sichtbar. Doch Adam kann und will nicht akzeptieren, dass seine Tochter eine Mörderin sein soll. Interessant ist zu lesen, wie er alte Gewohnheiten und Ansichten über Bord wirft, um seine Tochter zu schützen.
    Stellas Perspektive lässt uns auch einen Blick in das schwedische Gefängnis werfen, das von Brutalität und Rücksichtslosigkeit geprägt ist. In dieser Atmosphäre resümiert sie über ihre Familie aus ihrer eigenen Sicht, die sich teilweise eklatant von der ihres Vaters unterscheidet.
    Zu Zeugen des Prozesses werden Leserinnen und Leser schließlich, wenn sie der Schilderung der Mutter folgen. Auch an ihr wird deutlich, wie sie anwaltliche Pflichten „vergisst“, um Stella zu helfen.
    Obgleich die Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt werden, bleibt es letztlich den Leser/innen überlassen, ein möglichst objektives Familienbild zu kreieren und das Geschehen zu durchleuchten. Der Roman an sich jedoch vermag zu zeigen, wie unterschiedlich die einzelnen Familienmitglieder ihre Situation erfassen und wie vielschichtig die Beziehungen innerhalb einer Familien sein können.
    Durch den Perspektivwechsel fällt es leicht, mit den Protagonisten mitzufühlen und mitzuleiden. Mehr als einmal wechselten meine Sympathien von der einen zur anderen Person. Ansonsten sind weitere Charaktere ebenfalls sehr vielschichtig gezeichnet, sodass man während des Lesens immer wieder zum Miträtseln und Überdenken schon gefasster Ansichten animiert wird.
    Der Roman als Ganzes ist flüssig und fast durchgängig spannend zu lesen, auch passt er sich sprachlich den einzelnen Erzählperspektiven an, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Kurze Kapitel geben das Gefühl, rasch beim Lesen voranzuschreiten, die schon oben erwähnten Rückblenden in die Familiengeschichte lassen es abwechslungsreich werden. Wie bei vielen nordischen Romanen dominiert eine insgesamt eher düstere Stimmung. Philosophische und psychologische Aspekte bieten außerdem zahlreiche Anlässe, innezuhalten und nachzudenken.
    Insgesamt legt Mattias Edvardsson mit „Die Lüge“ einen wirklich lesenswerten und ungewöhnlichen Roman vor, der durch Vielschichtigkeit glänzt und das Lesen zu einem dramatischen Erlebnis werden lässt. Ein Buch, das ich allen Freund/innen spannungsgeladener Literatur nur empfehlen kann.
    Sehr herzlich bedanke ich mich beim Limes-Verlag für die Zurverfügungstellung dieses Leseexemplars.