Die Lieblinge der Justiz

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Lieblinge der Justiz' von Juri Andruchowytsch
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5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Lieblinge der Justiz"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:299
EAN:9783518429068

Rezensionen zu "Die Lieblinge der Justiz"

  1. Anspruchsvolle Kriminalepisoden + die Frage nach Gerechtigkeit

    ‚Seit die beiden Besatzungsmächte, die rote und die braune, seine Familie in vereinter Anstrengung auf ein Minimum reduziert hatten, konzentrierte er sich auf das Wesentliche‘, (Achter Teil: „Sansara“ oder Der Aufruhr der Engel, S. 240) war einer jener Sätze, bei denen ich erstmal tief durchschnaufen musste! Ironie? Sarkasmus? Oder schon Zynismus? Oder eine Mischung aus allem? Ich weiß es nicht und will mich auch nicht entscheiden!

    Das Buch mit ‚8 1/2‘ Geschichten spielt in Galizien, der historischen Landschaft mit seinen wechselvollen Zugehörigkeiten mit Lemberg als Hauptstadt, in Mitteleuropa. Anhand spektakulärer Verbrechen, 'bei denen Fiktion und historisch aktenkundige Kriminalfälle miteinander verwoben sind', lernt der interessierte Leser auch einen Teil dessen abwechslungsreiche Geschichte kennen.

    Wir lesen von einem ‚Molfar‘ (Person mit angeblich magischen Fähigkeiten), von Strafen wie das Erklären zum ‚Infamus‘ oder (die nächste Stufe) ‚Gesetzlosen‘, vom passenden Hinrichten zu den Jahreszeiten im 17. Jahrhundert (im Herbst z.B. wurde der Delinquent verbrannt, weil das Feuer ‚zum herbstlichen Farbspektrum der Bäume und Sträucher passte‘) oder dem Rädern (im 18. Jahrhundert sehr verbreitet) und natürlich die Erschießungen im letzten Jahrhundert.

    Neben der kraftvollen, anspruchsvollen Sprache, die auch hohe Konzentration erforderte, gefiel mir vor allem die Suche nach der ‚Wahrheit‘: wo wären mehr Nachforschungen nötig gewesen? Welche Urteile waren der Bequemlichkeit geschuldet? Wo war es nur Unkenntnis der Richter? Wurde bei manchen Urteilen die Vollstreckung nicht auch zu lasch gehandhabt? Auch die Schilderungen der Beweggründe und Motivationen für die Verbrechen fand ich äußerst gelungen!

    Wer Interesse an einer Mischung von Kriminalgeschichten, die zum Denken anregen, an Geschichte und einer beeindruckenden Sprache hat, dem drücke ich dieses Buch wärmstens an Herz! 5 Sterne vergebe ich aus voller Überzeugung!

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