Die Liebe zu so ziemlich allem: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Liebe zu so ziemlich allem: Roman' von Christine Vogeley
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

In einer hübschen kleinen deutschen Stadt gibt es ein Museum, das seinesgleichen sucht, so viele seltsame Exponate stehen dort herum und in geheimnisvoller Verbindung zueinander. Carlotta Goldkorn, die nette, überarbeitete Kuratorin, bereitet dort gerade die nächste Ausstellung vor und sitzt zu diesem Zweck dem Stockholmer Literaturprofessor Gösta Johansson gegenüber, der dem Museum ein Gemälde leihen will. Ja, natürlich. Liebe auf den ersten Blick.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:464
Verlag: Knaur HC
EAN:9783426653470

Rezensionen zu "Die Liebe zu so ziemlich allem: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 31. Mär 2016 

    Wohliges Lesevergnügen...

    Es ist ein ziemlich ungewöhnliches Museum, in dem Carlotta Goldkorn gerade die nächste Ausstellung vorbereitet. Große Gemälde neben Buntstift-Kinderbildchen, Saurierskelette neben Rokokokostümen, etruskischer Goldschmuck neben Bonbon-Armbändern, und dazwischen blaue Schmetterlinge - dies war 1895 das Konzept des Gründers August Gayette. Bis zum heutigen Tag entzückt es die Besucher, und die Museumsmitarbeiter fühlen sich hier eher zu Hause als bei der Arbeit. Den schwedischen Professor Gösta Johansson, Urenkel es großen schwedischen Malers Jasper Johansson (1858-1932), entzückt hingegen eher Carlotta. "Da bist du ja", denkt er. Sie ist es, er weiß es. Was er nicht weiß: Um die Gemälde seines Urgroßvaters, die hier im Gayette-Museum hängen, ranken sich dramatische Geheimnisse. Drei alte Tagebücher aus dem Stockholm des 19. Jahrhunderts enthüllen eine herzzereißende Wahrheit. Ein paar sehr gegenwärtige junge Leute geraten unterdessen auf Abwege, und dem Museum droht ein riesiger Kunstskandal. Doch Carlotta und Gösta geben nicht auf - und das Gayette-Museum wäre nicht für seine Merkwürdigkeiten so berühmt geworden, wenn es nicht noch die ein oder andere verborgene Glückstüre hätte...

    "Carlotta, weißt du, was ich gedacht habe, als ich dich zum ersten Mal sah? Gestern Vormittag um Viertel vor elf? (...) Es war ein Gedanke wie ein Komet, der vorbeisaust. Ich konnte ihn nicht richtig erkennen. Das heißt, ich konnte ihn erkennen, aber ich habe einfach nicht geglaubt, was ich da gesehen habe. Was ich hundertstelsekundenschnell gedacht haben muss. Und heute Nacht ist der Kometengedanke noch einmal erschienen. Aber so langsam, dass ich ihn lesen konnte. Also, als ich dich zum ersten Mal sah, dachte ich ganz einfach: Da ist sie ja!" (S. 87)

    Wer jetzt glaubt, dass es sich hier um eine Liebesgeschichte handelt - der hat Recht. Aber eben nur zum Teil. Klar, hier geht es um Liebe auf den ersten Blick, Knall auf Fall, zum Glück alles andere als kitschig beschrieben. Doch die Vielzahl der Handlungsstränge und der Ereignisse lassen diese Liebe zwar nicht versiegen aber doch rasch an den Rand des Fokus rücken, denn hier passiert wahrlich genug. Genauso vielschichtig und bunt wie die Ausstellung im Museum sich präsentiert (das es so leider nirgends in Wirklichkeit gibt), ist auch die Komposition des Buches.

    Gegenwart und Vergangenheit spielen hier eine gleichberechtigte Rolle; Farbe, Wärme, Spannung und Humor halten sich die Waage. Figuren, die alle ihr Päckchen zu tragen haben und oftmals ein wenig schräg erscheinen, dabei aber authentisch und immer auch sympathisch geschildert werden, beleben das Geschehen. Oftmals kristallisiert sich erst spät heraus, an welchem Problem ein Charakter eigentlich herumknabbert - und das erhält gekonnt die Spannung. Und trotz der Vielzahl der angeschnittenen Themen wirkt der Roman nicht überfrachtet. Ein flüssiger, lebendiger, überaus leichter und bildhafter Schreibstil erhält das Lesevergnügen bis zum Ende, auch wenn einige Passagen, in denen es um alte Tagebucheintragungen geht, für mich persönlich etwas langatmig waren.

    "Jeder ist tatsächlich allein. Wir kommen allein, und wir gehen allein. Wir sind immer allein, und zwar deshalb, weil jeder, wirklich jeder Mensch, seine eigene Wirklichkeit hat. So, wie du die Welt siehst, werde ich sie nie sehen. Und umgekehrt. Aber e i n s a m brauchen wir deshalb nicht zu sein." (S. 261)

    Ein Wohlfühlroman ist dies, gelungen in seiner Mischung von Unterhaltung und Tiefgang, vermutlich eher für Frauen, womöglich auch eher für Frauen jenseits der Vierzig. Eines der Bücher, die in jede literarische Hausapotheke gehören, wenn man mal wieder Lebensfreude und Lebensmut tanken möchte. Ein Buch, das Krisen nicht leugnet, aber eben auch nicht vergisst, ein Licht im Dunkeln anzuzünden, hoffnungsvoll und warm. Mir hat es jedenfalls gut gefallen!

    © Parden

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Jan 2015 

    Ein Roman wie das Gemälde eines alten Meisters,...

    Dieses Buch erzählt eine Geschichte von einem Museum, einem Maler, einer, oder gleich zwei außergewöhnlichen Künstlerinnen, von zwei halben Familien, die zu einer ganzen werden, von Rücksicht, von Vertrauen, von Vorstellungskraft und von Gegensätzen und Fantasie.

    Es hat mich sehr beeindruckt, mit welcher Detailgenauigkeit und Filigranität die Autorin jede Einzelheit im Buch beschreibt und dem Leser 'in den Kopf zeichnet'.

    Es hat fast den Anschein, als würde Christine Vogeley ein Bild aus Worten malen, und eine Geschichte erzählen, die in allen farbigen Facetten schimmert, alle Grau- und Schwarztöne abdeckt, die manchmal übersprüht vor Farbkraft und sich manchmal in Pastell kleidet,...

    Ihr gelingt etwas, das gerade heute immer seltener wird, nämlich, dass sie ein Buch schreibt, dabei kreativ ihre eigenen Vorstellungen für etwas einarbeitet, manchmal sachlich ist und einem doch nie das Gefühl gibt, dass dieses Buch und das Leben der Charaktere, die dahinter stehen, jemals langweilig werden könnte,...

    Ich bin zutiefst beeindruckt über die Tatsache, dass sie es geschafft hat ein Buch zu schreiben, in dem sie ein Museum, schwierige Teenager, Kunst und Kultur, das Streben nach neuem Wissen und noch so einiges mehr, verarbeiten kann.

    Fazit:

    Es macht auf alle Fälle wieder Lust dazu, in ein Museum zu gehen, oder doch zumindest den "August-Gayette-Effekt" in der eigenen Umwelt stärker zu sehen,...

    Was das ist? - Das kann man nicht erklären,...das muss man erlebt haben,...oder zumindest gelesen.