Die Kollision

Buchseite und Rezensionen zu 'Die Kollision' von Pauliina Susi
3
3 von 5 (2 Bewertungen)

Leia Laine und ihre Schwester machen eine Woche lang Urlaub auf einem Luxuskreuzer. Doch Leia wird den Verdacht nicht los, dass auf dem Schiff irgendetwas nicht stimmt, und schon bald verwandelt sich die entspannte Kreuzfahrt in einen Albtraum. An Bord eines einfachen Fischerbootes sind die elfjährige Amira und ihre Eltern ebenfalls auf dem Weg über das Mittelmeer, in banger Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Das kleine Boot und das Kreuzfahrtschiff – sie steuern aufeinander zu, sie begegnen sich. Luxus und Elend kollidieren gnadenlos.

Format:Broschiert
Seiten:528
EAN:9783423262231

Rezensionen zu "Die Kollision"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 14. Jun 2019 

    Doch nur ein etwas plumper Thriller

    „Die Kollision“ von Pauliina Susi habe ich in einer Leserunde gelesen, da mich die Thematik -Kreuzfahrschiff und Flüchtlingsboot auf gleichem Meer – interessiert und angesprochen hat und da der Roman nicht nur als Thriller, sondern auch als Gesellschaftsroman angekündigt war. Ansonsten bin ich eher keine Thrillerleserin und war gespannt, ob es hier, in dieser Kombination klappen kann.
    Worum geht es?
    Auf einem Superluxus-Kreuzfahrtschiff sind unter Hunderten von Gästen auch Leia und Ripsa, zwei Schwestern aus Finnland, die nicht nur im Leben unterschiedlicher nicht sein können, sondern die auch für die gemeinsam angetretene Reise auf diesem Kreuzfahrtschiff durch das Mittelmeer absolut divergierende Motive und Gefühle aufbringen. Ripsa, gerade in einer Ehekrise, möchte sich einfach nur für einige Tage in das Luxusleben und die Leichtigkeit des Seins an Bord stürzen und hat ihre Schwester Leia, eine Sozialwissenschaftlerin mit sozialem Gewissen und sowohl privat als auch beruflich eher erfolglosem Lebens, überredet mitzukommen, obwohl diese nur mit einer ganzen Horde von Ressentiments und Ängsten beladen eine solche Reise antreten kann.
    Und so nehmen denn auch im ersten Teil des Buches die Diskussionen und inneren und äußeren Auseinandersetzungen rund um das Thema Reisen auf einem Kreuzfahrtschiff sowie Darstellungen über Ambiente und Publikum dieser Reise einen großen Raum ein. Daneben tauchen vermehrt Hinweise und Andeutungen dazu auf, dass irgendjemand etwas mit diesen beiden Frauen auf diesem Kreuzfahrtschiff plant. Marina und Timo, zwei Mitreisende, die ebenfalls aus Finnland stammen, werden als sehr undurchsichtige und geheimnisumwobene Personen, die unangemessen stark die Nähe von Leia und Ripsa suchen, immer verdächtiger. Aber was steckt dahinter?
    Etwa in der Mitte des Buches bricht Ripsa die Reise ab und fliegt heim zu ihrem vorgeblich nach Versöhnung suchenden Ehemann und lässt Leia auf dem Schiff allein bzw. in den Fängen von Marina und Timo.
    In einigen kurzen Zwischenkapiteln wird darüber hinaus die Situation einer syrischen Familie mit der Tochter Amira auf einem von kriminellen Schleppern gelenkten Flüchtlingsboots geschildert. Die Situation wird als absolut lebensbedrohlich und gewalttätig beschrieben.
    Im zweiten Teil des Romans tritt dann die Auseinandersetzung mit den zwei durchaus interessanten Situationen in den Hintergrund und der Thriller tritt in den Vordergrund. In ihm geht es darum, dass Kreuzfahrtschiff und Flüchtlingsboot mit einem ganz speziellen, terroristischen Zweck aufeinander zu gesteuert werden und wie Leia in diesen Plan mit einbezogen wird.
    Dieser zweite Teil hat mich eher gelangweilt, da ich generell für eine solchen Thrillerhandlung nur wenig Interesse aufbringen kann. Aber ich habe darüber hinaus die Befürchtung, dass auch echte Thrillerliebhaber eher enttäuscht sein dürften, denn die personellen Zusammenhänge (wer mit wem und warum) wirken hier doch eher konstruiert und sind mit ungenügender Glaubwürdigkeit der Handlung versehen.
    Und so ist mein Fazit: Guter Start und starkes Abflachen zum Ende hin. Irgendwie erscheint mir der Roman wie eine verpasste Chance.
    Für mich werden das deshalb nur dünne 3 Sterne.

  1. 3
    (3 von 5 *)
     - 14. Jun 2019 

    Wenn zwei Welten aufeinanderprallen.

    Sieben Tage will Leia Laine mit ihrer Schwester Ripsa auf einem unerhört luxuriösen Kreuzfahrtschiff auf dem Mittelmeer verbringen. Doch die Fahrt steht unter keinem guten Stern: Ein mulmiges Gefühl begleitet die Reisende, angestachelt durch viele kleine Ungereimtheiten und Zwistigkeiten.
    Zeitgleich ist die elfjährige Almira mit ihren Eltern auf einem kleinen Flüchtlingsboot in derselben Gegend unterwegs. Während auf dem Luxusdampfer das Leben gefeiert wird, spielt sich hier ein Kampf um Leben und Tod ab.
    Als die beiden Welten aufeinanderstoßen, droht Leias Leben zu zerbrechen.
    Der 544-seitige Thriller „Die Kollision“ von Pauliina Susi ist im Mai 2019 bei dtv Premium erschienen.
    Die Genrezuordnung „Thriller“ trifft meiner Meinung nach nur bedingt zu: Zwar durchzieht den Roman ein subtiler Spannungsbogen, der vor allem aus Leias Gefühl, verfolgt zu werden, und dem Konfliktpotenzial zwischen den Schwestern basiert, auch am Ende, als sich die Ereignisse auf dem Luxusschiff überschlagen, wird er noch einmal aufgenommen, aber insgesamt dominieren politische, sozial- und gesellschaftskritische Themen. Diese sind dann zweifellos prägnant und eindrucksvoll geschildert. Schonungslos beschreibt die Autorin die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen auf einem Kreuzfahrtschiff, und der immer wiederkehrende Perspektivwechsel zwischen Flüchtlingsboot und Kreuzfahrt lässt den Gegensatz zwischen unserem doch eher sorglosen Leben im friedlichen Europa und dem Kriegselend in anderen Teilen der Welt umso frappierender erscheinen. Aber auch der wiedererstarkende Rechtsradikalismus, die Rolle der Medien und unsere manchmal eher niveaulose Freizeitgestaltung werden kritisch hinterfragt – um hier nur einen Teil der Gesellschaftskritik zu nennen.
    Der Roman spielt auf mehreren Ebenen und ist entsprechend recht komplex: Neben den Ereignissen im Mittelmeer werden auch immer wieder kleinere Abschnitte eingestreut, welche die aktuellen Ereignisse in Finnland wiedergeben, in die auch Leias Tochter Viivi involviert ist. Auf der einen Seite sorgen diese für Spannung, da man als Leser*in immer wieder versucht, Zusammenhänge zu ergründen, auf der anderen Seite erschienen sie mir aber bis zum Ende stets etwas schwer verständlich. Hier wäre es wohl gut, Susis ersten Roman, „Das Fenster“, gelesen zu haben, da offenbar Bezug darauf genommen wird.
    Ist die Spannung im ersten Teil des Romans eher subtil, ist das Ende von mehr „Action“ geprägt. Normalerweise gefällt mir ein fulminantes Ende, doch hat es mich in diesem Fall irritiert, da es den guten Gesamteindruck des ersten Teils sowie seine kritischen Aspekte in den Hintergrund treten lässt und recht oberflächlich daherkommt.
    Die Charaktere sind nicht leicht zu durchschauen, zum großen Teil jedoch recht realitätsnah und vielschichtig gezeichnet. Insbesondere Leia ist widersprüchlich dargestellt. Auf der einen Seite durchschaut sie die Machenschaften der Gesellschaft, auf der anderen Seite kann sie dem Sog, der die „heile Welt“ auf uns ausübt, nicht widerstehen. Auch wenn die Figur selbst etwas naiv und unaufrichtig erscheint, konnte ich in ihr nicht nur mich, sondern auch unsere Gesellschaft wiederentdecken.
    Ansprechend fand ich beim Lesen Susis Sprache, die flüssig zu lesen ist. Hervorgehoben sei, dass es der Autorin gut gelingt, die unterschiedlichen Handlungsebenen auch sprachlich voneinander abzugrenzen, indem sie z.B. Viivi einen eher flapsigen Ton anschlagen lässt. Lediglich die doch sehr zahlreichen Interjektionen und Wortmalereien wie „ka-wumm“ etc. wirkten auf mich von Zeit zu Zeit störend und erinnern an Comics.
    Insgesamt handelt es sich bei „Die Kollision“ um ein lesenswertes Buch mit zahlreichen aktuellen Themen, das auch vor einer harschen Gesellschaftskritik nicht zurückschreckt. Aus dieser Warte ist es wirklich ein Gewinn, es zu lesen. Meine Ansprüche an die Thrillerliteratur konnte es indes nicht erfüllen.
    Sehr herzlich bedanke ich mich beim Verlag für die Zurverfügungstellung dieses Leseexemplars.