Die Kunst des stilvollen Wanderns

Rezensionen zu "Die Kunst des stilvollen Wanderns"

  1. Lust aufs Wandern

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 21. Apr 2020 

    Die Kunst des stilvollen Wanderns ist ein philosophischer Wegweiser von Sephan Graham.
    Das Buch liegt sich nicht nur gut in der Hand, es liest sich auch entspannt. Mit seinen Schreibstil nimmt der Autor den Leser mit auf seinen Abenteuer und teilt seine Reisetipps, die auch heute noch sehr brauchbar sind und lust machen sofort loszulaufen. Vor allem im ruhigen Nachtdienst, beim Couching oder am Strnd die perfekte Lektüre. Aber Vorsicht, wenn ich gerade nicht im Nachtdienst gewesen wäre, könnte ich diese Rezession gar nicht schreiben, weil ich mein erstes Abenteuer erlebe...

    Beim Lesen war ich sofort am Anfang des 20 Jahrhunderts. Die Ausrüstung, die Redensart, das unbefangende Abenteuer..., als Leser spürt man den Pioniergeist von Karl May.

    Es ist ein kleiner Urlaub für den Geist das Buch zu lesen.
    Früher, als das Wandern noch wirkliche Abenteuer waren... er beschrieb bewaffnete Hausherren, wilde Bären, die ihn aus der Hand fraßen und Kohlestücke, die man zum Lagerfeuer neben den Bahnschienen findet. Und trotz der Gefahr, glaube ich,war es früher einfacher loszulaufen und alles hinter sich zu lassen. Heute wird man nicht mehr erschossen, aber mit Bußgelder behangen beim wilden campen. Als Wanderer wird man komisch angeschaut, wenn man irgendwo klopft und eine warme Mahlzeit oder gar eine Unterkunft benötigt. Heute gibt es für Alles und Jeden Regeln und Vorschriften, ganz zu schweigen von Verpflichtungen.

    Nach diesen Buch habe ich große Lust einfach loszulaufen mit etwas Gepäck, ein Feuerzeug und der Kaffeekanne. Vielleicht noch ein Schlafsack....Und schon geht es los. Das Buch nimmt einen mit auf einer ganz besonderen Art und Weise.

  1. Wandern und Philospohie

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 12. Apr 2020 

    Wandern und Philosophie passen sehr gut zusammen. Ich bin zwar kein großer Wanderer, aber ich liebe ausgedehnte Spaziergänge, auch sehr gern allein, und jeder, der das schon einmal gemacht hat, weiß wie die Gedanken fließen können, während man vor sich hinläuft. Deswegen hat mich der Titel des Buches gleich angesprochen. Stephen Graham stellt schnell klar, dass seine Art des Wanderns nichts mit den umherziehenden Tramps oder Landstreichern zu tun hat. Ein englischer Gentleman, der, obwohl ihm genügend Geld zur Verfügung steht, mit wenig Ballast durch die Welt wandert, ohne festes Ziel und das einfache Leben genießt. Das war vor 100 Jahren mit Sicherheit ungewöhnlicher als heute und für die Bevölkerung der entlegenen Weltgegenden wahrscheinlich auch befremdlich.

    Mit seinem bereits 1926 erschienenen Ratgeber versucht der Autor, der auch als Reiseschriftsteller und Journalist arbeitete, seinen Lesern das Wandern abseits der Pfade schmackhaft zu machen. Das Buch ist einem humorvollen Ton geschrieben und jeder Aspekt wird in einzelnen Kapiteln abgehandelt. Es enthält viele Ausrüstungstipps, die selbstverständlich heutzutage völlig veraltet sind, aber sie haben doch einen gewissen Charme. Im Kapitel "Die Stiefel" zum Beispiel, singt Graham ein sehr lesenswertes Loblied auf den wohl wichtigsten Begleiter eines Wanderers. Die Aufmachung des Buches ist handlich und passt perfekt in einen Rucksack oder eine Jackentasche. Leider kommt es im weiteren Verlauf doch zu einigen Längen und erstaunlicherweise haben mich gerade die philosophischen Abschnitte am meisten gelangweilt.

    Alles in allem ist ein altmodisches, aber durchaus charmantes Buch, das aber auch Ratschläge enthält, die heute noch aktuell sein können.

  1. Wenn einer eine Reise tut

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 07. Apr 2020 

    …dann kann er was erzählen. Stephen Graham plädiert in seinem 1926 erstmals aufgelegten und nun neu herausgegebenen Büchlein „Die Kunst des stilvollen Wanderns – Ein philosophischer Wegweiser“ allerdings darauf, sich davor zu hüten „[…]nach Jerusalem zu reisen, nur um zurückzukehren und aller Welt berichten zu können, dass Sie dort waren. Das verdirbt Ihnen alles, was Sie unterwegs erleben.“ (S. 178)

    Es kommt lt. Graham auch nicht darauf an, eine besonders weite Strecke zu wandern oder besonders schnell zu sein. Nein, es geht um das titelgebende „stilvolle“ Wandern, denn: „Das Wandern ist eine bestimmte Art und Weise, sich der Natur, den Mitmenschen, einer Nation (auch einer fremden), der Schönheit, ja dem Leben selbst zu nähern.“ (S. 16)

    Graham gibt Tipps, die zum Teil veraltet und brüllend komisch sind (welcher Wanderer trägt heutzutage noch Schlips und Kragen mit sich herum, um sie bei dem Besuch der Post, einer Bank, einem Geistlichen oder der Polizei anzulegen? *g*), aber auch zeitlosere wie der perfekte Rucksack oder Ausrüstung wie die unentbehrliche Kaffeekanne, Becher und Besteck. Auch Lektüretipps gibt Graham der wanderfreudigen Gemeinde mit auf den Weg; ebenso sollte ausreichend Schreibmaterial zur Verfügung stehen, um die Eindrücke während des Wanderns „festzuhalten“.

    Das Ganze kommt in einer poetischen, mit philosophischen Einschüben versehenen Sprache daher, die sich trotz der knapp 100 Jahre seit Erstveröffentlichung gut und recht flüssig lesen lassen.

    „Die Kunst des stilvollen Wanderns“ lädt zum „entschleunigen“ und – äh, zum Wandern ein *g*.

    Nette Lektüre für Zwischendurch! 4*

    ©kingofmusic

  1. Das Wandern als philosophischer Weltzugang

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 30. Mär 2020 

    "Die Kunst des stilvollen Wanderns" von Stephen Graham, ein britischer Journalist und Globetrotter, erschien zuerst 1926. Das Werk erscheint zunächst als Ratgeber für Wanderlustige. So erklärt Graham beispielsweise, welche Stiefel und Rucksäcke für das Wandern geeignet sind, welche Marschlieder man singen sollte, ob man Bücher und Tabak mit sich führen sollte. Vieles von dem, was Graham ausführt, ist knapp 100 Jahre nach Erstveröffentlichung überholt - dennoch ist es aus einer historischen Perspektive interessant zu sehen, wie früher an das Wandern herangegangen worden ist. Vieles bringt die heutigen Leser*innen zum Schmunzeln. Dazu trägt auch der süffisante und humorvolle Schreibstil Grahams bei, der immer wieder Anekdoten und Zitate aus literarischen Klassikern anführt. "Die Kunst des stilvollen Wanderns" ist zudem viel mehr als ein einfacher, technischer Wanderratgeber: Graham versteht das Wandern als eine Art philosophischen Zugang zur Welt- und Selbstsicht (v.a. im Kapitel "Aufbruch" und "Die Kunst des Müßiggangs"). Wandern wird hier verstanden als eine Art der Entschleunigung, des Loslassens der alltäglichen Zwänge und des Erkennens des ästhetisch Schönem - diese Botschaft ist der Grund, warum "Die Kunst des stilvollen Wanderns" auch heute noch Relevanz und Aktualität besitzt.