Die Liebe im Ernstfall

Rezensionen zu "Die Liebe im Ernstfall"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Mär 2019 

    Gibt es einen Schlüssel zum Glück?

    Kurz zusammengefasst: Fünf Frauen = Fünf Lebensentwürfe = Fünf Antworten auf die Frage nach dem Glück

    Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde haben unterschiedliche Ansprüche an das Leben und leben demgemäß fünf unterschiedliche Lebensentwürfe. Ob sie glücklich sind? Der Antwort darauf ist jeweils ein Kapitel für jede Frau gewidmet.

    Paula ist Buchhändlerin und in einer Beziehung mit Wenzel. In Rückblenden wird erzählt, dass ihre erste Ehe mit Ludger schwierig war. Nachdem die anfängliche Verliebtheit abgeebbt war, kamen die Differenzen zum Vorschein. Das Paar hatte unterschiedliche Vorstellungen von einem gemütlichen Heim, umweltbewusster Lebensweise und der Sorge um ihre beiden Töchter. Paula, die sich zu Anfang um der Harmonie Willen angepasst hat, rebelliert irgendwann. Ein persönlicher Schicksalsschlag besiegelt dann das Ende dieser Ehe.

    Judith ist Ärztin und seit Kindheitstagen mit Paula befreundet. Im Gegensatz zu Paula legt sie großen Wert auf ihre Selbständigkeit. Sie ist unangepasst und unterhält Beziehungen zu überwiegend deutlich älteren Männern. Die Beziehungen sind jedoch nicht von Dauer. Mit Mitte 30 ist Judiths einziger ständiger Begleiter ein Pferd. Den idealen Mann versucht sie auf Datingportalen zu finden - mit wechselhaftem Erfolg.

    Brida ist auf dem besten Weg eine erfolgreiche Schriftstellerin zu werden. Mit Götz, einem Möbelrestaurator aus dem Westen, scheint sie den perfekten Mann gefunden zu haben. Sie heiraten und bekommen zwei Töchter. Alles scheint ideal - doch der Schein trügt. Brida ist mit ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter nicht zufrieden. Sie will schreiben, doch die familiären Pflichten laugen sie aus. Götz versucht Brida zu entlasten, obwohl er eine traditionelle Rollenverteilung favorisiert. Alle Bemühungen sind am Ende nicht genug. Brida bricht aus und flüchtet zu ihrer Freundin Judith, die ihren Wunsch nach Selbstverwirklichung unterstützt. Am Ende steht die Trennung des Ehepaars. Götz findet in Svetlana eine neue Frau, die einfacher zu händeln und daher eher nach seinem Geschmack ist. Brida wird zur Außenseiterin.

    Malika war vor Brida mit Götz liiert und hätte für ihn alles getan. Ihr gemeinsamer Wunsch nach einer Schwangerschaft blieb aber unerfüllt. Nachdem Götz sie für Brida verlassen hat, lebt sie allein und gibt Unterricht als Geigenlehrerin. Das Gefühl der Einsamkeit und des Nichtgeliebtwerdens begleiten Malika schon ihr ganzes Leben. Ihre Schwester Jorinde war der erklärte Liebling ihrer Eltern. Als Malika es wagte, an einem Geigenwettbewerb nicht teilzunehmen und die Wünsche ihrer Eltern im Hinblick auf ihre musikalische Karriere zu sabotieren, ist sie bei den Eltern endgültig durchgefallen.

    Malikas Schwester Jorinde ist Schauspielerin, verheiratet und hat zwei Kinder. Sie ist zum dritten Mal schwanger - allerdings nicht von ihrem Ehemann. Jorinde bittet Malika um Hilfe. Malika soll das Kind wie ihr eigenes aufzuziehen, damit Jorinde sich von ihrem Mann trennen und ihre Karriere weiter verfolgen kann. Malika lehnt dies ab und unterbreitet stattdessen einen überraschenden Vorschlag.

    Die fünf Frauen haben ihr Schicksal selbst mitbestimmt. Sind sie deshalb glücklich(er)? Brida denkt: „Für Generationen von Frauen vor ihr waren die Wege vorgezeichnet und enger gewesen. Sie kamen ihr plötzlich glücklicher vor. Niemals hatten sie in der Illusion gelebt, ihr Leben gestalten zu können, nie die Enttäuschung gespürt, wenn sich offene Türen alle auf einmal schlossen. Keine Einschränkung hatte in ihrer eigenen Verantwortung gelegen. Es waren die Umstände, die nichts anderes zuließen.“ Damit wird das Dilemma der modernen Frau gut zum Ausdruck gebracht. Mit der Freiheit der Wahl kam die Bürde der Verantwortung für die eigenen Entscheidungen. Diese Verantwortung ist aber kein Grund die hart erkämpfte Freiheit aufzugeben. Der Verantwortung gerecht zu werden, heißt Kompromisse zu schließen. Dies ist eine Fähigkeit, die heutzutage viel zu wenig wertgeschätzt wird. Stattdessen will jeder immer alles und das jetzt sofort. Glück findet Mann/Frau so aber nicht.

    Mich hat das Buch jedenfalls glücklich gemacht. Ich habe die klare Sprache genossen. Mit den fünf Frauen konnte ich mich zu Teil, wenn zum Glück auch nicht vollständig, identifizieren. Insgesamt sehr lesenswert!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Mär 2019 

    Fünf moderne Liebesgeschichten

    Fünf Frauen suchen nach Glück und Erfüllung in ihren Partnerschaften. Sie müssen in Krisensituationen Entscheidungen treffen oder mit schicksalhaften Ereignissen zurechtkommen.
    Daniela Krien hat ihren Roman: " Liebe im Ernstfall" in fünf Kapitel aufgeteilt, die jeweils einer dieser Frauen gewidmet ist. Ein unaufdringlicher, allwissender Erzähler schildert die Lebenslinien dieser Frauen, die teilweise miteinander verwoben sind. Dabei treffen wir Paula, Judith, Malika, Brida und Jorinde jeweils an entscheidenden Wegkreuzungen ihres Lebens an.
    Paula z.B. lebt seit einiger Zeit in einer Ehe, die sie nicht mehr glücklich macht. Dann schlägt das Schicksal zu und wir Leser fragen uns: Wie wirkt sich das auf ihre Ehe aus und wie kann sie wieder glücklich werden.
    Malika, die selbst als ungeliebtes Kind aufwachsen musste, sehnt sich nach einer eigenen Familie, in der sie Geborgenheit erleben kann. Einen passenden Mann hat sie auch gefunden aber wird sich der Kinderwunsch erfüllen?
    Brida kämpft mit der Vereinbarkeit von Kindererziehung und Beruf, was für sie als Schriftstellerin besonders schwer ist. Wird ihre Kreativität in ihrer Beziehung ausreichend Raum haben?

    Allen Frauen scheint gemeinsam, dass sie zwar einerseits einen gewissen Halt und Geborgenheit in ihren Partnerschaften suchen, jedoch andererseits nicht in alten Mustern leben wollen oder können. Die Wahlmöglichkeiten in Lebens - und Identitätsfragen, die sie als Frauen haben, führen auch zu Zweifeln und Verunsicherungen. Dieser Schwebezustand wird im Roman nie aufgelöst, was ihn um so interessanter macht.
    Der Roman ist in Leibzig angesiedelt. So spielt auch die größere Freiheit bei der Lebensgestaltung, die es seit der Wende gibt, eine (wenn auch untergeordnete) Rolle.

    Gabriela Krien schreibt in einer ruhigen Sprache, die ohne viel Ausschmückungen auskommt. Ihre Prosa ist flüssig und elegant. Die Sätze sind kurz und treffend. Immer wieder wird eine bestimmt Stimmung wie z.B. Trauer oder Verunsicherung aufgebaut, die dann in knappen Sätzen auf den Punkt gebracht wird. So gelingt es ihr, die Frauenfiguren lebendig und authentisch werden zu lassen. Wir werden als LeserInnen ganz nah an die Gefühlswelt der Protagonistinnen herangeführt. Ihre Sorgen, ihr Glück, ihre Ängste und Zweifel sind nachvollziehbar, auch wenn man eine beschriebene Situation selbst nicht erlebt hat.

    Insgesamt ein Roman bei dem sowohl die Sprache als auch der Inhalt überzeugen. Ein sehr lesenswertes Buch, das besonders Frauen ansprechen wird.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Mär 2019 

    Fünf Frauen, fünf Leben, fünf oder mehr Lieben.

    Fünf Frauen, fünf Leben, fünf oder mehr Lieben. Es sind Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde, von denen Daniele Krien erzählt. Frauen, deren Lebenslinien sich kreuzen. In Freundschaft, in Konkurrenz, Verbundenheit oder Ablehnung. Es sind sehr unterschiedliche Frauen, die in ihrer Vielfalt eines gemeinsam haben, dem Streben nach Erfüllung. Die eine oder andere sucht die Erfüllung in der Ehe, der Familie, der Sexualität, andere in der Selbstverwirklichung, der Eigenständigkeit, dem Ausleben von Kreativität. Sie erleben Freude und Erfolge , genauso wie Rückschläge und Verluste. Ihre Schicksale sind nicht einzigartig und doch gibt es - glücklicherweise - keine Skala für Glück oder Unglück. Kummer sowie Hochgefühl unterliegen keinen messbaren Kriterien.
    Die Männer in diesem Buch sind engstirnige Fanatiker, liebende Väter, großartige Liebhaber, Ehebrecher, Beziehungsneurotiker, fürsorglich oder egoistisch, moralisch integer oder Moralapostel, Geber oder Nehmer. Nicht alle Männer auf der Welt sind so, viele sind so, diese Männer sind so.

    „Liebe ist kein Gefühl.
    Liebe ist keine Romantik.
    Liebe ist eine Tat.
    Man muss die Liebe vom Ernstfall aus betrachten.
    Alles, was sie früher über die Liebe geschrieben hat, ist Unsinn.“

    Alles in diesem Buch berührt, betrifft, erinnert mich. Es zeigt die vielen Seiten von Frauen, die vielen Seiten der Liebe. Die Perspektive verschiebt sich immer wieder, je nach von welcher Begegnung die Autorin uns erzählt. Es sind die kleinen Berührungspunkte, die aus den einzelnen Episoden ein großes Ganzes machen. Wunderschön, unverblümt, unverkitscht.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 07. Mär 2019 

    Anstrengende Geschichten

    Das Buch hat mir gut gefallen, allerdings waren mir die vielen Frauenfiguren zu negativ besetzt. Alle stehen zwischen Emanzipation und Tradition im Konflikt, es gibt keine gelungene Paarbindung. Die Schicksale der ersten drei Frauen fand ich anstrengend zu lesen, die letzten beiden Frauen dagegen etwas differenzierter dargestellt, wobei auch sie ihre Konflikte mit Partnerschaft haben, weshalb mir die ganze Thematik zu einseitig war. Ich werde ein wenig oberflächlich darüber schreiben, ohne viele Details zu verraten, denn der Roman lebt von den Geschichten, die alle im Geschlechterkampf auf Beziehungsproblematiken fokussiert sind. Wenn man zu viel davon berichtet, hat man keine anderen Themen, auf die man mit Spannung ausweichen könnte.

    Die Handlung
    Die Handlung beginnt mit Paula und ihrer Jugendfreundin Judith, die beide fünf Jahre gemeinsam in einer WG gelebt hatten. Außerdem kannten sich die beiden schon von klein auf. Sie besuchten beide dieselben Krippen, Kindergarten, dieselben Schulen. Judith zog nach Leipzig, um Medizin zu studieren, und Paula nach Regensburg, um eine Lehre in der Buchbranche zu tätigen ...

    Paula lernt Ludgar kennen, heiratet ihn, bekommen ein gemeinsames Kind, das mittlerweile 13 Jahre alt ist. Leider geht diese Ehe in die Brüche, da beide ihren Erwartungen nicht gerecht werden können.

    Zitat:
    "Kein Mensch war, wie man ihn haben wollte." (2019,16)

    Das zusätzlich belastende in dieser Ehe war der Tod des zweiten Kindes, den beide nicht richtig verwinden konnten.

    Paula ist eine stark reflektive und eine introvertierte Persönlichkeit, die wenig von sich preisgibt. Sie ist auch uns Leserinnen wenig greifbar gewesen, siehe Berichte auf Whatchareadin.

    Die zweite Figur ist Judith. Judith zeigt auf allen Ebenen ihres Berufes großen Erfolg. Sie ist sehr zielstrebig und ehrgeizig. Doch leider lässt sich der berufliche Erfolg nicht auf die Partnersuche übertragen. Sie durchforstet via Internet regelmäßig Kontaktanzeigen und zieht hauptsächlich Nieten, bis sie Gregor kennenlernt …

    Die dritte Figur ist Brida. Brida ist mit Götz verheiratet. Auch diese Ehe scheitert, da Brida Götz`Erwartungen nicht erfüllen kann. Götz ist von der alten Garde, erwartet von der Frau, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellt, und sich ganz auf Familie gibt. Götz und Bride haben zwei gemeinsame Kinder. Brida ist Schriftstellerin von Beruf, und schafft es nicht, alles unter einen Hut zu bringen. Beruf, Kindererziehung, Haushalt und Ehefrau. Brida sehnt sich danach, ihre Schriftstellerinnenrolle in Ruhe ausführen zu können, mehr Zeit für sich zu haben, und sitzt häufig zwischen allen Verpflichtungen: Götz ist Schreiner und dadurch beruflich auch viel unterwegs. Vieles bleibt bei Brida hängen.

    Malinka und Jorinde sind beides Schwestern mit unterschiedlichen Lebenserwartungen. Malinka sehnt sich danach, Kinder zu bekommen, und bekommt keine. Ihre Schwester bekommt Kinder und ist unzufrieden. Als Jorindes Kinder groß genug sind, fragen sie ihre Tante Malinka, weshalb sie keine Kinder haben würde, ob sie KInder nicht mögen würde? Es ist, als müsse Malinka sich für ihre Kinderlosigkeit rechtfertigen …

    Die Eltern von Malinka und Jorinda sind sehr leistungsbezogen und prägen damit das Leben der beiden damaligen Mädchen nachhaltig.

    Welche Szene hat mir gar nicht gefallen?

    Malinka ist Musiklehrerin und spielt Violine. Da der Vater Cellist ist, sind die musischen Ansprüche in dieser Familie sehr hoch. Malinka sollte als Schulmädchen an einem Musikwettbewerb teilnehmen und wurde von der Mutter um fünf Uhr morgens geweckt, damit sie noch Zeit zum Üben hatte. Sie hatte schon öfters Erfolg, da sie musisch sehr begabt ist. Malinka wollte aber nicht aufstehen, und kam erst später aus dem Bett. Anstatt zu üben, setzte sie sich an den Frühstückstisch und nahm genüsslich Müsli zu sich. Malinka leidet unter einer Essstörung, ist adipös, ist kein schlankes Mädchen, da sie über das Essen viel Ärger mit ihren Eltern in sich hineinfrisst. Die Mutter zieht sie noch abfällig auf, dass ihr das Essen wichtiger sei als die Musik und sie immer dicker werden würde. Malinka steht vom Frühstückstisch auf, nimmt den Violinenbogen und bricht ihn in der Mitte durch.

    Welche Szene hat mir besonders gut gefallen?

    Mir hat gefallen, dass Malinka sich gegen die Eltern hat durchsetzen können, wobei sie in ihrem Leben nicht wirklich glücklich werden konnte, zum Teil, weil sich viele ihrer Wünsche nicht erfüllen konnten.

    Welche Figur war für mich ein Sympathieträger?

    Mir standen alle Figuren neutral gegenüber.

    Welche Figur war mir antipathisch?

    Der von Frauen vielbegehrte Götz hat mir nicht gefallen. Und die Eltern von Malinka und Jorinde.

    Meine Identifikationsfigur

    Judith stand mir am nächsten.

    Cover und Buchtitel

    Es gibt eine Szene im Buch, die Ähnlichkeiten mit dem Foto auf dem Cover haben könnte. Den Titel Die Liebe im Ernstfall war gut verständlich, aber für mich ist die Liebe einer Paarbeziehung nie ein leichtes Spiel. Sie ist immer eine ernste Angelegenheit und sollte in ihr stets gut bedacht sein.

    Zum Schreibkonzept

    Obwohl das Buch als ein Roman deklariert ist, hat es eher einen Erzählcharakter in Reihenfolge der fünf Frauen Paula, Judith, Brida, Malinka und Jorinde, die sich gegenseitig ablösen, wenn deren Geschichten erzählt werden. Judith und Paula waren später nur noch Randfiguren. Am besten haben mir die Erzählungen von Malinka und Jorinda gefallen, da sie psychologischen Tiefgang hatten und die familiäre Herkunft der beiden Frauen mitbeleuchtet wurde.

    Am Ende des Buches gibt es eine Danksagung.

    Die Geschichten sind mit vielen Absätzen konstruiert.

    Meine Meinung

    Leider waren mir die Geschichten zu einseitig, zu negativ dargestellt, zu problembehaftet. Wie ich eingangs schon geschrieben habe, waren sie mir psychisch betrachtet zu anstrengend, was zur Folge hatte, dass ich vieles, was ich gelesen habe, wieder vergaß. Typsiche Verdrängungsmechanismen, die bei mir gut ausgestattet sind. Es gab wenig Positives in der Biografie dieser fünf Frauen, auch wenn bei Paula eine positive Entwicklung anberaumt wurde. Traurig fand ich Judith, dass sie es nicht geschafft hat, sich einen Wert als Frau auch ohne Partner zuzuschreiben. Eine hoch intellektuelle Frau scheitert an ihren eigenen und womöglich auch an den gesellschaftlichen Erwartungen. Ich würde niemals einen Partner über Zeitungsannoncen suchen.

    Den Schreibstil finde ich gut. Manche Textstellen waren sehr bildhaft ausgedrückt. Und jede Menge Weisheit konnte ich vernehmen und möchte gerne eine Textstelle dazu, zum Thema Liebe in einer Paarbeziehung, zitieren:

    Zitat
    "Die Liebe ist nicht das Miteinander zweier unabhängiger Individuen, die sich jederzeit wieder auf die Selbständigkeit zurückziehen können. Der geschützte Raum einer friedlichen Welt, in der Mann und Frau tagtäglich entscheiden, was es heißt, ein Mann oder eine Frau zu sein, hat sie vergessen lassen, dass es darunter etwas anderes gibt. Eine alte Ordnung, deren Notwendigkeit nur vorübergehend außer Kraft gesetzt ist. Sobald Gefahr heraufzöge, würde sie sich ganz von selbst wiedereinstellen." (2019, 150)

    Mein Fazit

    Viele gute Gedanken, ohne Frage.

    Mir waren es nur zu viele Figuren mit der gleichen Thematik im Kampf der Geschlechterrollen.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Mär 2019 

    Der Ernstfall Leben

    Daniela Krien schildert in ihrem neuen Roman „Die Liebe im Ernstfall“ fünf Frauenschicksale in voneinander abgegrenzten fünf Kapiteln, die nur lose, aber sehr geschickt über die Geschichten der Frauen miteinander verbunden sind. Jede dieser fünf Frauen ist besonders hinsichtlich Charakter und Lebensgeschichte und doch stehen sie alle fünf auch als Typen für das Bild der modernen Frau, die hin und hergerissen ist zwischen den Anforderungen des Lebens im Einklang mit einem modernen Frauenbild und den Wünschen nach Liebe und Partnerschaft ohne bloße Unterordnung. Das ist ein Balanceakt, der nicht immer oder gar nur selten gelingt. Der aber die Frauen in Kriens Roman gefangen und in Atem hält. Sie stammen aus der Gegend von Leipzig und teilen damit nicht nur den Balanceakt zwischen Selbstverwirklichung, Partnerschaft und Mutterdasein (bzw. -wunsch), sondern auch die Erfahrung einer neu gewonnenen Freiheit nach dem Mauerfall. Eine Freiheit die viel gibt, aber den Menschen auch viel abverlangt. In diesem Kosmos von Partnerschaft, Freiheit der Wahlmöglichkeiten und Selbstverwirklichung muss sich Liebe wirklich beweisen und wird zur Liebe im Ernstfall, denn das Leben an sich ist der Ernstfall für alle diese Frauen, die sich diesem Ernstfall aber mit Mut und Gestaltungswillen entgegenstellen. Der Klappentext hat hier einmal so richtig recht: „Fünf Frauen, die das Leben beugt, aber keinesfalls bricht.“
    Es ist ein Lesevergnügen, die fünf Frauenschicksale in der ruhigen, oft sehr treffend pointierten Sprache von Daniela Krien kennen zu lernen. Und auch wenn den Frauen nicht alles gelingt in diesem Roman, so hat man doch die Hoffnung, dass sich ihr Mut und ihre Gestaltungsfreude letztlich durchsetzen wird und sie Lebensformen finden werden, in denen der Ernstfall sich zu einem Glücksfall gewandelt haben wird. Oder bin ich da zu blauäugig? Ich hoffe nicht! Und gebe gern 5 Sterne.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Mär 2019 

    5 Frauen erleben die Liebe im Ernstfall

    Der Roman, der von fünf unterschiedlichen Frauen erzählt, hat in der Leserunde für einigen Diskussionsstoff gesorgt. Die verschiedenen Charaktere und deren Lebensentwürfe bieten Identifikationsmöglichkeiten und Interpretationsspielräume. Die wunderbare Sprache, die mit ungewöhnlichen Bildern aufwartet, verleitet zudem über das Gelesene intensiv nachzudenken.

    Wer sind diese Frauen, die die Liebe im Ernstfall erleben?

    1. Paula
    "Der Tag, an dem Paula feststellt, glücklich zu sein, ist ein Sonntag im März." (5)

    Offenkundig hat sie eine Zeit der Trauer überwunden. Im Rückblick, der sich mit der Gegenwart abwechselt, erfahren wir, wie die junge Buchhändlerin Paula ihren zukünftigen Mann Ludger kennen lernt, den ihre beste Freundin Judith ablehnt, trotzdem zieht sie mit ihm zusammen.

    "Der Abschied von Judith fiel ihr schwer. Fünf gute Jahre hatten sie zusammengewohnt. Niemand sonst war ihr so nah." (13)

    Seit Kindertagen sind sie befreundet, doch Ludger stellt diese Freundschaft auf eine harte Probe. Nachdem ihre gemeinsame Tochter Leni zur Welt gekommen ist, will er noch weniger Spuren auf der Erde hinterlassen, das bedeutet nachhaltig zu leben und dafür ist er bereit Verzicht zu üben. Allerdings möchte er seine Umwelt davon überzeugen, dass seine Art zu leben die einzig Richtige ist, was auch Paula irgendwann überfordert.

    "Paula erschien es, als bezahlte sie den Preis für dieses Glück. Als lebte er von ihr. Je mehr Energie er hatte, umso schwächer fühlte sie sich. Je besessener er Pläne schmiedete, umso antriebsloser wurde sie." (29)

    Als ihre zweite Tochter geboren wird, scheint sich die Beziehung zu entspannen, bis ein furchtbares Unglück sie heimsucht. Die Liebe hat den Ernstfall nicht überstanden und nur der erste Satz des Kapitels stimmt hoffnungsfroh, dass Paula mit ihrem neuen Lebensgefährten Wenzel einen Neuanfang wagen kann.

    2. Judith
    Das Kapitel setzt zeitlich nach Paulas Unglück ein, bevor sie Wenzel kennen lernt.

    "Wie ein Abgrund ist Paula, wie ein tiefes schwarzes Loch, in das man Verständnis, Geduld und Liebe hineinwirft, und alles versinkt in der Tiefe, ohne auch nur einen Hall zu erzeugen." (66)

    Judith ist Mitte 30, gutaussehend, sportlich, leitet erfolgreich eine Arztpraxis, liebt es im Galopp mit ihrem Pferd zu reiten und hört gerne klassische Musik.

    So würde sie sich vielleicht selbst in einer der Dating-Agenturen beschreiben, in denen sie permanent auf der Suche nach dem richtigen Partner ist.

    "Das Schwierigste an den Treffen mit den unbekannten Männern ist die Anstrengung, sich erklären zu müssen, immer wieder bei null anzufangen, sich auf nichts Vorhandenes berufen zu können." (62)

    Obwohl die hochintelligente Judith unabhängig und stark erscheint -

    "Manchmal steht sie fassungslos vor der Großzügigkeit anderer Frauen. Wie mild sie urteilen, wie sanft sie sich ihren Männern zuwenden, wie großherzig sie deren Schwächen hinnehmen und übersehen." (84) -

    ist sie neidisch, als sie während eines Hausbesuchs die tiefe Verbundenheit zwischen einem Mann - Wenzel Goldfuß - und seiner krebskranken Frau Maja erlebt.

    Doch dann lernt sie Gregor kennen...

    3. Brida

    ist Schriftstellerin und Judiths Freundin. Sie haben sich kennengelernt, als Brida Judith gebeten hat, ihren Roman auf sachliche Fehler hin zu lesen.

    Brida verbringt ihre Ferien gemeinsam mit ihren Kindern Hermine und Undine, ihrem Exmann Götz und dessen Freundin Svenja. Eine etwas seltsame Konstellation, hinzu kommt, dass Götz und Brida immer noch regelmäßig miteinander schlafen.

    Im Rückblick schildert Brida aus ihrer Sicht, wie sie sich in Götz, den Restaurator antiker Möbel, verliebt hat.

    "Zu Beginn ihrer Beziehung gab es Malika, von der Götz damals sagte, sie sei die Frau um meine Familie zu gründen. Ihr Körper sei der Körper einer Mutter - weich und warum und wie ein schützender Wintermantel" (129),

    während er sie als "wild und rauh wie eine Katzenzunge" (129) beschreibt.

    Trotzdem gründen die beiden eine Familie, doch Brida zerbricht an ihrem Wunsch als Schriftstellerin weiter arbeiten zu wollen, ihren Figuren Raum zu geben und gleichzeitig Mutter zweier Kinder zu sein, die ihre Aufmerksamkeit fordern. Sie hat ein schlechtes Gewissen, wenn sie Hermine zur Tagesmutter bringt und nach dem 2.Kind schweigen sogar ihre Figuren. Götz unterstützt sie, mit seinem Laden sorgt er für den Unterhalt und ermahnt sie, "[a]lles hat seine Zeit" (164).

    In der Leserunde haben wir darüber diskutiert, ob Brida zu viel will. Der Beruf der Schriftstellerin erfordert Freiräume, in denen sich Kreativität entfalten kann, und passt nicht zu dem Bedürfnissen kleiner Kinder, die nicht warten, bis der Schreibprozess zum Ende kommt. Was hätte ein Schriftsteller gemacht? Hätte er auch ein schlechtes Gewissen gehabt oder auf seine künstlerische Freiheit gepocht?

    4. Malika
    Die Geigenlehrerin Malika erscheint zunächst als die schwächste der Frauen. Von ihren erfolgreichen Eltern, der Vater Cellist, die Mutter Musikwissenschaftlerin, fühlt sie sich ungeliebt. Ihre Schwester Jorinde, Schauspielerin, ist immer diejenige gewesen, die von ihnen vergöttert worden ist. Von dem Mann verlassen, den sie über alles geliebt hat - Götz - liest sie jede Zeile von Brida Lichtblau, um in den Männern der Geschichten Züge von Götz zu finden. In der neusten Geschichte, die Brida nach dem Urlaub mit Götz und Svenja geschrieben hat, Ein Sommer, erkennt sie ihn wieder und hofft, dass Brida ebenso leide wie die Hauptfigur.

    Aus ihrer Perspektive schildert sie im Rückblick, wie sie Götz zum ersten Mal gesehen hat -

    "Die Zeit des Alleinseins war vorbei. Mit der Kraft seiner Liebe bewegte sie sich mühelos in die Richtung ihrer besten Eigenschaften" (208) -

    und wie er sie wegen Brida verlassen hat. Die andere Sichtweise wirft eine neues Licht auf alle Beteiligten. Ihr Wunsch nach einem Kind, der sich nicht verwirklichen will, setzt Götz unter Druck. In dieser Phase taucht Brida auf und in der Gegenwart bittet Malikas Schwester sie um einen unglaublichen Gefallen.

    5. Jorinde

    "Seit sie denken kann, kämpft sie um Malikas Liebe." (240)

    Erneut lässt eine andere Perspektive das zuvor Erzählte einem anderen Licht erscheinen. Jorinde scheint Malika zu brauchen und es zeigt sich, dass die beiden Schwestern gut harmonieren und Malika tatsächlich zur Mutter geboren ist. Gemeinsam ziehen sie eine Wohnung, nachdem Jorinde ihren Mann verlassen hat, der

    "als die Jahre und die Kinder eine Anpassung der Wünsche an die Wirklichkeit erforderten, [sich] verweigerte. Kompromisse ging er kaum ein, schon gar nicht beruflich" (244),

    obwohl Jorinde die erfolgreichere Schauspielerin ist. Mit Malika zusammen gelingt ihr vorläufig der "Balanceakt der modernen Frau", wie eine der Diskussionsteilnehmerinnen so treffend bemerkt hat.

    Zu diesem Balanceakt gehört nach wie vor die Zerrissenheit zwischen Beruf, Kindern und Partnerschaft. Der Kinderwunsch oder die bewusste Entscheidung dagegen prägen diese Frauen, in deren Lebensentwürfen sich die Leser*innen teilweise wiederfinden können. Die Geschichten stellen auch die Frage danach, wie Liebe sein sollte, und thematisieren die Einsamkeit, Zweifel und Sehnsüchte, wenn sie den Ernstfall nicht bestanden hat.

    "Liebe ist kein Gefühl.
    Liebe ist keine Romantik.
    Liebe ist eine Tat.
    Man muss die Liebe vom Ernstfall aus betrachten." (144)

    Bis jetzt das Lese-Highlight 2019!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Mär 2019 

    Alles haben geht nicht

    Was für ein großartiges, kleines Buch hat Daniela Krien da geschrieben.
    Der Roman ist in fünf Teile unterteilt, jeder ist mit einem Frauennamen überschrieben, so ergeben sich die Abschnitte Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde. Zwischen den Figuren gibt es Beziehungen und Berührungspunkte – mal mehr, mal weniger. Diese werden meist zufällig aufgedeckt, während man weitere Abschnitte liest. Innerhalb eines Abschnittes gibt es zwei Handlungsstränge: der eine behandelt die gegenwärtige Situation, der andere wichtige Sequenzen und Erlebnisse aus der Vergangenheit, die bis ins Heute wirken.

    „Der Tag, an dem Paula feststellt, glücklich zu sein, ist ein Sonntag im März.“ Mit diesem fantastischen ersten Satz beginnt der Roman. Paula hat Ludger, einen Dogmatiker und Architekten geheiratet, sie selbst ist Buchhändlerin. Paula muss sich sehr stark an ihren Mann anpassen, braucht ihn aber auch als Halt. Die Ehe ist nicht gut: „So, wie es war, war es gut. Und so, wie es war, war es fragil.“ (S. 36)
    Mit der Geburt des zweiten Kindes fühlt sich Paula zwar überfordert, trotzdem geht es irgendwie weiter, bis sie ein schrecklicher Schicksalsschlag ereilt, der Paula in tiefe Depression stürzt:
    „Sie wollte nicht sterben, aber leben konnte sie nicht. Sie wollte vergessen, doch das war unmöglich. Und als Ludger den Satz sagte, der ihre Ehe beendete, wunderte sie sich, dass das Schwarz, das sie umgab, noch nicht das dunkelste gewesen war.“ (S. 44)
    Zum Glück lernt sie anschließend Wenzel kennen, der der Grund für das weiter oben erwähnte Glück ist.

    Judith ist Paulas Freundin aus Jugendtagen. Sie ist beruflich erfolgreich und lebt allein. Trotzdem sehnt sie sich nach einer festen Partnerschaft und ist Kundin bei verschiedenen Internet-Dating-Portalen, kaum ein Mann ist ihr gut genug. Trotzdem berät sie andere in Liebesdingen: „Sie (Judith) kann das gut – die Liebesbeziehungen anderer Leute sezieren, analysieren und ordnen. Sie weiß stets, was zu tun ist,…“ (S. 92)

    Brida ist Schriftstellerin. Es verbindet sie eine lange, sehr komplizierte Verbindung mit Götz, der inzwischen mit einer anderen Frau verheiratet ist, zuvor aber mit Brida verheiratet war. Brida wurde zwischen dem Wunsch, eine erfolgreiche Schriftstellerin zu sein, und der Tatsache, dass sie sich um die Bedürfnisse ihrer Kinder kümmern musste, völlig aufgerieben und fühlte sich unglücklich und wenig unterstützt:
    „Unversehrt hatte Brida mit neunzehn Jahren das Elternhaus verlassen. Nun, fast zwanzig Jahre später, kommt es ihr vor, als wären ihr alle Knochen einmal gebrochen, die Haut vom Leib gezogen, die Haare ausgerissen, die Zuversicht gestohlen und die Träume zerschmettert worden. Mit dem Menschen, der sie gewesen ist, hat das nichts mehr zu tun.“ (S. 125)

    Malika und Jorinde sind Schwestern. Sie kommen aus einem sehr eigenwilligen Elternhaus, das großen Einfluss auf ihre Charaktere ausgeübt hat. Malika ist kinderlos und Geigen-Lehrerin, Jorinde Schauspielerin mit Mann und zwei Kindern. Doch auch diese beiden Frauen hadern mit ihrem Leben und wünschen sich Veränderungen.

    Jede beschriebene Frau lebt ein anderes Lebens- und Partnerschaftsmodell, deren Vor- und Nachteile sich dem Leser sehr anschaulich und lebensnah offenbaren. Die Autorin hat die Gabe, Sachverhalte, Gefühlslagen und Charakteristiken in einfachen, anschaulichen Sätzen präzise und treffsicher wiederzugeben. Die Gedankenwelt der Protagonistinnen wird sehr ehrlich abgebildet. Man kommt den Frauen und ihrem Umfeld dadurch sehr nah und kann deren Verhaltensweisen und Entscheidungen sowohl nachvollziehen als auch verstehen - selbst, wenn man sie nicht gut heißt.

    Keine der Figuren ist uneingeschränkt glücklich oder wenigstens zufrieden, es gibt starke und schwache Frauen. Innere Konflikte brechen durch und fordern Konsequenzen. Jedes frei gewählte Modell hat auch seine Schattenseiten und manch einer kann außer dem Schatten das Licht nicht mehr sehen. Das ist die Zwickmühle der modernen Gesellschaft: Die Rollen sind nicht mehr festgeschrieben, alles scheint möglich. Jede Frau darf ihren Weg frei wählen, darf ihre sexuellen Wünsche ausleben, kann, muss aber keine Kinder bekommen. Doch jedes Lebensmodell hat auch seine Schwächen und Ideale scheitern oft an der Realität. „Alles Haben geht nicht“, das galt früher und gilt auch noch heute. Wer das nicht akzeptieren kann, befindet sich im Nachteil.

    Daniela Krien hat diesen Spagat der modernen Frau zwischen Beruf, Familie, erfüllter Partnerschaft und gesellschaftlichen Erwartungen genial anhand dieser fünf unterschiedlichen Charaktere in Szene gesetzt.

    Handlung und Sprache ziehen einen sofort in den Bann. Sätze wirken nach, manches muss man zweimal lesen, damit sich der Inhalt voll entfalten kann. Man staunt über die geschliffene, jedoch klare und ungestelzte Formulierungskunst der Autorin.
    Ich denke, jede Frau findet sich partiell in diesem Buch wieder. Das gibt unglaublich viel Raum zum Nachdenken über das eigene Ich, die eigenen Wünsche, das eigene gewählte Lebensmodell.

    Ein wirklich grandioser Roman, dem ich viele Leser wünsche!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Mär 2019 

    Authentisch, ehrlich, unbequem

    In dieses Buch habe ich mich ebenso verliebt, wie in die vorher gelesenen Bücher. Wir haben es hier mit einem Buch zu tun, welches Einblicke in die Lebensumstände von fünf Frauen gibt. Es sind fünf sehr unterschiedliche Frauen, deren Leben hier gezeichnet wird und es werden Einblicke in das Jetzt und die Vergangenheit der Frauen ermöglicht. Dabei ist die Autorin sehr ehrlich und zeichnet verschiedene sehr authentische Lebensmuster, die durch diese tiefe Ehrlichkeit teilweise erschrecken und unbequem sind. Und dafür spende ich tosenden Beifall! Das wird und hat nicht jedem gefallen, ich allerdings finde dieses Buch außergewöhnlich gut. Nicht nur der Inhalt, sondern auch die Art des Darbietens ist eine Besondere, eine besonders Gute! Ich konnte mich sehr gut in einigem wiederfinden und jede Frau in ihrer Rolle nachvollziehen.

    Da haben wir als erste Paula, Buchhändlerin, mit Ludger zusammen, sehr liebend und für diese Liebe zu Vielem bereit, Mutter von einer Tochter, Leni, muss etwas verkraften, was uns allen den Boden unter den Füssen wegreißen würde. Die nächste Frau wäre dann Judith, Ärztin, allein im Leben stehend, eigentlich einen Mann und Nähe suchend, aber durch bisher Erlebtes mit Ansprüchen an das Leben und den Mann ausgestattet, die ein Finden schwer machen. Die dritte Frau ist Brida, Autorin, mit Götz zusammen, hat zwei Kinder, Hermine und Undine, versucht die Familie und die Berufung unter einen Hut zu bekommen, geht dafür einen eigenen Weg. Die vierte Frau in dieser Gruppe ist Malika, Geigenlehrerin, die erste Frau von Götz, durch den Verlust dieser großen Liebe und andere Traumata gezeichnet, ebenfalls auf der Suche nach neuen Wegen. Und als Letze haben wir Jorinde, Schauspielerin, die Schwester von Malika, trennt sich gerade von ihrem Mann Torben, Mutter von Ada und Jonne, erwartet das Kind von einem anderen Mann, arbeitet ihre eigene und die Familiengeschichte auf und ist ebenso auf der Suche nach neuen Wegen.

    Der sprachliche Sog, den Frau Krien hier in ihrem Buch entwickelt, ist ein ganz Großer. Nachdem ich meinen Kopf frei hatte und für das Buch bereit war, hatte ich dieses Buch an zwei Abenden durch. Frau Krien beschreibt ihre Charaktere etwas kühl, was aber bei der Tiefe des Beschriebenen für mich genau richtig war. Alles Andere hätte bei mir nicht die gleiche Wirkung erzielt. Was mir bei diesem Buch ebenso sehr gefallen hat war der Aufbau. Das Buch ist in fünf Abschnitte geteilt, jeder Abschnitt ist mit dem Namen einer der fünf Frauen überschrieben, das Leben der jeweiligen Frau wird im zugehörigen Abschnitt beschrieben, es sind aber auch immer inhaltlich Bezüge zu den anderen Frauen zu finden, was dann das ganze Buch noch mehr als Einheit erscheinen lässt. Das dann die Handlung des Buches in Leipzig angesiedelt ist, beinhaltet für mich ebenso etwas Positives, da auch ich Bezüge zu dieser wunderschönen Stadt habe und die beschriebenen Orte vor meinem geistigen Auge finde. Ebenso gut untergebracht finde ich die Beschreibung der Affinität mancher Bürger zu polemisierenden Strömungen und gleichzeitig auch die Gründe dafür. Und was mir ausnehmend gut gefallen hat, ist die Sprache der Frau Krien. Diesen trockenen Humor in ihren Worten finde ich einfach klasse.

    Ich gebe eine klare Leseempfehlung!

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 02. Mär 2019 

    fünf Geschichten

    Sie heißen Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde. Sie kennen sich, weil das Schicksal ihre Lebenslinien überkreuzte. Als Kinder und Jugendliche erlebten sie den Fall der Mauer, und wo vorher Grenzen und Beschränkungen waren, ist nun die Freiheit. Doch Freiheit, müssen sie erkennen, ist nur eine andere Form von Zwang: der Zwang zu wählen. Fünf Frauen, die das Leben aus dem Vollen schöpfen. Fünf Frauen, die das Leben beugt, aber keinesfalls bricht.

    Fazit: Die Lebensgeschichten der fünf Frauen werden nach und nach miteinander verflochten - auf Grund des tiefgehenden und detailreichen Schreibstil kann man sich mühelos in die fünf Frauen und deren Gedanken hineinversetzen, und sie auch auf eine Gewisse Art und Weise verstehen.
    Gegenwart und Vergangenheit wird für jede Frau in einem Kapitel vorgestellt.
    Das ganze Buch wirkt sehr authentisch und ist ausgesprochen lebensnah/realistisch - was mir besonders gut gefallen hat.
    Ich habe mich gut unterhalten gefühlt.

  1. 3
    (3 von 5 *)
     - 28. Feb 2019 

    Ein enttäuschendes Bild moderner Frauen

    „Man muss die Liebe vom Ernstfall aus betrachten.“ (Zitat Seite 144)

    Inhalt:
    Fünf moderne Frauen, alle etwa Ende dreißig, treffen Entscheidungen, mit deren Konsequenzen sie anschließend irgendwie zu leben versuchen. Sie kennen einander, von kaum bis sehr gut, und manche Handlungen breiten sich in diesem Kreis von Einzelschicksalen wie die Schwingung einer Welle aus, beeinflussen und verändern auch das Leben der anderen Frauen.

    Thema und Genre:
    In diesem Roman, genau genommen sind es fünf Erzählungen, geht es um Frauen, die ihren Platz im Leben gefunden zu haben glaubten, nun aber mit veränderten Umständen konfrontiert sind. Es geht um die Problematik, Mutter zu werden und darum, Entscheidungen zu treffen und in der Folge mit diesen Entscheidungen zu leben.

    Charaktere:
    Die Protagonistinnen dieses Romans sind fünf Frauen und dazu passend fünf große Kapitel, die jeweils eine der Frauen zur Hauptfigur haben. Alle fünf Charaktere haben Probleme, mit den Folgen des jeweiligen Verhaltens, der Entscheidungen, die sie treffen, zu leben. Sie alle sind eher destruktiv und es bereitet ihnen, große Schwierigkeiten, sich selbst treu zu bleiben, auch wenn auf dem Klappentext das Gegenteil geschrieben steht.

    Handlung und Schreibstil:
    Der rote Faden, der sich als Gemeinsamkeit durch die fünf Frauenleben zieht, ist teilweise so fein, dass sich der Roman wie Einzelerzählungen liest. Es wird jeweils ein aktueller Zeitpunkt aus dem Leben gegriffen, wo die Handlung einsteigt und weitergeht. Die Geschichte wird durch Rückblenden ergänzt und aufgerollt.
    Im Mittelpunkt der einzelnen Handlungen steht jeweils eine wichtige Entscheidung und die Ereignisse, die zu dieser Entscheidung führen. Im Verlauf der Handlung erfährt der Leser, wie die jeweilige Protagonistin mit den Folgen ihrer Entscheidung zu leben versucht.
    Der Schreibstil ist knapp und geradlinig, auch die Beschreibungen der Befindlichkeiten der Protagonistinnen beschränken sich auf prägnante Feststellungen in kurzen Sätzen. Dadurch liest sich dieses Buch rasch und zügig.

    Fazit:
    Ein Roman, gebildet aus fünf Einzelerzählungen. Frauen, die Entscheidungen treffen, mit denen sie dann nicht umgehen können, was im Buch oft eine negative Stimmungslage erzeugt. Ich hatte mit starken, modernen Frauenfiguren gerechnet, fand zwischen diesen Seiten aber zweifelnde, sich selbst hinterfragende Protagonistinnen, die ich eher bedauert, als verstanden habe.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Feb 2019 

    Wenn Liebe weh tut...

    Bereits auf der Buchmesse in Frankfurt 2018 bin ich auf dieses Buch gestoßen und erwartete sehnsüchtig sein Erscheinen. Nach Vollendung der Lektüre bin ich einfach nur sprachlos. Wer rüttelt denn da am Thron meines Lieblingsbuches "Vom Ende der Einsamkeit"?

    In der Geschichte geht es um fünf Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und dennoch haben sie etwas gemeinsam: die Liebe quält sie. Wie gehen sie um mit ihren Partnerschaften, den Kindern oder gar dem Singleleben? Was macht die Frauen aus? Und vor allem: Wie viel Leid kann man ertragen für die Liebe?

    Besonders hervor sticht der außergewöhnliche Schreibstil der Autorin, der einen direkt in seinen Bann zieht und mitten ins Herz trifft. Mit zeitlichen Sprüngen zwischen Gegenwart und Vergangenheit erfährt man in fünf Abschnitten, stets benannt nach der jeweiligen Figur, wie es den Frauen ergeht.

    Die von der Autorin dargestellten Figuren sind sehr facettenreich und untereinander sehr unterschiedlich und dennoch habe ich mich in jeder von ihr ein Stück weit wiedergefunden. Von der unterdrückten Ehefrau bis zur selbstbewussten, alleinstehenden Ärztin ist alles dabei.

    Das was den Frauen passiert, ist so unfassbar und dennoch so wahr, was man aber wahrscheinlich erst so richtig glauben kann, wenn man ähnliches durch hat oder einfach mehr Lebenserfahrung besitzt.

    Erst zum Ende des Romans kristallisiert sich heraus welche Verbindungen zwischen den Frauen bestehen, was ich richtig gelungen fand, denn beim Lesen habe ich stets gemutmaßt und mit gerätselt ob die Frauen sich kennen und wie sie zueinander stehen.

    Dieses Buch hat es seit langem mal wieder geschafft bei mir echte Emotionen zu wecken, denn bereits bei Paula musste ich mit einem Mal weinen, da mich ihre Geschichte wirklich tief bewegt hat.

    Nun könnte man meinen, dass die Autorin etwas gegen Männer hätte, weil die doch eher schlecht wegkommen, aber dies stimmt ganz und gar nicht, denn es gibt sie auch, die Guten und Fürsorglichen, nur eben leider nicht in der Überzahl.

    Bei Wenzel habe ich nämlich wirklich gedacht: endlich mal ein Mann, wie man ihn sich wünschen würde und eben kein triebgesteuerter, emotionaler Krüppel.

    Ich musste im Übrigen bei der Lektüre immer wieder pausieren, einfach weil ich so ergriffen war, weshalb ich es auch nicht in einem Rutsch gelesen habe. Es ist jetzt schon eine Woche her, dass ich es beendet habe und es wirkt immer noch nach und die Figuren tauchen immer mal wieder in meinem Bewusstsein auf.

    Lesetipp: Dieses Buch nie direkt vor dem Schlafengehen lesen, denn sonst wird es eine schlaflose Nacht.

    Fazit: Für mich ganz klar ein Lesehighlight im Jahr 2019. Ich kann nur eine absolute Leseempfehlung aussprechen. Man muss dieses Buch gelesen haben, sonst verpasst man etwas. Weltklasse!