Die Liebenden von der Piazza Oberdan: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Liebenden von der Piazza Oberdan: Roman' von  Christian Klinger
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Liebenden von der Piazza Oberdan: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
Verlag:
EAN:9783711720993

Rezensionen zu "Die Liebenden von der Piazza Oberdan: Roman"

  1. historische Familiengeschichte

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Sep 2020 

    Vittorio überlebt knapp den Ersten Weltkrieg und kann sich in den bewegten Zeiten danach eine Existenz als Rechtsanwalt aufbauen. Als seine Frau ihm einen Sohn, Pino, schenkt, scheint das Glück perfekt. Im Italien des Faschismus hilft Vittorio Juden und Slowenen dabei, Geldmittel für die Emigration aufzubringen, womit er allerdings die Behörden auf sich aufmerksam macht.
    Pino, der unterdessen behütet und geliebt aufgewachsen ist, beginnt ein Architekturstudium, das ihn 1940 vor der Einberufung bewahrt. Mit der jungen Lehrerin Laura verbindet ihn eine große sehnsuchtsvolle Liebe.

    Fazit:
    In diesem Buch wird gekonnt eine Liebesgeschichte bzw. eine Geschichte über eine Familie mit historischen Themen ineinander verstrickt. Der historische Aspekt dieses Buches ist sehr interessant aufbereitet, und mit der Geschichte verstrickt auch sehr unterhaltsam. Durch den bildhaften Schreibstil, kann man sich auch toll in die damalige Zeit hineindenken.
    Absolut empfehlenswert für Personen, die gerne historische Geschichten lesen.
    Den Protagonisten kommt man insbesondere durch die verschiedenen Perspektiven, aus welchen geschrieben wird, sehr Nahe.
    Der Schreibstil ist teilweise etwas schwierig zu lesen, aber für mich persönlich war es eine Gewöhnungssache. Das Buch wird in drei Zeitsträngen geschrieben - das macht es auch meiner Sicht auch nochmals interessanter bzw. sorgt auch für einen Spannungsaufbau beim Lesen.

  1. Familiengeschichte in historisch bewegten Zeiten

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Sep 2020 

    Die Vielvölkerstadt Triest ist Schauplatz des ersten historischen Romans von Christian Klinger. Triest hat im letzten Jahrhundert eine wechselvolle Geschichte erlebt. War die Stadt 600 Jahre lang das Tor zur Welt für die Habsburger Monarchie, wurde sie nach dem Ersten Weltkrieg Italien angegliedert.
    Vor diesem Hintergrund entwirft der Autor seine bewegende Familiengeschichte, die über drei Generationen die Lebenswege der Familie Robusti beschreibt.
    Es beginnt am 6.April 1945, dem Tag Null, wie es im Roman heißt. An diesem Tag wird der Student Pino Robusti von der deutschen Besatzungsmacht standrechtlich erschossen. Ihm wird vorgeworfen, die Partisanen im Karst zu unterstützen.
    Danach springt die Geschichte zurück ins Jahr 1916, mitten in das Schlachtgetümmels des Ersten Weltkriegs. Hier kämpft der junge Vittorio Robusti auf Seiten der Italiener gegen die Österreicher. Er hat sich freiwillig gemeldet, gegen den Willen seines Vaters. Der arbeitet als Beamter im Triester Lloyd und steht offiziell treu zu seinem Kaiser in Wien. Die Entscheidung Vittorios führt zu einem Bruch zwischen Vater und Sohn und erst später, nach dem Tod des Vaters, wird Vittorio die genauen Hintergründe erfahren. Doch nun entgeht er nur knapp dem Tod. Er wird schwer verletzt gerettet durch einen Kameraden, mit dem er verhängnisvoll verbunden bleibt.
    Vittorio hat Glück im Unglück; seine Verwundung macht ihn kriegsuntauglich und er kann sein Jurastudium in Padua weiterführen.
    Im Jahr 1920 kehrt Vittorio als Anwalt zurück in seine Heimatstadt Triest und findet bald eine Anstellung in einer Kanzlei. Er heiratet Elsa; die beiden bekommen einen Sohn, den sie nach dem Großvater Giuseppe nennen, der aber von allen nur „ Pino“ genannt wird. Während es privat und beruflich mit der Familie aufwärts geht, erlebt Triest turbulente Zeiten. Mussolinis Schwarzhemden erobern erst die Straßen und ergreifen dann die politische Macht.
    Vittorio versucht sich seine Integrität und seine Anständigkeit zu bewahren. Mit Beginn des Krieges wird er zu einer Anlaufstelle für Verfolgte. Der Hafen von Triest ist für viele die letzte Möglichkeit, Nazi- Deutschland oder das faschistische Italien zu verlassen. Vittorio wickelt unter seinem Namen Geschäfte für Juden ab und verschafft ihnen so die Chance, an das notwendige Geld für die Auswanderung zu kommen. Aber damit bewegt er sich selbst auf gefährlichem Terrain.
    Pino wächst in dieser unruhigen Zeit auf, geliebt und behütet von seinen Eltern. Er entscheidet sich für ein Architekturstudium und lernt die Lehrerin Laura kennen.
    Nach dem Sturz Mussolinis besetzt die deutsche Wehrmacht Triest und Pino, der sich regelmäßig auf der Piazza Oberdan mit seiner Freundin trifft, gerät ins Visier der SS.
    Wie Christian Klinger im Anhang schreibt, waren es zwei Originalbriefe von Pino kurz vor seinem Tod - einen an seine Eltern, einen an seine geliebte Laura - die ihn zu diesem Roman inspiriert haben. Es gab sonst kaum Informationen und so entwickelt er selbst eine fiktive Geschichte.
    Er verbindet gekonnt die private Familien- und Liebesgeschichte mit den historischen Fakten. So entsteht vor dem Leser ein lebendiges und atmosphärisch dichtes Bild dieser Zeit. Es wird deutlich, warum die Faschisten einen guten Nährboden für ihre politischen Überzeugungen gefunden haben und er schildert anschaulich, wie sich das Leben in der Stadt unter Mussolini und später unter den Deutschen verändert hat.
    Die Charaktere wirken authentisch und durch den Perspektivwechsel zwischen Vater und Sohn kommt man den Figuren sehr nahe. Beide sind keine überragende Helden, aber aufrichtige Menschen, die sich nicht verbiegen lassen und für ihre Überzeugungen einstehen.
    Allerdings erschweren die vielen Sprünge in der Zeit die Lektüre unnötig, ohne dass sie zusätzlichen Gewinn bringen.
    Für Leser mit Interesse an historischen Themen ist „ Die Liebenden von der Piazza Oberdan“ ein unterhaltsames und zugleich lehrreiches Lesevergnügen.