Die Leuchtturmwärter: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Leuchtturmwärter: Roman' von Emma Stonex
3.85
3.9 von 5 (6 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Die Leuchtturmwärter: Roman"

In der Silvesternacht verschwinden vor der Küste Cornwalls drei Männer spurlos von einem Leuchtturm. Die Tür ist von innen verschlossen. Der zum Abendessen gedeckte Tisch unberührt. Die Uhren sind stehen geblieben. Zurück bleiben drei Frauen, die auch zwei Jahrzehnte später von dem rätselhaften Geschehen verfolgt werden. Die Tragödie hätte Helen, Jenny und Michelle zusammenbringen sollen, hat sie aber auseinandergerissen. Als sie zum ersten Mal ihre Seite der Geschichte erzählen, kommt ein Leben voller Entbehrungen zutage – des monatelangen Getrenntseins, des Sehnens und Hoffens. Und je tiefer sie hinabtauchen, desto dichter wird das Geflecht aus Geheimnissen und Lügen, Realität und Einbildung.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:432
Verlag:
EAN:9783103970371

Rezensionen zu "Die Leuchtturmwärter: Roman"

  1. Das Verschwinden der Leuchtturmwärter

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Dez 2021 

    Cover:
    ---
    Das Cover wirkt schlicht in seinem Dunkelblau und dennoch wirkt die Zeichnung des Leuchtturms im tosenden Meer sehr eindringlich und mythisch. Es zieht den Leser auf magische Weise an, das Buch in die Hand zu nehmen.

    Inhalt:
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    Im Dezember 1900 verschwanden drei Wärter von einem abgelegenen Leuchtturm auf der Insel Eilean Mòr in den Äußeren Hebriden. Was genau passiert ist, weiß bis heute niemand. Aus dieser Geschichte entstanden bereits Romane und auch ein Film. Emma Stonex hat diese Geschichte als Vorlage für eine neue Handlung genutzt, die zwar von diesem Ereignis inspiriert, aber eine fiktionale Geschichte ist, die im Jahr 1972 stattfindet und keine Ähnlichkeit mit dem Leben und der Persönlichkeit der Personen aus der Ursprungsgeschichte hat. In diesem Roman haben die drei Männer Arthur, Bill und Vincent gemeinsam Wache. Als die Ablösung für einen der drei eintrifft, ist die Tür jedoch von innen verschlossen, beim Eindringen in den Leuchtturm ist kein Mensch anwesend und alle Uhren sind um Viertel vor Neun stehen geblieben. Was ist mit den Männern geschehen? 20 Jahre später versucht ein Schriftsteller durch Interviews mit Menschen, die diese Männer kannten, vor allem mit den drei Frauen der Männer, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

    Mein Eindruck:
    ---
    Der Aufbau des Romans erscheint anfangs sehr verworren. Die Geschichte spielt im Wesentlichen auf den beiden Zeitebenen 1972, in dem die Männer verschwanden und 1992, dem Jahr, in dem der Schriftsteller sich auf Spurensuche begibt. Zudem Wechseln die Perspektiven der Personen innerhalb einer Zeitebene. Nach und nach erfährt der Leser durch die Interviews und Erinnerungen sowie die Erzählungen im Jahr des Verschwindens mehr über die einzelnen Protagonisten und ihre Beziehungen zueinander. Helen ist schon lange mit Arthur Black verheiratet, der sich mittlerweile zum Oberwärter hochgearbeitet hat. Die beiden haben keine Kinder, doch in ihrer Ehe gibt es ein schweres Geheimnis, dass die beiden mehr und mehr auseinanderbringt. Arthurs Freund und Wärter William "Bill" Walker hat mit seiner Frau Jenny drei Kinder, doch glücklich ist vor allem Bill nicht in der Beziehung. Hilfswärter Vincent Bourne ist frisch verliebt und kann sich, obwohl er eine dunkle Vergangenheit hat, eine gute Zukunft mit seiner Freundin Michelle vorstellen.
    Durch die Wechselschicht der drei Männer und die erzwungene Gemeinschaft der an Land zurückbleibenden Frauen entwickeln sich ihre Beziehungen zueinander in einer gewissen Eigendynamik. Jeder hat seine (dunklen) Geheimnisse, die durch die Interviews mit dem Schriftsteller schrittweise gelüftet werden. Nicht zuletzt wird am Ende auch der Schriftsteller selbst "enttarnt". Der Roman spielt mit der Tatsache, dass jeder seine eigenen Wahrheiten hat bzw. eine Geschichte immer aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden kann. Dadurch hat das Buch für mich einen richtigen Sog entwickelt, ich konnte es kaum aus der Hand legen. Verstärkt wurde dieser Sog-Effekt auch durch die fast poetische Sprache, die dem Leser viele Denkanstöße liefert.

    S. 161 [Helen] "Mein Mann ist tot, aber ich nicht. Auch Jenny nicht. Und was uns miteinander verbindet, ist nicht tot, es lebt, und wenn das so ist, kann es sich ändern, es kann wachsen, es kann einen Ausweg finden. Von Tod und Verlust habe ich genug, ich will das nicht mehr. Ich habe Ihnen letztes Mal vom Garten erzählt. Davon, dass das Leben wieder und wieder aus der Kälte zurückkehrt. Das ist es, worauf ich hoffe. Das ist es, was ich will."

    Liebe, Verlust, Trauer, Vergeben können und nach vorne sehen, das sind die wichtigen Themen dieses Romans, eingewoben in die spannende Ergründung von persönlichen Geheimnissen und Wissen zur Arbeit von Leuchtturmwärtern.
    Zugegebenermaßen ist ein konzentriertes Lesen erforderlich, um den Durchblick zu behalten, auch wenn durch Überschriften die Zeit- und Personenebenen klar voneinander abgetrennt sind. Doch es lohnt sich auf jeden Fall!

    Fazit:
    ---
    Ein spannender und poetisch geschriebener Roman über das Leben von Leuchtturmwärtern und der Frage, wie viele Wahrheiten eine Geschichte haben kann

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  1. Im Meer der Einsamkeit

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 02. Nov 2021 

    Cornwall, Ende Dezember 1972: Von einem einsamen Leuchtturm verschwinden in einer Nacht drei Männer. Der Tisch ist gedeckt, die Uhren sind zur selben Zeit stehen geblieben, die Tür von innen verschlossen. Was ist in dieser Nacht passiert mit den drei Leuchtturmwärtern Arthur, Bill und Vince? Und wie gehen die Frauen mit diesem Verlust um? 20 Jahre später entschließt sich Romanautor Dan Sharp, mit einem Buch Licht ins Dunkel zu bringen.

    Emma Stonex' "Die Leuchtturmwärter" ist gerade in atmosphärischer Hinsicht ein wirklich guter Roman geworden. Das Buch wechselt in Abschnitten zwischen den Jahren 1972 und 1992 hin und her, wobei vor allem die Passagen auf dem Leuchtturm überzeugen. Die Einsamkeit der Männer, ihre Ängste und Zweifel, aber auch die sich androhenden Konflikte - das erzählt Emma Stonex in rauer, aber dennoch poetischer Sprache. Die Umgebung des wilden Meeres, die Begegnungen mit Tieren und die zunehmend aufkommenden Zweifel am Verstand der Männer sind grandios dargestellt und wagen sich teilweise ins Gefilde der klassischen Schauergeschichte vor.

    Die Interviews, die Dan Sharp 20 Jahre später mit den Frauen führt, sind wahrlich nicht uninteressant, können aber mit der literarischen Qualität der 1972er-Passagen nicht ganz mithalten. Auch die Frauenfiguren schienen mir nicht so greifbar, was auch daran liegen könnte, dass sie über weite Strecken immer nur Andeutungen machen - einerseits, um sich ihre Geheimnisse zu bewahren, andererseits um das Interesse der Leser:innen nicht schwinden zu lassen. Stonex setzt dies zwar fast erschöpfend ein, was mich allerdings nicht wirklich störte, da im Verbund mit den Leuchtturm-Passagen so ein wirklich rätselhafter Sog entsteht.

    Auch formal hat mich "Die Leuchtturmwärter" überzeugt: die Interviews, die in Monologform dargestellt werden, die Gedanken der Leuchtturmwärter, eine Prise Poesie, Briefe, Verhörprotokolle - Stonex findet eine abwechslungsreiche und aufregende Mischung.

    Leider war das Finale für mich jedoch eine herbe Enttäuschung. Die Auflösung, auf die ich verständlicherweise nicht näher eingehen kann, wirkt konstruiert und wie ein Verrat an den Figuren. Fast schien es mir so, als würde Stonex hier stark auf das Wohlgefallen der Leser:innen hoffen. Im "Schlusspunkt" genannten letzten Kapitel wird es gar so kitschig, dass ich mich wie im Cornwall einer anderen großen britischen Schriftstellerin fühlte. Zudem gibt es im Hinblick auf Autor Dan Sharp noch eine Enthüllung, auf die lange hingearbeitet wird, aber letztlich wahnsinnig unspektakulär ist.

    Insgesamt habe ich die Lektüre des Buches sehr genossen, so dass ich das in meinen Augen misslungene Ende umso ärgerlicher fand. Trotzdem ist "Die Leuchtturmwärter" eine lohnenswerte Lektüre - auch für Menschen, die wie Emma Stonex und ich schon immer fasziniert von Leuchttürmen waren.

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  1. Das letzte Geheimnis

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 27. Aug 2021 

    Im Jahr 1972 verschwinden drei Leuchtturmwärter vor der englischen Küste spurlos. Es sieht so auch als sei der Leuchtturm eben verlassen worden. Die Ehefrauen der Wärter sind schockiert und die Chefs entsetzt. Der Leuchtturm steht zwar komplett in der See und ist damit schwer zugänglich, aber er ist doch sicher. Die drei Männer bleiben unauffindbar und die Frauen bleiben zurück, einigermaßen abgesichert durch den Arbeitgeber der Männer. Zwanzig Jahre später beginnt ein Schriftsteller, in der Sache von Neuem nachzuforschen. Er beginnt mit den ehemaligen Beteiligten zu reden, wobei er besonders den Frauen das Wort gönnt.

    Auf den beiden Zeitebenen 1972 und 1992 ist die Handlung dieses Romans angesiedelt. Jenny, Hanna und Michelle müssen mit dem Verlust ihrer Männer leben. Der Schock und die Trauer bleiben bestimmend für die Hinterbliebenen. Auch zwanzig Jahre später sind die Ereignisse so gegenwärtig als seien sie gerade erst geschehen. Vielleicht liegt es daran, dass das Verschwinden ihrer Männer nie richtig aufgeklärt wurde. Natürlich ist das Leben irgendwie weitergegangen, aber es ist doch eine späte Genugtuung, dass sie jetzt ihre Gedanken mit dem fremden Autor teilen können. Was hat den Schriftsteller dazu bewogen, sich gerade dieses Themas anzunehmen?

    Vage auf einem wahren Geschehen beruhend ist die Idee zu diesem Roman sehr spannend und dramatisch. Wie ergeht es Menschen, die nach einem solchen Ereignis, dass keinen richtigen Abschluss hat. Gedanken nach dem wirklichen Geschehen, die nie vergehen. Nach langer Zeit ein Ansatz, ein Versuch zu einer späten Klärung zu kommen. Leider jedoch ist besonders der Beginn des Romans etwas langatmig, für einen Familienroman zu distanziert, für einen Kriminalroman nicht so packend. Gefühlt erst nach der Hälfte wird es fesselnder, weil sich ein paar neue Informationen ergeben. Wegen der durchgängigen Berichte auf beiden Zeitebenen und der kürzeren Kapitel beginnt man die Dramatik des Geschehens nachzuempfinden. Was ist die Wahrheit, was glauben die Überlebenden. Können sie sich schließlich doch noch arrangieren? Eine Idee, die neugierig macht und die bald in einem spannenden Roman mündet.

    3,5 Sterne

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  1. Das Meer mit all seiner Kraft

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Aug 2021 

    Emma Stonex orientiert sich bei ihrem Debüt-Roman auf eine wahre Geschichte, die sich im Jahr 1900 auf dem Flannan Isles Leuchtturm zugetragen hatte, nämlich, dass die damaligen Leuchtturmwärter auf rätselhafte Weise verschwunden waren. Emma Stonex Geschichte ist aber dennoch fiktiv, sie hat sich lediglich von der alten Geschichte inspirieren lassen.

    1972: Drei Leuchtturmwärter vom Maiden Rock Leuchtturm (im Internet findet man übrigens spektakuläre Fotos) verschwinden spurlos. Die schwere Zutrittstüre des Leuchtturms ist von innen verschlossen, zwei Uhren sind auf die Sekunde genau, zur gleichen Zeit stehengeblieben. Was genau ist mit den Personen in der maritimen Abgeschiedenheit geschehen? Natürlich ist dieses unglaubliche Szenario ein Nährboden für etwaige Verschwörungstheorien.

    1992: 20 Jahre sind seit dem Unglück vergangen. Ein Autor interessiert sich für das Verschwinden der Männer und im Zuge seiner Recherchen interviewt er die hinterbliebenen Frauen der Wärter. Jede der Frauen stand damals in einer anderen Lebensphase, somit entstehen die unterschiedlichsten Blickwinkel auf die damalige Zeit und auf das Verschwinden der Männer, auch weil jede der Frauen anders mit der eigenen Trauer und dem Verlust ihres Lebensgefährten in den letzten Jahren umgegangen ist. Logbucheinträge, sowie offizielle Schreiben der Leuchtturmgesellschaft, runden die Erzählung ab, sodass man der Lösung Schritt für Schritt näher kommt.

    Emma Stonex hat sich sehr viel Mühe mit ihren Charakteren gemacht. Man lernt die Frauen, aber auch die Männer, nach und nach kennen. Als Leser verfolgt man deren Lebenswege und entdeckt die feinen Verstrickungen die von der Autorin geschickt platziert wurden, sodass ein feines Netz um die Erzählung gesponnen wurde.

    Interessant empfand ich an diesem Roman die Art und Weise wie er geschrieben wurde. Der ständige Wechsel zwischen den unterschiedlichen Erzählformen ist zwar manchmal etwas verwirrend aber lockert die Geschichte auf. Die Geschichten der Männer haben mich etwas mehr angesprochen, ich konnte mir dadurch die Arbeit, aber vor allem die psychische Belastung auf einem Leuchtturm sehr gut vorstellen. Die Einsamkeit auf nur wenigen Quadratmetern auf offener See ohne Privatsphäre muss erdrückend gewesen sein. Auch die Interviews des Autors fand ich sehr gut gelungen. Diese lesen sich mehr wie ein Monolog, da man die Fragen des Autors nicht zu lesen bekommt, aber man hat dennoch eine sehr gute Vorstellung des Gespräches.

    Das Meer mit all seiner Kraft ist ein wichtiger Bestandteil dieser Geschichte. Emma Stonex macht es bis zum Schluss spannend, tatsächlich hatte ich bis zum Ende keine Vorstellung was mit den Männern geschehen sein könnte. Starke Gefühle, tolle Figuren, interessante Dialoge bzw. Monologe sowie ein ruhiger Aufbau mit leisen Tönen, lässt einen in die Geschichte eintauchen. Leider wurden aus meiner Sicht nicht alle Fragen lückenlos aufgeklärt, ein Puzzle wie dieses hätte vielleicht eine klarere Auflösung verdient.

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  1. Was damals wirklich geschah...

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 19. Aug 2021 

    Das schlichte Cover und der Klappentext hatten so etwas Magisches an sich, dass meine Neugier geweckt war.

    In der Geschichte geht es um ein Mysterium, denn vor 20 Jahren, genau gesagt 1972, verschwanden in der Silvesternacht drei Leuchtturmwärter spurlos von ihrem Turm. Seitdem wurde keiner von ihnen mehr gesehen. Was ist damals tatsächlich geschehen?

    Das Besondere an dem Roman ist, dass wir als Leser in unterschiedlichen Zeiten bei unterschiedlichen Figuren wandeln. 1972 sind wir auf dem Leuchtturm auf dem Meer bei den drei Wärtern. 1992 sind wir bei deren Frauen an Land, die nun ohne ihre Männer klar kommen müssen. Durch diese Perspektivwahl hat der Leser immer mehr Wissen als die Figuren selbst und man würde am liebsten den ein oder anderen Protagonisten schütteln, um ihn auf die richtige Spur zu bringen.

    Von den Figuren ist jeder für sich speziell, weshalb ich keinen besonderen Liebling habe. Ich muss jedoch gestehen, dass ich lieber vom Leben auf dem Turm gelesen habe und wie die Männer mit der Enge und der Einsamkeit umgehen.

    Der Schreibstil der Autorin ist angenehm zu lesen und ich mochte ihre sprachlichen Bilder sehr. Wenn das Meer schmatzt und schlürft, dann weiß man wie es sich gibt.

    Etwas verwirrt hat mich, dass sich das Geheimnis um die Männer ganze 300 Seiten aufbaut und man fürchtet, dass es zu keiner Auflösung kommen wird, denn es werden so viele Gerüchte gestreut und mystische Ereignisse thematisiert, dass man bald nicht mehr weiß was eingebildet und was wahr sein könnte.

    Die Auflösung kommt dann Knall auf Fall und überrollt den Leser. Der Schluss ist durchaus schlüssig und nachvollziehbar, ich hatte dennoch einen größeren Showdown erwartet.

    Fazit: Ein Roman, der zu fesseln weiß und mich gut unterhalten hat. Gern spreche ich eine Empfehlung aus. Gelungen!

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  1. Zu viel Spökenkiekerei

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 09. Aug 2021 

    Klappentext:

    „In der Silvesternacht verschwinden vor der Küste Cornwalls drei Männer spurlos von einem Leuchtturm. Die Tür ist von innen verschlossen. Der zum Abendessen gedeckte Tisch unberührt. Die Uhren sind stehen geblieben.

    Zurück bleiben drei Frauen, die auch zwei Jahrzehnte später von dem rätselhaften Geschehen verfolgt werden. Die Tragödie hätte Helen, Jenny und Michelle zusammenbringen sollen, hat sie aber auseinandergerissen. Als sie zum ersten Mal ihre Seite der Geschichte erzählen, kommt ein Leben voller Entbehrungen zutage – des monatelangen Getrenntseins, des Sehnens und Hoffens. Und je tiefer sie hinabtauchen, desto dichter wird das Geflecht aus Geheimnissen und Lügen, Realität und Einbildung.“

    Emma Stonex hat den Roman „Die Leuchtturmwärter“ verfasst. Sie schafft es, das Feeling des Meeres gerade zu Beginn des Buches sehr gekonnt und authentisch einzufangen. Ihre Beschreibungen gehen unter die Haut, ebenso die Beschreibungen ihrer Charaktere. Egal ob die Wärter oder deren Partnerinnen - wir lernen sie alle kennen und werden so zu einem gewissen Teil der Geschichte. Stonex hat dabei einen besonderen Schreibstil: wenn jeder der Darsteller seine Geschichte erzählt, muss man genau lesen und auf viele Parts achten, um nicht den Faden zu verlieren oder gar wichtige Details zu überlesen. Hier öffnen sich Seelen und der aufmerksame Leser wird hier in gewisser Weise belohnt, wenn er die Chance nutzt und diese analysiert. Die Sichtweisen der Herren und der Damen zu erlesen war recht interessant und gestaltet sich für analytische Leser als Leckerbissen. Hier sind die Seelen geschunden und das rein nur vom Meer, vom Leuchtturm und von dem kargen, einsamen Leben. Man muss am Meer mit dem Meer leben, sonst ist man verloren….

    Wie viele wissen, lese ich gern zwischen den Zeilen und so ist auch hier und da etwas zu finden, das die Geschichte besonders macht. Aber ab der Mitte des Buches verläuft sich aber meine Begeisterung im Sande, denn Stonex schweift mir dann einfach zu sehr ins Fantasy-Milieu ab und versucht den Leser bewusst unbewusst hinters Licht zu führen und eigentlich tut es der Geschichte gar nicht nötig, denn jeder realistische Leser, ahnt, was damals wie passiert sein könnte/muss. Hier an der Küste würden wir von Spökenkiekerei sprechen… Man wartet auf die Auflösung des Verschwindens und erhält ein Ende, das sich die Autorin lieber gespart hätte. Hier quillt leider der Kitsch heraus und die Gischt des Meeres vernebelt dem Leser die Sicht. Es gibt hier und da ein paar bildhafte Punkte, die man der nautischen Mystik zuordnen kann, wenn man sich damit auskennt. Wer dies nicht tut, wird für immer ein offenes Ende haben und unbefriedigt zurück bleiben. Dass sich dann die „verhassten“ Damen….egal…das wäre gespoilert um hier weiter ins Detail zu gehen. Schlussendlich hat mir persönlich das Ende die komplette Geschichte etwas verhagelt. Ich vergebe gute 3 von 5 Sterne, aber mehr werden es definitiv nicht.

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